zusammen, um sie nicht wegzuwischen.

»Nur du, Aledis«, wiederholte Francesca. »Versprich mir, dass du es niemals jemandem verraten wirst.«

»Aber der Herr von Bellera …«

»Niemand kann es beweisen. Versprich es, Aledis.«

»Sie werden dich foltern.«

»Mehr, als es das Leben bereits getan hat? Mehr als das Stillschweigen, das ich trotz Arnaus Flehen wahren muss? Versprich es.«

Francescas Augen glanzten im Dunkeln.

»Ich verspreche es.«

Aledis schlang die Arme um Francescas Hals. Zum ersten Mal in vielen Jahren bemerkte sie, wie zerbrechlich die alte Frau war.

»Nein … Ich will dich nicht hier zurucklassen«, schluchzte sie. »Was soll aus dir werden?«

»Mach dir keine Sorgen um mich«, flusterte ihr die Alte ins Ohr. »Ich werde durchhalten, bis ich sie davon uberzeugt habe, dass Arnau nicht mein Sohn ist.« Francesca musste Luft schopfen, bevor sie weitersprach. »Ein Bellera hat mein Leben ruiniert. Sein Sohn wird nicht das Gleiche mit Arnau tun.«

Aledis kusste Francesca und lie? ihre Lippen fur einen Moment auf ihrer Wange ruhen. Dann stand sie auf.

»So hort mich doch an!«

Aledis sah zu der Gestalt hinuber.

»Geh nicht zu ihm«, bat sie Francesca, die am Boden sa?.

»Kommt her! Ich bitte Euch.«

»Du wurdest schwach werden, Aledis. Du hast es mir versprochen.«

Arnau und Aledis sahen sich im Dunkeln an, zwei undeutliche Schemen. Tranen glitzerten auf Aledis' Gesicht.

Als Arnau sah, wie die Unbekannte zum Ausgang des Kerkers ging, lie? er sich zu Boden sinken.

Am selben Morgen ritt eine Frau auf einem Maulesel durch das Stadttor San Daniel nach Barcelona hinein. Hinter ihr schleppte sich mit muden Schritten ein Dominikanermonch vorwarts, der keinen Blick fur die Soldaten hatte. Schweigend gingen sie durch die Stadt zum Bischofspalast, der Monch immer hinter dem Maultier her.

»Bruder Joan?«, fragte einer der Soldaten, die am Eingang Wache hielten.

Der Dominikaner wandte dem Soldaten sein blaugeschwollenes Gesicht zu.

»Bruder Joan?«, fragte der Soldat noch einmal.

Joan nickte.

»Der Generalinquisitor hat angeordnet, Euch zu ihm zu bringen.«

Der Soldat rief nach der Wache, und mehrere seiner Kameraden kamen herbeigeeilt, um Joan in Gewahrsam zu nehmen.

Die Frau stieg nicht von ihrem Maulesel ab.

52

Sahat sturzte in das Lagerhaus des alten Handlers in Pisa, ganz in der Nahe des Hafens am Arno. Mehrere Angestellte und Lehrburschen gru?ten ihn, doch der Maure horte nicht hin. »Wo ist euer Herr?«, fragte er jeden, wahrend er unruhig zwischen den zahllosen Waren auf und ab lief, die sich in dem riesigen Lagerhaus stapelten. Schlie?lich fand er den Gesuchten am anderen Ende des Raumes, uber einige Stoffballen gebeugt.

»Was gibt es, Filippo?«, fragte er ihn.

Der alte Handler richtete sich muhsam auf und sah Sahat an.

»Gestern lief ein Schiff auf dem Weg nach Marseille ein.«

»Ich wei?. Ist etwas vorgefallen?«

Filippo betrachtete Sahat. Wie alt er wohl war? Jung war er jedenfalls nicht mehr. Er war wie stets gut gekleidet, jedoch nicht protzig wie so viele andere, die weniger reich waren als er. Was mochte zwischen ihm und Arnau vorgefallen sein? Er hatte es ihm nie erzahlen wollen. Filippo erinnerte sich, wie der Sklave damals aus Katalonien gekommen war, an den Freilassungsbrief, an Arnaus Zahlungsanweisung.

»Filippo!«

Sahats Stimme rief ihn in die Gegenwart zuruck. Der Maure besa? noch immer den Schwung eines jungen Mannes. Alles ging er mit gro?er Entschlossenheit an.

»Filippo, bitte!«

»Gewiss, gewiss. Du hast recht. Entschuldige.« Der alte Mann trat zu ihm und stutzte sich auf seinen Arm. »Du hast recht, du hast recht. Hilf mir. Gehen wir in mein Buro.«

In der Welt der Handler von Pisa gab es nur wenige Menschen, von denen Filippo Tescio sich helfen lie?. Dieser offentliche Vertrauensbeweis des betagten Mannes konnte mehr Turen offnen als Tausende von Goldflorins. Diesmal jedoch blieb Sahat stehen und hinderte den reichen Handler am Weitergehen.

»Filippo, bitte!«

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