Proben der ungenie?baren Stoffe entnehmen. Mochten Sie sonst noch etwas besichtigen?“
„Ja, alles“, entgegnete Gurronsevas. „Aber vor allem den Essensbereich und die Kuchen.“
„Das uberrascht mich nicht, Chefdiatist“, sagte der Hudlarer, wobei er einen unubersetzbaren Laut ausstie?. „Sind Sie mit dem Aufbau dieser Schiffe vertraut?“
„Nur als Passagier“, antwortete Gurronsevas.
„Als Passagier werden Sie ja bereits wissen, da? die meisten Raumschiffe der Foderation auf Nidia, auf der Erde und auf Ihrem schwerkrafttrachtigen Heimatplaneten Traltha gebaut werden, weil diese drei Kulturen die zuverlassigsten Schiffe herstellen“, fuhr der Hudlarer fort. „Obwohl die Steuerungs- und Lebenserhaltungssysteme und die Mannschaftsunterkunfte an allen Produktionsorten speziell auf die Spezies der Benutzer abgestimmt werden, sind die tralthanischen Schiffe sowohl bei den kommerziellen Schiffsfuhrern als auch beim Monitorkorps selbst am beliebtesten.“
„Das Korps behauptet sogar, da? selbst die tralthanischen Planierraupen von Uhrmachern zusammengesetzt worden sein mussen“, schlo? sich Gurronsevas der Wurdigung des tralthanischen Schiffsbaus voller Stolz an.
Der Hudlarer schwieg einen Moment. „Stimmt. Doch ich mochte Sie keineswegs beleidigen, indem ich Ihnen ein geringes Allgemeinwissen unterstelle. Ich will Ihnen nur sagen, da? wir uns hier auf einem robusten Schiff befinden, das nach hudlarischen Vorgaben auf Traltha gebaut worden ist. Also konnen Sie sich getrost entspannen und sich trotz Ihres alles anderen als unbetrachtlichen Gewichts an Bord nach Lust und Laune frei bewegen, da unsere Anlagen und Ausrustungsgegenstande gegen versehentliche Beschadigungen unanfallig sind.“
„Das freut mich zu horen“, antwortete Gurronsevas erleichtert und stampfte anerkennend abwechselnd mit seinen sechs schweren Fu?en auf, und zwar mit einer Wucht, durch die er den Boden im Orbit Hospital stark eingebeult hatte. „Danke.“
Wahrend er den beiden Hudlarern zum Kommandodeck folgte, dachte er, da? die Beleuchtung ein wenig schwacher als auf seinem Heimatplaneten war und durch irgendeine gallertartige Suspension in der Atmosphare noch weiter verschlechtert wurde, die sich als grauer Film auf seinem Visier niederschlug, das er alle paar Minuten sauberwischen mu?te. Im Gegensatz zu ihm fuhlten sich die beiden Hudlarer offensichtlich nicht durch diese Schmutzpartikel gestort.
An den Anlagen und Displays auf dem Kommandodeck zeigte Gurronsevas nur hofliches Interesse, am Bildschirm, auf dem die Entladearbeiten aus dem Blickwinkel des Frachters zu sehen waren, blieb er jedoch langer stehen. Wie ihm das hudlarische Besatzungsmitglied erklarte, wurde die Nahrstoffsubstanz fur die Synthesizer im Abschnitt der warmblutigen Sauerstoffarmer als erstes entladen, da sie unanfallig gegen Schaden oder chemische Veranderungen durch grobe Handhabung war. Die Substanz fur Illensaner und die Behalter mit dem komprimierten Nahrungspraparat fur Hudlarer mu?ten dagegen sanfter behandelt werden. Darum wurden sie nicht von den Traktorstrahltechnikern herumgeworfen, sondern von spezialisierten Verladeteams per Hand oder auf G- Schlitten zum jeweiligen Lagerraum transportiert. Sobald im Laderaum des Frachters und auf dem luftleeren Ladeplatz der normale atmospharische Druck wiederhergestellt war, wurden die internen Transporttrupps, die ohne Raumanzuge arbeiteten, zu den ubrigen Verladearbeitern sto?en. Diesen Vorgang konnten Gurronsevas und die beiden Hudlarer schlie?lich auf dem Bildschirm verfolgen, doch angesichts des Volumens, uber das das Entladedock und der Laderaum des Frachters zusammengenommen verfugten, stieg der atmospharische Druck nur langsam an, so da? gerade genug Zeit bleiben wurde, um die weniger zerbrechlichen Frachtstucke zu loschen.
„Das Schiff hat von allen drei Nahrungssorten genugend geladen, um die Versorgung des Hospitals fur ein viertel Einheitsjahr zu sichern“, erklarte der fremde Hudlarer weiter. „Fur die Nahrungsversorgung der ausgefalleneren Lebensformen, wie diesen TLTU-Diagnostiker hier am Hospital, der hei?en Dampf atmet und wer wei? was i?t, oder die VTXMs von Telfi, die von direkter Strahlenumwandlung leben, sind wir nicht verantwortlich. Und Sie, hoffe ich, auch nicht.“
„Nein“, antwortete Gurronsevas. „Wenigstens bis jetzt noch nicht.“
Nach seinem ersten Eindruck ahnelte der Essensbereich auf dem Schiff noch am ehesten dem gemeinschaftlichen Duschraum einer fremden Spezies, falls man ihn uberhaupt mit etwas vergleichen konnte. Der kleine Speisesaal bot bis zu zwanzig Hudlarern gleichzeitig Platz, wenngleich der Raum gerade von nur funf Besatzungsmitgliedern betreten wurde, als Gurronsevas und seine beiden Begleiter eintrafen. Anstatt sich der Unannehmlichkeit auszusetzen, sich seinen Schutzanzug und Helm von einer Schicht aus hudlarischem Nahrungspraparat verschmutzen zu lassen, riet man ihm, lieber drau?en zu bleiben und die Vorgange vom Gang aus durch ein Sichtfenster zu verfolgen. Seine beiden Begleiter, deren gut bedeckte Absorptionsorgane bewiesen, da? sie erst vor kurzem gegessen hatten, leisteten ihm Gesellschaft. Die ubrigen Hudlarer eilten in den Raum, und der letzte schaltete die Anlage an.
