»Hast du mit ihr geschlafen?«
»J … ja.«
»Wie oft?«
»Ich wei? es nicht …«
»Viermal? Funfmal? Zehnmal?«
»Viermal. Ja, genau. Viermal.«
»Wie hei?t die Frau?«
Der Schreiber protokollierte.
»Welche Sunden hast du noch begangen?«
»Keine … Keine, ich schwore es Euch.«
»Schwore nicht falsch.« Joan sprach mit Nachdruck. »Peitscht ihn aus.«
Nach zehn Schlagen gestand der Mann, nicht nur mit dieser Frau geschlafen zu haben, sondern auch mit mehreren Prostituierten, wenn er auf dem Markt in Puigcerda war. Au?erdem hatte er geflucht, gelogen und eine Unmenge kleiner Sunden begangen. Funf weitere Peitschenhiebe genugten, damit er sich an die junge Witwe erinnerte.
»Gestandig«, urteilte Joan. »Morgen erscheinst du zum
Der Mann hatte nicht einmal Zeit zu widersprechen. Auf Knien wurde er von den Soldaten aus dem Haus geschleift.
Peregrinas Schwagerin Marta gestand ohne weitere Drohungen, und nachdem er sie fur den nachsten Tag einbestellt hatte, warf Joan dem Schreiber einen Blick zu.
»Bringt Anton Sinom herein«, befahl dieser dem Hauptmann, nachdem er die Liste durchgesehen hatte.
Als er den angeblichen Teufelsanbeter hereinkommen sah, richtete sich Joan auf seinem harten Holzstuhl auf. Die spitze Nase dieses Mannes, die hohe Stirn, die dunklen Augen …
Er wollte seine Stimme horen.
»Schworst du bei den vier Evangelien?«
»Ja.«
»Wie hei?t du?«, fragte er ihn, noch bevor der Mann vor ihm stand.
»Anton Sinom.«
Dieser kleine, etwas gebeugte Mann verschwand fast zwischen den beiden Soldaten, wahrend er Joans Frage beantwortete. In seiner Stimme lag ein Hauch von Resignation, der dem Inquisitor nicht entging.
»Hast du schon immer so gehei?en?«
Anton Sinom zogerte. Joan wartete auf die Antwort.
»Hier kennt man mich schon immer unter diesem Namen«, erklarte er schlie?lich.
»Und anderswo?«
»Anderswo hatte ich einen anderen Namen.«
Joan und Anton sahen sich an. Der kleine Mann hatte nicht ein einziges Mal den Blick gesenkt.
»Einen christlichen Namen?«
Anton schuttelte den Kopf. Joan verkniff sich ein Lacheln. Wie sollte er es anfangen? Indem er ihm sagte, dass er wisse, dass er gesundigt habe? Dieser konvertierte Jude wurde nicht auf das Spiel hereinfallen. Niemand im Dorf hatte ihn durchschaut. Sonst hatte ihn mehr als einer angezeigt, wie es bei Konvertiten sonst geschah. Dieser Sinom musste intelligent sein. Joan betrachtete ihn einige Sekunden, wahrend er sich fragte, was dieser Mann zu verbergen hatte. Weshalb zundete er nachts Lichter in seinem Haus an?
Joan erhob sich und verlie? den Raum. Der Schreiber und die Soldaten ruhrten sich nicht. Als er die Tur hinter sich schloss, erstarrten die Neugierigen, die sich vor dem Haus versammelt hatten. Joan achtete nicht auf sie und wandte sich an den Hauptmann: »Befinden sich Familienangehorige des Mannes unter den Anwesenden?«
Der Hauptmann deutete auf eine Frau und zwei Knaben, die ihn angstlich ansahen. Da war etwas, das …
»Was arbeitet dieser Mann? Wie ist sein Haus? Was hat er gerade getan, als ihr ihn vor das Tribunal gebracht habt?«
»Er ist Backer«, antwortete der Hauptmann. »Seine Backstube befindet sich im Erdgeschoss seines Hauses. Sein Haus war ganz normal, sauber. Wir haben nicht mit ihm gesprochen, als wir ihn einbestellt haben, sondern mit seiner Frau.«
»Er befand sich nicht in der Backstube?«
»Nein.«
»Seid ihr im Morgengrauen dort gewesen, wie ich es euch befohlen habe?«
»Ja, Bruder Joan.«
›Manchmal werde ich nachts wach …‹ So hatte der Nachbar gesagt. Ein Backer stand vor Morgengrauen auf. Schlafst du nicht, Sinom? Wenn du fruhmorgens aufstehen musst … Joan sah zu der Familie des Konvertiten hinuber, die ein wenig abseits von den ubrigen Schaulustigen stand. Er ging eine Weile im Kreis, dann kehrte er ins Haus zuruck. Der Schreiber, die Soldaten und der Konvertit hatten sich nicht von der Stelle bewegt.
