widerwartige Fratze geschlagen. Aber ich beherrschte mich, erhohte den Einsatz auf zwei Pfund und dachte im gleichen Augenblick „96' - eine wahrhaft morderische Zahl. „Komm heraus, du Stinktier!' zischte ich in Josseles Gesicht. Jossele beugte sich uber den Tisch und zischte zuruck: „1683!' Eine haltlose Schwache durchzitterte mich. „1800', flusterte ich kaum horbar.

„Gedoppelt!' rief Jossele und lie? die vier Pfund in seiner lasche verschwinden.

„Wieso gedoppelt? Was soll das hei?en?!' „Nur ruhig. Wenn du beim Poker die Selbstbeherrschung verlierst, verlierst du Hemd und Hosen', sagte Jossele lehrhaft. „Jedes Kind kann dir erklaren, da? meine Ziffer als gedoppelte hoher ist als deine. Und deshalb... ' „Genug!' schnarrte ich und schleuderte eine Funfpfundnote auf den Tisch. „2000!' „2417!'

„Gedoppelt!' Mit hohnischem Grinsen griff ich nach dem Einsatz, aber Jossele fiel mir in den Arm. „Zuruckgedoppelt!' sagte er mit unverschamtem Nachdruck, und die zehn Pfund gehorten ihm. Vor meinen Augen flatterten blutigrote Schleier. „So einer bist du also', brachte ich muhsam hervor. „Mit solchen Mitteln versuchst du mir beizukommen! Als hatte ich's beim letztenmal nicht ganz genauso machen konnen. ' „Naturlich hattest du's ganz genauso machen konnen', bestatigte mir Jossele. „Es hat mich sogar uberrascht, da? du es nicht gemacht hast. Aber so geht's im Poker, alter Freund. Entweder kannst du es spielen, oder du kannst es nicht spielen. Und wenn du es nicht spielen kannst, dann la? die Finger davon. ' Der Einsatz betrug jetzt zehn Pfund. „Deine Ansage, bitte!' knirschte ich. Jossele lehnte sich zuruck und gab mit herausfordernder Ruhe seine Zahl bekannt: 4 „100000!' trompetete ich.

Ohne das geringste Zeichen von Erregung kam Josseles Stimme: „Ultimo!' Und er nahm die zwanzig Pfund an sich. Schluchzend brach ich zusammen. Jossele strich mir trostend uber den Scheitel und belehrte mich, da? nach irgendeiner Regel der, der als erster „Ultimo' ansagt, auf jeden Fall und ohne Rucksicht auf die Zahl gewinnt. Das sei ja gerade der Spa? am Poker, da? man innerhalb weniger Sekunden... „Zwanzig Pfund!' Aufwimmernd legte ich mein letztes Geld in die Hande des Schicksals. Josseles zwanzig Pfund lagen daneben. Auf meiner Stirn standen kalte Schwei?perlen. Ich fa?te Jossele scharf ins Auge. Er gab sich den Anschein volliger Gelassenheit, aber man konnte doch sehen, wie seine Lippen ein wenig zitterten, als er mich schlie?lich fragte: „Wer sagt an?'

,, Du', antwortete ich lauernd. Und er ging mir in die Falle wie ein Gimpel.

„Ultimo', sagte er und streckte die Hand nach dem Goldschatz aus.

Jetzt war es an mir, seinen Griff aufzuhalten. „Einen Augenblick', sagte ich eisig. „Ben Gurion!' Und schon hatte ich die vierzig Pfund bei mir geborgen. „Ben Gurion ist noch starker als Ultimo', erlauterte ich. „Aber es wird spat Wir sollten Schlu? machen, alter Freund. ' Schweigend erhoben wir uns. Ehe wir gingen, unternahm Jossele einen klaglichen Versuch, sein Geld zuruckzubekommen. Er behauptete, das mit Ben Gurion sei eine Erfindung von mir. Ich widersprach ihm nicht. Aber, so sagte ich, darin besteht ja gerade der Reiz des Pokerspiels, da? man gewonnenes Geld niemals zuruckgibt.

Renana und die Puppen

Das Ungluck begann, als im Kindergarten ein Knabe namens

Doron verkundete:

„Ich hab' Theater geseh'n.'

Das genugte Renana. Sie kam sofort zu ihrem Papi gelaufen und rief:

„Ich will auch Theater haben!'

„Du bist noch zu klein, um ins Theater zu gehen', antwortete ich. „Das kommt nicht in Frage, verstanden? Und damit Schlu?.' Am nachsten Abend besuchten wir eine Vorstellung des Teatro dei Piccoli, ein beruhmtes Marionettentheater aus Italien, das gerade in Israel spielte.

Schon unterwegs konnte ich feststellen, da? Renana eine sehr heftige Beziehung zum Theater besa?, eine Art Naturbegabung, die sie zur Buhne hinzog. Sie sagte es selbst: „Wenn ich gro? bin, will ich Theater spielen.' „Und was willst du spielen?'

