Ausfuhrlichkeit zu erklaren, und das Bild, das sich nun von dem Lebensraum auf Hudlar vor Gurronsevas’ Augen ausbreitete, war faszinierend und kaum zu glauben. Als Schuler war der Chefdiatist in den Geschichtsstunden, in denen die Planeten der Foderation behandelt wurden, mit den Grundkenntnissen uber Hudlar in Beruhrung gekommen. Doch erst jetzt fing er an, diesen Planeten wie ein einheimischer Bewohner richtig einzuschatzen und zu verstehen. Allerdings enthielt das Wortgemalde des FROBs Lucken, weil dieser von Zeit zu Zeit und oftmals mitten im Satz eine Pause machte, als ob er nicht mit voller Konzentration bei dem ware, was er sagte. Als Gurronsevas seinem starren Blick folgte, wurde der Grund dafur offensichtlich.

„Das Schiff hat eine hudlarische Besatzung“, sagte Gurronsevas, wobei er auf den offenen Laderaum und die Gestalten deutete, die damit beschaftigt waren, Container fur das Herausziehen mit dem Traktorstrahl an die richtige Stelle zu schaffen. „Kennen Sie jemanden an Bord?“

„Ja“, antwortete der Assistenzarzt. „Wir sind zusammen aufgewachsen. Eine Freundin der Familie, die zur Zeit dem weiblichen Geschlecht angehort und meine Lebensgefahrtin werden soll.“

„Ich verstehe“, sagte Gurronsevas vorsichtig. Beim hudlarischen Fortpflanzungsmechanismus handelte es sich um ein Thema, mit dem zu befassen er kein Bedurfnis verspurt hatte, und in die psychischen Probleme eines liebeskranken Hudlarers wollte er sich auf keinen Fall verwickeln lassen.

„Wenn ich Sie richtig verstanden habe“, fuhr er fort, indem er den Themenwechsel einfach uberging, „besteht die suppenartige Atmosphare auf Ihrem Heimatplaneten, aus der Sie die Nahrstoffe direkt aufnehmen, aus kleinen, lebenden tierischen und pflanzlichen Organismen, die wegen der heftigen Sturme, die ununterbrochen uber Ihren Planeten fegen, standig in den unteren Schichten der Atmosphare suspendiert bleiben. Die Giftstoffe, die ebenfalls vorhanden sind, werden von den Geschmacksrezeptoren in Ihren Absorptionsorganen erkannt, da sie eine stechende oder brennende Empfindung verursachen, und werden entweder gar nicht erst aufgenommen oder neutralisiert. Dabei steht die Starke des Brennens oder Stechens in direktem Verhaltnis zum Giftigkeitsgrad. Ist es vielleicht das Fehlen dieser unangenehmen Geschmacksempfindungen, uber das Sie sich vor allem beklagen?“

„Genau so ist es, Sir“, bestatigte der Hudlarer prompt. „Der gelegentliche schlechte Geschmack ist — oder ware — eine Erinnerung an die Heimat und an die Normalitat.“

Kurz dachte Gurronsevas nach, dann sagte er: „Die Idee, su? mit sauer oder das Bei?ende mit dem Milden zu kombinieren, um die Geschmacksempfindung zu steigern, kann ich gut nachvollziehen. Aber offen gesagt, glaube ich nicht, da? man mir vom Hospital aus erlauben wurde, in die Speisen einer Spezies absichtlich Giftstoffe hineinzumischen, erst recht nicht, wenn dadurch die ubrigen Nahrungsmittel schnell ungenie?bar wurden.“

Zwar besa? der Hudlarer keine Gesichtszuge, die seine Gefuhle hatten widerspiegeln konnen, doch die harten Muskeln, die die Sprechmembran umgaben, waren langsam schlaff geworden. „Trotzdem bin ich bereit, das Problem ins Auge zu fassen“, fuhr Gurronsevas fort. „Wie kann ich an Proben von diesen ma?ig giftigen Stoffen gelangen? Mussen Sie die erst von Hudlar kommen lassen?“

„Nein, Sir“, antwortete der Assistenzarzt schnell, dessen Sprechmembran vor Aufregung wieder straff gespannt war. „Eine gro?e Menge der hudlarischen Atmosphare ist in das Frachtschiff gelangt, wahrend es auf meinem Heimatplaneten beladen worden ist. Auf dem Freizeitdeck werden Sie noch einen Rest finden. Zwar wird die Atmosphare inzwischen ziemlich verbraucht sein, doch die ungenie?baren Stoffe, die Sie benotigen, sind bestimmt reichlich vorhanden. Und falls Sie an einem Rundgang durch das Schiff interessiert sein sollten, wahrend Sie die Proben entnehmen, wurde ich mich freuen, das fur Sie zu arrangieren.“

Gurronsevas fiel die Freundin des hudlarischen Arztes aus der Kindheit ein, die sich noch irgendwo an Bord des Frachters befinden mu?te. Da? Sie das freuen wurde, glaube ich Ihnen sofort, dachte er.

10. Kapitel

Da der hudlarische Assistenzarzt lediglich Magnetscheiben an den Greiforganen und einen Kommunikator in einem mit Luft gefullten Beutel, der vollstandig abdichtend rund um die Sprechmembran angebracht werden mu?te, ansonsten aber keinen wie auch immer gearteten Schutz vor der Umgebung benotigte, hatte er diese Ausrustungsgegenstande sehr schnell angelegt und war lange vor Gurronsevas fertig. Als Hudlarer verfugte er allerdings auch uber keine andere Moglichkeit, als durch die an den Tag gelegte Eile seine Ungeduld zum Ausdruck zu bringen.

