das gleiche behaupten konnte. Gurronsevas’ linke Seite und das mittlere und hintere linke Bein fuhlten sich an, als ob er sich dort furchtbare Prellungen zugezogen hatte.
Um sich von den Schmerzen abzulenken, richtete er die Augen auf die wenigen Stellen des durchsichtigen Helms, die nicht vom Nahrungspraparat verschmiert waren, damit er die Vorgange verfolgen konnte, wahrend er auf Hilfe wartete.
Als der Frachter zur Seite geschwenkt war und sich auf diese Weise losgerissen hatte, waren die vorspringenden Teile der Frachtschleuse von Ladeplatz zwolf ein wenig verbogen worden, doch die Schleuse selbst stand noch immer offen, und ein Dunstkegel aus entwichener Luft — gemischt mit ungesicherten Frachtstucken, die gegeneinander stie?en und platzten — ragte aus ihr hervor. Die Trivennleth hatte sich um neunzig Grad nach Steuerbord gedreht und lag jetzt parallel zur Au?enhaut des Hospitals. Der Schiffsladeraum wies nur einen Bruchteil des Volumens vom Ladeplatz auf und mu?te inzwischen luftleer sein, denn an seiner Schleuse waren weder Spuren von Nebel noch von herausfliegender Fracht zu sehen.
Der diensthabende Offizier an Bord hatte entschlossen und geschickt gehandelt, dachte Gurronsevas und fragte sich, warum wahrend des Notfalls nicht der Captain das Kommando ubernommen hatte. Er zog gerade die Moglichkeit in Betracht, da? es sich beim kommandierenden Offizier um den FROB handelte, den er zusammen mit dem hudlarischen Assistenzarzt auf dem Freizeitdeck zuruckgelassen hatte, als er sich einer Stimme im Kopfhorer bewu?t wurde, die uber ihn sprach.
„…und wo ist dieser damliche Tralthaner?“ fragte sie wutend. „Die Besatzung der Trivennleth befindet sich wohlbehalten im Vakuum im Laderaum, keine Verletzten. Das gleiche gilt fur die sauerstoffatmenden Verladearbeiter. Chefdiatist Gurronsevas, bitte melden Sie sich! Falls Sie noch leben, antworten Sie, verdammt noch mal.“
Erst in diesem Moment stellte Gurronsevas fest, da? sein Anzug doch nicht ganz ohne Schaden davongekommen war. Das Sendelampchen des Kommunikators wollte nicht aufleuchten.
Allmahlich wurde nicht nur der Luftvorrat gefahrlich knapp, auch seine Hilferufe konnten von niemandem gehort werden.
11. Kapitel
Es kann doch wohl nicht wahr sein, da? der bedeutendste Vertreter der Kochkunst vieler verschiedener Spezies in der Foderation sein Leben durch den Erstickungstod in einem von hudlarischem Nahrungspraparat uberzogenen Raumanzug beenden soll, fluchte Gurronsevas in sich hinein. Wie subtil die Art seines Todes auch in Worte gefa?t werden mochte, als Schlu?eintrag unter einem beruflich bemerkenswerten Leben ware sie auf jeden Fall ungerecht, unpassend und wurdelos gewesen. Uber den Abschiedsgru?, den einige seiner weniger ernsthaften Kollegen auf die fur ihn errichtete Gedenksaule schreiben wurden, konnte er nur vage Vermutungen anstellen, doch bis jetzt war er viel zu wutend und besturzt, um wirklich Angst zu haben.
Es mu?te irgendeine Moglichkeit geben, seine mi?liche Lage anders als uber Funk zu verstehen zu geben. Doch die Stimmen, die er uber den Empfanger horte, der im Gegensatz zu der damlichen Sendeeinheit einwandfrei funktionierte, behaupteten das Gegenteil.
„Gurronsevas, bitte melden!“ forderte ihn eine der Stimmen auf. „Falls Sie mich horen, aber nicht antworten konnen, feuern Sie Ihr Notleuchtsignal ab. Immer noch keine Antwort, Sir.“
„Sie vergessen, da? er einen Hospitalanzug tragt, der nur fur das Gebaudeinnere bestimmt ist“, gab eine zweite Stimme zu bedenken. „Der ist nicht mit Leuchtsignalen versehen. Und Gurronsevas hatte keinen Grund, eins einzustecken, weil er nicht damit gerechnet hat, das verdammte Hospital zu verlassen! Aber dafur ist er mit Kurzzeitdusen ausgerustet. Wie ein Tralthaner aussieht, wissen Sie ja, also halten Sie nach ihm Ausschau. Da er uber Anzugdusen verfugt, wird er sich unabhangig von der allgemeinen Richtung bewegen, in die die Ladung treibt, und versuchen, zur Frachtschleuse zuruckzukehren — das hei?t, falls er unverletzt und bei Bewu?tsein ist.“
„Oder noch lebt.“
„Ja.“
Gurronsevas versuchte, die pessimistische Wendung, die das Gesprach genommen hatte, gar nicht zu beachten, und konzentrierte sich statt dessen lieber auf den nutzlichen Rat, den es enthalten hatte. Eindrucksvoll umkreiste ihn die endlose Metallandschaft, die aus dem Hospitalgebaude, der stumpfen Torpedoform des Frachters und der Wolke aus zerstreuten Frachtstucken bestand, aus denen zum Teil immer noch ein dichter Nebel aus Chlor oder Nahrungspraparat stromte oder spruhte. Wie die erste Stimme zu verstehen gegeben hatte, sollte er damit beginnen, sich unabhangig von den Gegenstanden zu bewegen, die ihn umgaben. Doch zuerst mu?te er die Dusen zunden, um die Drehbewegung zu stoppen.
