erweiternden Spirale aus Nahrungspraparat umgeben war. Doch Gurronsevas war ihm zu nah und bewegte sich zu schnell, um den hellen, unwirklichen Nebelringen mit Hilfe der Dusen zu entkommen, und konnte nur die Arme um den Kopf schlingen, um die verbliebenen durchsichtigen Stellen des Helms zu schutzen.
Kurz bevor er den Au?enrand der hellen, unwirklichen Spirale erreichte, hatte Gurronsevas fast glauben konnen, er nahere sich dem Staub im aquatorialen Orbit eines gewaltigen Planeten mit Ringsystem und dringe in ihn ein. Wenigstens ist mein Lebensende von einigen ungewohnlichen und interessanten Erlebnissen begleitet, dachte er. Als er durch die Nebelringe hindurchgeflogen war, ohne da? sich die Sicht durch den Helm verschlechtert hatte, war er au?erst zufrieden.
Jenseits der Ringe, etwa funfzig Meter voraus, entdeckte er einen anderen Gegenstand, und zwar ein gro?es, anscheinend unbeschadigtes Paket mit hudlarischen Spruhbehaltern, das sich im Verhaltnis zu ihm selbst weder drehte noch fortbewegte. Folglich stellte es keine Bedrohung dar.
Die Rettungsmannschaft schwarmte jetzt weit aus, doch keine der Stimmen meldete, Gurronsevas erspaht zu haben, und der Tralthaner selbst konnte nur eins der Mitglieder durch den Nebel sehen. Als er sich gerade fragte, ob er die Arme schwenken sollte, um zu versuchen, die Aufmerksamkeit dieses einzelnen Terrestriers auf sich zu lenken, fiel ihm wieder der rotierende Behalter mit dem Nahrungspraparat ins Auge, der die Ringe erzeugte.
Bevor mein Leben zu Ende geht, habe ich ja vielleicht noch Zeit fur ein paar weitere interessante Erlebnisse, dachte Gurronsevas mit zaghaft aufkeimender Hoffnung.
Das unbeschadigte Paket mit hudlarischen Spruhbehaltern schwebte ganz in der Nahe. Gurronsevas zundete die Anzugdusen, um an das Paket heranzukommen. Trotz der Sauerstoffknappheit und der dringend gebotenen Eile flog er mit sehr geringer Leistung, um nur sanft gegen das Paket zu sto?en, damit es sich nicht zu drehen begann oder die Behalter mit dem hudlarischen Nahrungspraparat beschadigt wurden, die dicht an dicht wie ein riesiger Teppich aus Eiern zusammengepackt waren, der jetzt langsam aufstieg, um ihn aufzunehmen.
Behutsam landete Gurronsevas darauf und bewegte sich mit gro?ter Vorsicht so nahe zur Mitte der Schicht aus Behaltern, wie es sein plumper Korperbau zulie?.
Da man den hudlarischen Frachter in der Schwerelosigkeit des Orbits beladen hatte und beim Sprung durch den Hyperraum zum Hospital ebenfalls keine Gravitation aufgetreten war, wurde das aus zwei Lagen Behaltern bestehende Paket nicht durch einen festen Container, sondern durch ein straff gespanntes, offenmaschiges Netz zusammengehalten. Darum konnte er zwischen den langen, dicht gepackten Zylindern hindurch zur gegenuberliegenden Seite des Pakets und dahinter bis zur Au?enhaut des Hospitals sehen.
Indem er durch den Spalt zwischen den Behaltern blickte, die seinem Helm am nachsten waren, machte sich Gurronsevas am Paket fest und zundete die Anzugdusen, um es in eine langsame, kontrollierte Rollbewegung zu versetzen. Als die hell erleuchtete Frachtschleuse des Ladeplatzes zwolf in dem Spalt zwischen den Behaltern in Sicht kam, bremste Gurronsevas die Rollbewegung ab, brachte dann das Ziel unter leichtem Einsatz von Seitenschub in die Mitte dieses primitiven Fadenkreuzes und wartete kurz, um sicher zu sein, da? es dort blieb. Daraufhin zwang er sich zum Nachdenken.
Nach Gurronsevas’ Schatzung befanden sich in der Schicht um ihn herum hundert Behalter mit Nahrungspraparat, deren Spruhkopfe alle senkrecht nach oben gerichtet waren. In der Mitte wurden etwa zwanzig dieser Behalter von seinem Korper bedeckt und waren deshalb fur seine Zwecke nutzlos, doch die au?eren Behalter konnte er leeren, ohne sich von oben bis unten mit Nahrungspraparat zu bespritzen. Ganz vorsichtig streckte er alle Arme aus, wahlte zwei Behalterpaare aus, die gleich weit von seiner Position in der Mitte entfernt waren, stellte die Ventile nicht auf Spruhnebel, sondern auf den maximalen Abla?strahl ein, und betatigte alle vier Spruhkopfe auf einmal.
Als die Behalter ihren Inhalt mit hoher Geschwindigkeit in den Raum spritzten, spurte Gurronsevas einen ganz leichten Druck. Doch die Massentragheit des Frachtpakets und seines eigenen gewaltigen Korpers mu?te erst einmal uberwunden werden, und sie war zu gro?, als da? sich die Geschwindigkeit, mit der er sich vom Hospital wegbewegte, merklich reduziert hatte. Er wiederholte den Vorgang, bis er die Ventile samtlicher Behalter in Reichweite geoffnet hatte und von spritzenden, auf dem Kopf stehenden Kegeln aus Nahrungspraparat umgeben war. Da? der Mittelpunkt der Schubkraft seines merkwurdigen Vehikels nicht von der beabsichtigten Flugrichtung abwich, war ungemein wichtig. Darum warf er alle paar Sekunden einen Blick durch die winzigen Lucken zwischen den Behaltern, um sicherzugehen, da? die hell erleuchtete und inzwischen langsam anwachsende Offnung zum Ladeplatz zwolf sich nicht zur Seite bewegte. Sowie sie wegzudriften drohte, korrigierte er den Kurs mit den Anzugdusen.
