besser uber die Umstande Bescheid gewu?t hatte.
Und nun wollte ihn das einzige Wesen, das ihm dabei hatte helfen konnen, die hiesigen Probleme zu verstehen, namlich Khone, nicht wiedersehen, es sei denn, um ihm gegenuber womoglich gewalttatig zu werden.
Moglicherweise konnte er es noch einmal mit einem anderen Gogleskaner in einer anderen Gegend versuchen, vorausgesetzt, Wainright war damit einverstanden, da? er sich fur langere Zeit das einzige Flugzeug des Stutzpunktes auslieh — au?erdem durften die FOKTs in dem Fall uber kein Langstreckenkommunikationsmittel verfugen. Wahrscheinlich hatte man auf den Funkfrequenzen der Basisstation keine Nachricht mitgehort und auch keine Spur von Ton- oder Bildubertragungssystemen entdeckt, genausowenig wie Hinweise auf intelligente oder nichtintelligente Wesen, die Mitteilungen zu Land oder durch die Luft beforderten.
Als Conway gerade daruber nachdachte, ob eine Spezies, die unmittelbaren korperlichen Kontakt derart blindwutig vermied, uberhaupt daran interessiert war, uber weite Entfernungen in Verbindung zu bleiben, piepste plotzlich der Kommunikator.
„Ihren Raumsensoren zufolge sind Sie bereits wieder auf den Beinen und laufen in Ihrem Zimmer herum“, meldete sich Wainrights lachende Stimme. „Sind Sie auch geistig einigerma?en wach, Doktor?“
Conway war uberhaupt nicht zum Lachen zumute, egal uber was, und er hoffte nur, der wohlmeinende Lieutenant war nicht darauf aus, ihn aufzuheitern. „Ja“, antwortete er gereizt.
„Khone ist drau?en“, flusterte Wainright, als hatte er Schwierigkeiten, seinen eigenen Worten zu glauben. „Sie behauptet, sie sei verpflichtet, unseren gestrigen Besuch zu erwidern und sich fur alle physischen und psychischen Unannehmlichkeiten zu entschuldigen, die uns der Vorfall bereitet haben konnte. Doktor, sie mochte sich insbesondere mit Ihnen unterhalten.“
Extraterrestrier stecken doch immer wieder voller Uberraschungen, dachte Conway nicht zum erstenmal in seinem Leben. Und dieser hier hatte womoglich auch ein paar Antworten parat. Er verlie? das Zimmer in einem Tempo, das nur wenig an die wurdevolle Gangart eines Chefarztes erinnerte, sondern vielmehr an eine ausgehungerte Katze auf der Jagd nach einer Maus.
7. Kapitel
Trotz des furchtbar langsamen und unpersonlichen Sprachstils und der langen Pausen zwischen den Satzen war es offensichtlich, da? sich Khone unterhalten wollte. Was noch wichtiger war, sie beabsichtigte, Fragen zu stellen. Doch fiel es ihr au?erordentlich schwer, diese Fragen in Worte zu kleiden, da sie offenbar zu einer Sorte gehorten, die ihre Spezies noch nie vorgebracht hatte.
Conway kannte viele Mitgliedspezies der galaktischen Foderation, deren Standpunkte und Verhaltensmuster au?erst fremd und fur einen Terrestrier sogar haufig absto?end waren, und das selbst fur einen terrestrischen Arzt mit reicher extraterrestrischer Erfahrung wie ihm selbst. Deshalb konnte er sich umgekehrt gut vorstellen, welche enorme Muhe sich Khone nun geben mu?te, um diesen schrecklichen Au?erplanetarier zu verstehen, der sich — neben seinen weiteren merkwurdigen Angewohnheiten — gar nichts dabei dachte, ein Lebewesen aus anderen Grunden als zur Paarung oder Kinderpflege zu beruhren. Fur ein solches Wesen, das einen derartigen Kampf mit sich selbst austragen mu?te, brachte er viel Mitgefuhl und auch eine Menge Geduld auf.
In einer der scheinbar endlosen Pausen versuchte er, das Gesprach voranzutreiben, indem er die Schuld fur das, was geschehen war, auf sich nahm. Khone tat die Entschuldigung allerdings mit der Bemerkung ab, da? es, wenn die Au?erplanetarier die Katastrophe nicht heraufbeschworen hatten, durch irgendeine ungluckliche Verkettung gogleskanischer Ereignisse sowieso dazu gekommen ware. Dann berichtete sie ausfuhrlich von dem angerichteten Schaden. Der werde zwar mit der Zeit behoben, und auch das zerstorte Schiff werde man neu bauen, doch ware sie nicht einmal uberrascht, wenn noch vor Beendigung der Arbeiten wieder ein ahnliches Ungluck uber die Gogleskaner hereinbrechen wurde.
