Verwaltungsleiter personlich darum bitte. Aber aus irgendeinem Grund weigert sich Colonel Skempton, mit mir zu sprechen oder auch nur.“

O’Mara hatte eine Hand erhoben. „Der eine Grund dafur ist, da? ich ihm davon abgeraten habe, Sie zu empfangen, zumindest solange, bis sich die Aufregung gelegt hat. Doch es gibt noch weitere Grunde. Sie haben diesen Schlamassel auf Ladeplatz zwolf angerichtet — naturlich nicht absichtlich. Und eine schwere Verseuchung, eine Druckverminderung und die strukturellen Schaden an der Frachtschleuse und am Laderaum der Trivennleth sind eine kostspielige Sache, sowohl von der Arbeitszeit der Wartungsabteilung als auch von den Kosten her, die.“

„Das ist doch wohl nicht zu glauben!“ emporte sich Gurronsevas. „Wenn ich durch ein Fehlurteil und eine Verdrehung der Vorschriften des Monitorkorps fur diese Schaden verantwortlich gemacht werden soll, dann werde ich sie naturlich bezahlen. Ich bin nicht arm, und falls mein Vermogen dennoch nicht ausreichen sollte, konnen Abzuge von meinem Gehalt vorgenommen werden, bis die Kosten voll bezahlt sind.“

„Wenn Sie so lange wie ein Groalterri leben wurden, ware das vielleicht moglich“, klarte ihn O’Mara auf. „Das ist jedoch nicht der Fall — au?erdem wird man Sie sowieso nicht auffordern, den Schaden zu begleichen. Wie man festgestellt hat, sind die Traktorstrahltechniker in ihrer Arbeit derma?en schnell und erfahren geworden, da? sie vielleicht ein bi?chen zu viel Routine entwickelt haben, und deshalb werden die Sicherheitsbestimmungen fur sie verscharft. Die finanzielle Seite wird von der Versicherung der Trivennleth und mit dem Etat des Monitorkorps geregelt und braucht Sie nicht weiter zu kummern. Doch gibt es noch einen anderen Preis, den Sie auf jeden Fall zahlen mussen, und ich bin mir nicht sicher, ob Sie sich den erlauben konnen:

Sie bu?en Ihre gesamten Rucklagen an Wohlwollen ein.

Wahrend der Besichtigung der Trivennleth und Ihres anschlie?enden au?erplanma?igen Au?eneinsatzes haben sich namlich auf der AUGL-Station zusatzlich Vorfalle ereignet, die allerdings nicht eine ganz so gro?e Katastrophe gewesen sind“, fuhr O’Mara fort, ohne Gurronsevas Zeit zum Sprechen zu lassen. „Die Chalder, die sich auf dem Weg der Besserung befinden, sind bei der Jagd auf die sich von selbst bewegende Beute in etwas zu starke Aufregung geraten und haben Oberschwester Hredlichli zufolge beinahe die gesamte Station zerstort. Genau gesagt: elf Abschnitte der Innenwandverkleidung sind stark verbogen und vier Schlafgestelle der Chalder so schwer beschadigt worden, da? sie nicht mehr zu reparieren sind, zum Gluck ohne schlimme Folgen fur die Patienten, die sich zu der Zeit in diesen Gestellen befunden haben.

Wie ich wei?, ist Ihnen Hredlichli wegen der Verbesserungen, die Sie an der illensanischen Verpflegung vorgenommen haben, verpflichtet“, setzte der Major seine Ausfuhrungen fort, „doch im Moment mochte ich nicht gerade behaupten, da? sie sich als Ihre Freundin betrachtet. Das gleiche gilt ubrigens fur Lieutenant Timmins, der nicht nur fur die Reparatur der Schaden auf der Station der Chalder, sondern auch an den Hilfsunterbauten auf Ladeplatz zwolf verantwortlich ist.

Doch es ist Colonel Skempton, um dessentwillen Sie sich Sorgen machen und dem Sie aus dem Weg gehen sollten. Der Colonel will namlich, da? Sie aus dem Hospital hinausgeworfen und zuruck auf Ihren fruheren Heimatplaneten gebracht werden, und zwar sofort.“

Fur einen Moment verschlug es Gurronsevas die Sprache. Ihm kam es vor, als ware sein unbeweglicher, kuppeiformiger Schadel ein untatiger Vulkan, der durch den doppelten Druck des Schamgefuhls und der Wut uber das Schicksal, das eine derart schreiende Ungerechtigkeit gegenuber jemanden zugelassen hatte, der fachlich so umfassend gebildet war wie er und dieser Einrichtung derart viel zu bieten hatte, kurz vorm Ausbruch stand. Da das vorherrschende Gefuhl jedoch die Scham war, zwang sich Gurronsevas, das einzige zu sagen, das unter diesen Umstanden angebracht war.

Er wandte sich zum Gehen, wobei er gar nicht erst versuchte, den Larm, den seine Fu?e beim Auftreten machten, zu dampfen, und sagte: „Ich werde meine sofortige Kundigung einreichen.“

„Ich habe festgestellt, da? Ausdrucke wie „sofort“ oder „unverzuglich“ gewohnlich sehr locker gebraucht werden“, verkundete O’Mara mit einer Stimme, die zwar leise war, Gurronsevas jedoch irgendwie mitten in der Drehung innehalten lie?. „Uberlegen Sie es sich noch mal.