Nach den Anzeigen im Helm war ihm die Schubkraft schon vor Minuten ausgegangen. Wie er annahm, waren die Anzeigen von vornherein ungenau ausgelegt, damit sie einen leeren Tank anzeigten, wenn in Wirklichkeit noch eine kleine Sicherheitsreserve vorhanden war. Inbrunstig hoffte er, da? man bei seinen Sauerstoffflaschen nach derselben Konstruktionsphilosophie vorgegangen war.
Die Atembeschwerden, das Pochen im Kopf und die zunehmenden Schmerzen in der Brust waren, so sagte er sich, wahrscheinlich psychosomatisch und vor allem durch sein Vorwissen bedingt. Doch er glaubte sich selbst nicht.
Langsam entfernte er sich von der anschwellenden Trummerwolke, und die Frachtschleuse vor ihm wurde immer gro?er. Die Mitglieder der Rettungsmannschaft meldeten weiterhin nur Mi?erfolge.
Mittlenoeile mu? mich doch mal jemand bemerkt haben! dachte Gurronsevas aufgebracht, und fast im selben Augenblick wurde er auf einmal von allen gleichzeitig entdeckt.
„Hier Rettungsmann vier! Sieht so aus, als ware eins der hudlarischen Pakete bei einem ganz verruckten Zusammensto? beschadigt worden, der die Behalter am einen Ende aufgerissen hat. Das Paket bewegt sich in entgegengesetzter Richtung zu den ubrigen Frachtstucken und konnte eine Gefahr fur das Personal.“
„Funf hier! Verruckter Zusammensto?, so ein Blodsinn! Unser vermi?ter Tralthaner sitzt auf dem Ding! O Mann, keine schlechte Idee! Aber der Kerl fliegt zu schnell aufs Hospital zu.“
„Rettungsteam, kann ihn einer von Ihnen abfangen?“
„Eins hier! Nein, nicht bevor er auftrifft. Wir bewegen uns alle in die falsche Richtung. An die Traktorstrahltechniker auf der Au?enhaut! Konnen Sie ihm eine weiche Landung bereiten?“
„Nein, Eins. Der Projektor ist erst in zehn Minuten einsatzbereit.“
„Dann vergessen Sie das, und raumen Sie den Bereich fur den Fall, da? er Ihnen auf dem Kopf landet.“
„Das kann ich mir nicht vorstellen, Eins. Wir haben seine Flugbahn berechnet und glauben, da? er es direkt durch die Schleuse schaffen wird. Dieser Tralthaner wei? genau, was er.“
„Hier Rettungsmann eins. Alle Traktorstrahltechniker im Innern des Gebaudes auf Pressorstrahlmodus umschalten. Fangen Sie ihn auf, wenn er hereingeflogen kommt. Entgiftungstrupp und medizinisches Team, halten Sie sich bereit.“
Gurronsevas’ Herz fing an, mit einer solchen Geschwindigkeit und einem derartigen Drohnen zu schlagen, da? er Schwierigkeiten hatte, den Rest des Gesprachs zu verfolgen. Trotz des getrubten Blickfelds konnte er sehen, wie die helle Offnung zum Ladeplatz zwolf auf ihn zuschnellte. Die Behalter mit dem Nahrungspraparat, die ihn antrieben, leerten sich allmahlich, jedoch nicht gleichma?ig, so da? das Paket eine langsame Rolle schrag zur Seite zu machen begann, durch die es auf die Kante der Schleusenoffnung zugetrieben wurde.
Fur einen kurzen Augenblick glaubte Gurronsevas, er wurde sicher hindurchkommen, doch eine Ecke seines Gefahrts schlug gegen die Lukeneinfassung, und das ganze Paket brach in die einzelnen Behalter auseinander. Wie durch ein Wunder blieb er dabei unverletzt, doch plotzlich befand er sich mitten unter etwa zweihundert Behaltern mit und ohne Nahrungspraparat, die allesamt schlingernd in hohem Tempo auf die Innenwand des Ladeplatzes zurasten. Diejenigen, deren Inhalt noch nicht ausgegangen war, entleerten sich jetzt rapide in alle Richtungen.
Beim Vorbeiwirbeln traf einer der Behalter Gurronsevas an der Brust, wenn auch nicht so heftig, da? es ihm weh tat, doch auf einmal ging das Sendelampchen des Kommunikators an. Wenn das Mistding nichts weiter als einen ordentlichen Schlag gebraucht hatte, dann…!
„Lassen Sie ihn da doch nicht so hangen, verdammt noch mal!“ rief eine gebieterische Stimme. „Ziehen Sie ihn in die Besatzungsschleuse. An den diensthabenden Arzt! Halten Sie sich bereit.“
„Hier Gurronsevas!“ meldete er sich mit gro?er Muhe. „Ich brauche Luft, keine arztliche Behandlung, und zwar dringend!“
„Sie sprechen wieder mit uns. gut!“ lautete die Antwort. „Einen Augenblick, in ein paar Minuten haben wir Sie an eine frische Sauerstoffflasche angeschlossen.“
