Ihre Beobachtungen heimlich anstellen und mich unverzuglich uber alle auch noch so geringfugigen Verhaltensanderungen informieren wurden, die mit den Abwandlungen, die ich an den Gerichten vornehmen werde, zusammenhangen.“

„Wie lange wird das Projekt voraussichtlich dauern?“ wollte Braithwaite wissen. „Einen Monat? Eine unbegrenzte Zeit lang?“

„Du meine Gute, nein!“ widersprach Gurronsevas entschieden. „Im Hospital gibt es uber sechzig verschiedene Lebensformen, die essen mussen und meine Aufmerksamkeit erfordern. Es dauert zehn oder hochstens funfzehn Tage.“

„Also gut“, sagte der Lieutenant mit einem Kopfnicken. „Geringe Veranderungen der Personlichkeit oder des Verhaltens zu beobachten, die manchmal ein erstes Anzeichen fur die Entwicklung eines gro?eren psychologischen Problems sind, ist genau das, wofur wir in dieser Abteilung ausgebildet worden sind. Gibt es sonst noch etwas, das wir fur Sie tun konnen?“

„Danke, nein“, antwortete Gurronsevas.

Als er sich zum Gehen wandte, sagte Lioren: „Wo wir gerade von Veranderungen der Personlichkeit sprechen, wir haben Geruchte uber Oberschwester Hredlichli gehort. In den vergangenen Tagen soll sie sich au?erst merkwurdig benommen haben, indem sie dem ihr unterstellten Stationspersonal gegenuber Mitgefuhl und Rucksicht an den Tag gelegt und erste Anzeichen gezeigt hat, ein fast liebenswerter Charakter zu werden. Haben die Veranderungen, die Sie an der PVSJ-Verpflegiung vorgenommen haben, irgend etwas damit zu tun, Chefdiatist?“

Alle drei gaben diese leisen, unubersetzbaren Gerausche von sich, was darauf hindeutete, da? die Frage nicht ernst gemeint war. Sanft erwiderte Gurronsevas das Lachen.

„Das will ich doch hoffen“, sagte er. „Aber bei Major O’Mara kann ich keinen ahnlichen Erfolg garantieren.“

Mit dem kleinen Teil des Verstands, der sich nicht darauf konzentrierte, Zusammensto?e auf den belebten Korridoren zu vermeiden, dachte Gurronsevas uber Hredlichli nach. Mit der Arbeit an der Verbesserung der PVSJ- Verpflegung hatte er bereits viel mehr Zeit verbracht als beabsichtigt, doch das lag daran, da? die Chloratmerin andauernd mehr reden als essen wollte, und wie Gurronsevas wu?te, war der Gro?teil der Zeit, so angenehm solche Gesprache auch hin und wieder sein mochten, vergeudet. Doch in wenigen Stunden wurden Hredlichli und er den gegenseitigen beruflichen Kontakt wieder losen, was er mittlerweile fast bedauerte.

Als er auf der Station eintraf, war er nicht uberrascht, Murchison und Timmins bereits vorzufinden. Die Pathologin winkte ihm mit einer Hand zu und sagte, sie habe sich fur den Rest des Tages aus ihrer Abteilung abgemeldet, weil hier der Ort sei, wo etwas passiere. Das klang zwar wie ein schmahliches Eingestandnis beruflicher Nachlassigkeit und Verantwortungslosigkeit, doch Gurronsevas hatte gelernt, nicht alles, was die Pathologin sagte, ernst zu nehmen.

Wegen Gurronsevas’ Sorge, da? alles schiefgehen konnte, war Lieutenant Timmins von ihm gebeten worden, die zur Unterstutzung geschickten Wartungstechniker bei den endgultigen Anderungen des Programms zu beraten, das im Synthesizer laufen wurde, der den kleinen Speisesaal fur PVSJs mit Essen versorgte. Timmins war viel zu beschaftigt, um Gurronsevas’ Ankunft oder selbst Murchison zu bemerken, und die Lebensmitteltechniker Dremon und Kledath stellten durch das ungeduldige Krauseln ihrer Felle klar, da? sie keinen Rat brauchten.

Murchison naherte sich dem Tralthaner und berichtete in lebhaftem Ton: „Wir haben unsere Analyse der Probe von dem Schutzfilm abgeschlossen, mit dem das Ubungsgerat im Bewegungsraum neben dem Essensbereich der Chloratmer uberzogen ist. Die Substanz ist bereits als unbedenklich freigegeben worden, und das ist sie auch immer noch, doch der Film auf diesem Ubungsgerat hat auch eine geringe Menge eines unbekannten Stoffs enthalten, der wahrscheinlich versehentlich bei der Herstellung hineingeraten ist. Wird der Schutzfilm uber einen langen Zeitraum hinweg einer Chloratmosphare ausgesetzt, lost sich dieser Stoff heraus und setzt dabei winzige Mengen eines Gases frei, das fur Chloratmer selbst in hohen Konzentrationen harmlos ist, obwohl es fur ihre Umgebung und ihren Metabolismus etwas vollkommen Fremdes darstellt. Den Geruch des Gases hat der Illensaner in der Pathologie als „appetitanregend“ beschrieben. Das war eine gute Beobachtung und Schlu?folgerung von Ihnen.“

„Danke“, sagte Gurronsevas. „Doch den gro?ten Teil der Anerkennung verdient Hredlichli. Es war namlich die Oberschwester, die mich als erste darauf hingewiesen hat, da? ihr von einigen ihrer Kolleginnen, die dieses Ubungsgerat vor den Mahlzeiten benutzt haben — offenbar holen sich die Illensaner eine Magenverstimmung, wenn sie sich nach dem Essen bewegen—, versichert worden ist, es habe ihnen dabei geholfen, Appetit zu bekommen. Wenn man in die richtige Richtung gewiesen wird, ist es viel leichter, an sein Ziel zu gelangen.“

„Ach, Sie sind viel zu bescheiden“, tadelte ihn Murchison. „Aber was planen Sie als nachstes, und wen haben Sie dafur vorgesehen?“

Soweit sich Gurronsevas erinnern konnte, war es das erste Mal, da? man ihm Bescheidenheit vorwarf.

