Eine gute Weile währt' es, bis sie sich recht gegrüßt; Wohl wurde da so mancher rote Mund geküsst. Noch standen beieinander die Königstöchter reich: Des freuten sich zu schauen viel der Recken ohne Gleich. (607) Da spähten mit den Augen die oft gehört vorher, Dass man also Schönes gesehen nimmermehr Als die Frauen beide: Das fand man ohne Lug; Man sah an ihrem Leibe auch nicht den mindesten Trug. (608) Die Frauen schätzen konnten und minniglichen Leib, Priesen um ihre Schöne König Gunthers Weib. Doch sprachen da die Weisen, die es recht besehn, Man müsse vor Brunhilden den Preis Kriemhilden zugestehn. (609) Nun gingen zueinander Mägdlein und Fraun: Da war in hoher Zierde manch schönes Weib zu schaun. Da standen seidne Hütten und manches gute Zelt: Davon war angefüllet vor Wormes das ganze Feld. (610) *Des Königs Freunde drängten sich um sie zu sehn. Da hieß man Brunhilden und Kriemhilden gehn, Und all die Fraun mit ihnen, hin wo sich Schatten fand: Dar führten sie die Degen aus der Burgonden Land. (611) Nun waren auch die Gäste gekommen all zu Ross; Da gab es beim Tjostieren durch Schilde manchen Stoß. Das Feld begann zu stäuben, als ob das ganze Land Entbrannt wär in der Lohe: Da machten Helden sich bekannt. (612) Wes da die Recken pflagen sah manche Maid mit an. Wohl ritt mit seinen Degen Siegfried der kühne Mann In mancher Wiederkehre vorbei an dem Gezelt; Der Nibelungen führte tausend Degen der Held. (613) Da kam von Tronje Hagen, wie ihm der König riet: Der Held mit guter Sitte die Ritterspiele schied, Auf dass sie nicht die Frauen bestäubten mit dem Sand: Willigen Gehorsam er bei den Gästen da fand. (614) * Da sprach Gernot der Degen: “Die Rosse lasset stehn, Wenn es beginnt zu kühlen, dass wir die Frauen schön Wieder heim geleiten vor den Pallas weit: Wenn reiten will der König, dass ihr des gewärtig seid.” (615) Das Kampfspiel war vergangen über all dem Feld, Da gingen kurzweilen in manches hohe Zelt Die Ritter zu den Frauen, um hoher Lust Gewinn: Da vertrieben sie die Stunden, bis sie weiter wollten ziehn. (616) Vor des Abends Nahen, als sank der Sonne Licht Und es begann zu kühlen, ließ man es länger nicht: Da eilten zu der Veste der Helden viel und Fraun: Mit Augen ward gekostet mancher Schönen beim Schaun. (617) Da ward von guten Knechten um Kleider viel geritten Vor den Hochbeherzten nach des Landes Sitten Bis vor den weiten Pallas, wo der König sprang vom Pferd. Da diente man den Frauen, so pflegen Helden lobenswert. (618) Da wurden auch geschieden die Königinnen reich. Frau Ute und ihre Tochter gingen von hinnen gleich Mit ihrem Ingesinde in einen weiten Saal: Da vernahm man allenthalben der Freude rauschenden Schall. (619) Gerichtet waren Stühle: Der König wollte gehn Zu Tische mit den Gästen: Da sah man bei ihm stehn Die schöne Brunhilde, die da die Krone trug In des Königs Lande: Reich war die Fürstin genug. (620) * Da wurden schöne Tische, viel Tafeln breit und gut, Mit Speise wohl beladen, wie man kund uns tut: Was sie da haben sollten, davon ward nicht entbehrt. Da sah man bei dem Könige viel der Helden kühn und wert. (621) Des Wirtes Kämmerlinge in Becken goldesrot Reichten da das Wasser. Das wär vergebne Not Wollt euch jemand sagen, dass man je vorher Bei Gelagen besser diente: Ich glaubt es doch nimmermehr. (622) Bevor der Vogt vom Rheine nun das Wasser nahm, Da ging der Herre Siegfried, er durft es ohne Scham,