mein Lieblingsgericht von den Speiseplanen anderer Spezies sind die nallajimischen Tausendfu?ler namens Strill, bei denen es sich um wunderschon gemusterte Kriechtiere mit schwarzem und grunem Haar handelt, die etwa so lang sind“ — er zeigte den anderen die entsprechende Lange — „und naturlich lebend serviert werden, und zwar in einem genie?baren Kafig aus Cruulan-Blatterteig.“

„Bitte“, beschwerte sich Braithwaite, „ich will gerade essen.“

„Ich leide ebenfalls an einem zunehmenden Unbehagen in der Magengegend“, schlo? sich ihm Cha Thrat an. „Wahrscheinlich stulpt sich gleich mein Innerstes nach au?en.“

„Leiden ist gut fur die Seele, Cha Thrat“, mischte sich Padre Lioren ein,

„und falls sich Ihre Vermutung bewahrheiten sollte, werden wir herausfinden, ob Sie tatsachlich eine Seele besitzen.“ Gurronsevas bemuhte sich noch, sich eine Bemerkung einfallen zu lassen, die sich sowohl auf die Kochkunst als auch auf die Theologie bezog, als sich ein Hudlarer, der die Abzeichen eines Assistenzarztes trug, dem Tisch naherte und die Sprechmembran vibrieren lie?.

„Chefdiatist Gurronsevas?“ fragte er schuchtern und wartete verlegen auf eine Antwort.

Wie Gurronsevas aus langer Erfahrung wu?te, besa?en die Hudlarer von allen Spezies in der Foderation die dickste und unempfindlichste Haut, waren aber zugleich auch am verletzlichsten. „Ja, Doktor. Kann ich Ihnen helfen?“

„Vielleicht sind Sie in der Lage, mir und meinen FROB-Kollegen zu helfen“, antwortete der Hudlarer. „Doch ist das jetzt auch kein ungunstiger Zeitpunkt fur Sie? Unser Problem ist zwar ernst, aber nicht dringend.“

„Ich habe noch ein paar Minuten Zeit, bevor ich mich auf den Weg zum Ladeplatz zwolf machen mu?“, erwiderte Gurronsevas. „Falls Sie mehr Zeit brauchen, konnen wir uns beim Gehen weiter unterhalten. Was haben Sie auf dem Herzen, Doktor?“

Wahrend des kurzen Wortwechsels hatte Gurronsevas mit allen vier Augen den Hudlarer gemustert, der, obwohl er nicht viel gro?er als der Tralthaner war, wenigstens das Vierfache an Korpermasse aufwies. Der Assistenzarzt besa? sechs tentakelartige Gliedma?en, die ihm sowohl als Greif- als auch als Fortbewegungsorgane dienten, und wie viele Lebensformen mit ungeheurer Korperkraft, die gezwungen waren, inmitten von Wesen zu leben, die betrachtlich schwacher waren als sie, bewegte er sich vorsichtig und behutsam.

Wie sich Gurronsevas erinnerte, hatten sich die Hudlarer, die der physiologischen Klassifikation FROB angehorten, auf einem Planeten mit gro?er Schwerkraft, hohem Druck und einer uberaus dichten Atmosphare entwickelt, die einer dickflussigen Suppe ahnelte. Ihre Korper bedeckte eine Haut, die nur um die Augen herum durchsichtig war und die Widerstandsfahigkeit eines biegsamen Panzers aufwies. Durch sie waren die Hudlarer nicht nur gegen den geradezu brutalen Au?endruck geschutzt, der in ihrem heimischen Lebensraum herrschte, sondern sie ermoglichte es ihnen auch, bequem in jedem atmospharischen Druck bis hin zum Vakuum im All zu arbeiten. Die Haut wies weder Nahte noch Korperoffnungen auf, die Sprechmembran diente gleichzeitig als Hororgan, und die FROBs atmeten nicht. Die Nahrung wurde durch Absorptionsorgane aufgenommen, die den gesamten Rucken und beide Seiten des Korpers uberzogen, und die Abfallstoffe schied ein ahnlicher Mechanismus auf der Unterseite aus. Beide Organsysteme standen unter willkurlicher Kontrolle. Befanden sich die Hudlarer nicht auf ihrem Heimatplaneten, mu?ten sie sich in kurzen Zeitabstanden mit einem Nahrungspraparat bespruhen, da sie einen hohen Energieverbrauch hatten.

