»Dein Arnau ist tot«, sagte sie, nachdem sie Aledis zu sich gerufen hatte.

Das Madchen brach zusammen. Francesca sah, wie sie in ihrem grunen Kleid in sich zusammensank. Aledis schlug die Hande vors Gesicht und ihr Schluchzen hallte durch die ungewohnte Stille.

»Wie … wie ist es passiert?«, fragte sie nach einer Weile.

»Du hast mich belogen«, lautete Francescas ungeruhrte Antwort.

Aledis sah sie an, die Augen voller Tranen, schluchzend und zitternd. Dann blickte sie zu Boden.

»Du hast mich belogen«, sagte Francesca noch einmal. Aledis antwortete nicht. »Du willst wissen, wie es passiert ist? Dein Mann hat ihn getotet. Dein richtiger Mann, der Gerbermeister.«

Pau? Unmoglich! Aledis sah auf. Dieser alte Greis konnte unmoglich …

»Er erschien im koniglichen Feldlager und beschuldigte diesen Arnau, dich entfuhrt zu haben«, sagte Francesca in die Uberlegungen des Madchens hinein. Sie wollte sehen, wie sie reagierte. Arnau hatte ihr erzahlt, dass sie ihren Ehemann furchtete. »Der Junge bestritt das und dein Mann forderte ihn zum Kampf.«

Aledis wollte widersprechen. Wie konnte Pau jemanden zum Kampf herausfordern?

»Er bezahlte einen Soldaten, damit dieser fur ihn kampfe«, fuhr Francesca fort, nachdem sie ihr bedeutet hatte zu schweigen. »Wenn jemand zu alt ist, um zu kampfen, kann er einen anderen dafur zahlen, dass dieser an seiner statt antritt. Wusstest du das nicht? Dein Arnau starb, um seine Ehre zu verteidigen.«

Aledis war verzweifelt. Francesca sah, wie sie zitterte. Ihre Beine gaben nach, und das Madchen sank vor ihr auf die Knie, doch Francesca zeigte kein Mitleid.

»Soweit ich wei?, ist dein Mann immer noch auf der Suche nach dir.«

Aledis schlug erneut die Hande vors Gesicht.

»Du musst uns verlassen. Antonia wird dir deine alten Kleider wiedergeben.«

Das war der Blick, den sie sehen wollte. Angst! Panik!

Tausend Fragen schossen Aledis durch den Kopf. Was sollte sie tun? Wo sollte sie hin? Barcelona war am anderen Ende der Welt, und was war ihr dort geblieben? Arnau war tot! Die Reise von Barcelona nach Figueras fiel ihr wieder ein, und ihr ganzer Korper empfand erneut die Angst, die Demutigung, die Scham … den Schmerz. Und Pau suchte nach ihr!

»Nein«, setzte Aledis an. »Ich kann nicht!«

»Ich will keine Probleme bekommen«, antwortete Francesca ungeruhrt.

»Gewahrt mir Obdach!«, flehte das Madchen. »Ich wei? nicht, wohin. Ich habe niemanden, zu dem ich gehen konnte.«

Aledis kniete schluchzend vor Francesca und wagte es nicht, sie anzusehen.

»Das geht nicht. Du bist schwanger.«

»Aber das stimmt doch gar nicht!«, brach es aus dem Madchen hervor.

Aledis umklammerte nun ihre Beine. Francesca ruhrte sich nicht.

»Was wurdest du im Gegenzug dafur tun?«

»Alles, was Ihr wollt!«, rief Aledis. Francesca unterdruckte ein Lacheln. Das war das Versprechen, das sie horen wollte. Wie oft hatte sie es von Madchen wie Aledis gehort. »Alles, was Ihr wollt«, sagte diese noch einmal. »Gewahrt mir Obdach, versteckt mich vor meinem Mann, und ich werde tun, was Ihr verlangt.«

»Nun, du wei?t ja, was wir tun«, erklarte die Patronin.

Was tat das noch zur Sache? Arnau war tot. Sie hatte nichts mehr. Ihr war nichts geblieben au?er einem Ehemann, der sie steinigen wurde, wenn er sie fand.

»Versteckt mich, ich flehe Euch an. Ich werde tun, was Ihr verlangt«, beteuerte Aledis noch einmal.

Francesca wollte nicht, dass sich Aledis unter die Soldaten mischte. Arnau war bekannt im Heer.

»Du wirst heimlich arbeiten«, sagte sie ihr am nachsten Tag, als sie sich zum Aufbruch bereit machten. »Ich mochte nicht, dass dein Mann …« Aledis nickte. »Du darfst dich nicht blicken lassen, bis der Krieg voruber ist.« Aledis nickte erneut.

Noch in derselben Nacht schickte Francesca eine Nachricht an Arnau: »Alles geklart. Sie wird dich nicht mehr behelligen.«

Am nachsten Tag beschloss Pedro III. weiter in Richtung Meer zu ziehen statt nach Perpignan, wo sich Konig Jaime von Mallorca aufhielt. Ziel war Canet, wo der Vicomte der Ortschaft ihm seine Burg zur Verfugung stellen sollte. Der Vicomte hatte dem katalanischen Konig nach der Eroberung Mallorcas und der Flucht Konig Jaimes Gefolgschaft geschworen, als dieser ihm nach der Aufgabe der Festung Bellver die Freiheit geschenkt hatte.

Und so geschah es. Der Vicomte von Canet uberlie? Konig Pedro die Burg und das Heer konnte sich ausruhen. Es wurde von den Einwohnern, die darauf hofften, dass die Katalanen das Lager bald wieder abschlagen und nach Perpignan weiterziehen wurden, gro?zugig mit Lebensmitteln versorgt. Gleichzeitig besa? der Konig nun einen Bruckenkopf zu seiner Flotte, die er sogleich mit Proviant versorgte.

Nachdem er sich in Canet eingerichtet hatte, empfing Pedro III. einen weiteren Vermittler. Dieses Mal handelte es sich um einen leibhaftigen Kardinal, der zweite, der fur Jaime von Mallorca eintrat. Doch auch ihn horte Pedro nicht an, sondern schickte ihn weg und begann mit seinen Ratgebern zu uberlegen, wie Perpignan am besten zu belagern sei. Wahrend der Konig auf Nachschub von See wartete und diesen in der Burg von Canet lagerte, nutzte das katalanische Heer den sechstagigen Aufenthalt, um die Burgen und Festungen zwischen Canet und Perpignan zu erobern.

Das Burgerheer von Manresa nahm im Namen Konig Pedros die Burg von Sainte Marie de la Mer ein, andere Kompanien sturmten die Burg Castellarnau Sobira, und Eiximen d'Esparca belagerte und eroberte mit seinen Almogavaren und weiteren Rittern Chateau-Roussillon.

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