einem leichten, periodischen Zittern ergriffen wurden. Wie er wu?te, war dieser Zustand nicht auf Nahrungsmangel zuruckzufuhren, da sich die beiden erst vor kurzem eingespruht hatten, und falls es sich um ein medizinisches Problem handelte, hatte es der Assistenzarzt erwahnt. Doch gab es nicht noch eine andere Moglichkeit?

Abgesehen von Gurronsevas’ Anwesenheit, der einer anderen Spezies angehorte und folglich in sexueller Hinsicht keine Rolle spielte, waren die beiden FROBs jetzt seit fast zwei Stunden allein auf dem Freizeitdeck. Ob ihre Spezies fur das, was die beiden womoglich vorhatten, ungestort sein mu?te, wu?te er zwar nicht, doch hegte er keinerlei Absicht, das herauszufinden.

„Ich danke Ihnen beiden“, sagte er deshalb schnell. „Ihre Auskunfte sind sehr interessant gewesen und werden sich bei der Losung Ihres Problems vielleicht als nutzlich erweisen, obwohl ich im Moment noch nicht wei?, wie. Doch ich darf Ihre Freundlichkeit nicht langer mi?brauchen und werde Sie deshalb jetzt gleich verlassen.

Danke, das schaffe ich schon alleine“, sagte er, als der fremde Hudlarer zum Ausgang gehen wollte. „Ich verfuge uber einen sehr guten Orientierungssinn, darum ist es nicht notig, da? Sie mich begleiten.“

Als er sich zum Gehen wandte, herrschte einen Augenblick lang Schweigen; dann sagte der Assistenzarzt: „Danke.“

„Das ist sehr rucksichtsvoll von Ihnen“, fugte seine Freundin hinzu.

Seit Gurronsevas’ erstem Arbeitstag am Orbit Hospital war fur ihn die Betatigung der in der Foderation einheitlichen Bedienungselemente der Luftschleusen reine Routine geworden, genauso wie die Uberprufung des Schutzanzugs vor dem Uberwechseln in eine andere Umweltbedingung. Als sich die Au?enluke offnete, befand sich nach den Anzeigen in seinem Helm nur noch Luft fur eine halbe Stunde in den Sauerstoffflaschen. Auch der Treibstoff fur die Anzugdusen wurde allmahlich knapp, doch das war unwichtig, weil Gurronsevas wegen der Schwerelosigkeit mit einem Satz bis zur Frachtschleuse springen konnte und die Dusen nur fur eventuelle geringfugige Kurskorrekturen zunden mu?te.

Wahrend der Schiffsbesichtigung hatte sich der gewaltige Laderaum des Frachters fast vollstandig geleert, doch als Gurronsevas den Kommunikator anschaltete, horte er immer noch denselben ununterbrochenen Schwall von Anweisungen an die Verladearbeiter und Traktorstrahltechniker. Die Fracht, die wie ein nicht abrei?ender Strom durch die Schleuse flo?, bestand mittlerweile aus Paketen mit zwei Lagen zu je hundert hudlarischen Spruhdosen, zwischen denen hie und da Reihen der leuchtend gelben und grunen, unter hohem Druck stehenden Behalter dahinflogen, in denen sich der giftige, auf Chlor basierende Brei befand, den man fur die illensanischen Nahrungssynthesizer benotigte. Als sich die Au?enluke der Besatzungsschleuse hinter ihm schlo?, setzte Gurronsevas die sechs Fu?e vorsichtig auf die Wand des Schiffsladeraums, wartete, bis in der schnell dahinziehenden Kette aus Ladungsstucken, die an ihm vorbeibrausten, eine Lucke entstand, und sprang auf die Frachtschleuse zu.

Sofort war ihm klar, da? er zwei au?erst schwerwiegende Fehler gemacht hatte.

In den vergangenen zwei Stunden hatten sich Gurronsevas und seine Beinmuskeln von der Schwerelosigkeit auf dem Ladeplatz im Hospital auf die funf G umgestellt, die auf dem hudlarischen Schiff herrschten. Deshalb war er eben mit viel zu viel Kraft von der Wand abgesprungen. Er flog in die falsche Richtung, drehte sich langsam um die eigene Achse und war dabei viel zu schnell.

„Verdammt noch mal, was machen Sie da?!“ rief eine wutende Stimme aus seinem Kopfhorer. „Kehren Sie sofort auf den Boden zuruck!“

… und er hatte vergessen, die Traktorstrahltechniker, die ihn beim Absprung wegen der eingeschrankten Sicht durch die Frachtschleuse hindurch nicht hatten sehen konnen, uber seine Absicht zu unterrichten, ins Hospital zuruckzukehren. Schnell zundete er die Anzugdusen, verschatzte sich aber wieder und sah sich auf einen der illensanischen Behalter zuschlingern.

„Traktorstrahltechniker drei!“ meldete sich die Stimme erneut. „Ziehen Sie den verdammten Tralthaner da raus!“

Plotzlich spurte Gurronsevas den heftigen Ruck des unsichtbaren Traktorstrahls, der ihn jedoch nicht in der Mitte traf, sondern nur am Oberkorper zog und seine Drehbewegung dadurch stark beschleunigte.

