hatte neuen Alk und neue Drogen, und … er war schlie?lich ein Drood. Man legt sich nicht mit den Droods an. Dann horte ich, dass du von einem Elbenlord angegriffen worden warst, der von den Droods angeworben worden war und einen Pfeil aus fremder Materie benutzt hatte … und da wusste ich Bescheid. Ich fuhlte mich schlecht, Eddie; wirklich, richtig schlecht. Ich hatte immer gewusst, dass du ein Drood bist; man kann einen Torques nicht vor Elbenaugen verstecken. Und wir hatten einige gute Zeiten zusammen, im alten Wolfskopf … Du hast mir Drinks spendiert und meinem Gerede zugehort und mich nie ausgelacht. Nachdem ich also gehort hatte … was passiert war … wartete ich darauf, dass du nach mir suchen kommst. Und da bist du. Aber du bist nicht hier, um mich zu toten, nicht wahr? Du willst etwas!«

»Die fremde Materie ist immer noch in meinem Korper«, sagte ich. »Und sie bringt mich um. Kannst du mir ein Heilmittel beschaffen?«

»Nein«, erwiderte der Blaue Elf und sah mir fest in die Augen. »So funktioniert das nicht. Ich muss genau wissen, wonach ich suche, wenn ich angeln gehe, oder ich kann es nicht finden. Und ich wei? nicht annahernd genug uber fremde Materie, um irgendeine Vorstellung davon zu haben, was ihr Gegenstuck sein konnte. Es tut mir leid, Eddie, wirklich leid. Ich wusste nicht, was sie vorhatten!«

»Hatte es denn etwas geandert, wenn du es gewusst hattest?«, fragte ich.

»Vermutlich nicht«, raumte er ein. »Die Bezahlung war sehr gut.«

»Wie wurde dir eine Chance gefallen, dich freizukaufen?«, fragte Molly. »Wie wurde es dir gefallen, fur uns nach etwas fischen zu gehen?«

»Woran hattet ihr denn gedacht?«, erkundigte sich der Blaue Elf.

»Wir brauchen einen Dietrich, der uns an den Verteidigungsanlagen des Hauses vorbeibringt«, erklarte ich. »Gibt es einen solchen Gegenstand?«

Unvermittelt lachelte er. »Oh, ja! Den gibt es. … Ich warte schon seit Jahren darauf, dass jemand kommt und mich danach fragt. Es ist wirklich ganz einfach; recht elegant sogar. Aber bist du dir auch sicher, dass du das machen willst, Eddie? Wenn erst einmal die Nachricht die Runde macht, dass die Verteidigungsanlagen der Droods durchbrochen worden sind …«

»Soll sie ruhig!«, erwiderte ich. »Soll die ganze Familie zerschmettert werden und verbrennen, wenn es

das ist, was notig ist, um an die Wahrheit zu gelangen!«

* * *

Wir begaben uns ins angrenzende Zimmer. Der Blaue Elf wuhlte sich durch einen Haufen von Abfall und tauchte mit einer ganz gewohnlich aussehenden Angelrute samt Rolle wieder auf. Die Sorte, die Leute benutzen, wenn sie Angeln nicht als Wettkampfsport, sondern vielmehr zur Erholung betreiben. Dann forderte der Blaue Elf aus dem Nichts ein Messer zutage, zog den linken Armel seines Morgenmantels hoch und machte einen flachen Einschnitt direkt uber dem Handgelenk. Ich konnte eine ganze Reihe von Narben sehen, die bis zu seinem Ellbogen hochreichten, manche alt und manche nicht; er machte das hier offenbar nicht zum ersten Mal. Goldenes Blut quoll aus dem Schnitt, und er hielt den Arm uber die Stelle, die er auf dem Fu?boden vor sich freigeraumt hatte. Das Blut tropfte herunter und bildete eine goldene Lache. Als sie ungefahr zehn Zentimeter Durchmesser hatte, druckte der Blaue Elf seine Finger auf den Schnitt und murmelte etwas, und augenblicklich heilte die Wunde zu und hinterlie? blo? eine weitere Narbe auf seinem Arm.

Der Blaue Elf zog seinen Armel wieder herunter, ohne uns drei, die wir ihn beobachteten, anzusehen, und bellte ein halbes Dutzend Worte auf Altelbisch. Etwas davon bekam ich mit, aber sein Akzent war ungewohnt. Die Lache auf dem Boden erstrahlte plotzlich in einem goldenen Licht und breitete sich aus, bis sie fast einen Meter im Durchmesser ma?. Sie sah nicht mehr nach einer Pfutze aus Flussigkeit aus; in sie hineinzusehen war wie in einen tiefen Brunnen zu blicken, der immer tiefer wurde, je langer man hineinsah. Ich kam mir vor, als ob ich das Gleichgewicht verlore und zu fallen drohte. Ich griff im selben Moment haltsuchend nach Mollys Arm, als sie nach meinem griff. Ein wenig verschamt lachelten wir einander an. Janitscharen-Jane sah nicht in den Tumpel; sie hielt ihre ganze Aufmerksamkeit auf den Blauen Elfen gerichtet - und beide Faustdolche sto?bereit.

Der Blaue Elf nahm seine Angelrute, vergewisserte sich, dass der Haken fest sa? und die Leine reibungslos uber die Rolle lief, und lie? dann die Angelschnur in den leuchtenden goldenen Tumpel fallen. Der Haken verschwand, gefolgt von immer mehr Schnur, die der Blaue Elf abspulte.

»Wie weit nach unten geht es?«, wollte Molly wissen.

