Und falls sich das veranderte Praparat hier im Hospital als erfolgreich erweist, gibt es keinen Grund, weshalb es nicht auch auf Schiffen, Bauplatzen im All und uberall, wo Hudlarer fern von ihrem Heimatplaneten arbeiten, eingefuhrt werden sollte. Obendrein ware es fur den Gro?en Gurronsevas ein weiterer kulinarischer Triumph, der in der gesamten Foderation widerhallen wurde, obwohl ich Ihnen versichern kann, da? so etwas fur mich keine gro?e Rolle spielt. Selbstverstandlich wurde ich mich Ihrer Abteilung sehr verpflichtet fuhlen, fur den Rat und die Hilfe, die Sie mir gewahrt ha.“
„Ich verstehe“, schnitt ihm Thornnastor das Wort ab.
„Doch falls sich die von Ihnen beabsichtigten Veranderungen als ungefahrlich herausstellen sollten, waren sie fur mich wichtig genug, um sie bei der nachsten Diagnostikerversammlung zu besprechen, bei der bedauerlicherweise auch Colonel Skempton zugegen sein wird. Wollen Sie das Risiko eingehen, seine Aufmerksamkeit zu erregen?“
„Nein, naturlich nicht“, antwortete Gurronsevas in entschiedenem Ton. Nach einer kurzen Pause fuhr er fort: „Wenngleich ich mit der Vorstellung kaum leben kann, den Hudlarern blo? aus eigener moralischer Feigheit eine Veranderung des Essens vorenthalten zu haben, noch dazu eine, bei der sich vielleicht vorteilhafte und weitreichende Folgen fur samtliche Speziesangehorige ergeben, die sich nicht auf dem Heimatplaneten aufhalten.“
Bevor er etwas entgegnete, richtete Thornnastor wieder drei Augen und einen Teil seiner Aufmerksamkeit auf den Untersuchungstisch. „Lassen Sie Pathologin Murchison die Insekten da“, meinte er. „Haben Sie vorhin nicht noch von einem zweiten Problem gesprochen?“
„Ja“, bestatigte Gurronsevas, wobei er sich bereits zum Gehen wandte. „Dabei handelt es sich allerdings eher um ein technisches als um ein medizinisches Problem. Es geht darum, ein neues Gericht eine genau berechnete Zeit lang mit Hochtemperatur zu backen, so da? die genie?bare Kruste hart ist, wahrend die Fullung kalt bleibt. Dafur brauche ich nichts weiter zu tun, als den Wartungsebenen, auf denen ich mich bereits gut auskenne, wieder einmal einen langeren Besuch abzustatten, um mich mit den Nahrungsvertriebs- und Warmetauschsystemen neben dem Fusionsreaktor vertraut zu machen. Das Ganze ist weder mit giftigen Zusatzen noch mit Veranderungen oder Gefahren fur bestehende Bauteile und Anlagen verbunden. Das Verfahren, das ich im Auge habe, ist absolut sicher, und es kann gar nichts schiefgehen.“
„Das glaube ich Ihnen“, sagte Pathologin Murchison, als sie von Gurronsevas die Probenflasche entgegennahm, „aber warum habe ich so ein ungutes Gefuhl dabei?“
Als sich Major O’Mara acht Tage spater mit beachtlichem psychosomatischem Erfolg bemuhte, Gurronsevas durch eine Standpauke das dicke tralthanische Fell uber die Ohren zu ziehen, erinnerte sich dieser nur zu gut an Murchisons Worte und an sein eigenes dummes Gefuhl der Gewi?heit. Und seine Erklarungs- und Entschuldigungsversuche trugen lediglich dazu bei, den Chefpsychologen noch mehr in Rage zu bringen.
„…es ist mir ganz egal, ob es blo? ein einfacher technischer Vorgang gewesen ist, der alle zwei Wochen von Wartungstechnikern routinema?ig durchgefuhrt wird“, sagte O’Mara leise in einem eigenartigen Ton, der mit abnehmender Lautstarke immer zorniger zu werden schien. „Auch da? laut Wartulngshandbuch derartige Storungen von Bauteilen normal sind und wegen der Hilfsanlage kein Grund fur einen Alarm bestanden hat, interessiert mich nicht. Diesmal waren Sie dort, und das ist normalerweise Grund genug fur eine Katastrophe. Statt eines schadhaften Reinigungskolbens, der eine Leitung zur Notversorgung mit Kuhlmittel verstopft hat und den man hatte herausholen mussen, haben die Sensoren eine gro?e Menge unbekannter Asche angezeigt, die dort nicht hatte sein durfen. Aufgrund der Befurchtung, die Asche deute auf eine schwerwiegende Verseuchung hin, ist der Reaktor abgeschaltet und das gesamte Hospital in Alarmbereitschaft versetzt worden.!“
„Die Asche ist harmlos“, warf Gurronsevas sein. „Dabei handelt es sich um ein einfaches organisches Gemisch aus.“
„Wir wissen, da? die Asche harmlos ist!“ unterbrach ihn der Chefpsychologe. „Das haben Sie mir ja schon gesagt, und auch, was Sie damit anzustellen versucht haben. Aber die Mitarbeiter der Wartungsabteilung haben davon bisher keine Ahnung und untersuchen zur Zeit mit au?erster Sorgfalt Umstande, die ihrer Ansicht nach au?ergewohnlich und moglicherweise lebensbedrohend sein konnten. Nach meiner Schatzung brauchen die wenigstens zwei Stunden, um die Wahrheit herauszufinden und Colonel Skempton davon zu unterrichten, der dann bestimmt mit mir sprechen will. Und zwar wieder einmal uber Sie!“