„Geht nicht“, ertonte eine andere Stimme. „Er benutzt immer noch die Anzugdusen. Halten Sie doch an, verdammt noch mal, damit ich Sie mit dem Strahl erfassen kann!“

Aber Gurronsevas hatte keineswegs die Absicht anzuhalten. Von hinten rauschte ein illensanischer Nahrungsbehalter auf ihn zu, der kurz vom Traktorstrahl beruhrt wurde. Gurronsevas lie? die Dusen mit voller Leistung brennen, ohne sich darum zu kummern, in welche Richtung er flog, solange er einen Zusammensto? mit dieser dahinrasenden Chlorbombe vermied. Einen Sekundenbruchteil spater krachte er in ein Paket mit zweihundert hudlarischen Spruhdosen.

Trotz der Schwerelosigkeit im Laderaum waren Masse und Tragheit eines sich drehenden tralthanischen Korpers betrachtlich. Gleiches galt fur die Spruhdosen, von denen mehrere aufplatzten, so da? sich mit einer sanften Explosion ein riesiger Schwall von Nahrungspraparat ergo?, durch den die ubrigen Dosen auseinanderstoben und dem illensanischen Behalter in den Weg trieben. Die schartige Kante einer aufgebrochenen Spruhdose mu?te ihn aufgeschlitzt haben, denn es kam zu einer weiteren, heftigeren Druckentladung, und als die Bestandteile der hudlarischen und der illensanischen Nahrung chemisch miteinander reagierten, entstand eine sich rasch ausdehnende Wolke aus gelbbraunem, zischendem, hei?em Gas, die auf die geoffnete Frachtschleuse zuzutreiben begann.

„Alle Traktorstrahlen zum Schiff unterbrechen!“ rief die Stimme in eindringlichem Ton. „Durch dieses Zeug konnen wir nicht das Geringste sehen.!“

Noch immer flogen die Frachtstucke in ununterbrochener Reihe an Gurronsevas vorbei in die undurchsichtige Wolke rund um die Frachtschleuse hinein und durch sie hindurch, allerdings nicht alle. Einige stie?en gegen die Kante der Schleuse und platzten mit derartiger Wucht auf, da? sie nachfolgende Pakete aus der Bahn warfen. Der Larm, den die Zusammensto?e und Druckentladungen verursachten, ri? nicht ab, und die Giftwolke schwoll rapide an, wobei dicke, langliche, gelbbraune Klumpen aus ihr herausschossen und sie innerhalb weniger Minuten die gesamte Frachtschleuse zu verschlingen drohte.

Zwar konnten Hudlarer sowohl in den Umweltbedingungen der meisten Planeten der Foderation als auch im Vakuum uberleben, doch der Kontakt mit Chlor bedeutete fur sie den augenblicklichen Tod.

Irgendwo heulte plotzlich eine Sirene los, deren kurze, eindringliche Signale die standig wiederholten Worte einer neuen Stimme bekraftigten: „Giftalarm! Schwere Chlor-Sauerstoff-Reaktion auf Ladeplatz zwolf! Entgiftungstrupps zwei bis funf sofort zu Ladeplatz zwolf…“

„Dringender Aufruf an alle hudlarischen Verladearbeiter!“ ertonte wieder die erste, gebieterische Stimme. „Raumen Sie unverzuglich den Schiffsladeraum, und suchen Sie Schutz im.“

„Hier diensthabender Offizier der Trivennleth“, fiel ihm eine neue Stimme ins Wort. „Wir konnen nicht alle rechtzeitig hereinholen. Nicht mal ein Viertel der Arbeiter wird sich in Sicherheit bringen konnen. Schlage vor, die Luftschleusen zum Laderaum zu offnen und das Schiff loszurei?en. Dazu sollte man jedoch nicht den Hauptantrieb zunden, sondern mit den Bugtriebwerken an Backbord maximalen Seitenschub geben, um das Schiff um neunzig Grad zu drehen und die strukturellen Schaden am Hospital so gering wie moglich zu halten.“

„Machen Sie das, Trivennleth!“ rief die erste Stimme. „An alle Arbeiter im Laderaum! Verschlie?en Sie wieder die Anzuge und halten Sie sich an etwas Stabilem fest. Es wird gleich zu einer massiven Druckverminderung kommen.“

Als die seitlichen Bugtriebwerke des Frachters Schub gaben, um ihn von der Schleuse loszurei?en, konnte Gurronsevas uber das Kreischen der Sirene hinweg rings um die Frachtschleuse ein starkes metallisches Knirschen und Achzen horen. Plotzlich entwich durch den nun entstehenden Spalt zwischen Frachtschleuse und Schiffsladeraum unter hohem Pfeifen Luft, die man durch die Besatzungsschleusen in den Laderaum gelassen hatte und die die Gasschwaden, von denen die Sicht getrubt wurde, mit sich fortri?. Dadurch wurde auf der rechten Seite, wo die Dichtungen zwischen Laderaum und Frachtschleuse auseinandergezogen worden waren, ein dunkler, sich weitender halbmondformiger Spalt sichtbar. Kurz darauf spurte Gurronsevas, wie er zusammen mit den anderen losen Frachtstucken von diesem Spalt angesogen wurde.

Fur einen Sekundenbruchteil kam es ihm so vor, als wurden samtliche Behalter und Spruhdosen in der Nahe gegen ihn prallen und ihm den Anzug von oben bis unten mit Nahrungsmitteln bespritzen. Dann befand er sich plotzlich au?erhalb des Laderaums, und die Frachtstucke trieben von ihm weg.

Wie Gurronsevas wu?te, hatte er den Vorfall nicht uberlebt, wenn er einen schweren Anzug getragen hatte. Doch dank der Elastizitat war der leichte Schutzanzug unversehrt geblieben, obwohl man von seinem Trager nicht

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