E?tische, Banke und Stuhle, die nach Gro?e und Form zusammengestellt waren, um der unglaublichen Vielfalt von Benutzern Platz zu bieten. Der erste Eindruck war viel, viel schlimmer als ihre Erlebnisse auf den Korridoren, wo sie immer nur zwei oder drei Aliens auf einmal begegnet war. Hier hielten sich Hunderte von ihnen auf und sa?en entweder nach Spezies getrennt oder mit mehreren verschiedenen Lebensformen zusammen am selben Tisch.

Es befanden sich dort Wesen, die einem schon aufgrund ihrer auffallenden Korperstarke und der Reichweite ihrer naturlichen Waffen Angst einjagten. Es gab andere, die durch ihre Farbe, den Glanz des Schleimuberzugs oder ekelerregende Wucherungen auf der Haut her grauenhaft, schrecklich und widerlich wirkten, und viele, die die Wahnvorstellungen sommaradvanischer Alptraume furchtbare Realitat werden lie?en. An einigen der Tische sa?en oder hockten Aliens, deren Korper und Gliedma?en so unglaublich grotesk gebaut waren, da? Cha Thrat kaum ihren Augen trauen mochte.

„Hier entlang“, bat Danalta, der gewartet hatte, bis Cha Thrats Glieder nicht mehr zitterten. Er fuhrte sie zu dem von Braithwaite bereits besetzten Tisch, wo sie feststellte, da? das Mobiliar weder fur die Physiologie der Terrestrier geeignet war, noch zu den drei krebsahnlichen Aliens mit Ektoskelett pa?te, die gerade aufgestanden waren.

Sie fragte sich, ob sie jemals in der Lage sein wurde, sich den Gebrauchen dieser hoffnungslos chaotisch und schlampig wirkenden Wesen anzupassen. Auf Sommaradva wu?te wenigstens jeder, wo sein Platz war.

„Der Automat fur die Bestellung und anschlie?ende Auslieferung des Essens funktioniert hier praktisch genauso wie auf dem Schiff“, erklarte Braithwaite, als sich Cha Thrat vorsichtig in den furchtbar ungemutlichen Stuhl sinken lie? und durch ihr Korpergewicht das Display mit der Speisekarte einschaltete. „Sie geben einfach Ihre physiologische Klassifikation ein, und dann werden die vorhandenen Gerichte aufgelistet. Bis der Versorgungscomputer fur Speisen und Getranke mit den Einzelheiten der von Ihnen bevorzugten Zusammenstellungen, der Beschaffenheit und der Anordnung der Speisen auf dem Teller programmiert worden ist, wird Ihnen das Gericht wahrscheinlich vorerst nur in unansehnlichen, aber nahrhaften Klumpen serviert werden konnen. Sie werden sich bald an dieses System gewohnen, aber in der Zwischenzeit bestelle ich lieber fur Sie.“

„Danke“, murmelte Cha Thrat. Der gro?te Klumpen auf dem Teller, der jetzt ankam, sah wie ein Block Tasam aus. Aber er roch wie gebratenes Cretsi, hatte die Konsistenz von gebratenem Cretsi und, so fand Cha Thrat heraus, nachdem sie eine kleine Ecke davon probiert hatte, er schmeckte auch wie gebratenes Cretsi. Jetzt erst merkte sie, da? sie wirklich Hunger hatte.

„Manchmal kann es vorkommen, da? Sie sich vom blo?en Anblick der anderen Gerichte oder der Tischgenossen derart belastigt fuhlen, da? Ihnen dabei der Appetit vergeht“, fuhr Braithwaite fort. „Sie sollten deshalb lieber ein Auge auf Ihrem Teller behalten und die ubrigen schlie?en; wir fuhlen uns dadurch keineswegs beleidigt.“

Cha Thrat folgte dem Vorschlag, lie? aber ein Auge leicht geoffnet, damit sie Braithwaite sehen konnte, der sie immer noch aufmerksam musterte, obwohl er aus irgendeinem merkwurdigen terrestrischen Grund vorgab, das nicht zu tun. Wahrend des Essens kehrten ihre Gedanken zu dem Zwischenfall mit dem Herrscher des Schiffs auf Sommaradva sowie zu der Raumreise hierher und ihrem Empfang im Hospital zuruck, und sie mu?te feststellen, da? sie allmahlich mi?trauisch wurde und sogar leicht verargert war.

„Um noch einmal auf Ehre starkeren Empfindungen zuruckzukommen“, meldete sich Danalta erneut zu Wort, der offenbar vorhatte, seinen am Kantineneingang unterbrochenen Vortrag fortzusetzen, „haben Sie eigentlich irgendwelche starken Vorbehalte dagegen, personliche oder berufliche Fragen in Gegenwart von Fremden zu besprechen?“

Chiang, der Herrscher des Schiffs, hielt mit einem Stuck Nahrung, das wie ein Teil von einem einst lebendigen Wesen aussah, auf halbem Weg zu seiner E?ofmung inne und sagte: „Den Bewohnern von Sommaradva ist es lieber, wenn man ihnen frei heraus sagt, was man uber sie denkt. Andererseits halten sie die Anwesenheit aufgeschlossener Beobachter bei einer Besprechung ihrer Angelegenheiten haufig fur nutzlich.“

Wie Cha Thrat feststellte, konzentrierte sich Braithwaite fast ausschlie?lich auf sein ekelerregendes Essen. Deshalb richtete sie so viele Augen auf den Gestaltwandler, wie es ihr Anstand gerade noch zulie?, und ubersah die zahlreichen Dinge im Hintergrund, die sie nicht sehen wollte.

