verbunden, wenn Sie nun mit der Offnung des Patienten beginnen wurden.“

Die Instrumente, die fur diesen riesigen Eingriff benotigt wurden — die Bohr- und Schneidemaschinen und Schlauche zum Absaugen, die so gro? und schwer waren, da? sie teilweise eigens von jemandem bedient werden mu?ten — , hingen rings um die beteiligten Arzte an ihrem Platz. Auf Lioren hatten die Vorbereitungen den Eindruck gemacht, sie wurden eher irgendwelchen Bergwerksarbeiten als einem operativen Eingriff dienen. Doch die Worte des Diagnostikers waren ein weiteres Beispiel fur einen indirekten Scherz, denn das Operationsteam war schon lange bereit und wartete, und Seldal war langst ausfuhrlich uber jenen Teil, den er in den einzelnen Phasen der Operation ubernehmen sollte, instruiert worden.

Hoflichkeit ist zwar ein Schmiermittel, das die Reibung vermindert, dachte Lioren, aber letztendlich vergeudet man nur Zeit damit.

Auch wenn Hellishomar einer riesigen Spezies angehorte und einen Kopf besa?, der selbst im Verhaltnis zu seinem gewaltigen Korper gro? war, versetzten Lioren die blo?en Ausma?e des Operationsfelds einen Schock. Der Hautlappen, der herausgeschnitten und zuruckgeklappt wurde, um die darunter befindlichen Knochen freizulegen, war gro?er als samtliche Laufer zusammengenommen, die uberall in Liorens Unterkunft ausgelegt waren.

„Doktor Seldal stillt die Blutung unter der Haut, indem er die aufgeschnittenen Kapillargefa?e abklemmt, die bei diesem Patienten eher Ahnlichkeit mit gro?eren Blutgefa?en haben“, sagte Conway gerade. „Wahrenddessen bohre ich senkrecht ein Loch durch den Schadel bis zur obersten Hirnhautschicht. An der Spitze des Bohrers sitzt eine an den Hauptmonitor angeschlossene Miniaturkamera, die uns zeigen wird, wann wir bis zur Oberflache der Hirnhaut vorgedrungen sind. Da waren wir schon.

Der Bohrer ist aus dem Knochen herausgezogen worden, und jetzt wird eine Hochgeschwindigkeits- Stichsage von der gleichen Lange in Aktion treten“, fuhr der Diagnostiker ein paar Minuten spater fort. „Mit dieser Sage wird das ursprungliche Bohrloch seitlich vergro?ert, bis in der Schadeldecke eine runde Offnung von ausreichendem Durchmesser entstanden ist, um es den Chirurgen, nachdem der dadurch erzeugte Knochenpfropfen entfernt worden ist, zu ermoglichen, in den Schadel einzusteigen und dort ungehindert zu arbeiten. Das war's. Der Pfropfen wird jetzt entfernt und bei ma?iger Temperatur gekuhlt, bis wir ihn wieder einsetzen. Wie geht es dem Patienten?“

„Die emotionale Ausstrahlung von Freund Hellishomar la?t auf leichte oder auf ernsthaftere Beschwerden schlie?en, die er aber fest im Griff hat“, berichtete Prilicla umgehend. „Auch Gefuhle wie Unsicherheit und Angst, die unter diesen Umstanden normal sind, kann ich wahrnehmen.“

„Eine Antwort von mir ist anscheinend uberflussig“, merkte Hellishomar an, wobei er das Auge offnete, das dem Bildschirm am nachsten war.

„Im Moment ja“, bestatigte Conway. „Aber spater werde ich genau die Hilfe benotigen, die nur Sie mir leisten konnen. Keine Angst, Hellishomar, das machen Sie ganz prima. Seldal, steigen Sie ein.“

Plotzlich wunschte sich Lioren, ihm wurde etwas Beruhigendes einfallen, das er dem Patienten sagen konnte, denn schlie?lich trug er die Verantwortung fur das, was hier geschehen sollte, da er O'Mara, Conway und zuletzt auch Hellishomar von der Notwendigkeit der Operation uberzeugt hatte. Doch er konnte es nicht vor sich rechtfertigen, unaufgefordert die Unterhaltung des Operationsteams zu unterbrechen, und die private Sprechverbindung war fur ihn so lange gesperrt, bis Hellishomar seinen Namen nannte. Darum schwieg er und sah weiterhin aufmerksam zu.

Der knocherne Pfropfen, der wie ein rosa gesprenkelter, gehobelter Stamm von einem riesigen Baum aussah, wurde nun ganz herausgezogen, wahrend Seldal, dessen drei spindeldurre Beine zusammengebunden waren, damit moglichst wenig von seinem Korper hervorragte, in Conways Rucksack gehoben wurde, so da? sein langer biegsamer Hals, der Kopf und der Schnabel frei waren. Fest um Brust und Bauch geschnallt trug Conway einen ahnlich aussehenden Rucksack, der die Instrumente und die aufblasbare Ausrustung enthielt, die die beiden Chirurgen benutzen wollten. Die Beine des Diagnostikers waren zwar nicht zusammengebunden, doch seine spitz zulaufenden Fu?e waren in dicke Polster gehullt, und seine Beine und der Gro?teil des Korpers steckten in einem wei?en, reibungsarmen Anzug, der uber die Schultern reichte und nur die Arme und den Kopf frei lie?. Au?erdem trug er einen durchsichtigen Helm, der au?en keinerlei vorspringende Teile aufwies und geraumig genug war, um auch noch den erforderlichen Beleuchtungskorpern und Kommunikationsgeraten Platz zu bieten. Seldal, dessen Korper von Natur aus stromlinienformig war, hielt Kopf und Schnabel fest gegen Conways Helm gepre?t. Der Nallajimer trug nur einen Augenschutz und eine Befestigung fur den dunnen Luftschlauch, der in einen Winkel seines Schnabels fuhrte.