Timmins, der sich mit dem Kopf uber das Bedienungspult gebeugt hatte, wandte sich urplotzlich um und sagte: „Die Antwort darauf kann ich auch kaum erwarten.“

Alle Augen waren nun auf Gurronsevas gerichtet. Selbst die Kelgianer schwiegen, und ihr Fell war vor Neugier zu starren, reglosen Buscheln aufgerichtet. Gurronsevas war klar, da? er mit au?erster Vorsicht antworten mu?te, wenn er erzahlen wollte, was er vorhatte, ohne zu verraten, wen er sich dafur ausgesucht hatte.

„Die Sache mit der PVSJ ist fur mich zwar eine verlockende, aber fast theoretische Aufgabe gewesen, weil sie darin bestanden hat, Gerichte zuzubereiten und anzurichten, die ich selbst nicht probieren konnte und die fur mich sofort todlich gewesen waren, wenn ich es versucht hatte“, erklarte er. „Mein nachstes Projekt wird reizvoller und gleichzeitig fur alle Beteiligten weniger gefahrlich sein, da das Essen weder mich noch irgendeinen anderen warmblutigen Sauerstoffatmer vergiften kann, auch wenn es vom Geschmack und von der Art her, auf die es angerichtet ist, auf mich personlich absto?end wirken konnte.

Bei der Versuchsperson wird es sich diesmal um einen terrestrischen DBDG handeln, einem Mitglied der Spezies, der im Hospital mehr als ein Funftel der Mitglieder des medizinischen und des Wartungspersonals angehoren und deren Vorlieben beim Essen, wie ich aus meiner langen Erfahrung im Cromingan-Shesk wei?, nur schwer zu befriedigen sind“, fuhr er fort. „Danach hoffe ich mich mit den kelgianischen, melfanischen und nallajimischen Spezies befassen zu konnen, wenn auch nicht unbedingt in dieser Reihenfolge.“

Die Felle der Kelgianer gerieten in Wirbelbewegungen, die zu schnell uber die Korper liefen, als da? Gurronsevas imstande gewesen ware, ihre Empfindungen richtig zu deuten. Murchison lachelte, und Timmins sagte schnell: „Ich wurde mich mit Vergnugen als Freiwilliger melden, Sir.“

„Lieutenant“, bremste ihn die Pathologin in entschiedenem Ton. „Stellen Sie sich gefalligst hinten an, erst mal komme ich dran.“

Gurronsevas wollte gerade mitteilen, da? er keine terrestrischen Freiwilligen mehr benotigte, als auf dem Bildschirm des Kommunikators im Labor die Gestalt von Hredlichli auftauchte. Wie Gurronsevas auf den ersten Blick sah, meldete sich die Oberschwester aus ihrer Privatunterkunft, denn die Gesichtszuge wurden nicht durch eine Druckhulle verwischt, sondern waren deutlich sichtbar.

„Herr Chefdiatist“, sagte sie, „ich ware Ihnen au?erst dankbar, wenn Sie mir einen neuen Bericht uber die Fortschritte Ihres letzten Versuchs, Gree in Yursil-Gelee synthetisch zuzubereiten, zukommen lassen wurden. Der Probe hatte ich voller Ungeduld entgegengesehen, sie hat mich jedoch nicht erreicht. Was ist mit ihr passiert?“

Lebensmitteltechniker Liresschi ist ihr passiert, dachte Gurronsevas und antwortete laut: „Seit unserem gestrigen Gesprach habe ich sehr gute Fortschritte erzielt. Genau gesagt: ich habe funf Erganzungen zur PVSJ- Verpflegung fur die Zubereitung durch den Synthesizer fertiggestellt. Bei zweien handelt es sich um Hauptgerichte, und die anderen drei sind erganzende oder kontrastierende So?en, die wir fur bereits existierende Speisen entwickelt haben. Morgen zur Hauptessenszeit werden Ihre illensanischen Freundinnen und Freunde die Ergebnisse probieren konnen. Aber vergessen Sie nicht, sie alle daran zu erinnern, da? die Gerichte synthetisch sind und der charakteristische, langweilige Geschmack synthetischer Nahrung, uber den Sie sich beklagt haben, nicht beseitigt, sondern nur durch die neuen Bestandteile ubertuncht worden ist.

Eine der Zutaten in der Fryelliso?e kommt auf Ihrem Heimatplaneten zwar nicht in der Natur vor, aber die pathologische Abteilung hat mir versichert, da? sie Ihrem Metabolismus nicht schadet“, setzte er seinen Bericht fort. „Ihr Reiz liegt in den appetitanregenden Wirkungen des Dufts und des Aussehens. Die So?e selbst ist geschmacksneutral, doch Sie werden Schwierigkeiten haben zu glauben, da? irgend etwas, das fur Sie derart lekker aussieht und riecht, nicht auch’gut schmecken sollte.

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