haben … und dann hast du die Geschichte neu geschrieben, die Welt selbst verandert, nur um mich zu retten. Und dein eigenes Leben dabei aufs Spiel gesetzt. Du konntest nicht sicher sein, dass die Rustung dich rechtzeitig bedecken wurde, um dich vor ihren Gewehren zu schutzen. Wieso hast du das getan, das riskiert, um mich zu retten?«

»Weil ich es musste«, sagte ich.

»Eddie …«, sagte sie.

»Molly …«, sagte ich.

»O Gott!«, sagte Molly. »Haben wir etwa einen romantischen Moment?«

Wie sahen einander an, und es ware schwer zu sagen gewesen, wen von uns dieser Gedanke mehr entsetzte.

Kapitel Achtzehn

Bin angeln, am goldenen Tumpel

»Ich habe einen Entschluss gefasst«, sagte ich zu Molly.

»Schon fur dich«, meinte Molly.

»Ich habe beschlossen, dass ich keine weiteren Treffen mit Vogelfreien mehr will«, erklarte ich. »Nicht wenn sie so sind wie die, die ich bereits kennengelernt habe. Ich meine, ein Irrer, ein Eingesperrter und ein moralischer Kruppel? Ist das die Art von Zukunft, auf die ich mich freuen darf, wenn ich durch irgendein Wunder die nachsten paar Tage uberlebe?«

»Wahrscheinlich«, sagte Molly. »Falls du aufgibst, so wie sie es getan haben. Sie furchteten sich alle davor, etwas von Bedeutung zu unternehmen. Wie sieht das bei dir aus?«

»Ich werde nach Hause gehen«, sagte ich. Und wie ich es sagte, war ich mir meiner Sache sicher. »Das ist alles, was mir noch ubrig bleibt. Ich werde zuruck ins Herrenhaus gehen, zuruck in die Bibliothek - und zuruck zu meiner hinterhaltigen Familie. Denn sie sind die Einzigen, bei denen ich sicher sein kann, dass sie die Antworten haben, die ich brauche.«

»Schon fur dich!«, sagte Molly noch einmal. »Ich komme mit!«

»Nein, das wirst du verdammt noch mal nicht!«, widersprach ich. »Es wird schon schwer genug werden, auch ohne dass ich standig auf dich aufpassen muss!«

»Auf mich braucht keiner aufzupassen!«, sagte Molly, wobei sich ihre Miene gefahrlich umwolkte.

»Allein bei dem Versuch, nur auf die Anlagen des Herrenhauses zu kommen, konntest du schon auf hundert verschiedene Arten ums Leben kommen«, redete ich ihr zu und gab mir alle Muhe, vernunftig zu klingen. »Meine Familie ist auf Arten geschutzt, an die manchmal sogar ich lieber nicht denken will.«

»Wenn du glaubst, ich wurde mir eine Gelegenheit entgehen lassen, es den Droods an dem Ort zu besorgen, wo sie leben, dann bist du schief gewickelt! Von einer Rache wie dieser habe ich getraumt - fur gewohnlich nach dem Verzehr von Kase. Ich komme mit, und du kannst mich nicht daran hindern!«

»Konntet ihr bitte den Gerauschpegel etwas senken?«, brummte Janitscharen-Jane. Sie setzte sich langsam auf, zusammenzuckend und stohnend, und sah durch getrubte Augen um sich. Ihr Blick wanderte uber die ohnmachtigen Soldaten des Manifesten Schicksals, die sich rings um sie stapelten. »Muss ja eine furchterliche Sause gewesen sein … Shaman? Bist du das? Wo zum Teufel bin ich? Und was hab ich gemacht …? Mein Kopf fuhlt sich an, als hatte ihn jemand als Mullkippe benutzt!«

»Du warst von Archie Leech besessen«, klarte ich sie auf und half ihr auf die Fu?e. »Ich habe seinen Geist aus deinem Korper vertrieben und ihn dann vernichtet. Er wird nicht zuruckkommen. Nie mehr.«

»Leech? Dieser Schei?kerl von einer Ratte? Er muss sich reingeschlichen haben, als meine Verteidigungen unten waren. Augenblick mal - du hast ihn vernichtet? Nichts fur ungut, Shaman - ich meine, gut gemacht und danke fur alles und all das -, aber ich habe dich nie wirklich in einer Liga mit Archie Leech gesehen!«

»Tja, nun, der springende Punkt ist, dass er gar nicht Shaman Bond ist«, sagte Molly. »Er hat uns alle jahrelang an der Nase herumgefuhrt mit seinem Zartbesaiteter-Reporter-Schei?.«

»Molly? Du bist auch hier?« Janitscharen-Jane kniff die Augen zu und schuttelte langsam den Kopf. Es schien nichts zu helfen. »Na schon, wenn er nicht Shaman Bond ist, wer zum Teufel ist er dann?«

»Das zu beantworten ist nicht so einfach«, sagte ich. »Ich bin ein Drood, Jane. Eddie Drood, Frontagent, zu deinen Diensten. Nur dass ich kein Agent fur die Familie mehr bin. Sie haben mich zum Vogelfreien gemacht, deshalb bin ich jetzt auf der Flucht vor jedem.«

