konnten.

Mar verlagerte ihr Gewicht auf einen Fu? und lie? den Zugel des Maultiers locker. Ihr Blick durchbohrte Aledis nicht langer.

»Ich lebe au?erhalb von Barcelona. Kannst du mich bei dir aufnehmen?«, fragte sie.

»Ich bin auch nicht von hier. Ich wohne mit meinen … mit meinen Tochtern im Hostal del Estanyer. Aber wir werden eine Losung finden«, sagte sie, als sie Mars Zogern bemerkte. »Und er?« Aledis deutete mit einem Kopfnicken zu Joan.

Die beiden Frauen sahen zu ihm heruber. Er stand immer noch dort, wo er stehen geblieben war, das Gesicht blau geschwollen, der schmutzige, zerrissene Habit klebte an seinen hangenden Schultern.

»Er hat viel zu erklaren«, sagte Mar, »und wir konnen ihn noch brauchen. Er kann bei dem Maultier im Stall schlafen.«

Joan wartete, bis die Frauen weitergingen, und trottete hinter ihnen her.

Sicherlich wurde sie sie fragen, was sie im Bischofspalast gewollt hatte. Aledis sah zu ihrer neuen Begleiterin. Sie hielt sich wieder kerzengerade und zog das Maultier hinter sich her, ohne auszuweichen, wenn ihr jemand entgegenkam. Was mochte zwischen Mar und Joan vorgefallen sein? Der Monch wirkte vollig unterwurfig. Wie konnte ein Dominikanermonch zulassen, dass eine Frau ihm befahl, im Stall bei einem Maultier zu schlafen? Sie uberquerten die Plaza del Blat. Aledis hatte bereits zugegeben, dass sie Arnau kannte, aber sie hatte den beiden nicht gesagt, dass sie ihn im Verlies gesehen und er sie angefleht hatte, mit ihm zu sprechen. ›Und Francesca? Was soll ich ihnen uber Francesca sagen? Dass sie meine Mutter ist? Nein. Joan kannte meine Mutter und wei?, dass sie nicht Francesca hie?. Vielleicht die Mutter meines verstorbenen Mannes. Aber was werden sie sagen, wenn man sie zwingt, im Prozess gegen Arnau auszusagen? Ich hatte es wissen mussen. Und wenn herauskommt, dass sie eine offentliche Frau ist? Meine Schwiegermutter soll eine Hure sein?‹ Es war besser, von nichts zu wissen – aber was hatte sie dann im Bischofspalast gewollt?

»Oh«, antwortete Aledis auf Mars Frage, »das war ein Auftrag meines verstorbenen Mannes, des Kurschnermeisters. Da er wusste, dass wir durch Barcelona kommen wurden …«

Eulalia und Teresa sahen sie unauffallig an, wahrend sie weiter ihre Suppe loffelten. Im Gasthof angekommen, hatten sie den Wirt dazu gebracht, eine dritte Matratze in das Zimmer zu legen, das Aledis und ihre Tochter bewohnten. Joan nickte gefugig, als Mar verkundete, er werde im Stall bei dem Maultier schlafen.

»Ihr sagt kein Wort, ganz gleich, was ihr hort«, scharfte Aledis den Madchen ein. »Beantwortet keine Fragen, und vor allem kennen wir keine Francesca.«

Die funf setzten sich zu Tisch.

»Also, Monch«, wollte Mar erneut wissen. »Weshalb hat der Inquisitor Besuche bei Arnau verboten?«

Joan hatte noch keinen Bissen gegessen.

»Ich brauchte Geld, um den Kerkermeister zu bestechen«, antwortete er mit muder Stimme, »und weil es in Arnaus Wechselstube kein Bargeld gab, habe ich veranlasst, dass einige Warenposten verkauft wurden. Eimeric glaubt, ich hatte versucht, Arnaus Kassen zu leeren, um die Inquisition …«

In diesem Augenblick betraten der Herr von Bellera und Genis Puig den Schankraum. Beim Anblick der beiden Madchen erschien ein breites Lacheln auf ihren Gesichtern.

»Joan«, sagte Aledis, »diese beiden feinen Herren haben gestern meine Tochter belastigt, und ich habe den Eindruck, dass ihre Absichten alles andere als lauter sind … Konntest du mir helfen, damit sie die Madchen nicht noch einmal behelligen?«

Joan trat zu den beiden Mannern, die dastanden und Teresa und Eulalia angafften, wahrend sie sich an die vergangene Nacht erinnerten.

Ihr Grinsen erstarb, als sie Joans schwarzen Habit bemerkten. Der Monch bedachte sie mit einem strengen Blick, und die Manner setzen sich schweigend an ihren Tisch und versenkten ihren Blick in den Schusseln, die der Wirt ihnen hinstellte.

»Wie lautet die Anklage gegen Arnau?«, fragte Aledis, als sich Joan wieder zu ihnen setzte.

Sahat betrachtete das Schiff nach Marseille, wahrend die Besatzung die letzten Vorbereitungen zum Auslaufen traf. Es war eine solide, einmastige Galeere mit einem Ruder am Heck und zwei Seitenrudern, hundertzwanzig Ruderknechten und einem Laderaum von rund dreihundert Tonnen.

»Sie ist schnell und sehr sicher«, bemerkte Filippo. »Sie hatte bereits mehrere Begegnungen mit Piraten und konnte jedes Mal entkommen. In drei oder vier Tagen bist du in Marseille.« Sahat nickte. »Dort wirst du ohne Weiteres ein Kustenschiff finden, das dich nach Barcelona bringt.«

Filippo hielt sich an Sahats Arm fest, wahrend er mit dem Gehstock auf das Schiff zeigte. Hafenbeamte, Handler und Stauer gru?ten ihn ehrfurchtig, wenn sie an ihm vorubergingen. Dasselbe taten sie auch mit Sahat, dem Mauren, auf den sich der alte Handler stutzte.

»Das Wetter ist gut«, setzte Filippo hinzu und deutete mit dem Stock zum Himmel. »Es wird keine Schwierigkeiten geben.«

Der Kapitan der Galeere trat an die Reling und gab Filippo ein Zeichen. Sahat spurte, wie der alte Mann seinen Arm druckte.

»Ich habe das Gefuhl, dass ich dich nicht wiedersehen werde«, sagte der betagte Handler. Sahat sah ihn an, doch Filippo packte ihn noch fester am Arm. »Ich bin ein alter Mann, Sahat.«

Die beiden Manner umarmten sich, wahrend sie vor der Galeere standen.

»Kummere dich um meine Geschafte«, sagte Sahat, als er sich von ihm loste.

»Das werde ich, und wenn ich nicht mehr bin«, setzte er mit bruchiger Stimme hinzu, »werden es meine Sohne tun. Dann wirst du ihnen helfen mussen, wo immer du auch sein magst.«

»Das werde ich«, versprach Sahat seinerseits.

Filippo zog Sahat an sich und kusste ihn vor den Augen der Schaulustigen, die den letzten Passagier beobachteten, wahrend sie auf das Ablegen der Galeere warteten, auf den Mund. Bei diesem Zuneigungsbeweis Filippo Tescios ging ein Raunen durch die Menge.

»Geh jetzt«, sagte der alte Mann.

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