Wegen seiner kaum vorhandenen Erfahrung im Manovrieren mit den Anzugdusen brauchte er nicht nur mehrere Minuten, bis er sich nicht mehr drehte, sondern vergeudete obendrein eine betrachtliche Menge Treibstoff, der den Anzeigen zufolge ohnehin schon gefahrlich knapp gewesen war. Nach seiner Schatzung stand ihm bestenfalls noch genugend Schub zur Verfugung, um sich langsam ein paar Minuten lang uber eine Entfernung von einigen hundert Metern fortzubewegen, und die Geschwindigkeit wurde zum Schlu? weit hinter der zuruckbleiben, die er brauchte, um sich aus der ausbreitenden Wolke aus Ladungstrummern zu losen, und ihn erst recht nicht zum Ladeplatz zuruckbringen, bevor ihm die Luft ausging.
Zwar waren die Stimmen im Kopfhorer ganz seiner Meinung, doch ansonsten hatten sie nichts Hilfreiches beizusteuern.
„…au?erdem haben wir das Anzugverzeichnis uberpruft, Sir“, sagte gerade jemand. „Demnach ist kurzlich, vor einer knappen halben oder Dreiviertelstunde, ein Schutzanzug fur Tralthaner samt Luftvorrat fur drei Stunden und einem Standarddusenaggregat entnommen worden. Wenn Gurronsevas die Dusen wahrend der Besichtigung des hudlarischen Schiffs gezundet und den Anzug die ganze Zeit nicht geoffnet hat, wird er vielleicht nicht mehr weit kommen oder noch sehr viel langer atmen konnen. Rettungs- und Bergungstrupps machen sich schon bereit, aber wo sollen wir die nach ihm suchen lassen?“
„Angenommen, er verbraucht den restlichen Schub, um sich schnell zu drehen“, sagte eine andere Stimme. „Dadurch ware es uns moglich, einen rasch rotierenden Korper von der ungefahren Masse eines Tralthaners mit optischen Mitteln zu orten und ihn.“
„Ich wei? nicht, Sir“, unterbrach sie die erste Stimme. „Auch einige von diesen Frachtstucken sind gro?, weisen etwa die gleiche Masse auf und bewegen sich in ahnlicher Weise. Falls Gurronsevas das Pech gehabt hat, zwischen zwei zusammensto?enden Frachtstucken eingeklemmt zu werden, dann hat er vielleicht nicht mehr viel Ahnlichkeit mit einem Tralthaner.“
„Befestigen Sie einen Traktorstrahlprojektor an der Au?enhaut“, ordnete die zweite Stimme rasch an. „Setzen Sie den Strahl zusammen mit der Rettungsmannschaft ein, die sich verteilen soll, um die Trummerwolke in einem Rutsch abzusuchen. Falls irgendwer etwas entdeckt, das wie unser verirrter Tralthaner aussieht, ziehen Sie es mit dem Strahl ins Hospital.“
„Traktorstrahlprojektoren sind nicht gerade transportabel, Sir“, wandte die erste Stimme ein. „Wir werden einige Zeit brauchen, um ihn in der richtigen Position festzuklemmen, und auch die Nachjustierung der.“
„Ich wei?, ich wei?. Erledigen Sie es einfach so schnell wie moglich.“
Durch die wenigen klaren Stellen im Helm sah Gurronsevas, da? sich seine Lage in bezug auf das Hospital stabilisiert hatte, denn die Frachtschleuse des Ladeplatzes, die durch die Entfernung zu einem kleinen, hell erleuchteten Quadrat zusammengeschrumpft war, kreiste nicht mehr um ihn herum. Durch die Schleuse schafften winzige terrestrische Gestalten ein Gerat, wahrscheinlich den Traktorstrahlprojektor, auf die Au?enhaut. Wenige Sekunden spater kamen die ersten Mitglieder der Rettungsmannschaft in dusengetriebenen Anzugen herausgeschossen, um sich uber die zugeteilten Suchgebiete zu verteilen.
Keiner von ihnen sturzte direkt auf Gurronsevas zu, der seinerseits ins Ungluck sturzte.
Immer noch breitete sich die Trummerwolke rings um ihn aus und zog sich dabei auseinander, und der dichte Nebel aus Nahrungspraparat und Chlor loste sich zu einem etwas weniger undurchdringlichen Dunst auf, au?er an einer Stelle in der Nahe, wo ein hudlarischer Spruhbehalter mit irgend etwas zusammengeprallt war, das den Spruhkopf abgerissen und den Behalter zum Drehen gebracht hatte. Nun spritzte wahrend der Rotation der Inhalt in einem dunnen Strahl mit hohem Druck aus dem Behalter, so da? dieser von einer sich standig
