und Abspulen der Teller und Bestecke und das Waschen des Gemuses fur den nachsten Tag ubertragen wurde. Doch die Folge war, da? viel Geschirr zu Bruch ging und das Gemuse nicht ordentlich gewaschen wurde. Deshalb hat man diese Gewohnheit aufgegeben. Widerwillige Helfer sind der Muhe namlich nicht wert. Au?erdem ist es fur uns Alte besser, uns weiterhin nutzlich zu machen, als Krafte zu vergeuden, die mit jedem Tag knapper werden. Ist das da auf Ihrem Teller ein Essensrest oder eine abgenutzte Stelle? Bitte schrubben Sie ihn noch mal.“

Abermals tauchte Gurronsevas den Teller in das kalte flie?ende Wasser und rieb es mit einem dichten, drahtigen Moosstuck sauber, das er zu diesem Zweck erhalten hatte, bevor er ihn wieder Remrath zeigte, der mit derselben Arbeit beschaftigt war. Zuerst ein Kellner, dachte er, und jetzt auch noch ein Tellerwascher!

„Bei vielen der Spezies, die ich kennengelernt habe, versteifen sich die Fingergelenke durch wiederholtes Eintauchen in kaltes Wasser, vor allem dann, wenn der Betreffende nicht mehr jung ist“, sagte er. „Ist das bei Ihnen auch der Fall?“

„Ja“, antwortete Remrath. „Und wie Ihnen bei mir bestimmt nicht entgangen ist, sind es nicht nur die in kaltes Wasser getauchten Korperteile, die in Mitleidenschaft gezogen werden.“

„Auch das ist auf vielen Planeten eine verbreitete Klage“, sagte Gurronsevas. „Doch moglicherweise kann das Leiden gelindert werden. Ich sage „moglicherweise“, weil ich selbst von diesem Thema keine Ahnung habe. Doch Tawsar hat sich freundlicherweise einer umfassenden medizinischen Untersuchung und vielen Stoffwechselproben unterzogen, und deshalb werden wir bald wissen, ob wir die Wemarer heilen konnen oder nicht. Sollte das jedoch nicht der Fall sein, auf meinem Planeten konnen die Jungeren oft dazu gebracht werden, den Alteren zu helfen, wenn man die richtigen Argumente anfuhrt.“

Remrath wusch drei weitere Teller ab, untersuchte sie peinlich genau auf Essensreste und stellte sie noch tropfna? beiseite, bevor er fragte: „Wissen Sie uberhaupt, ob Tawsar gesund oder krank ist? Lauft bei ihr der Faulnisproze? des Alters ab, der sich in den Korpern von uns allen ausbreitet und anderen Krankheiten den Weg bahnt, die unser Fleisch vergiften?“

Gurronsevas versuchte noch, sich eine passende Antwort einfallen zu lassen, als sich Murchison auf der Schilfsfrequenz einmischte. „Wie Sie ganz richtig erwahnt haben, sind wir vielleicht nicht in der Lage, bei den Wemarern ein arthritisches Leiden zu lindern, doch besteht eine recht gute Chance. Tawsar ist zwar alt und gebrechlich, aber keineswegs krank. Sie konnte weitere zehn Jahre leben und sogar noch langer, wenn sie mehr essen wurde. Aus irgendeinem Grund hungern sich diese DHCGs fast zu Tode.“

Hatte Murchison eben das Essen der Wemarer probiert, ware ihr der Grund klar, dachte Gurronsevas und sagte zu Remrath: „Tawsar konnte noch viele Jahre vor sich haben, wenn sie mehr essen wurde.“

Von einem Teller schabte Remrath eingetrocknete Essensreste in einen Abfalleimer, bevor er den Teller in den Waschtrog gleiten lie?. „Wenn wir die jungen Wemarer baten, wurden sie uns zwar helfen, aber wir Alten mussen trotzdem nutzliche Arbeit leisten, wahrend wir auf die Ubergabe unseres Korpers bei unserem Tod warten. Es handelt sich um eine Arbeit, die wir verrichten durfen, auch wenn wir nicht immer imstande sind, sie gut zu verrichten. Und mehr Nahrung wollen wir nicht zu uns nehmen, jedenfalls nicht, solange es sich um Gemuse handelt. Dieses Thema ist in jeder Bedeutung des Wortes ekelhaft. Aber ich habe auch einige Fragen an Sie, Gurronsevas. Falls die ungehorig sein sollten, beachten Sie sie einfach nicht. Ihre Arbeit kann ich ja nachvollziehen, weil sie meiner eigenen nicht unahnlich ist, aber was ist mit den Wesen, die sich mit Tawsar unterhalten und irgendwelche Sachen mit ihr angestellt haben? Wo kommen die her, und was machen die dort?“

Gurronsevas bemuhte sich, das Orbit Hospital und die Arbeit zu beschreiben, die dort verrichtet wurde, doch seine Schilderung war viel zu einfach und alles andere als genau, denn er wu?te, da? ihm Remrath die ungeheuerliche Wahrheit ohnehin nicht glauben wurde.

„Demnach handelt es sich also wirklich um ein gro?es Gebaude am Himmel, das mit Wesen bevolkert ist, die Kranke und Verletzte aufnehmen und sie wieder rein und frisch und heil machen?“ hakte Remrath unglaubig nach.

„So kann man unsere Tatigkeit auch beschreiben“, warf Murchison mit einem leisen Lachen ein.