„Im Operationsfeld herrscht Schwerelosigkeit“, meldete Conway. „Fertig, Seldal? Wir dringen jetzt in die Wunde ein.“

Ein unsichtbarer Traktorstrahl ergriff ihre gewichtslosen Korper, drehte sie flink um und lie? sie kopfuber in die enge Offnung hinab. Der dicke Kabelstrang, der aus Schlauchen fur die Luftversorgung, zum Absaugen und zur Entnahme von Proben bestand, und die Notrettungsleine rollten wie ein bunter Schwanz hinter ihnen ab. Conways Helmscheinwerfer zeigte, wie die glatten grauen Wande des organischen Schachts, den sie gebohrt hatten, an ihnen vorbeiglitten, und ein vergro?ertes und qualitativ verbessertes Bild dieser Vorgange wurde auf den au?eren Bildschirm ubertragen.

„Wir befinden uns jetzt auf dem Boden des Zugangsschachts, auf gleicher Hohe mit der Innenflache der Schadeldecke, und sind auf etwas gesto?en, das wahrscheinlich der schutzenden harten Gehirnhaut entspricht“, berichtete Conway. „Die Membran reagiert auf den festen Druck mit der Hand in einer Weise, die darauf schlie?en la?t, da? sich hinter ihr eine Flussigkeit befindet, unter der wiederum das liegt, was die Au?enseite des Gehirns selbst zu sein scheint. Eine genaue Schatzung der Entfernung ist schwierig, weil entweder die Membran oder die Flussigkeit oder vielleicht auch beides nicht vollstandig durchsichtig ist. Versuchsweise mache ich jetzt einen kurzen Schnitt durch die Membran. Oh, das ist eigenartig.“

Einen Augenblick spater meldete sich der Diagnostiker erneut: „Ich habe den Schnitt verlangert und auseinandergezogen, aber es kommt trotzdem zu keinem nennenswerten Austritt von Flussigkeit. Aha, daran liegt es also.“

Als Conway damit fortfuhr zu erklaren, da? die Gehirnflussigkeit, die das Gehirn vor Erschutterungen zu schutzen hilft, indem sie als Schmiermittel zwischen der Innenseite des Schadels und dem Gehirn dient, bei den Groalterris im Gegensatz zu den anderen Spezies, die er kannte, nicht flussig war, klang seine Stimme zufrieden und aufgeregt zugleich. Statt dessen handelte es sich hier um eine durchsichtige, halbfeste Substanz von der Konsistenz eines dunnen Gelees. Als eine geringe Menge dieser gallertartigen Masse zur naheren Untersuchung herausgeschnitten wurde, schlo? sie sich sofort wieder zusammen, ohne eine Spur des Schnitts zu hinterlassen. Das war Gluck, da Conway und Seldal aufgrund dieses Umstands durch die Hirnhaute dringen konnten, ohne sich uber die Eindammung von Flussigkeitsverlusten Sorgen machen zu mussen. Au?erdem konnten sie sich gegen minimalen Widerstand und unter geringer Zeiteinbu?e seitlich zwischen der Gehirnoberflache und der Hirnhautschicht zum ersten Ziel bewegen, bei dem es sich um einen tiefen Spalt zwischen zwei Windungen handelte, der sich in dem Bereich befand, den man als Sitz der telepathischen Fahigkeiten vermutete.

„Bevor wir weitermachen: Ist sich der Patient irgendwelcher ungewohnlichen Korperempfindungen oder psychologischen Auswirkungen bewu?t?“ erkundigte sich Conway.

„Nein“, antwortete Hellishomar.

Fur einige Momente ermoglichte der Bildschirm fluchtige Blicke auf Conways Hande und Seldals Schnabel, die vom Helmscheinwerfer hell erleuchtet waren, als sich die beiden Chirurgen vorsichtig durch die klare Gallertmasse zwischen den glatten inneren Hirnhauten und der au?erst runzligen Au?enflache der Hirnrinde hindurch in den schmalen Spalt hineinschoben.

„Soweit wir das einschatzen konnen, erstreckt sich dieser Spalt von unserem Standort aus etwa zwanzig Meter zu beiden Seiten und weist eine durchschnittliche Tiefe von drei Metern auf“, meldete Conway. „An der Oberflache des Gehirns sind die Windungen deutlich voneinander getrennt, aber mit zunehmender Tiefe beginnen sich ihre Wande aneinanderzudrucken. Der Druck ist nicht so stark, da? er lebensbedrohlich ware, und um die Wande auseinanderzuschieben, ist nur ein geringer Kraftaufwand vonnoten. Unsere Bewegungsfreiheit ist dadurch auch nicht eingeschrankt, dennoch wurde dieser Umstand jeden chirurgischen Eingriff, der eventuell erforderlich wird, schwer behindern, und wir waren derart schnell erschopft, da? wir nicht weiterarbeiten konnten. Bald werden wir die Reifen anlegen mussen.“

Da Hellishomar nicht direkt mit Lioren gesprochen hatte, auch nicht uber die allgemein zugangliche Verbindung, konnte er nicht wissen, was dem Patienten durch den Kopf ging. Doch Priliclas hauchdunne Flugel schlugen langsam, und aus der Bestandigkeit seines Schwebeflugs ging klar hervor, da? es auf dieser Station

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