»Da gehe ich fur einen lausigen Monat in die Hollendimensionen kampfen, und unterdessen hort die Welt auf, Sinn zu machen!« Janitscharen-Jane musterte mich misstrauisch. »Du bist ein Drood, Shaman? Du? Verdammt gute Verstellung … Eddie. Du heuchlerisches kleines Arschloch! Jetzt mal zum Mitschreiben; ich hab's noch nicht ganz geschnallt. Du bist ein Vogelfreier? Was hast du angestellt?«

»Das wei? ich nicht. Aber meine Familie will meinen Tod. Deshalb war auch Archie hinter mir her.« Ich hielt es fur das Beste, die Erklarungen fur den Moment moglichst einfach zu halten. Und ich glaubte auch nicht, dass ich ihr erzahlen sollte, dass Archie sie gezielt ausgewahlt hatte, nur um sich an mir zu rachen. Das konnte ich spater noch - aus sicherer Entfernung.

»Wenigstens hast du den Dreckskerl umgebracht«, brummte Janitscharen-Jane, wahrend sie die Hande geistesabwesend uber ihren Korper wandern lie?, als ob sie ihn auf Anzeichen fur Beeintrachtigungen jungeren Datums uberprufen wollte. »Ich wette, du hast dir nicht einmal die Zeit genommen, ihn vorher ordentlich zu foltern, stimmt's? Nein; dachte ich mir. So, Eddie; warum sind wir alle hier, wer sind all diese Dornroschen, und warum treibst du dich mit der beruchtigten Molly Metcalf herum?«

»Wenn ich auch nur noch eine Person dieses Wort gebrauchen hore …«, sagte Molly duster. »Da verstummelt man ein paar Rinder, entfuhrt ein paar Aliens, und schon hat man einen Ruf weg …«

»Lassen wir es bitte dabei bewenden!«, sagte ich rasch. »Jane, Molly und ich arbeiten fur den Augenblick zusammen. In Angelegenheiten von gegenseitigem Interesse.«

»Als da waren?«, fragte Janitscharen-Jane. »Was konntet ihr beide denn wohl gemeinsam haben?«

»Wir werden zum Zuhause seiner Familie zuruckkehren, um ein paar Namen in Erfahrung zu bringen und mit der Faust auf den Tisch zu schlagen«, erklarte Molly vergnugt. »Und moglicherweise den Platz bis auf die Grundmauern niederzubrennen, wenn wir schon dabei sind.«

»Geheimhaltung ist nicht dein Ding, was?«, meinte ich.

»Ihr wollt ins Herrenhaus einbrechen?«, fragte Janitscharen-Jane. »Na, besser ihr als ich! Ich bin schon so oft in die Holle und zuruck gereist, dass sie mir ein spezielles Visum ausgestellt haben, aber in die Nahe des Herrenhauses wurde ich trotzdem keinen Fu? setzen. Nicht mal mit einer taktischen Atomwaffe konntet ihr seine Verteidigungsanlagen knacken! Die Chinesen haben es vierundsechzig versucht.«

»Neunzehnhundertfunfundsechzig, um genau zu sein«, korrigierte ich sie.

»Halt die Klappe, Eddie; jetzt bin ich dran!«, fuhr mir Janitscharen-Jane uber den Mund. »Tatsache ist, dass das Herrenhaus ernst zu nehmende Verteidigungsanlagen besitzt. Hundert verschiedene Arten, einen Eindringling zu toten, und alle sind auf ziemlich spektakulare Weise gemein und bosartig.«

»In der Tat«, pflichtete ich ihr bei. »Stimmt haargenau.«

»Was ihr also braucht«, fuhr Janitscharen-Jane fort, »ist ein Dietrich.«

Molly und ich sahen einander an. »Was?«, fragte ich.

»Ihr braucht etwas, das euch durch die Verteidigungsanlagen des Herrenhauses bringt, ohne dass sie auf euch anspringen. Etwas, womit ihr euch durchschleichen konnt.«

»Also, jetzt komm mal wieder runter!«, sagte ich. »So etwas gibt es nicht. Die hervorstechende Eigenschaft der zahlreichen und unterschiedlichen Schutzvorrichtungen meiner Familie ist, dass sie keine Schwachpunkte haben, dass keine Moglichkeit existiert, sie zu uberlisten. Meine Familie beschaftigt sich seit Generationen mit dem Entwurf und der Verbesserung ihrer Verteidigungsanlagen, wobei sie es gern ubertreiben und ihr Interesse uberzogen bosartigen Details widmen. So muss es auch sein, denn sonst hatten uns unsere Feinde schon vor langer Zeit ausgerottet. Wir haben viele Feinde.«

Und dann brach ich in meiner Rede plotzlich ab, denn eine neue Welle des Schmerzes brandete durch meinen Korper. Sie fraste sich in meine Schulter, als ob ich gerade wieder angeschossen worden ware, ein Schmerz, der so schlimm war, dass ich wider Willen aufschrie, und dann schoss sie hinunter durch meine ganze

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