Ende die FOKTs davon, doch dafur hatten sie einen furchtbaren Preis zahlen mussen.
Um eins der gewaltigen Raubtiere einzukreisen und zu Tode zu stechen, hatten sich Hunderte von noch nicht intelligenten FOKTs korperlich und telepathisch zusammenschlie?en mussen. Bei jeder derartigen Begegnung waren sehr viele von ihnen umgekommen, zerrissen oder gefressen worden, und den sich daraus ergebenden Todeskampf, der sich bei jedem Sterbenden wiederholte, nahm aufgrund der telepathischen Verbindung jedes einzelne Mitglied der Gruppe am eigenen Leibe wahr. Daraufhin hatte sich ein naturlicher Mechanismus entwickelt, durch den dieses Leiden geringfugig verringert worden war, indem er die in der Gruppe telepathisch ubertragenen Schmerzen durch die Entwicklung blinder Zerstorungswut abgeschwacht hatte, die sich unterschiedslos gegen alles richtete, was sich in der Nahe befand und kein FOKT war. Doch obwohl die Gogleskaner weit intelligenter und zivilisierter geworden waren, als es von einer primitiven Kultur, in der nur Ackerbau und Fischfang betrieben wurden, zu erwarten stand, wollten ihre in der Vorgeschichte erhaltenen seelischen Wunden nicht verheilen.
Das von Gogleskanern in Not ausgesto?ene hohe akustische Signal, das einen Gruppenzusammenschlu? einleitete, konnte weder bewu?t noch unterbewu?t verdrangt werden. Dieser Ruf, sich zusammenzuschlie?en, bedeutete nur eins: die Bedrohung durch au?erste Gefahr. Und das war selbst in der heutigen Zeit, wo derartige Bedrohungen nur eingebildet oder unbedeutend waren, nicht anders. Der Zusammenschlu? fuhrte zwangslaufig zur blinden Zerstorung von allem, was sich in unmittelbarer Nahe befand und die FOKTs als Individuen hatten bauen, schreiben, schaffen oder zuchten konnen: Hauser, Fahrzeuge, Getreide, Vieh, technische Anlagen, Bucher und Kunstobjekte.
Aus diesem Grund erlaubten es die heutigen Gogleskaner, au?er unter den Umstanden, die Khone bereits erwahnt hatte, niemandem, sie zu beruhren, sich ihnen zu nahern oder sie auch nur ansatzweise mit personlichen Worten anzusprechen, wahrend sie hilflos und — bis Diagnostiker Conway vor kurzem Goglesk besucht hatte — hoffnungslos gegen die ihnen von der Evolution aufgezwungenen Lebensbedingungen ankampften.
„Conway hat die Absicht, die bei der ganzen gogleskanischen Spezies bestehende geistig-seelische Ausrichtung zu durchbrechen, indem er Mutter und Kind die Erfahrung machen la?t, nach und nach immer mehr verschiedenen Lebensformen ausgesetzt zu sein, die intelligent und zivilisiert sind und eindeutig keine Bedrohung darstellen“, fuhr Khone fort. „Dahinter steckte der Gedanke, insbesondere das Kind an die Konfrontation mit fremden Spezies derart zu gewohnen, da? es sowohl bewu?t als auch unterbewu?t imstande sein wird, erfolgreich den blinden Trieb zu bekampfen, der fruher die Ursache fur jene Kurzschlu?handlung gewesen ist, die zum Zusammenschlu? gefuhrt hat. Zudem sind vom Hospital Gerate entwickelt worden, die den akustischen Notruf verfalschen, so da? er nicht wiederzuerkennen ist. In dem Fall wurden sich der auslosende Reiz und die daraus entstehende blinde Zerstorungswut auf die Fahigkeiten eines einzelnen beschranken und nicht eine gro?e Gruppe erfassen, die gemeinsam vorgeht. Eine andere Losung des Problems, auf die der Auszubildende bestimmt auch schon gekommen ist, ware, die Fuhler zu entfernen, die den telepathischen Kontakt ermoglichen, und auf diese Weise einen Zusammenschlu? von vornherein auszuschlie?en. Doch diese Ma?nahme scheidet aus, weil die Fuhler nicht nur benotigt werden, um die ganz jungen Gogleskaner zu trosten und sie spater zu unterrichten, sondern auch, um die Freuden bei der Paarung zu vergro?ern. Au?erdem leiden die Gogleskaner schon unter genugend Entbehrungen, ohne sich auch noch freiwillig zu emotionalen Kruppeln machen zu lassen.
