»Ja, aber er musste sich nie behaupten. Um
Die Soldaten, die das Gesprach mitverfolgten, pflichteten grinsend bei. Arnau sah erneut zu den Almogavaren hinuber. Wie konnten sie nur ein voll gepanzertes Pferd mit einer einfachen Lanze toten?
»Unter den
»Bei ihrem Leben?«, fragte Arnau.
»Bei ihrem Leben«, bestatigte der alte Soldat.
Arnau konnte sich nicht vorstellen, dass die Eigenwilligkeit dieser Haudegen so weit ging, dem Konig den Gehorsam zu verweigern. Doch als Pedro III. nach der Uberwindung des Panissars-Passes Befehl gab, nach Perpignan, der Hauptstadt des Roussillon, zu ziehen, trennten sich die Almogavaren von der Truppe und zogen zur Burg Bellaguarda, die auf einer gleichnamigen Anhohe uber der Schlucht thronte.
Arnau und die Soldaten Eiximen d'Esparcas sahen sie davonsturmen und den Gipfel von Bellaguarda erklimmen. Sie schrien und johlten, wie sie es auf dem ganzen Weg getan hatten. Eiximen d'Esparca blickte zum Konig hinuber, der den Almogavaren ebenfalls hinterhersah.
Doch Pedro III. unternahm nichts. Wie sollte man diese Soldner aufhalten? Er wendete sein Pferd und ritt weiter nach Perpignan. Das war das Signal fur den koniglichen Vasallen: Der Konig lie? den Uberfall auf Bellaguarda zu, aber er, Eiximen d'Esparca, war es, der die Almogavaren bezahlte. Falls sie Beute machten, wollte er dabei sein. Und so folgten Eiximen d'Esparca und seine Manner den Almogavaren hinauf nach Bellaguarda, wahrend der Gro?teil der Armee geordnet weiterzog.
Die Katalanen belagerten die Burg. Den Rest des Tages und die ganze Nacht hindurch wechselten sich die Soldner beim Baumfallen ab, um Belagerungsgerat zu bauen, Sturmleitern und einen gro?en Rammbock auf Radern, der mit Seilen an einem weiteren Baumstamm befestigt war. Dieser war mit Leder umwickelt, um die Manner zu schutzen, die ihn bedienen wurden.
Arnau hielt Wache vor den Mauern von Bellaguarda. Wie sturmte man eine Burg? Sie mussten ohne Deckung bergan vorrucken, wahrend die Verteidiger im Schutz der Zinnen nur darauf warten wurden, sie zu beschie?en. Dort oben waren sie. Er sah, wie sie hinunterblickten und sie beobachteten. Einmal hatte er das Gefuhl, ins Visier genommen zu werden. Sie wirkten ruhig, wahrend er zitterte, als er die wachsamen Blicke der Belagerten auf sich spurte.
»Sie scheinen sich sehr sicher zu fuhlen«, bemerkte er zu einem Soldaten, der neben ihm stand.
»Tausche dich nicht«, antwortete dieser. »Denen da drin geht es schlechter als uns. Au?erdem haben sie die Almogavaren entdeckt.«
Die Almogavaren. Wieder die Almogavaren. Arnau sah zu ihnen hinuber. Sie arbeiteten ohne Unterlass, und nun waren sie perfekt organisiert. Niemand lachte, niemand sprach. Sie arbeiteten stillschweigend.
»Wie kann man solche Angst vor ihnen haben, wenn man hinter solchen Mauern sitzt?«, fragte er.
Der Soldat lachte.
»Du hast sie noch nie kampfen gesehen, stimmt's?« Arnau schuttelte den Kopf. »Warte ab, und du wirst es sehen.«
Und er wartete, auf dem Erdboden dosend, eine angespannte Nacht hindurch, in der die Soldner im Schein hin und her wandernder Fackeln unermudlich mit dem Bau ihrer Maschinen beschaftigt waren.
Bei Tagesanbruch, als ein erster Widerschein am Horizont die Nacht erhellte, befahl Eiximen d'Esparca seinen Truppen, Aufstellung zu nehmen. Arnau hielt Ausschau nach den Almogavaren. Gehorsam standen sie in Reih und Glied vor den Mauern von Bellaguarda. Dann sah er zur Burg hinauf. Samtliche Fackeln waren verschwunden, aber die Verteidiger waren dort. Die ganze Nacht hindurch hatten sie sich auf den Angriff vorbereitet. Arnau frostelte es. Was hatte er hier verloren? Der Morgen war frisch, aber seine Hande, mit denen er die Armbrust umklammerte, schwitzten unaufhorlich. Es herrschte vollige Stille. Er konnte sterben. Tagsuber hatten ihn die Verteidiger einige Male ins Visier genommen, ihn, einen einfachen
Ein Ruf zerriss die Stille.
Der Befehl! Die Felsen! Arnau wollte losrennen, doch der Offizier packte ihn an der Schulter.
»Noch nicht«, sagte er.
»Aber …«
»Noch nicht«, wiederholte der Offizier. »Schau.«
Der Soldat deutete auf die Almogavaren.
Ein weiterer Ruf erschallte aus ihren Reihen: »Das Eisen erwache!«
Arnau sah wie gebannt zu den Soldnern. Bald brullten alle wie aus einer Kehle: »Das Eisen erwache! Das Eisen erwache!«
Sie begannen ihre Lanzen und Messer gegeneinanderzuschlagen, bis das metallene Klirren ihre Stimmen ubertonte.
»Das Eisen erwache!«
Und das Eisen erwachte. Es spruhte Funken, wahrend die Waffen immer wieder gegeneinander oder gegen