„Schnurspringen'

Vielleicht lag es daran, da? sie noch nie im Theater war und deshalb ein wenig erschrak, als es im Zuschauerraum dunkel wurde. „Papi', flusterte sie angstlich, „warum wird's finster?' „Im Theater wird's immer finster. ' „Warum?'

„Weil jetzt die Vorstellung beginnt. ' „Aber warum im Finstern?' Wie sollte ich es ihr blo? erklaren? „Renana', sagte ich streng, „sei still, oder wir gehen. ' Zum Gluck hob sich der Vorhang, und die Buhne war alsbald von einer Menge kunstvoll bewegter Marionetten bevolkert. Renana betrachtete sie mit aufgerissenen Augen. „Papi, warum tanzen die dummen Puppen?' „Sie freuen sich, da? Renana ihnen zuschaut' „Dann sollen sie's sagen, aber nicht tanzen. Genug getanzt, dumme Puppen!' rief sie zur Buhne hinauf. „Aufhoren!' „Pst! Schrei nicht!' „Aber warum tanzen sie?' „Es ist ihr Beruf. Papi schreibt, Renana ruiniert Mobel, und Puppen tanzen'

Auf diese Auskunft hin begann Renana das Lied von den drei kleinen wei?en Mausen zu singen, und zwar ziemlich laut. Unter unseren Sitznachbarn machte sich Arger bemerkbar. Einige machten unverschamte Bemerkungen uber idiotische Eltern, die ihre dummen Kinder ins Theater mitnehmen. Da Renana auf diese Feindseligkeiten mit Tranen zu reagieren drohte, versuchte ich sie schnell abzulenken: „Siehst du, wie hoch die Puppe dort springt?' „Keine Puppe', widersprach Renana. „Schauspielmann. ' „Das ist kein Schauspieler, Liebling. Das ist eine Marionette. Eine Puppe aus Holz und an Faden. ' „Mann', beharrte Renana. „Aber du siehst doch, da? sie aus Holz geschnitzt ist. ' „Holz? Wie ein Baum?' „Nein. Wie ein Tisch. ' „Und die Faden? Warum Faden?' „Alle diese Puppen werden an Faden gezogen. ' „Nicht Puppen. Schauspielmanner. '

Da sich Renana von mir allein nicht uberzeugen lie?, rief ich den Platzanweiser zu Hilfe:

„Sagen Sie bitte, lieber Herr Oberplatzanweiser - sind das dort oben Schauspieler oder nur Puppen?' „Selbstverstandlich Schauspieler', antwortete der Schwachkopf und zwinkerte mir zu. „Echte, lebendige Schauspieler. ' „Siehst du', sagte Renana. Sie hat ohnehin keine sehr hohe Meinung von mir. Und jetzt wollte ich ihr gar noch einreden, da? Puppen tanzen und singen konnen... „Warum hab' ich keine Faden?' begehrte sie zu wissen. „Weil du keine Puppe bist. '

„Doch, ich bin eine. Mami hat schon oft Puppe zu mir gesagt. ' Und sie begann zu weinen.

„Du bist eine Puppe, du bist eine kleine, su?e Puppe', beruhigte ich sie. Aber ihre Tranen versiegten erst, als auf der Buhne eine gro?ere Anzahl von Tieren erschien.

„Wauwau', machte Renana. „Miau! Kikeriki! Was ist das dort, Papi?'

Sie deutete auf ein holzernes Unding, das wie eine Mischung aus Eichhornchen und Kalb aussah. „Ein schones Tier, nicht wahr, Renana?' „Ja. Aber was fur eines?' „Ein Gnu', sagte ich verzweifelt „Warum?' fragte Renana.

Ich verlie? das Theater abgemagert und um mindestens ein Jahr gealtert. Renana hingegen hatte nichts von ihrer Munterkeit eingebu?t.

„Mein Papi sagt', erklarte sie der mit uns hinausstromenden Menge, „da? die Schauspielmanner mit Faden angebunden sind, damit sie nicht davonlaufen konnen. ' Die Menge ma? mich mit verachtlichen Blicken, die ungefahr besagten: Es ist doch unglaublich, welchen Blodsinn manche Vater ihren Kindern erzahlen. Und die Polizei steht daneben und tut nichts.

Amir gewinnt

Von einer Auslandsreise brachte ich meinem Sohn Amir ein Tischfu?ballfeld mit. Der Fu?balltisch besteht aus einem hellgrun angestrichenen Spielfeld mit einem Tor an jedem Ende und einer Anzahl von Querstangen, an denen auf beiden Seiten gleichviel grune und orangefarben bemalte Spielerfiguren befestigt sind. An beiden Enden jeder Querstange befindet sich ein Griff, durch dessen Drehung die Spielerfiguren so bewegt werden konnen, da? sie einen kleinen holzernen Ball auf das gegnerische Tor zutreiben und womoglich ins

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