ganz kurz, und zeigen Sie sich vor allem nicht im Bordtunnel oder Einstiegsgang. Ich werde so oft wie moglich bei Ihnen vorbeischauen.“

„Ach, bitte“, sagte Gurronsevas. „Bin ich so eine Art blinder Passagier? Wei? die Besatzung, da? ich hier bin? Und wie lange mu? ich warten?“

Lioren blieb in der Schleusenkammer stehen. „Uber Ihre genaue Rolle hier an Bord hat man mir nichts gesagt. Das medizinische Team der Rhabwar wei?, da? Sie hier sind, aber nicht die Schiffsoffiziere. Deshalb durfen die auch nicht vor dem ersten Sprung in den Hyperraum mitbekommen, da? Sie an Bord sind. Wie lange Sie warten mussen, wei? ich nicht. Nach dem, was mir zu Ohren gekommen ist, etwa funf Tage, vielleicht aber auch langer. Die Verantwortlichen haben offenbar noch Probleme, sich zu entscheiden. Falls ich in dem Punkt etwas Sicheres erfahre, teile ich Ihnen das sofort mit.“

Bevor Gurronsevas an eine weitere Frage denken konnte, verschwand Lioren im Bordtunnel.

Der Tralthaner wartete kurz, bis sich die Verwirrung in seinem Kopf gelegt und in Neugier verwandelt hatte. Dann machte er sich daran, die Umgebung genauer zu untersuchen, indem er sich mit gro?ter Vorsicht fortbewegte und die Fu?e auf nichts setzte, das nicht mindestens so stabil wie der Boden war.

Jede Wand des Raums war von einem gro?en Sichtfenster durchbrochen. Eins dieser Fenster zeigte eine ausgedehnte Metallflache ohne besondere Merkmale, bei der es sich wahrscheinlich um die Au?enhulle des Hospitals handelte, ein anderes einen Teil des Andockgerusts, und aus den ubrigen beiden sah man nach drau?en uber die blendend wei?e Oberflache der Deltaflugel der Rhabwar. Von den Wandbereichen um und zwischen den Fenstern ragten Apparaturen in den Raum hinein, deren Verwendungszweck fur Gurronsevas selbst dann ein vollkommenes Ratsel dargestellt hatte, wenn sie richtig beleuchtet gewesen waren. In der Mitte des Bodens und der Decke befanden sich die runden Einstiegsoffnungen des Verbindungsschachts, durch den man auf die Ebenen vor und hinter dem Unfalldeck gelangte. Der Schacht war mit einer Leiter fur verschiedene Spezies ausgestattet, fur einen Tralthaner jedoch zu eng.

Rings um die Computerkonsole, auf die Lioren gedeutet hatte, standen zahlreiche Gegenstande, bei denen es sich offenbar um abgeschaltete medizinische Uberwachungsgerate handelte. Da sich Gurronsevas immer noch zu verwirrt und uninformiert fuhlte, um konstruktiv denken zu konnen, rief er die Hauptdatenbank des Hospitals auf, gab als Sprache der Textdarstellung auf dem Monitor Tralthanisch ein, schaltete die zusatzliche Sprachausgabe an und forderte die verfugbaren Informationen uber das AmbulanzschiffRhabwar an.

Auf dem Bildschirm flammte eine Mitteilung auf, die von der Sprachausgabeeinheit mit herablassender Stimme wiederholt wurde. „Die Informationen zu diesem Thema sind ohne Zugriffsbeschrankung abrufbar“, verkundete die Stimme. „Bitte geben Sie genau an, was Sie wissen wollen, oder wahlen Sie aus den folgenden Moglichkeiten aus: Philosophie der Schiffskonstruktion. Grundri? des Schiffs. Technische und medizinische Systeme, Subsysteme und Anlagen. Betriebsenergiereserven und Einsatzdauer. Spezialgebiete der Besatzung und des medizinischen Personals. Medizinisches Logbuch der bisherigen Einsatze. Kurze nichttechnische Ubersicht.“

Als Gurronsevas den letzten Punkt aus dem Menu auswahlte, fuhlte er sich wie ein ungebildetes Kind. Doch als die zu diesem Punkt vorhandenen Informationen auf dem Monitor erschienen und gleichzeitig vom Lautsprecher verkundet wurden, verwandelte sich diese Empfindung schnell in Uberraschung und Verwunderung; denn die Ubersicht begann mit einer Lektion in Geschichte, mit einer illustrierten Erorterung der Entstehung und Entwicklung der Allianz, aus der sich die heutige galaktische Foderation gebildet hatte, und zwar aus einem philosophischen Blickwinkel, der Gurronsevas vollkommen neu war.

Auf dem Bildschirm erschien eine kleine, aber messerscharfe dreidimensionale Darstellung der galaktischen Doppelspirale mit ihren wichtigsten stellaren Merkmalen sowie dem Rand einer Nachbargalaxie, gesehen aus Entfernungen, die nicht mehr zu messen waren. Wahrend Gurronsevas zuhorte, tauchte nahe am Bildschirmrand eine kurze hellgelbe Linie auf, der eine zweite und schlie?lich eine dritte folgten: sie stellten die Verbindungen zwischen der Erde mitsamt den fruhen, von Terrestriern gegrundeten Kolonien und den Systemen von Orligia und Nidia dar, bei denen es sich um die ersten extraterrestrischen Kulturen handelte, mit denen die Erde einst Kontakt aufgenommen hatte. Dann kam eine zweite Gruppe von Linien hinzu, die diejenigen Planeten kennzeichneten, die von den Tralthanern besiedelt oder kontaktiert worden waren.