„Auf Wemar hat es auch mal solche Einrichtungen gegeben“, fuhr Remrath fort, „aber deren Tatigkeiten sind weit hinter dem zuruckgeblieben, was Sie eben beschrieben haben. Sie wollen also allen Ernstes behaupten, Ihre Freunde auf dem Schiff kommen vom Orbit Hospital und sind bereit, diesen Dienst fur Tawsar und den Rest des alteren Personals zu leisten?“

„Ja“, antwortete Gurronsevas, ohne zu zogern.

„Vie… vielen Dank“, stammelte Remrath verlegen. „Aber andererseits ist mir nicht ganz wohl dabei, meinen Korper Fremden anzuvertrauen. Obwohl Sie ja auch einer von denen sind und ich Sie mittlerweile einigerma?en kenne und. Sie kommen doch auch vom Orbit Hospital und mussen eigentlich mehr wissen als ich. Wenn es soweit ist, ware es mir lieber, wenn Sie die Aufgabe ubernahmen, meinem Korper die Frische der Jugend zuruckzugeben.“

„Bedauerlicherweise verstehe ich uberhaupt nichts von diesen Dingen“, stellte Gurronsevas klar, wenngleich er sich uber das unangebrachte Kompliment freute. „Mein einziger Beitrag besteht darin, den Lebewesen im Hospital das Essen zuzubereiten, anzurichten und zu servieren.“

„Ist das ein wichtiger Beitrag?“ erkundigte sich Remrath. „Hilft es den Wesen dort, rein und frisch zu bleiben?“

„Ja“, antwortete Gurronsevas erneut. „Ich wurde sogar ohne Zogern behaupten, da? mein Beitrag der wichtigste ist, weil ohne ihn niemand uberleben wurde.“

Im Kopfhorer konnte er Murchison horen, die einen unubersetzbaren Laut ausstie?.

„Und Sie wollen uns dabei helfen, frisch zu bleiben, indem Sie unserem Essen ein schones Aussehen und einen besseren Geschmack verleihen?“ fragte Remrath weiter. „Ausgeschlossen!“

Da Gurronsevas nichts entdecken konnte, das einem Handtuch ahnelte, schuttelte er sich das Wasser von den Handen und antwortete: „Ich mochte nur, da? Sie mir erlauben, es zu versuchen.“

Ohne etwas darauf zu entgegnen, wandte sich Remrath um und humpelte steif in den Vorraum, um funf Minuten spater mit einer Ladung des vorhin gebrachten Gemuses zuruckzukehren. Er machte sich daran, bei einigen Sorten die Blatter abzurupfen und bei anderen die Wurzeln, bevor er die vermutlich genie?baren Teile ins Wasser warf.

„Sie durfen es versuchen, Fremdling“, willigte er schlie?lich ein. „Wenn Sie uns aber mit Ihrem gro?eren Wissen und Ihrer au?erplanetarischen Erfahrung kein Fleisch auf den Tisch bringen konnen, verschwenden Sie nur Ihre Zeit. Das ist namlich unsere Hoffnung und der Grund, warum ich Tawsar ursprunglich dazu gedrangt habe, sich mit Ihnen zu treffen. Statt Ihnen unseren dringenden Bedarf an Fleisch zu erlautern, das fur das Uberleben unserer Spezies notwendig ist, hat sie sich nur geschamt und uber ganz andere Themen gesprochen und Ihren Arzten erlaubt, seltsame Dinge mit ihr anzustellen.

Womit mochten Sie denn anfangen, Gurronsevas?“

„Zuerst wurde ich mich gern mit Ihnen uber die Wemarer unterhalten…“, antwortete er.

„Ja, bitte“, mischte sich Murchison ein. „Prilicla sagt, abgesehen von den physiologischen Daten erhielten sie von Ihrem Freund in funf Minuten mehr nutzliche Auskunfte als wir von Tawsar in zwei Stunden.“

„…und daruber, was Sie von sich selbst und Ihrem Planeten halten und was Sie gerne essen“, fuhr Gurronsevas fort, ohne das abermalige unerwartete Kompliment zu beachten. „Welche Gegenstande, Szenerien und Farben empfinden Sie als schon? Ist Ihnen das Aussehen des Essens genauso wichtig wie der Geschmack und der Geruch? Ich bin schon seit langem der Uberzeugung, da? sich das Verhalten und das kulturelle Niveau eines Lebewesens in verschiedener und wichtiger Hinsicht in der Nahrung, die es zu sich nimmt, und naturlich auch in den kultivierten Zeremonien und Verfeinerungen widerspiegelt, die es beim Kochen, Anrichten und Essen.“

„Fremdling!“ schnitt ihm Remrath das Wort ab. „Sie beleidigen sowohl mich als auch die ubrigen Wemarer. Wollen Sie etwa damit andeuten, da? wir Wilde sind?“

„Gurronsevas, seien Sie vorsichtig“, warnte ihn Murchison eindringlich. „Oder wollen Sie allen Ernstes einen Streit vom Zaun brechen?“

„Das war keineswegs meine Absicht“, entgegnete Gurronsevas, womit er beide Fragen gleichzeitig beantwortete. „Ich wei?, da? die Wemarer kurz vorm Verhungern sind, und fur viele der E?zeremonien mussen die Lieblingsspeisen ausreichend, wenn nicht sogar im Uberflu? vorhanden sein. Doch dort, wo ich herkomme, konnen E?zeremonien abgewandelt werden, entweder weil die Umstande uns dazu zwingen oder um die Eintonigkeit einer sich nicht andernden Kost zu beleben.

Trotz meiner Unkenntnis der Wemarer Kuche werde ich Ihnen Vorschlage unterbreiten, wie man das

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