behilflich gewesen sind, die Anderungen an den Gerichten vorzunehmen. Zwar ist er damit zufrieden gewesen, aber er ist mir nicht dankbar. Hat jemand von Ihnen wegen dieser Verschworung eine Bestrafung zu befurchten?“

Braithwaite schuttelte den Kopf. „Wenn uns O’Mara hatte bestrafen wollen, wurden wir inzwischen davon wissen. Aber versuchen Sie doch, das Ganze von der positiven Seite zu sehen, Gurronsevas, und machen Sie es so, wie es O’Mara gesagt hat. Schlie?lich scheint der Major von einigen Sachen, die Sie tun, etwas zu halten und mochte, da? Sie die weiterfuhren. Ware er unzufrieden gewesen, tja, dann hatten Sie das Hospital nicht bald verlassen mussen, sondern sa?en schon langst auf dem erstbesten Schiff nach Nirgendwo. Sie wissen doch gar nicht, was in Zukunft noch geschehen wird.“

„Ich wei? nur, da? mich Colonel Skempton unter allen Umstanden loswerden will“, murmelte Gurronsevas in klaglichem Ton.

„Vielleicht konnten Sie dem Colonel heimlich Substanzen ins Essen mischen, die das Problem beseitigen“, schlug Lioren in sanftem Ton vor.

„Padre!“ ermahnte ihn Braithwaite.

„Ich meinte keine giftigen Substanzen, die zum Tode fuhren“, stellte Lioren klar, „sondern geschmacksverstarkende Zutaten ahnlich denen, die Sie bei Major O’Maras Gerichten verwendet haben. Unter den terrestrischen DBDGs gibt es ein gelaufiges Sprichwort, nach dem der Weg zum Herzen eines Wesens direkt uber dessen Magen fuhrt.“

„Zweifellos ein fragwurdiger und sehr riskanter operativer Eingriff“, warf Cha Thrat ein.

„Ich werde Ihnen den Sinn dieses Sprichworts spater erklaren, Cha Thrat“, mischte sich Braithwaite lachelnd ein. „Lioren, psychologisch gesehen ist das zwar ein vernunftiger Ratschlag, aber es ist unwahrscheinlich, da? Skempton durch Gurronsevas’ Kochkunst derart leicht zu beeinflussen ist. Nach seiner psychologischen Akte handelt es sich bei Skempton um einen Vegetarier, und das bedeutet, er ist.“

„Also, das verstehe ich jetzt nicht“, mischte sich Cha Thrat erneut ein. „Weshalb sollte sich ein Mitglied der Klassifikation DBDG, die zu den Allesfressern gehort, entschlie?en, Pflanzenfresser zu werden? Insbesondere, wo die Grundstoffe der Nahrung hier doch sowieso synthetisch sind. Handelt es sich dabei um eine Art religioses Bedurfnis?“

„Vielleicht hat Skempton ahnliche Uberzeugungen wie der Ull, der sagt, da? derjenige, der das Fleisch eines anderen Lebewesens i?t, sei es vernunftbegabt oder nicht, dessen Seele im eigenen Leib bewahrt“, gab Lioren zu bedenken. „Doch der Colonel hat mich in religiosen Angelegenheiten nie um Rat gefragt, deshalb kann ich diesbezuglich nichts mit Sicherheit sagen.“

„Fur Pflanzenfresser zu kochen ist fur mich nie ein Problem gewesen“, meinte Gurronsevas beilaufig.

Braithwaite nickte, und Cha Thrat blieb stumm. Beide blickten den Padre an, der samtliche Augen unverwandt auf Gurronsevas gerichtet hatte.

„Darf ich Sie zudem daran erinnern, da? es sich beim Orbit Hospital um eine au?erst gro?e Einrichtung handelt, die viele tausend Lebewesen beherbergt, die aufgrund der Natur der Arbeit, die sie verrichten, und der Gefuhle und Motivationen, die diese Arbeit in ihnen hervorruft, gewohnlich ein au?erst kurzes Gedachtnis haben, was gelegentliche personliche Auseinandersetzungen betrifft?“ fragte Lioren leise. „Wenn man an einem Ort wie diesem nachtragend ware, wurde der allgemeine psychische Gesundheitszustand au?erst schlecht aussehen, und die Sorte von Leuten, die nachtragend sind, werden schon bei der Bewerbung durch die psychologische Durchleuchtung ausgesondert.

Vielleicht ereignen sich andere Vorfalle — wenn auch hoffentlich nicht mit einem so gro?en Katastrophenpotential wie Ihr jungstes Abenteuer—, die Colonel Skemptons Aufmerksamkeit in eine andere Richtung lenken und seine momentane Feindseligkeit Ihnen gegenuber verringern“, fuhr der Tarlaner fort. „Sie sagen, Sie mu?ten das Hospital bald verlassen, doch als Zeitma? betrachtet, ist diese Frist unbestimmt, und vielleicht steht der Beschlu?, da? Sie abreisen mussen, noch gar nicht dauerhaft fest. Fur Gott oder das Schicksal oder irgendwelche willkurlichen Wirkungsweisen der Gesetze des Zufalls, an die Sie vielleicht glauben oder auch nicht, ist alles moglich.“

Lioren hielt kurz inne und fugte dann hinzu: „Mein Rat an Sie lautet: Befolgen Sie den Rat des Majors, und konzentrieren Sie sich auf die Arbeit, die zu leisten Sie allein in der Lage sind, und geben Sie die Hoffnung nicht auf.“

Dieser Ratschlag klang zwar vernunftig, war aber nach Gurronsevas Dafurhalten in geradezu lachhafter Weise ubertrieben optimistisch. Doch als er die drei Mitarbeiter des Chefpsychologen verlie?, setzte er die Fu?e leise auf und hatte keine Ahnung, weshalb er sich plotzlich ein ganzes Stuck besser fuhlte.