Sofort begannen die Spruhkopfe, die in engen Abstanden an den Wanden und der Decke angebracht waren, mit hohem Druck Nahrungspraparat in den Raum zu pumpen, bis dieser mit dichtem Nebel gefullt war. Gleich darauf sprangen in den Wanden verborgene Geblase an, peitschten die dichte Atmosphare im Raum zu einem Sturm auf und hielten die Nahrungspartikel auf diese Weise in der Schwebe.
„Zwar ist das Praparat mit dem, das am Hospital und auf allen hudlarischen Schiffen und Raumunterkunften verwandt wird, identisch“, erklarte der fremde Hudlarer, „aber die heftige Luftbewegung im Speiseraum weist eine gro?e Ahnlichkeit mit den standigen Sturmen auf unserem Heimatplaneten auf, wodurch man sich beim Essen fast wie zu Hause fuhlt und es einem vielleicht sogar ein wenig besser schmeckt. Wie Sie gleich sehen werden, erinnert das Freizeitdeck noch starker an die Heimat, da dort jedoch keine Nahrungspartikel herumschwirren, konnen Sie sich dort auch ohne Probleme bewegen.“
Weil sich die ubrigen Besatzungsmitglieder entweder im Speiseraum aufhielten oder die Fracht loschten, wurde das Freizeitdeck momentan nicht genutzt. Durch das Licht, das hier noch gedampfter als auf dem Gang war, konnte Gurronsevas gerade noch die Einzelheiten von Trainingsgeraten, abgeschalteten Bildschirmen zum Lesen und zur Unterhaltung und Gebilde mit harten, unregelma?igen Formen ausmachen, bei denen es sich womoglich um Skulpturen handelte. Da die Hudlarer wegen ihrer zahen Haut keine weichen Sitzgelegenheiten zum Entspannen brauchten, waren keine gepolsterten Liegen vorhanden. Aus einer straff gespannten, runden Membran, die in die Decke eingelassen war, drang ein Pfeifen und Jammern, das, wie man Gurronsevas erklarte, hudlarische Musik zur Entspannung darstellte, die jedoch einen fast aussichtslosen Kampf gegen das laute Heulen und Zischen des kunstlichen Winds fuhrte, der durch den Raum fegte.
Einige der Boen waren gelegentlich derartig heftig, da? sie Gurronsevas von den sechs weit gespreizten tralthanischen Beinen zu blasen drohten.
„Gegen meinen Anzug und das Visier klatschen dauernd irgendwelche kleinen Gegenstande, von denen sogar einige zu leben scheinen“, rief er uber den Larm hinweg.
„Das sind vom Wind getragene Insekten mit Stacheln, die auf unserem Planeten heimisch sind und normalerweise im Boden leben“, klarte ihn der fremde Hudlarer auf. „Die geringen Mengen Giftstoffe, die die Stacheln absondern, reizen kurz unsere Absorptionsorgane, ansonsten sind sie wirkungslos. Fur eine Spezies wie die Ihre, die uber einen gut entwickelten Geruchssinn verfugt, entspricht die von den Insekten erfullte Funktion der von scharf riechenden Duftpflanzen oder Gewurzen. Wie viele Tiere brauchen Sie?“
„Ein paar von jeder Art, falls es mehr als jeweils eins gibt“, antwortete Gurronsevas. „Am liebsten waren mir Insekten mit unversehrten Stacheln und Giftdrusen. Ist das moglich?“
„Selbstverstandlich“, bestatigte der Hudlarer. „Offnen Sie einfach Ihre Probenflasche, und verschlie?en Sie sie wieder, wenn genugend Insekten hineingeblasen worden sind.“
Gurronsevas hatte bereits mit dem Gedanken gespielt, in der Hauptkantine des Hospitals einen Bereich fur die ausschlie?liche Nutzung durch Hudlarer abzuteilen und dort Windmaschinen aufzustellen und einen kleinen Schwarm einheimischer Insekten auszusetzen, um den FROBs die Umgebung, in der sie ihre Mahlzeit einnahmen, angenehmer zu gestalten, doch diese Idee mu?te er fallenlassen. Die Insekten, die gegen seinen Anzug geblasen wurden, versuchten mit gro?er Hartnackigkeit, ihn durch den Anzugstoff zu bei?en und zu stechen, und der Gedanke an das Chaos, das sie unter den ungeschutzten Kantinenbesuchern anrichten konnten, falls sie aus dem abgeschlossenen Bereich der Hudlarer entkamen, war zu schrecklich, um die Sache ernsthaft ins Auge zu fassen. Gurronsevas kam zu dem Schlu?, da? es sich bei dem Einspruhen mit dem Nahrungspraparat aus den Behaltern um eine einfache und sehr bewahrte Methode der Nahrungsaufnahme handelte, auch wenn das Praparat selbst vom Geschmack her an nichts erinnerte, was es auf Hudlar gab.
Wahrend die beiden FROBs weiterhin die Empfindungen beschrieben, die die Insekten verursachten, wenn sie uber die au?eren Schichten der Absorptionsorgane herfielen, bemerkte Gurronsevas, da? ihre Gliedma?en von