Als Gurronsevas etwas vom Eintreffen eines hudlarischen Frachters an Ladeplatz zwolf zu Ohren gekommen war, hatte er sich entschlossen, einige Zeit damit zu verbringen, den Entladevorgang zu beobachten. Das geschah aus beruflicher Neugier. Er wollte alle Seiten der Nahrungsversorgung, der Lagerung, der Verteilung und der Verarbeitungsanlagen des Hospitals kennenlernen und — falls notig — in Frage stellen; selbst wenn er die dadurch erworbenen Kenntnisse nie benotigen wurde, da er als Chefdiatist uber ein hervorragendes Fachpersonal verfugte, das sich um die Versorgung mit Speisen und Getranken sorgte. Doch schon immer hatte er den Grundsatz befolgt, sich in jeder neuen Stellung voll einzusetzen, und er hatte keine Lust, eine lebenslange Gewohnheit zu andern.

Wenige Minuten spater tauchte Gurronsevas zusammen mit dem hudlarischen Assistenzarzt, der die Fuhrung ubernahm und sich dicht uber den Bodenplatten hielt, in das zeitweilige schwerelose Vakuum im gewaltigen Entladedock ein. Dabei wurden sie von den wiederholten Mahnungen begleitet, nicht den Verladearbeitern in den Weg zu kommen oder sich zwischen die Traktorstrahlprojektoren und die ausgeladenen Container zu begeben, die in scheinbar unbekummertem Tempo bewegt und aufeinandergestapelt wurden. Als sie in die Schleuse selbst hinein wollten, drang eine Stimme aus Gurronsevas’ Kommunikator, die einen dreiminutigen Stopp der Entladearbeiten anordnete, um es zwei Mitgliedern des Hospitalpersonals zu ermoglichen, die Schleuse zu durchschreiten. Die Stimme, aus der Gurronsevas nicht auf die Spezieszugehorigkeit des Sprechers schlie?en konnte, klang sowohl ungeduldig als auch gebieterisch.

Aus der Verlademannschaft loste sich ein fremder Hudlarer, der sich ihnen anschlo?. Er verhielt sich hoflich und freundlich, und das um so mehr, als der Assistenzarzt ihn uber Gurronsevas’ Stellung am Hospital und dessen berufliches Interesse aufklarte, die Qualitat des hudlarischen Nahrungspraparats in den Behaltern zu verbessern. Dagegen, da? zwei Angehorige des Hospitalpersonals das Schiff besichtigen wollten, gebe es keinerlei Einwande, sagte der fremde Hudlarer, vorausgesetzt, ein Mitglied der Besatzung begleite sie. Im selben Atemzug bot er sich selbst fur diese Aufgabe an und fuhrte die beiden Besucher zu der in der Nahe befindlichen Besatzungsschleuse.

Genau wie die Chalder nannten oder gebrauchten auch die Hudlarer ihre Namen nicht in der Gegenwart von jemandem, bei dem es sich nicht um einen Familienangehorigen oder einen engen Freund handelte, und dieser FROB hier hatte nicht einmal seinen Dienstgrad, seine Aufgaben oder seine Erkennungsnummer verraten. Folglich hatte Gurronsevas keine Ahnung, mit wem er es zu tun hatte. Nach der selbstbewu?ten Sprechweise des Hudlarers zu urteilen, die dieser anschlug, als er die Nahrungsaufnahmemechanismen seiner Spezies erorterte, handelte es sich bei ihm moglicherweise um den Bordarzt oder medizinischen Offizier des Schiffs.

Ob es sich bei ihm oder ihr sogar um die hudlarische Freundin handelte, auf deren Ankunft der Assistenzarzt so sehnsuchtig gewartet hatte, wu?te Gurronsevas ebenfalls nicht. Hudlarer standen im Ruf, au?erst zuruckhaltend zu sein, zumindest in der Offentlichkeit.

„Sind Ihnen die Einstellungen der Schwerkraft und des Au?endrucks einigerma?en angenehm?“ erkundigte sich der fremde Hudlarer, als sie das Mannschaftsquartier betraten. Er betrachtete Gurronsevas’ Schutzanzug, dessen elastische Teile fest gegen den Korper gepre?t waren. Hudlarer konnten zwar lange Zeit ohne Luft und Schwerkraft leben und arbeiten, doch wann immer es moglich war, zogen sie die von zu Hause gewohnten Bequemlichkeiten hoher Gravitation und gro?en atmospharischen Drucks vor.

„Ziemlich angenehm“, antwortete Gurronsevas. „Im Grunde kommen diese Umweltbedingungen denen auf meinem Heimatplaneten viel naher als die normale terrestrische Anziehungskraft von einem Ge, die im Hospital aufrechterhalten wird. Doch meinen Anzug werde ich lieber nicht offnen, falls es Ihnen nichts ausmacht. Zwar ist Ihre Atmosphare sauerstoffhaltig genug, um fur mich nicht todlich zu sein, aber sie enthalt auch andere Bestandteile, von denen einige vielleicht noch am Leben sind, und die konnten mir Atembeschwerden verursachen.“

„Es macht uns nichts aus, wenn Sie Ihren Anzug geschlossen lassen“, sagte der fremde Hudlarer. „Auf dem Freizeitdeck werden Sie ubrigens noch mehr von diesen Bestandteilen vorfinden. Dort konnen Sie auch die besten

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