13. Kapitel

Gurronsevas’ Optimismus hielt nur wenige Stunden an, und im Laufe der ersten drei Tage, in denen er sich zuruckhielt, fuhlte er sich immer niedergeschlagener, unsicherer und einsamer. Nur noch selten stattete er seinen Mitarbeitern beim Nahrungssynthesizer und der Pathologie einen kurzen Besuch ab, weil ihn die Beschaftigten an beiden Orten andauernd merkwurdig anstarrten, wenn sie seine Aufmerksamkeit auf etwas anderes gerichtet glaubten; doch ob diesen Blicken Mitleid oder krankhafte Neugier zugrunde lag, wu?te er nicht. Abgesehen von diesen wenigen Stippvisiten blieb er in seiner Unterkunft, ging nicht an den Kommunikator und nahm ausschlie?lich Nahrung aus dem Essensspender zu sich, und dieses freiwillige Abkapseln trug kein bi?chen dazu bei, seine gedruckte Stimmung zu heben.

Am vierten Tag klopfte mittags jemand hoflich, aber mit au?erordentlicher Hartnackigkeit an die Tur. Es war Padre Lioren.

„Wir haben Sie in letzter Zeit nicht mehr in der Kantine gesehen“, begann er, bevor Gurronsevas etwas sagen konnte. „Sie konnten es mit der Zuruckhaltung auch ubertreiben, Gurronsevas, denn sich vollkommen zuruckzuziehen erregt oft mehr Aufmerksamkeit, als sich wie gewohnlich zu zeigen. Au?erdem haben die meisten Spezies — mich selbst nicht ausgeschlossen — sowieso SchwierigkeitenATralthaner ohne einen Blick auf die Armbinden auseinanderzuhalten. Ich bin gerade auf dem Weg zur Kantine. Hatten Sie Lust, mich zu begleiten?“

„Meine Unterkunft liegt weitab von Ihrem ublichen Weg von der psychologischen Abteilung zur Kantine“, entgegnete Gurronsevas, den seine Verlegenheit innerlich wutend machte.

„Stimmt“, bestatigte Lioren. „Vielleicht habe ich noch bei jemand anderem auf dieser Ebene vorbeigeschaut, ich konnte Ihnen aber auch aus therapeutischen Grunden eine Unwahrheit aufgetischt haben. Was von beidem zutrifft, werden Sie allerdings nie erfahren.“

Ohne zu wissen, warum, antwortete Gurronsevas: „Na gut, ich komme mit.“

Falls ihn tatsachlich mehr Kantinenbesucher beobachteten als sonst, dann wu?te Gurronsevas jedenfalls nichts davon, weil er seine vier Augen auch nicht eine Sekunde lang von Lioren, Braithwaite, Cha Thrat und dem eigenen Teller abwandte — und von den Gesprachen, die an den Nachbartischen gefuhrt wurden, drehte sich keins um ihn. Als er sich zu den anderen gesetzt hatte, hatte er sich laut gefragt, wie es den dreien gelungen war, von O’Mara die Erlaubnis zu erhalten, das Vorzimmer unbeaufsichtigt zu lassen. Daraufhin hatte ihm Braithwaite erklart, es sei ein ungeschriebenes Gesetz des Orbit Hospitals, da? niemand geistesgestort werde, solange die Mitarbeiter der psychologischen Abteilung beim Essen seien. Bei dieser Au?erung hatte sich Gurronsevas der Verdacht aufgedrangt, es handle sich um eine weitere Unwahrheit aus therapeutischen Grunden, und war zu dem Schlu? gekommen, da? man versuchte, ihn aufzuheitern.

Doch dann wurde das Gesprach sehr schnell ernsthaft.

„Wie uns zu Ohren gekommen ist, haben Sie in den letzten Tagen nicht gerade viel Zeit bei den Nahrungssynthesizern verbracht, und Abwandlungen bei der Kost hat es in jungster Zeit auch nicht mehr gegeben“, kam Lieutenant Braithwaite auf den Punkt. „Ist das Ihre freie Entscheidung gewesen, oder wird Ihre Arbeit von anderen behindert? O’Mara wurde das gerne wissen.“

Da Gurronsevas von drei Psychologen eingekreist war, kam er zu der Uberzeugung, da? es sinnlos ware, nicht die Wahrheit zu sagen.

„Sowohl als auch“, antwortete er deshalb. „Ich hatte uberhaupt keine Lust, jemandem zu begegnen, und meine Arbeit ist auch behindert worden, allerdings nicht von anderen, sondern durch das Fehlen notwendiger

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