O’Mara machte eine kurze Pause, und als er fortfuhr, schien der Zorn in seiner Stimme von Mitleid gemildert zu werden. „Zu dem Zeitpunkt werde ich dem Colonel mit absoluter Sicherheit mitteilen konnen, da? Sie das Hospital verlassen haben.“
„Aber. aber Sir!“ protestierte Gurronsevas. „Das ist ungerecht! Die Storung des Bauteils ist ein Unfall gewesen! Ich habe nur am Rande damit zu tun gehabt, und der Versto? ist doch verzeihlich. Au?erdem — zwei Stunden! Das ist eine unzumutbare Zeitbeschrankung. Ich habe noch jede Menge Anweisungen, die ich dem Personal am Nahrungssynthesizer geben mu?, und.“
„Wir konnen es uns beide nicht leisten, Zeit damit zu vergeuden, uns uber die Auffassungen von Gerechtigkeit und zumutbarem Verhalten zu streiten“, fiel ihm O’Mara mit leiser Stimme ins Wort, „und Zeit fur personliche Verabschiedungen werden Sie auch nicht haben. Lioren wartet bereits, um Ihnen beim Raumen Ihrer Unterkunft zu helfen und Sie unverzuglich zum Schiff zu fuhren, das.“
„Wohin fliegt es denn?“
„…das Sie nach Erfullung des eigentlichen Auftrags entweder hierher zuruckbringt, damit Sie sich Ihrem Schicksal stellen, oder mit Ihnen zu einem Planeten Ihrer Wahl fliegt, immer vorausgesetzt, Sie begehen nicht irgendeine Dummheit, die den Captain verargert“, fuhr O’Mara fort, wobei er Gurronsevas Frage gar nicht beachtete, da er sie ohnehin beantwortete. „Welche Beschaftigung sich auch an Bord fur Sie ergibt, bemuhen Sie sich bitte, nicht in Schwierigkeiten zu geraten. Viel Gluck, Gurronsevas. Und jetzt verschwinden Sie, und zwar sofort!“
15. Kapitel
Im Gegensatz zu O’Mara konnte man mit Lioren vernunftig reden, zumindest insofern, da? ihn Gurronsevas davon uberzeugen konnte, die beim Raumen der Unterkunft eingesparte Zeit dafur zu nutzen, seinen Lebensmitteltechnikern anstandige Anweisungen zu hinterlassen. Doch auch so gingen viele kostbare Minuten verloren, weil Gurronsevas’ Untergebene mehr Zeit darauf verwandten, seine Abreise zu bedauern und ihm alles Gute zu wunschen, als seinen Anweisungen zuzuhoren — und das in einem derartigen Ausma?, da? Gurronsevas vollig besturzt war, als die Zeit abgelaufen war und er das Hospital verlassen mu?te.
Er hatte jedoch keine besonders weite Reise anzutreten.
„Das. das verstehe ich nicht“, protestierte er. „Dies hier ist ein Schiff. Ein kleines, unbemanntes Schiff, dessen Energieversorgung — nach der Stille und der schwachen Beleuchtung zu urteilen — heruntergefahren ist, und das hier ist auch keine Passagierkabine. Wo bin ich uberhaupt? Was soll ich hier?“
„Wie Sie jetzt sehen konnen, befinden Sie sich auf dem Unfalldeck der Rhabwar, eines speziellen Ambulanzschilfs“, klarte Lioren ihn auf, wobei er die Beleuchtung einschaltete, „und Sie sollen hier geduldig und ganz ruhig auf den Abflug warten. Wahrend Sie dies tun, werden die wenigen, die Ihren derzeitigen Aufenthaltsort kennen, mit einem Minimum an moralischen Bedenken behaupten konnen, Sie befanden sich nicht mehr im Hospital, weil das genaugenommen der Wahrheit entspricht.
Als Tralthaner sind Sie es ja gewohnt, im Stehen zu schlafen, und korperlich werden Sie sich hier wohl fuhlen“, fuhr er fort. „Versuchen Sie nicht, das Schiff zu erkunden. Abgesehen von dieser Ebene ist das Schiff fur den Betrieb durch Terrestrier oder andere Lebensformen von gleicher oder geringerer Korpergro?e bestimmt. Die Offiziere und das medizinische Team der Rhabwar werden sich Ihnen gegenuber sehr viel freundlicher verhalten, wenn Sie den Rumpf und die Ausrustung nicht beschadigen.
Der Essensspender des Unfalldecks befindet sich dort“, erklarte Lioren weiter, wobei er auf den bezeichneten Gegenstand deutete, „und die Computerkonsole im Personalraum dort druben ermoglicht es Ihnen, samtliche Informationen uber die Rhabwar abzurufen, die Sie irgendwie gebrauchen konnten. Sehen Sie sich diese Informationen vor dem Abflug ganz genau an! Sollten Sie sich langweilen, konnen Sie auch die Schulungsund Bildungskanale anschalten, aber benutzen Sie nicht den Kommunikator, denn offiziell sind Sie ja gar nicht hier. Tun Sie nichts, womit Sie Aufmerksamkeit erregen konnten. Verlassen Sie auf gar keinen Fall das Schiff, auch nicht