Die nachsten Wochen fliegt moglicherweise kein Schiff mit dem Flugziel Traltha oder Nidia — oder wohin Sie sich sonst zu fliegen entschlossen haben — das Orbit Hospital an“, fuhr der Chefpsychologe fort. „Und falls Sie es vorziehen, auf eine unbedeutende tralthanische Planetenkolonie zu gehen, die nur selten von Schiffen kommerzieller Betreiber oder des Monitorkorps angeflogen wird, dauert es noch sehr viel langer. Durch diese Verzogerung ware es Ihnen moglich, alle laufenden Projekte zu beenden, bevor Sie abreisen mussen. Das wurde auch dem Hospital zugute kommen, vorausgesetzt, Sie verwickeln es nicht in weitere Beinahekatastrophen. Und Sie personlich wurden ebenfalls davon profitieren, denn je langer die Zeit ist, die Sie hier verbringen, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, da? Au?enstehende, zu denen auch Ihre Kollegen in den Hotels fur viele verschiedene Spezies gehoren, den Eindruck gewinnen, Ihre Trennung vom Orbit Hospital sei unfreiwillig vollzogen worden, und Ihr fachlicher Ruf wurde nur minimalen Schaden davontragen.

Versuchen Sie, sich zuruckzuhalten — soweit das fur einen Tralthaner moglich ist“, setzte O’Mara seine Ausfuhrungen fort, wobei er kurz die Zahne entblo?te. „Vermeiden Sie alles, womit Sie Colonel Skemptons Aufmerksamkeit erregen konnten, und argern Sie auch sonst keinen Verantwortlichen. Dann werden Sie rasch feststellen, da? Ihre Abreise alles andere als ubersturzt stattfinden mu?.“

„Aber gehen werde ich letztendlich trotzdem mussen“, warf Gurronsevas ein, womit er eher eine Feststellung traf, als eine Frage stellte.

„Der Colonel hat darauf bestanden, da? Sie das Hospital schnellstens verlassen, und ich habe es ihm zugesichert“, entgegnete O’Mara. „Hatte ich das nicht getan, waren Sie in Ihrer Unterkunft unter Arrest gestellt worden.“

Der Chefpsychologe lehnte sich im Stuhl zuruck und gab damit deutlich und wortlos zu verstehen, da? die Unterredung damit fur ihn beendet war, doch Gurronsevas ruhrte sich nicht vom Fleck.

„Ich verstehe“, sagte er. „Und ich mochte Ihnen gerne sagen, da? Sie gegenuber meinen Empfindungen in dieser Situation Feingefuhl und Rucksicht bewiesen haben. Ihre Reaktion ist fur mich, na ja, gleichzeitig uberraschend und verwirrend, denn bisher hatte ich mir nicht vorstellen konnen, da? sich jemand mit Ihrem Ruf derma?en verstandnisvoll verhalt.“

Verlegen brach Gurronsevas ab, weil er sich bewu?t war, da? der Versuch, seine Dankbarkeit auszudrucken, ans Beleidigende grenzte. O’Mara beugte sich wieder vor.

„Dann lassen Sie mich einen Teil Ihrer Verwirrung ausraumen“, schlug er grinsend vor. „Naturlich bin ich mir bewu?t, da? Sie heimliche Versuche mit meinen Mahlzeiten angestellt haben, und das ist mir von Anfang an klar gewesen. Nein, das Vorzimmerpersonal hat Sie nicht verraten. Sie vergessen, da? ich Psychologe bin, und die standigen nichtsprachlichen Anzeichen, die ich bei Braithwaite, Cha Thrat und Lioren beobachtet habe, waren unmoglich vor mir zu verbergen. Au?erdem haben Sie sich selbst verraten, indem Sie den Geschmack von Gerichten wesentlich verbessert haben, die vorher so unschmackhaft gewesen sind, da? ich beim Essen gefahrlos an wichtigere Dinge denken konnte. Aber das kann ich jetzt nicht mehr. Ich verschwende kostbare Zeit damit, mich zu fragen, welche kulinarische Uberraschung mich als nachstes erwartet, oder daruber zu grubeln, wie genau Sie einen bestimmten Geschmack erreicht haben. Nicht alle Anderungen, die Sie vorgenommen haben, sind Verbesserungen gewesen, und ich habe Ihnen bereits eine Liste meiner Reaktionen auf samtliche Abwandlungen zusammen mit Vorschlagen fur weitere Verbesserungen zukommen lassen.“

„Das. das ist wirklich au?erst liebenswurdig von Ihnen, Sir“, stammelte Gurronsevas erstaunt.

„Ich bin weder liebenswurdig noch verstandnisvoll, noch besitze iAh irgendeine der anderen Eigenschaften, die Sie mir zuzuschreiben versuchen“, widersprach O’Mara in scharfem Ton. „Ich habe keinen Grund, jemandem dankbar zu sein, der lediglich seine Arbeit tut. Gibt es noch etwas, das Sie mir sagen wollen, bevor Sie gehen?“

„Nein.“

Als Gurronsevas aus dem Buro stampfte, konnte er die beweglichen Einrichrungsgegenstande und die Dekorationsstucke auf O’Maras Schreibtisch klappern horen.

„Was ist passiert?“ fragte Cha Thrat, nachdem Gurronsevas die Tur zu O’Maras Buro hinter sich geschlossen hatte. Nach der Art, wie ihn die drei anstarrten, war klar, da? sich die Sommaradvanerin auch im Namen von Lioren und Braithwaite erkundigte.

Durch die Wut und Enttauschung fiel es dem Tralthaner schwer, die Stimme auf Zimmerlautstarke zu halten, als er antwortete: „Ich mu? das Hospital verlassen, nicht sofort, aber bald. Bis dahin habe ich, wie es O’Mara ausdruckt, meine Arbeit zu tun, ohne die Aufmerksamkeit auf mich zu lenken. Leider wei? der Major, da? Sie mir

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