Bevor sich Orligianer, Nidianer, Tralthaner und Terrestrier die Planeten, die jeweils nur der eigenen Spezies zuganglich waren, gegenseitig zuganglich gemacht hatten, mu?ten erst mehrere Jahrzehnte vergehen. In jenen Tagen, erlauterte die korrekte, ausdruckslose Stimme, neigten die intelligenten Lebensformen noch zu gegenseitigem Mi?trauen und Argwohn, und in einem Fall, namlich bei den fruhen Kontakten zwischen Orligia und der Erde, waren diese Vorbehalte so stark gewesen, da? man sich den ersten und bisher einzigen interstellaren Krieg erklart hatte. Wie Gurronsevas erst jetzt bemerkte, wurden in der kurzen Ubersicht nicht nur die Entfernungen, sondern auch die Zeitspannen stark verkurzt dargestellt.

Das Geflecht aus goldenen Linien breitete sich auf dem Bildschirm schneller aus, als zunachst die Kontakte und dann die Handelsbeziehungen zu den hochentwickelten und in sich gefestigten Zivilisationen von Kelgia,

Illensa, Hudlar, Melf und den ihnen angeschlossenen Kolonien geknupft wurden. Optisch stellte sich diese Entwicklung nicht geordnet dar. Die Linien schossen nach innen zum Zentrum der Galaxis, schnellten zuruck zum Rand, stellten im Zickzack Verbindungen zwischen Zenit und Nadir her und sprangen sogar durch den intergalaktischen Raum zu den Planeten der laner — obwohl es in diesem Fall die laner gewesen waren, die mit den Raumflugen angefangen hatten. Als alle Mitgliedsplaneten der galaktischen Foderation durch die Linien miteinander verbunden waren, sah das Ergebnis eher wie eine Kreuzung aus einem DNS-Molekul und der Kinderzeichnung eines Brombeerstrauchs aus.

Waren die genauen Koordinaten des Zielplaneten bekannt, konnte man durch den Subraum genauso leicht zu einem benachbarten Sonnensystem wie zu einem am anderen Ende der Galaxis fliegen. Doch erst einmal mu?te man einen bewohnten Planeten finden, bevor man dessen Koordinaten ins Logbuch eintragen konnte, und das erwies sich als keine leichte Aufgabe.

Ganz allmahlich hatte man einige der wei?en Flecken auf den Sternkarten vermessen und kartographisch erfa?t, doch die Erfolge waren enttauschend gewesen. Wenn die Aufklarungsschiffe des Monitorkorps tatsachlich einmal eine Sonne mit Planeten entdeckten, war das schon kein alltaglicher Fund — und noch seltener kam es vor, da? sich unter den Planeten einer befand, auf dem es Leben gab. War dann eine dieser einheimischen Lebensformen auch noch intelligent, brach auf den Planeten der Foderation Jubel aus, der allerdings durch die naturliche Sorge abgeschwacht wurde, aus dieser Entdeckung konnte sich womoglich eine Bedrohung des galaktischen Friedens ergeben. Das war der Moment, in dem man die Kontaktspezialisten des Monitorkorps losschickte, damit sie die schwierige, zeitraubende und oftmals gefahrliche Aufgabe verrichteten, eingehende Kontakte herzustellen.

Auf dem Bildschirm erschien eine Reihe von Tabellen mit Einzelheiten uber die durchgefuhrten Vermessungseinsatze und die Zahl der daran beteiligten Schiffe und Besatzungsmitglieder sowie die Summe der Kosten, die zu viele Ziffern aufwies, um noch glaubwurdig zu sein. „In den vergangenen zwanzig Jahren haben die Kontaktspezialisten drei Erstkontaktverfahren eingeleitet, die alle zur Aufnahme der jeweiligen Spezies in die Foderation gefuhrt haben“, fuhr die Stimme fort. „Im gleichen Zeitraum ist das Orbit Hospital im galaktischen Sektor zwolf bis zur vollen Betriebsbereitschaft fertiggestellt worden, und von dort aus hat man ebenfalls Erstkontakte aufgenommen, aus denen sich schlie?lich die Beitritte von sieben neuen Spezies zur Foderation ergeben haben.“

Gurronsevas mochte es sich nur eingebildet haben, doch als die herablassende Stimme des Datenbankcomputers ihre Ausfuhrungen fortsetzte, schien sich ein Anflug von Stolz in ihren Tonfall einzuschleichen. „In keinem dieser sieben Falle wurde das dadurch erreicht, da? man langsam und geduldig die gegenseitige Verstandigung aufbaute und ausweitete, bis der Austausch komplexer philosophischer und soziologischer Vorstellungen moglich war, sondern indem man einen kranken oder nach einem Unfall im Raum treibenden Alien rettete und medizinisch versorgte.

Durch diese Hilfe hat das Hospital das Wohlwollen der Foderation gegenuber neuentdeckten intelligenten Lebensformen einfacher und direkter demonstriert als durch jeden zeitraubenden Gedankenaustausch.

Deshalb hat man erst vor kurzem den Schwerpunkt in der Erstkontaktpolitik verlagert.“

So, wie man nur eine Methode kannte, durch den Hyperraum zu reisen, gab es auch nur ein Verfahren, ein Notsignal zu senden, wenn ein Schiff durch einen Unfall oder eine Fehlfunktion im Normalraum zwischen den Sternen gestrandet war. Der mit festem Leitstrahl arbeitende Subraumfulnk war keine zuverlassige interstellare Kommunikationsmethode, da er durch die Strahlung von dazwischenliegenden Sternkorpern Storungen und

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