zusammenhangende Gedanken zu fassen, durch die Kurzschlu?handlung au?er Kraft gesetzt wird.
Ganz bestimmt wei? der Tarlaner aus eigener Erfahrung, da? es bei der geschlechtlichen Vereinigung zwischen den beiden Partnern zu einem ahnlichen, aber sehr viel angenehmeren Aufruhr der Gefuhle kommt. Doch in diesem Fall stellt die telepathische Verbindung der Gogleskaner sicher, da? die Beteiligten ihre Empfindungen miteinander teilen und sie doppelt so stark wahrnehmen. Geringfugige Veranderungen oder ein Nachlassen dieser Gefuhle waren, falls uberhaupt vorhanden, nur schwer festzustellen, und man kann sie sich im nachhinein auch nicht ins Gedachtnis zuruckrufen.“
„Der Tarlaner verfugt auf diesem Gebiet uber keinerlei Erfahrungen“, merkte Lioren an. „Von den Heilern auf Tarla, die einen Aufstieg in hohe Positionen ihres Berufsstands erwarten, verlangt man, auf derartige emotionale Zerstreuungen zu verzichten.“
„Dem Auszubildenden sei das tiefe Mitgefuhl der Gogleskanerin versichert“, sagte Khone. Sie machte eine kurze Pause und fuhr dann fort: „Aber die Arztin wird versuchen, die korperlichen Vorbereitungen und die telepathisch verstarkten emotionalen Reaktionen, die mit dem Geschlechtsakt der Gogleskaner zusammenhangen.“
Sie verstummte, weil jemand anders den Raum betreten hatte. Es handelte sich um eine weibliche DBDG, die das Abzeichen einer Oberschwester trug und einen kleinen Wagen mit einem Essensspender vor sich herschob.
„Entschuldigung fur die Storung, die in der Hoffnung, dieses Gesprach ware bald beendet, so lange wie moglich hinausgeschoben wurde“, sagte die Schwester. „Doch die Hauptmahlzeit der Patientin ist lange uberfallig, und die fur ihre Pflege verantwortliche Person bekame harte Worte zu horen, wenn sie zulassen wurde, da? eine Patientin verhungert, die sich bereits auf dem Wege der Besserung befindet. Falls der Besucher ebenfalls Hunger hat und bei der Patientin bleiben mochte, kann ihm Essen bereitgestellt werden, das fur den Metabolismus der tarlanischen Lebensform vielleicht nicht gerade schmackhaft, so doch geeignet ist.“
„Sehr freundlich“, willigte Lioren ein, dem zum erstenmal zu Bewu?tsein kam, wie lange er sich mit Khone bereits unterhalten hatte und wie hungrig er war. „Vielen Dank.“
„Dann sollte das weitere Gesprach so lange aufgeschoben werden, bis das Essen serviert worden ist, und damit eine sittsame Terrestrierin nicht in Verlegenheit gebracht werden kann“, schlug die Oberschwester vor, wobei sie das gedampfte Bellen von sich gab, das ihre Spezies als ??„Lachen“ bezeichnete.
Als die Oberschwester die beiden verlassen hatte, erinnerte Khone den Tarlaner daran, da? sie mehr als einen Mund besa? und folglich in der Lage war, gleichzeitig zu essen und Fragen zu beantworten. Inzwischen hatte Lioren noch einmal uber alles nachgedacht und war zu dem Schlu? gekommen, da? die Auskunfte der Gogleskanerin, so interessant sie an sich sein mochten, seine Kenntnisse uber eine mogliche Funktionsstorung des organischen Sende- und Empfangsmechanismus der telepathischen Fahigkeiten bei dem Groalterri nicht vergro?ern wurden. In entschuldigenden und unpersonlichen Worten teilte er der Gogleskanerin mit, da? er die Auskunfte nicht mehr benotige.
„Das ist eine gro?e Erleichterung und krankt die Gogleskanerin keinesfalls“, stellte Khone dazu fest. „Doch sie steht nach wie vor in der Schuld des Tarlaners. Gibt es noch andere Fragen, deren Beantwortung vielleicht hilfreich ware?“
Eine ganze Weile starrte Lioren Khone wortlos an und verglich den kleinen, aufgerichteten, eiformigen Korper einer erwachsenen Gogleskanerin mit dem von dem kleinen Groalterri Hellishomar, dem Messerheiler, der bis auf den letzten Millimeter eine ganze Station ausfullte, die gro? genug war, um ein Ambulanzschiff aufzunehmen, und versuchte, eine erneute hofiche Ablehnung zu formulieren. Doch auf einmal war er so verargert, enttauscht und hilflos, da? es ihn gro?e Anstrengung kostete, eine geeignete unpersonliche Formulierung zu finden.
„Es gibt keine weiteren Fragen“, antwortete er schlie?lich.
„Weitere Fragen sollte es eigentlich immer geben“, widersprach Khone. Die zu Stacheln aufgerichteten Haarbuschel sanken herab, und der Korper sackte auf den Muskelwulst, so da? Lioren die Enttauschung der Gogleskanerin regelrecht spuren konnte. „Ist das der Fall, weil der ungebildeten Gogleskanerin die Intelligenz fehlt, um diese Fragen zu beantworten, und der Tarlaner jetzt gehen mochte, ohne weitere Zeit zu vergeuden?“
„Nein“, antwortete Lioren in bestimmtem Ton. „Intelligenz sollte nicht mit Bildung verwechselt werden. Der Tarlaner benotigt Fachinformationen, die zu erfahren die Gogleskanerin gar keine Moglichkeit gehabt hat; deshalb ist es nicht Intelligenz, was ihr fehlt. Ganz im Gegenteil. Hat die Arztin weitere Fragen?“
„Nein“, antwortete Khone prompt. „Die Arztin hat eine Bemerkung zu machen, zogert aber, weil sie furchtet, den Tarlaner zu kranken.“
„Er wird der Gogleskanerin ihre Bemerkung nicht ubelnehmen“, versicherte Lioren.