„Na gut“, fuhr Danalta fort und blickte sie mit seinen nachgeahmten, aber dennoch fremden Augen an. „Ihnen mu?te bereits klargeworden sein, Cha Thrat, da? Sie sich in einer anderen Lage befinden als die ubrigen Mitarbeiter, die im Hospital auf Probe beschaftigt werden. Die Stellen im Orbit Hospital sind sehr begehrt, und die Bewerber mussen auf ihren Heimatplaneten au?erst schwierige Eignungstests und grundliche psychologische Untersuchungen bestehen. Auf diese Weise soll sichergestellt werden, da? sie eine wirkliche Chance haben, sich auf die Umgebung in einem Hospital einzustellen, das fur viele verschiedene Spezies eingerichtet worden ist, weil ihnen unsere hiesige Ausbildung ansonsten uberhaupt nichts nutzt.

Sie sind nicht auf diese Weise uberpruft worden“, fuhr Cha Thrats fremdes Spiegelbild fort. „Bei Ihnen hat es weder Eignungstests gegeben noch psychologische Personlichkeitsdiagramme von der Geburt bis zum Erwachsenenalter oder eine objektive Beurteilung Ihres Werts als Heilerin. Wir wissen nur, da? Sie sich auf erstklassige Empfehlungen der Monitorkorpsdivision fur Kommunikation und Kulturkontakte berufen konnen und wahrscheinlich auch auf die Fursprache Ihrer Fachkollegen auf Sommaradva, einem Planeten, uber den uns ebensowenig bekannt ist wie uber seine Bevolkerung.

Sind Sie sich unserer Schwierigkeit bewu?t, Cha Thrat? Ein Mitarbeiter, der mit Ausnahme seiner eigenen Spezies vollig unvorbereitet ist und keinerlei Vorkenntnisse besitzt, konnte sich selbst wie auch dem Krankenhauspersonal und den Patienten unerme?lichen Schaden zufugen. Wir mussen ganz genau wissen, was wir mit Ihnen bekommen haben, und das umgehend.“

Die anderen hatten ihre Mahlzeit unterbrochen, und Cha Thrat folgte ihrem Beispiel, obwohl sie noch immer einen Mund zum Sprechen frei hatte. „Als Fremde, die mit der Erwartung hierhergekommen ist, eine Stelle anzutreten, habe ich Ihr Verhalten mir gegenuber zunachst fur wenig feinfuhlig gehalten, aber dann bin ich zu der Uberzeugung gekommen, da? daran die fremden Verhaltensmuster schuld sind, mit denen ich nur sehr wenig Erfahrung habe. Schlie?lich kam mir der Verdacht, da? Ihr schroffes und unsensibles Verhalten Absicht ist und ich auf irgendeine Weise auf die Probe gestellt werden soll. Diesen Verdacht haben Sie eben bestatigt, aber ich argere mich sehr daruber, da? ich uber den Test nicht informiert worden bin. Meiner Meinung nach konnen verdeckte Tests durchaus ein Indiz fur die mangelnde Befahigung des Testleiters sein.“

Eine Weile herrschte absolute Stille am Tisch. Cha Thrat blickte Danalta an und wandte die Augen wieder ab. Die Korperhaltung und der Gesichtsausdruck des Gestaltwandlers waren wie ein Spiegelbild von ihr und verrieten ihr somit nichts. Deshalb richtete sie ihre Aufmerksamkeit auf Braithwaite, der sich die ganze Zeit auf so verstohlene Weise fur sie interessiert hatte, und wartete auf eine Reaktion von ihm.

Einen Moment lang blickten die beiden tiefliegenden Sehorgane des Terrestriers ruhig in ihre vier Augen, und allmahlich war sich Cha Thrat fast sicher, da? es sich bei ihm nicht um einen Krieger, sondern um einen Herrscher handeln mu?te.

„Manchmal wird ein verdeckter Test nur deshalb durchgefuhrt, um dem Kandidaten, wenn er durchgefallen ist, diese unerfreuliche Mitteilung zu ersparen“, sagte er. „Wenn man so tut, als habe gar kein Test stattgefunden, kann man dem Kandidaten irgendeine andere Begrundung dafur geben, da? man seine Anstellung ablehnt, eine, die keine mangelnde Berufsbefahigung oder psychologische oder seelische Defekte zu verstehen gibt und die von ihm akzeptiert wird. Es tut mir leid, da? der geheime Charakter des Tests Sie verargert hat. Aber unter den gegebenen Umstanden waren wir zu dem Schlu? gekommen, es ware besser, Ihnen.“

Er brach den Satz ab, bellte leise, als ob die Situation irgend etwas Erheiterndes an sich hatte, und fuhr dann fort: „Wir Terrestrier haben eine Redewendung, die Ihre Lage sehr treffend beschreibt: Wir haben Sie sozusagen ins kalte Wasser gesto?en.“

„Und was haben Sie durch den verdeckten Test herausgefunden?“ wollte Cha Thrat wissen, wobei sie sich absichtlich die einem Herrscher gebuhrende Hoflichkeitsgeste sparte.

„Wir haben herausgefunden, da? Sie auch im kalten Wasser eine ausgezeichnete Schwimmerin sind“, antwortete Braithwaite geheimnisvoll, und diesmal bellte er nicht.

2. Kapitel

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