Das alltaglichste Problem der Hudlarer bestand im regelma?ig auftretenden Hunger. Wenn sie sich auf ihre Aufgaben oder auf ein interessantes Gesprach konzentrierten oder zu den Spruhgeraten in der Kantine eilten, kam es oft vor, da? sie, sowie ihnen die Nahrstoffe ausgingen, auf einer Station oder einem Korridor zusammenbrachen, und sie konnten nicht wiederbelebt werden, bevor man sie nicht von neuem mit dem Nahrungspraparat bespruht hatte. Geschah das unverzuglich, kam es zu keinen schadlichen Nachwirkungen, deshalb wurde ein solcher Zustand auch weniger als medizinischer Notfall, sondern eher als eine hospitalinterne Plage betrachtet. Um die Zahl der Zwischenfalle mit Hudlarern zu verringern, die aus Mangel an Nahrstoffen zur falschen Zeit am falschen Ort zusammenbrachen, war jede Station fur Sauerstoffatmer im Hospital mit einem Vorrat an hudlarischem Nahrungspraparat zur Verwendung in diesen Nicht-Notfallen versehen. Doch wie Gurronsevas sah, waren die Absorptionsorgane des Hudlarers, der jetzt vor ihm stand, von einer dicken Schicht des Nahrungspraparats uberzogen, deshalb konnte sein Problem nichts mit Essen zu tun haben.

Es ist immer falsch, voreilige Schlusse zu ziehen, sagte sich Gurronsevas, als der Hudlarer zu sprechen begann.

„Sir“, sagte er, „hier sprechen alle von den Veranderungen, die Sie an der Verpflegung der Chalder, der Illensaner und der Terrestrier vorgenommen haben. Ich, das hei?t, wir Hudlarer mochten nicht, da? Sie glauben, wir wurden Ihnen nur ein Kompliment machen, um Ihre zukunftigen Ma?nahmen zu beeinflussen, denn das Kompliment haben Sie auf jeden Fall verdient, ob Sie nun. Oh, gehen Sie jetzt zum Ladeplatz zwolf? Ich habe dort ebenfalls etwas zu erledigen. Soll ich Ihnen vorausgehen, Sir? Dann waren wir schneller da, weil die anderen Wesen, die die Korridore benutzen, sich ungeachtet etwaiger Unterschiede der medizinischen Dienstgrade bemuhen werden, einen Zusammensto? mit einem Hudlarer zu vermeiden.“

„Einverstanden, Doktor“, willigte Gurronsevas ein. „Aber ich bin mir nicht sicher, ob ich uberhaupt etwas fur Sie tun kann. Hudlarer sind — na ja, eben Hudlarer. Die Erfahrung, die ich mit der Verkostigung von Gasten Ihrer Spezies gemacht habe, unterscheidet sich nicht von dem, was hier im Hospital passiert, au?er da? im Cromingan-Shesk um den Platz, an dem ein Hudlarer sitzt, ein leichter Schutzschirm aufgestellt wird, um in der Nahe sitzende Gaste vor schlecht gezieltem Nahrungspraparat zu schutzen. Die Behalter haben wir damals nicht mit selbst zubereitetem Praparat gefullt, sondern fix und fertig gekauft, und die einzige Aufgabe meines Kuchenpersonals bestand darin, fur das Herrichten des Spruhgerats auf einer ordentlich geschmuckten Platte zu sorgen.

