runterzuschlucken. Sie erwidert seinen Blick und antwortet: »Alles wunderbar.«
Josh nickt ihr zu und brullt dann erneut: »Hinten alles klar bei euch?«
Megans Gesicht am Fenster sagt mehr als tausend Worte. Ihre Miene ist vor Anspannung ganz verzerrt, aber sie hebt den Daumen und gibt ihnen zu verstehen, dass auch bei ihnen alles in Ordnung sei.
Josh wendet sich wieder nach vorne und schaut durch die Windschutzscheibe. Er atmet heftig, als ob er sich nach einem Sprint erholen musse. »Die Schei?viecher werden auf jeden Fall immer mehr.«
Bob reibt sich das Gesicht, keucht ebenfalls und kampft gegen das Zittern an. »Und werden immer unverschamter obendrauf, wenn du mich fragst.«
Nach einer kurzen Pause meint Josh: »Der Angriff muss so schnell uber das Lager hereingebrochen sein, dass sie gar nicht wussten, wie ihnen geschieht.«
»Yeah.«
»Sie hatten keine Chance.«
»Yeah.« Bob wischt sich den Mund. »Vielleicht sollten wir zuruckfahren und versuchen, die restlichen Zombies vom Camp wegzulocken.«
»Wozu?«
Bob schurzt die Lippen. »Keine Ahnung … Vielleicht gibt es Uberlebende.«
Wieder Stille, bis Lilly sich endlich zu Wort meldet: »Unwahrscheinlich, Bob.«
»Vielleicht gibt es noch Vorrate, die wie gebrauchen konnen«, gibt Bob zu bedenken.
»Zu gefahrlich«, erwidert Josh und lasst den Blick uber die Landschaft gleiten. »Wo zum Teufel sind wir hier eigentlich?«
Bob holt eine Karte aus der zerbeulten Turablage, faltet sie mit bebenden Handen auseinander und verfolgt die winzigen Pfade mit dem Fingernagel. Er keucht noch immer. »Soweit ich es ausmachen kann, befinden wir uns irgendwo sudlich von Oakland – Tabak-Land.« Er versucht, die Karte ruhig zu halten. »Aber diese Stra?e hier ist gar nicht eingezeichnet – zumindest nicht auf dieser Karte.«
Josh blickt in die Ferne. Die Morgensonne scheint auf die schmale, zweispurige Stra?e, die von Unkraut gesaumt und ungefahr alle zwanzig Meter mit liegen gebliebenen Autos ubersat ist. Sie windet sich durch zwei Tabakfelder, die links wie rechts mit Unkraut uberwachsen sind. Ranken uberwuchern die vom Wetter verwitterten Leitplanken aus Holz. Die heruntergekommenen Felder lassen ahnen, wie viel Zeit seit dem Ausbruch der Plage vergangen ist.
Bob faltet die Karte wieder zusammen. »Und was jetzt?«
Josh zuckt die Achseln. »Habe schon seit Ewigkeiten keine Farm mehr gesehen. Sieht ganz so aus, als ob wir so weit drau?en, so am Arsch der Welt sind, dass sich die Schwarme nicht um uns kummern werden.«
Lilly klettert auf die Ruckbank. »Josh, was uberlegst du?«
Er legt einen Gang ein. »Ich bin der Meinung, dass wir nach Suden fahren sollen.«
»Warum Suden?«
»Erstens gibt es im Suden keine Ballungszentren.«
»Und …?«
»Und vielleicht, wenn wir weiter gut unterwegs sind … konnen wir die Kalte im Ruckspiegel lassen.«
Er tritt erneut aufs Gas und lenkt das Fahrzeug auf die Stra?e, als Bob ihn am Arm ergreift.
»Nicht so hastig, Captain.«
Josh halt an. »Was nun schon wieder?«
»Ich will ja nicht der Uberbringer schlechter Nachrichten sein …« Bob deutet auf die Tankanzeige. »Aber ich habe gestern Abend die letzten Reste Sprit in die Kiste gekippt.«
Die Nadel ist bereits unter die rote Markierung gesunken.
Sieben
Sie suchen die Stra?e nach Fahrzeugen ab, die noch genugend Sprit im Tank haben, damit sich das Umfullen lohnt, werden aber nicht fundig. Die meisten Wracks auf dieser gottverlassenen, trostlosen Stra?e sind entweder vollig ausgebrannt oder haben knochentrockene Tanks. In der Ferne erkennen sie den einen oder anderen Untoten – einzelne Kadaver, die vollig orientierungslos umherirren, weit weg genug, um sie nicht zu bemerken.
