nicht zu verletzen, spater schroff und ohne lange Umschweife.

»Der Konig hat mich gezwungen, dich zu heiraten. Von der Befriedigung deiner Bedurfnisse hat er nichts gesagt«, warf er ihr entgegen.

»Der Konig vielleicht nicht«, entgegnete sie, »wohl aber die Kirche.«

»Gott kann mich nicht zwingen, mich zu dir zu legen!«

Elionor nahm die Worte ihres Mannes mit starrem Blick auf. Dann wandte sie den Kopf langsam in Richtung Hauptaltar. Sie waren alleine in der Kirche zuruckgeblieben, mit Ausnahme von drei Priestern, die schweigend die Auseinandersetzung des Ehepaares mitverfolgten. Auch Arnau sah zu den drei Priestern hinuber. Als sich die Blicke der Ehepartner erneut trafen, kniff Elionor die Augen zusammen.

Sie sagte nichts mehr. Arnau kehrte ihr den Rucken und ging zum Ausgang der Kirche.

»Geh doch zu deiner judischen Geliebten!«, schrie ihm Elionor hinterher.

Ein Schauder lief Arnau uber den Rucken.

In diesem Jahr bekleidete Arnau erneut das Amt des Seekonsuls. In Festtagskleidung machte er sich auf den Weg zum Judenviertel. Wahrend er durch die Calle de la Mar zur Plaza del Blat und von dort die Bajada de la Preso hinunter zur Kirche Sant Jaume ging, wurden die Schreie der Menge immer lauter. Das Volk schrie nach Rache und drangte sich vor den von koniglichen Soldaten geschutzten Toren des Judenviertels. Trotz des Tumults gelangte Arnau problemlos durch die Menge.

»Das Judenviertel darf nicht betreten werden, ehrenwerter Herr Konsul«, sagte der Hauptmann der Wache. »Wir warten auf Anweisungen des koniglichen Statthalters, Infant Don Juan, Konig Pedros Sohn.«

Und die Anweisungen kamen. Am nachsten Morgen ordnete der Infant an, alle Juden Barcelonas ohne Wasser und Nahrung in der gro?en Synagoge einzusperren, bis sich diejenigen stellten, die den Hostienfrevel begangen hatten.

»Funftausend Menschen«, murmelte Arnau in seinem Arbeitszimmer in der Borse, als man ihm die Nachricht uberbrachte. »Funftausend Menschen in der Synagoge zusammengepfercht, ohne Wasser und ohne Nahrung! Was wird aus den Kindern, den Neugeborenen? Was erhofft sich der Infant davon? Wie kann man so dumm sein, zu erwarten, dass sich ein Jude fur schuldig erklart, eine Hostie entweiht zu haben? Wie blod muss man sein, um zu glauben, dass jemand sein eigenes Todesurteil unterschreibt?«

Arnau schlug mit der Faust auf den Tisch und sprang auf. Der Diener, der ihm die Nachricht uberbracht hatte, zuckte zusammen.

»Ruf die Wachen«, wies er ihn an.

Der Seekonsul eilte in Begleitung eines halben Dutzends bewaffneter Missatges durch die Stadt. Die Tore zum Judenviertel standen weit offen, immer noch von koniglichen Soldaten bewacht. Die Menge davor hatte sich zerstreut, doch an die hundert Schaulustige versuchten trotz der Sto?e und Hiebe der Soldaten einen Blick ins Innere zu erhaschen.

»Wer ist hier zustandig?«, fragte Arnau den Hauptmann vor dem Portal.

»Der Stadtrichter. Er ist drinnen«, antwortete dieser.

»Gebt ihm Bescheid.«

Kurz darauf erschien der Stadtrichter.

»Was willst du hier, Arnau?«, erkundigte er sich, wahrend er ihm die Hand reichte.

»Ich mochte mit den Juden sprechen.«

»Der Infant hat angeordnet, dass …«

»Ich wei?«, unterbrach ihn Arnau. »Genau deshalb muss ich mit ihnen sprechen. Viele meiner Geschafte betreffen die Juden. Ich muss mit ihnen sprechen.«

»Aber der Infant …«, begann der Stadtrichter erneut.

»Der Infant lebt von den Juden im Land! Zwolftausend Sueldos jahrlich mussen sie ihm auf Gehei? des Konigs zahlen.« Der Stadtrichter nickte. »Der Infant mag ein Interesse daran haben, die Schuldigen der Hostienschandung ausfindig zu machen, doch du kannst gewiss sein, dass er auch ein Interesse daran hat, dass die Geschafte der Juden weiterlaufen. Vergiss nicht, dass die Juden von Barcelona den gro?ten Beitrag zu den zwolftausend Sueldos leisten.«

Der Stadtrichter hatte nichts weiter zu entgegnen und lie? Arnau und seine Begleiter passieren.

»Sie sind in der gro?en Synagoge«, erklarte er.

»Ich wei?.«

Obwohl samtliche Juden eingesperrt waren, herrschte im Judenviertel reges Treiben. Im Vorubergehen sah Arnau, wie ein Schwarm schwarzgekleideter Monche auf der Suche nach der blutenden Hostie jedes einzelne judische Haus durchsuchte.

Vor den Toren der Synagoge hielten konigliche Soldaten Wache.

»Ich muss mit Hasdai Crescas sprechen.«

Der Hauptmann wollte widersprechen, doch der Wachsoldat, der sie zur Synagoge begleitet hatte, nickte zustimmend.

Wahrend er auf Hasdai wartete, betrachtete Arnau das Judenviertel. Vor den Hausern, deren Turen samtlich offen standen, bot sich ein trauriges Schauspiel. Die Monche gingen ein und aus, beladen mit Gegenstanden, die sie anderen Monchen zeigten. Diese begutachteten die Fundstucke und schuttelten die Kopfe, um die Objekte dann auf den Boden zu werfen, der bereits mit den Besitztumern der Juden ubersat war. »Wer schandet hier was?«, fragte sich Arnau.

»Ehrenwerter Konsul«, horte er eine Stimme hinter sich sagen.

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