An was fur Anderungen hatten Sie denn gedacht, Doktor?“

Funf Minuten spater gingen Gurronsevas und der Hudlarer den Gang entlang, der zum schwerelosen Verbindungsschacht fuhrte und durch den sie ganz in die Nahe des Ladeplatzes zwolf gelangen wurden, und noch immer hatte der Hudlarer kein einziges Wort gesprochen. Ob die Sprechmembran des Assistenzarztes aus Enttauschung oder Schuchternheit reglos blieb, wu?te Gurronsevas nicht.

Schlie?lich antwortete der FROB: „Ich wei? es nicht, Sir. Vielleicht vergeude ich nur Ihre Zeit und strapaziere unnotig Ihre Geduld. Das Nahrungspraparat, das wir hier bekommen, ist optimal auf unseren Nahrstoffbedarf abgestimmt und in keiner Weise zu bemangeln, doch wenn es in unsere Absorptionsorgane eindringt, hat es uberhaupt keinen Geschmack und ist nicht besonders aufregend. Ich will keineswegs das Hospital oder Sie selbst kritisieren, denn wie Sie bereits wissen werden, schmecken alle hudlarischen Nahrungsmittel, die von meinem Heimatplaneten geliefert werden, wie das hier. Bevor die einzelnen Zutaten zum endgultigen Nahrungspraparat emulgiert und suspendiert werden, mu? man sie trocknen und von allen Bestandteilen befreien, durch die das Praparat aller Voraussicht nach verderben konnte. Versuche, hudlarische Nahrungsmittel synthetisch herzustellen, sind erfolglos und au?erst unschmackhaft gewesen.“

Nun schwieg zur Abwechslung Gurronsevas. Zwar stand er dem Hudlarer wohlwollend gegenuber, doch hatte er ihm bereits eine Frage gestellt und beabsichtigte nicht, sie zu wiederholen.

„Was fur Veranderungen — wenn uberhaupt — moglich sind, wei? ich nicht“, fuhr der Assistenzarzt schlie?lich fort. „Alle Hudlarer, die au?erhalb unseres Heimatplaneten arbeiten, verwenden das Praparat und haben sich damit abgefunden. Aber wenn wir uns blo? aufs Essen freuen konnten, anstatt dieser todlichen Langeweile beim Einspruhen entgegenzusehen, dann wurden wir nicht so oft an den ungunstigsten Orten zusammenbrechen, da bin ich mir ganz sicher.“

Das schien Gurronsevas einleuchtend zu sein.

Sie passierten den Eingang der Steuerungszentrale von Ladeplatz zwolf. Durch die transparente Kuppel konnte Gurronsevas die geoffneten Frachtschleusen des Entladedocks und den Laderaum des vor kurzem eingetroffenen Frachtschiffs sehen. Gerade wurden von den Traktorstrahltechnikern die ersten abgedichteten Container aus dem Schiff gezogen, die zur Bezeichnung von Herkunft und Inhalt mit leuchtenden Farben markiert waren. Um den Entladevorgang zu erleichtern, hatte man sowohl dem Dock als auch dem Laderaum des Schiffs Luft und Schwerkraft entzogen. Fur die endgultige Aufstellung der Container war eine Schar von Verladearbeitern verschiedener Spezies zustandig, die rote und gelbe Schutzanzuge trugen. Gurronsevas fand, der ganze Vorgang hatte eine gro?e Ahnlichkeit mit einer Horde von Kindern, die mit uberdimensionalen Bauklotzen spielte.

„Doktor, inwiefern unterscheidet sich der Geschmack des Praparats von der Nahrung auf Ihrem Heimatplaneten, und wieso besteht da uberhaupt ein Unterschied?“ fragte er.

Nach besten Kraften bemuhte sich der Hudlarer, Gurronsevas das Wieso und Inwiefern in aller

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