Sie beschlie?en, die Nacht im Truck zu verbringen und abwechselnd Wache zu halten. Jeder kriegt seine Ration Essen und Frischwasser zugeteilt. Mitten am Arsch der Welt zu sein ist sowohl ein Fluch als auch ein Segen. Die Tatsache, dass hier kein Stuckchen Proviant oder Benzin zu finden ist, wird durch die beinahe vollige Abwesenheit von Zombies wiedergutgemacht.
Josh ermahnt alle, schon ruhig zu bleiben und so wenig Larm wie moglich zu machen, wahrend sie in diesem desolaten Hinterland gefangen sind.
Als die Dunkelheit hereinbricht und die Temperaturen fallen, lasst Josh so lange wie moglich den Motor laufen, ehe er die Heizung uber die Batterie betreibt. Er wei?, dass es nicht lange gut gehen wird.
Sie verbringen die Nacht eher schlecht als recht mit Megan, Scott und Bob hinten im Camper-Aufsatz, Lilly auf der Ruckbank in der Fahrerkabine und Josh auf den beiden Vordersitzen. Er schafft es kaum, seinen riesigen Korper vernunftig auszustrecken.
Am nachsten Tag werden Bob und Josh fundig. Sie finden einen umgesturzten Laster eineinhalb Kilometer entfernt. Die Hinterachse ist zwar gebrochen, aber der Rest ist noch in einwandfreiem Zustand – und mit beinahe vollem Tank. Noch vor Mittag haben sie achtzig Liter in Container umgefullt und den Truck befullt. Sie machen sich Richtung Sudwesten auf, fahren durch weitere drei?ig Kilometer brachliegendes Ackerland, ehe sie unter einer Eisenbahnbrucke parken, wo der Wind ihnen sein immerwahrendes, trauriges Lied um die Ohren pfeift.
In der Dunkelheit des stinkenden Trucks fangen sie zu streiten an: Sollen sie weiterfahren oder nicht, wer schlaft wo, wer schnarcht, wer hat mehr zu essen gekriegt, wer hat die am ubelsten riechenden Fu?e und so weiter. Der Camper-Aufsatz hat weniger als zehn Quadratmeter Flache, und das meiste davon ist mit Bobs Mull ubersat. Scott und Megan schlafen wie Sardinen gegeneinander gepresst an der Hintertur, wahrend Bob sich in seinem halb nuchternen Zustand hin und her wirft.
So verbringen sie beinahe eine ganze Woche, fahren im Zickzack gen Sudwesten, immer den Schienen der West Central Georgia Railway folgend. Sie fullen den Tank so oft auf, wie es geht, und die Stimmung wird immer schlechter und angespannter. Es ist, als ob die Wande des Trucks sie langsam zu ersticken drohen.
Eines Morgens, wahrend Megan und Scott noch im Camper-Aufsatz schlummern, sitzen Josh und Lilly auf der vorderen Sto?stange und teilen sich eine Thermoskanne Pulverkaffee in der blassen Sonne. Der Wind scheint kalter geworden zu sein, der Himmel erdruckender … Der Geruch vom Winter liegt in der Luft. »Fuhlt sich so an, als ob der Schnee nicht mehr lange auf sich warten lasst«, bemerkt Josh.
»Wo ist denn Bob hin?«
»Hab ihn gesehen, wie er nach Westen gegangen ist. Hat seine Angel dabeigehabt.«
»Und die Schrotflinte auch?«
»Axt.«
»Ich mache mir Sorgen um ihn, Josh. Er zittert die ganze Zeit, das will gar nicht mehr aufhoren.«
»Der wird schon wieder.«
»Gestern Nacht habe ich gesehen, wie er von einer Flasche Mundwasser getrunken hat.«
Josh blickt sie an. Lillys Wunden sind beinahe vollig verheilt, die Augen das erste Mal seit der Tracht Prugel wieder klar. Ihre Schwellungen sind so gut wie abgeklungen, und sie hat die Bandagen um die Rippen am Tag zuvor abgemacht und gemerkt, dass sie sich genauso gut ohne sie bewegen kann. Aber der Schmerz, Sarah Bingham verloren zu haben, nagt noch immer an ihr. Josh blickt sie jede Nacht an, sieht die Sorgenfalten in ihrem verschlafenen Gesicht – der schonste Anblick, der ihm je untergekommen ist. Es verlangt ihn danach, sie wieder zu kussen, aber die Situation lasst einen solchen Luxus nicht zu. »Uns wird es schon allen viel besser gehen, sobald wir etwas Vernunftiges zwischen die Zahne kriegen«, meint er schlie?lich. »Langsam habe ich Nase voll vom Dosenfutter.«
»Und viel Wasser haben wir auch nicht mehr. Au?erdem gibt es noch etwas, das mir die Haare im Nacken aufstellt, wenn ich daran danke.«
Josh wirft ihr einen fragenden Blick zu. »Was denn?«