Wie sie weiterhin ausfuhrte, verloren sie mit jedem Gruppenzusammenschlu? ein wenig mehr an Boden, bliebe ihnen immer weniger von ihrer Technologie ubrig — so primitiv diese nach den Ma?staben von Au?erplanetariern auch sein mochte —, so da? selbst die geringen Fortschritte, die sie hatten erzielen konnen, langsam, aber sicher zunichte gemacht wurden. Nach den Geschichten, die von Generation zu Generation weitergegeben worden seien, und nach den Fragmenten der Geschichtsschreibung zu urteilen, die die regelma?igen Selbstzerstorungsorgien uberlebt hatten, sei dies schon immer so gewesen, schlo? Khone ihre Ausfuhrungen.
„Falls in irgendeiner Weise geholfen werden kann, sei es nun durch Informationen, Ratschlage oder durch medizinische Mittel oder Gerate, ist nichts weiter als eine einfache Bitte notig, um all das zur Verfugung zu stellen“, schlug Conway im unpersonlichen Sprachstil der Gogleskaner vor.
„Der Wunsch lautet, da? unsere Spezies von dieser Last befreit wird“, entgegnete Khone nachdenklich. „Die erste Bitte erstreckt sich auf Informationen.“
Da Khone die gestrigen Vorfalle so gnadig verziehen hatte, storte es sie wahrscheinlich nicht allzusehr, wenn Conway die lastigen sprachlichen Feinheiten weglie?, die immerhin einen Teil der Barriere zwischen ihnen ausmachten. „Sie konnen mir jede Frage zu jedem Thema stellen, ohne dabei befurchten zu mussen, mich zu kranken“, sagte er.
Zwar zuckten Khones Haare, als sie so direkt angesprochen wurde, trotzdem antwortete sie prompt. „Es werden Informationen uber andere au?erplanetarische Spezies aus Ihrem Erfahrungsschatz erbeten, die ahnliche Probleme haben, wie sie auf Goglesk bestehen. Besonderes Interesse besteht dabei naturlich an denjenigen Spezies, die diese Probleme bereits gelost haben.“
Auch die Arztin war in ihrer Formulierung ein bi?chen weniger unpersonlich geworden. Conway staunte uber die Muhe, die es die Gogleskanerin gekostet haben mu?te, ihre lebenslange geistig-seelische Ausrichtung zu durchbrechen oder zumindest an dieser ein wenig zu kratzen. Das Problem war nur, da? er die verlangten Informationen nicht besa?.
Um sich Zeit zum Nachdenken zu verschaffen, beantwortete er die Frage nicht direkt, sondern beschrieb einige der ausgefalleneren Lebensformen, aus denen sich die Foderation zusammensetzte — allerdings nicht so, wie er sie ihr noch vor kurzem beschrieben hatte. Jetzt stutzte er sich auf seine im Hospital gemachten Erfahrungen und schilderte die Aliens als Patienten, die sich bei einer unglaublichen Vielfalt an Krankheiten im Orbit Hospital operieren oder behandeln lassen mu?ten. Er versuchte, Khone Hoffnung zu machen, wu?te aber, da? er in Wirklichkeit nichts anderes tat, als Zeit zu schinden, indem er einem Wesen — das zwar eine Art Arzt war, das aber nicht einmal seine Patienten beruhren konnte — Krankheitsbilder und klinische Prozeduren beschrieb. Da er nie viel davon gehalten hatte, seinen Patienten falsche Auskunfte zu erteilen, wollte er auch bei einer Arztkollegin nicht damit anfangen.
„Jedenfalls wei? ich ganz genau, da? das Problem, von dem Ihre Spezies betroffen ist, einzigartig ist“, fuhr er fort. „Wenn ein ahnlicher Fall entdeckt worden ware, hatte man ihn in der wissenschaftlichen Literatur grundlich untersucht und diskutiert, und in einem Hospital mit vielen verschiedenen Spezies ware er zur Pflichtlekture fur das Personal geworden.
Es tut mir leid“, entschuldigte er sich, „aber der einzige hilfreiche Vorschlag, den ich machen kann, besteht darin, da? ich die Lage auf Goglesk so genau wie moglich untersuche, und zwar unter Mitwirkung eines Wesens, das sowohl Patient als auch Arzt ist, also mit Ihnen.“
Wahrend er auf Khones Stellungnahme wartete, horte Conway hinter sich Wainright herankommen, der sich aber nicht in das Gesprach einmischte.
„Die Zusammenarbeit ist moglich und erwunscht, darf aber nicht mit engem Korperkontakt vonstatten gehen“, antwortete die Gogleskanerin schlie?lich.
Conway stie? einen erleichterten Seufzer aus. „Im Gebaude hinter mir befindet sich ein Raum zur Haltung und Beobachtung der einheimischen Tierwelt unter geringstmoglicher Einschrankung der korperlichen Bewegungsfreiheit. Zum Schutz der Beobachter ist der Raum durch eine unsichtbare, aber au?erst widerstandsfahige Wand getrennt. Ware es unter diesen Bedingungen moglich, sich in Ihre unmittelbare Nahe zu begeben, um Ihren Korper zu untersuchen?“
„Sofern die Widerstandsfahigkeit der Wand nachgewiesen wird, ist diese unmittelbare Nahe moglich“, antwortete die Gogleskanerin vorsichtig.