Khone richtete sich wieder zu voller Gro?e auf. „Der Tarlaner hat — wie viele andere vor ihm — bewiesen, da? geteiltes Leid halbes Leid ist, doch in diesem Fall scheint das geteilte Leid nicht gleich gro? zu sein. Der Vorfall auf Cromsag, gegen den das Problem mit dem bosen Teufel von Goglesk bedeutungslos erscheint, ist zwar ausfuhrlich geschildert worden, die Auswirkungen, die dieses Ereignis auf die dafur verantwortliche Person hat, jedoch nicht. Viel ist uber die verschiedenen Glaubensrichtungen und die Gotter — oder moglicherweise den einen Gott — anderer Spezies gesagt worden, aber kein einziges Wort uber den eigenen Gott des Tarlaners. Vielleicht ist der Gott von Tarla etwas Besonderes, oder er ist einfach anders und verfugt nicht uber das Verstandnis und die erbarmungsvolle Gerechtigkeit fur die wichtigsten Teile seiner Schopfung. Erwartet er von seinen Geschopfen, uberhaupt kein Unrecht zu begehen, nicht einmal versehentlich? Die Entschuldigung fur das Schweigen des Tarlaners, da? er den Glauben anderer nicht ungerechterweise durch seine umfassenderen Kenntnisse beeinflussen mochte, ist zwar loblich, aber fast ein wenig fade; denn sogar eine ungebildete Gogleskanerin wei?, da? ein Glaube nicht durch eine logische Beweisfuhrung verandert werden kann, selbst der nicht, der durch Selbstzweifel abgeschwacht wurde. Und dennoch spricht der Tarlaner offen uber den Glauben anderer, wahrend er sich uber den eigenen ausschweigt.
Vermutlich ist der Tarlaner wegen der Schuld an den Todesfallen unter den Cromsaggi zutiefst bekummert, wobei seine Schuldgefuhle noch verstarkt werden, weil ihm die Strafe, die er fur dieses ungeheure Verbrechen fur angemessen halt, ungerechterweise vorenthalten worden ist“, fuhr Khone fort, bevor Lioren etwas sagen konnte. „Vielleicht strebt er sowohl nach Bestrafung als auch nach Vergebung und glaubt nun, beides werde ihm versagt.“
Es war offensichtlich, da? Khone eine Moglichkeit zu finden versuchte, ihm zu helfen, doch bisher war ihre etwas langatmige Bemerkung weder verletzend noch hilfreich gewesen, und das aus dem einsichtigen Grund, da? Lioren schlichtweg nicht zu helfen war.
„Wenn der Schopfer aller Dinge unversohnlich ist oder der Tarlaner nicht an die Existenz dieses Schopfers glaubt, kann er keine Vergebung erlangen“, fuhr Khone fort. „Oder anders ausgedruckt, wenn der Tarlaner an Gott oder — falls er unglaubig ist und eine nichtreligiose Bezeichnung vorzieht — an das Gute glaubt, das in allen intelligenten Lebewesen standig gegen das Bose kampft, nicht aber an Vergebung, dann wird er naturlich auch nicht imstande sein, sich selbst zu vergeben. Der Vorfall auf Cromsag kann nicht ganz und gar vergessen werden, und die psychischen Wunden sind nicht vollstandig zu heilen, doch das Unrecht mu? vergeben werden, wenn die Qual des Tarlaners gelindert werden soll.
Deshalb rat und empfiehlt die Gogleskanerin dem Tarlaner dringend, die Vergebung von anderen zu erbitten“, beendete Khone ihre Ausfuhrungen.
Doch ihre Bemerkung war nicht nur langatmig und in keiner Weise verletzend gewesen, sondern obendrein auch reine Zeitverschwendung. Lioren hatte Muhe, seine Ungeduld zu zugeln, als er fragte: „Von anderen Gottern, die moralisch weniger hohe Anforderungen stellen? Von wem denn genau?“
„Ist das nicht klar?“ fragte Khone in einem Ton, der nicht weniger Ungeduld verriet als Liorens. „Von den Wesen, denen so schweres Unrecht geschehen ist: von den uberlebenden Cromsaggi!“
Einen Moment lang war Lioren durch diesen Vorschlag derma?en schockiert und beleidigt, da? er kein Wort herausbekam. Er mu?te sich ins Gedachtnis rufen, da? man die Zielscheibe des Spotts genau kennen mu?, um einer Beleidigung Wirkung zu verleihen; Khones Beleidigung hingegen beruhte auf volliger Unwissenheit.
„Ausgeschlossen!“ widersprach er heftig. „Tarlaner entschuldigen sich nicht. Es ist zutiefst erniedrigend, wie die Tat eines ungezogenen Kinds, das versucht, den Unwillen eines Elternteils zu verringern oder zu vertreiben. Die geringen Verfehlungen von Kindern konnen von denjenigen vergeben werden, denen Unrecht geschehen ist, aber Tarlaner, erwachsene Tarlaner, nehmen die volle Verantwortung und die Strafe fur jedes Verbrechen auf sich, das sie begangen haben, und wurden weder sich selbst noch demjenigen, dem sie Unrecht zugefugt haben, durch