»Die ganze Strecke«, antwortete der Blaue Elf.

»Es gibt Fragen, da wei? man einfach schon im Voraus, dass man keine Antwort bekommen wird, die einem weiterhilft!«, philosophierte Molly.

»Elbenblut hat viele nutzliche Eigenschaften«, sagte der Blaue Elf gelassen, »selbst verdunntes, degeneriertes Blut wie meins. Alle Elben haben ein eingebautes Talent furs Reisen. Sie konnen seitlich von der Sonne gehen, sich Zutritt zu anderen Existenzebenen verschaffen, Dimensionen betreten, die ihr und sogar ich uns nicht einmal vorstellen konnten, geschweige denn darin funktionieren. Aber allein das Blut reicht, um Turen zu offnen und mir zu erlauben, angeln zu gehen. Manchmal nur so zum Spa?, aufs Geratewohl angeln nach allem, was zufallig da ist … manchmal auf Bestellung gegen Bezahlung. Wenn ich mich stark genug konzentriere, kann ich so ziemlich alles finden … und was du brauchst, Eddie, ist ein Confusulum.«

»Ein was?«, fragte ich.

»Ein Confusulum«, wiederholte der Blaue Elf geduldig. »Frag mich nicht, was das ist, denn ich habe keine Ahnung. Das ist ja der springende Punkt. Es verandert nicht tatsachlich etwas, bringt nur alle vollig durcheinander. Es funktioniert auf der Grundlage der Unscharferelation, jenes Ungewissheitsprinzips, das besagt, dass nichts zwangslaufig das oder dort ist, was oder wo es zu sein scheint. Ich hab das erste vor einem Jahr gefunden, ganz zufallig, und ich hab mir vor Angst fast in die Hosen gemacht. Jeder braucht ein paar Gewissheiten in seinem Leben. Ich hab's wieder reingeworfen, aber irgendetwas daran ist in meinem Verstand haften geblieben. Die Verteidigungsanlagen der Drood-Familie basieren auf Gewissheiten: Freund oder Feind, Zutrittserlaubnis oder nicht, die Art von Dingen. Aber das Confusulum wird all diese Gewissheiten aus der Gleichung nehmen. Die Verteidigungsanlagen des Herrenhauses werden so verwirrt sein, dass sie nicht mehr wissen werden, ob sie funktionieren oder nicht, ob du Zutrittserlaubnis hast oder nicht, ja nicht einmal ob du tatsachlich da bist oder nicht. Sie werden so verwirrt sein, dass du mittendurch spazieren kannst, wahrend sie sich immer noch abmuhen, zu einem Schluss zu kommen. Bis jemand im Herrenhaus bemerkt, dass ihre Verteidigungsanlagen gerade einen schwerwiegenden Nervenzusammenbruch gehabt haben, wirst du schon drin sein.

Fur das Confusulum gibt es keine hundertprozentige Garantie; seine Ungewissheit findet sogar auf seine eigene Natur Anwendung. Es lasst sich also nicht exakt sagen, wie seine Auswirkungen aussehen oder wie lange sie andauern werden. Aber weil ich der Einzige bin, der jemals einem Confusulum begegnet bin, kannst du sicher sein, dass deine Familie keine spezielle Verteidigung dagegen besitzt.«

Er angelte noch eine Weile auf gut Gluck, einfach um sich in Stimmung zu bringen, und Molly, Jane und ich sa?en mehr oder weniger geduldig um den goldenen Tumpel herum und sahen zu. Ich hatte Schwierigkeiten, mich an den Gedanken zu gewohnen, dass ich schon so bald heimgehen konnte und dass die beruchtigten Schutzvorrichtungen meiner Familie so einfach zur Seite geschoben werden konnten. Und alles wegen eines kleinen Mannes, der einen Groll hegte und nur darauf gewartet hatte, gefragt zu werden.

Das Erste, was er aus dem Tumpel herauszog, war ein Siebenmeilenstiefel mit einem Loch in der Seele, gefolgt von einer kleinen, schwarz lackierten Puzzleschachtel, einem ausgestopften Mumintroll und der Statue eines schwarzen Vogels. Der Blaue Elf warf alles zuruck, und dann stierte er mit einem Ausdruck grimmiger Konzentration in den Tumpel. Seine Augen quollen hervor; in einem starren Blecken zogen sich seine Lippen von seinen zusammengebissenen Zahnen zuruck. Schwei?perlen traten ihm uberall auf das vor Anstrengung verzerrte Gesicht. Plotzlich gab es einen Ruck an der Angelschnur, der kleine, langsame Wellen uber die Oberflache des leuchtenden Tumpels sandte. Der Blaue Elf stie? einen tiefen Atemzug aus und begann, die Schnur langsam einzuholen. Er lie? sich Zeit, lie? einen leichten, aber konstanten Druck auf der Schnur, und starrte so gespannt auf die Oberflache, dass er nicht einmal mehr atmete. Und schlie?lich zog er etwas aus dem goldenen Tumpel heraus.

Ich konnte Ihnen nicht genau sagen, was es war. Es hing am Haken, krummte und wand sich wie ein lebendiges Wesen, auch wenn ich auf einer tiefen, instinktiven Ebene wusste, dass es nicht lebte und auch nie leben konnte. Von einem Moment auf den anderen veranderte es Gro?e und Farbe, Form und Textur, wahrend seine Dimensionen rein und raus und hin und her schnellten. Es sah aus wie all das, was man aus den Augenwinkeln heraus sieht, wenn man gerade erst aufgewacht und noch halb am Schlafen ist.

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