Wie es Conway erwartet und die Gogleskanerin es sich erhofft, wird diese zweiseitige Inangriffnahme des Problems die gogleskanische Spezies in die Lage versetzen, sich bestandig weiterzuentwickeln und zu einer Zivilisationsstufe vorzudringen, die ihrer Intelligenz entspricht“, beendete Khone ihre Ausfuhrungen.
Normalerweise empfand es Lioren als schwierig, in der Ubersetzung des Translators emotionale Untertone festzustellen, doch diesmal war er uberzeugt, da? seine Gesprachspartnerin von einer tiefen Unsicherheit ergriffen war, die sie ihm gegenuber nicht zum Ausdruck gebracht hatte.
„Der Auszubildende kann sich irren, aber er spurt, da? die gogleskanische Arztin und Patientin beunruhigt ist“, sagte er deshalb. „Ist sie mit der Behandlung, die sie bekommt, nicht zufrieden? Oder bestehen hinsichtlich der Fahigkeiten oder Erwartungen von Conway irgendwelche Zweifel.?“
„Nein!“ fiel ihm Khone ins Wort. „Mit dem Diagnostiker ist es zu einer kurzen, unbeabsichtigten Geistesverschmelzung gekommen, als er Goglesk besucht hat. Seine Fahigkeiten und Absichten sind bekannt und uber jede Kritik erhaben. Doch sein Kopf hat voller seltsamer Erfahrungen und Gedanken anderer Wesen gesteckt, die so fremdartig gewesen sind, da? die Gogleskanerin einen Ruf nach Zusammenschlu? aussto?en wollte. Von Conways Verstand hat sie eine Menge gelernt, wenngleich das meiste nach wie vor unverstandlich bleibt, doch ist von Anfang an klar gewesen, da? Conway nur einen kleinen Teil seines Kopfes fur das gogleskanische Vorhaben frei hat. Als zum erstenmal Bedenken angemeldet worden sind, hat der Diagnostiker zugehort und sich in zuversichtlichen und beruhigenden Worten dazu geau?ert, und es kann sein, da? Conway das nichtmedizinische Problem nicht voll und ganz versteht. Ich kann und will nicht glauben, da? von all den intelligenten Lebensformen, aus denen die Foderation besteht, allein die gogleskanische Spezies von der Macht, die uber alles gebietet, fur immer und ewig zu selbstverschuldeter Barbarei verurteilt und verdammt ist.“
Einen Augenblick lang schwieg Lioren und fragte sich, ob er kurz davor stand, schon wieder in ein Problem hineingezogen zu werden, das eher philosophischer als medizinischer Natur war. Zudem war er unsicher, ob er als tarlanischer Unglaubiger das Recht oder die Fahigkeit hatte, sich an einer Diskussion uber die Theologie einer fremden Spezies zu beteiligen.
„Wenn es zu einem telepathischen Kontakt gekommen ist, dann mu? der Diagnostiker doch gesehen und verstanden haben, was im Kopf der Arztin vorgeht, so da? die Bedenken womoglich grundlos sind“, sagte er. „Aber der Angeklagte kennt sich auf diesem Gebiet uberhaupt nicht aus. Falls die Arztin es wunscht, wird sich der Auszubildende diese Bedenken anhoren und sie nicht einfach als belanglos abtun. Vorhin ist die Befurchtung geau?ert worden, die Lage auf Goglesk wurde sich niemals andern. Konnte der Grund fur diese Befurchtung noch ausfuhrlicher erklart werden?“
„Ja“, antwortete Khone mit leiserer Stimme als zuvor. „Dabei handelt es sich um die Befurchtung, da? ein Lebewesen den Lauf der Evolution nicht verandern kann. Als es zur telepathischen Verbindung gekommen ist, war aus Conways Verstand und aus den Gedanken und Uberzeugungen der Wesen, die diesen zu jenem Zeitpunkt mit ihm geteilt haben, klar ersichtlich,
da? die Zustande auf Goglesk anomal sind. Auf den anderen Planeten der Foderation kampfen denkende Lebewesen mit vereinten Kraften und aller Anstrengung gegen die zerstorerischen Krafte der Umwelt und das instinktive, tierische Verhalten an. Von einigen wird dieser Kampf als das standige Ringen, dem Chaos Ordnung aufzuzwingen, bezeichnet, und von vielen anderen als die Auseinandersetzung zwischen Gut und Bose und unter anderem von den Terrestriern als der Kampf zwischen Gott und dem Teufel. Auf all diesen Planeten ist es das Erstgenannte, das — manchmal unter gro?en Schwierigkeiten — die Vorherrschaft uber das letztere erlangt. Aber auf Goglesk gibt es langst keinen Gott mehr; nur der vorgeschichtliche, aber immer noch allmachtige Teufel herrscht dort.“
Der aufgerichtete, eiformige Korper der Gogleskanerin zitterte, ihr Haar hatte sich wie lange, vielfarbige Grasbuschel aufgerichtet, und an den Spitzen der vier gelben Borsten, bei denen es sich um die Stacheln handelte, hingen Perlen aus Gift. Denn an Khones geistigem Auge zogen wieder die Bilder vorbei, die sich unausloschlich in das Gedachtnis ihrer Spezies eingepragt hatten, die furchtbaren Bilder einschlie?lich der durch die telepathische Verbindung mitempfundenen Todesqualen, als Khones Vorfahren, die sich zu Gruppen zusammengeschlossen hatten, von gewaltigen Raubtieren in blutige Fetzen gerissen worden waren. Wie Lioren vermutete, ware das Signal au?erster Bedrangnis, der Ruf nach Zusammenschlu?, bereits erfolgt, wenn Khone ihr instinktives Entsetzen nicht durch den Hinweis an sich selbst bekampft hatte, da? der einzige weitere Gogleskaner, zu dem sie telepathischen Kontakt aufnehmen konnte, ihr eigenes schlafendes Kind war.
Allmahlich lie? Khones Zittern nach, und als die aufgerichteten Haare und die Stacheln wieder eng am Korper anlagen, fuhr sie fort: „Es herrscht gro?e Angst und noch gro?ere Verzweiflung. Nach Ansicht der Gogleskanerin reicht die Hilfe des terrestrischen Diagnostikers, obwohl er guten Willens ist und ihm die Mittel dieses riesigen Hospitals zur Verfugung stehen, nicht aus, um das Schicksal eines Planeten zu verandern. Etwas anderes zu glauben ist von diesem Arzt eine torichte Selbsttauschung, aber gleichzeitig ware es au?erst undankbar, Conway von dieser Ansicht zu erzahlen. Uberall in der Foderation besteht ein Gleichgewicht zwischen Ordnung und Chaos oder Gut und Bose, doch da? eine Gogleskanerin und ihr Kind etwas an dem Schicksal, den Gewohnheiten, dem Denken und der Einstellung der Bevolkerung eines ganzen Planeten andern konnten, ist unvorstellbar.“
Lioren machte das Zeichen, mit dem Tarlaner etwas verneinten, doch dann fiel ihm ein, da? die Geste fur Khone keine Bedeutung hatte. „Die Arztin irrt sich. Auf vielen verschiedenen Planeten gibt es zahlreiche Beispiele
