Genis Puig schob seine Hand zwischen die Beine des Madchens und begann zu erzahlen. Aledis hatte beinahe den Kopf gehoben und alles verdorben, als sie den Namen Arnau horte. »Die Hexe ist seine Mutter«, horte sie Genis Puig sagen.

»Gehen wir jetzt?«, fragte er schlie?lich, als er mit seiner Erzahlung geendet hatte.

Aledis horte, dass Eulalia schwieg.

»Ich wei? nicht«, sagte sie dann.

Genis Puig sprang auf und ohrfeigte das Madchen.

»Lass jetzt die Ziererei und komm!«

»Also gut, gehen wir«, gab sie nach.

Als Aledis alleine im Raum war, richtete sie sich muhsam auf. Sie legte die Hande in den Nacken und streckte sich. Man wurde Arnau und Francesca einander gegenuberstellen – den Teufel und die Hexe, wie Genis Puig sie genannt hatte.

»Eher wurde ich sterben, bevor Arnau erfahrt, dass ich seine Mutter bin«, hatte Francesca bei einem der wenigen Gesprache gesagt, die sie nach Arnaus Rede vor der Burg Montbui gefuhrt hatten. »Er ist ein angesehener Mann, und ich bin eine gewohnliche Hure«, hatte sie hinzugesetzt, bevor Aledis etwas erwidern konnte. »Au?erdem konnte ich ihm viele Dinge nicht erklaren … Warum ich ihm und seinem Vater nicht gefolgt bin, warum ich ihn dem sicheren Tod uberlie? …«

Aledis hatte zu Boden gesehen.

»Ich wei? nicht, was ihm sein Vater uber mich erzahlt hat«, fuhr Francesca fort, »aber wie dem auch sei, es ist nicht wiedergutzumachen. Die Zeit lasst vieles vergessen, auch die Mutterliebe. Wenn ich an ihn denke, dann sehe ich ihn, wie er auf diesem Podest stand und den Adligen die Stirn bot. Ich will nicht, dass er meinetwegen absteigt. Es ist besser, alles so zu lassen, wie es ist, Aledis. Du und ich, wir sind die einzigen Menschen auf der Welt, die davon wissen. Ich verlasse mich darauf, dass du mein Geheimnis auch uber meinen Tod hinaus wahrst. Versprich es mir, Aledis.«

Doch was war dieses Versprechen nun noch wert?

Als Esteve erneut in den Turm kam, hatte er die Sense nicht mehr dabei.

»Die Herrin sagt, du sollst dir die Augen verbinden«, sagte er zu Joan und warf ihm ein Stuck Stoff hin.

»Wofur haltst du dich?«, tobte Joan und versetzte dem Stoff einen Tritt.

Das Innere des Turms war klein, nicht mehr als drei Schritt in jede Richtung. Mit einem Satz stand Esteve vor ihm und verpasste ihm zwei Ohrfeigen, eine auf jede Wange.

»Die Herrin hat gesagt, du sollst dir die Augen verbinden.«

»Ich bin Inquisitor!«

Diesmal schleuderte Esteves Ohrfeige ihn gegen die Wand. Joan sank Esteve vor die Fu?e.

»Binde dir das Tuch um.« Esteve zog ihn mit einer Hand hoch. »Los, mach schon«, sagte er, als Joan wieder stand.

»Glaubst du, mit Gewalt wirst du einen Inquisitor brechen? Du kannst dir nicht vorstellen, was …«

Esteve lie? ihn nicht ausreden. Zuerst schlug er ihm mit der Faust ins Gesicht, und als Joan erneut zu Boden ging, begann der Knecht ihn zu treten, in den Unterleib, in den Magen, gegen den Brustkorb, ins Gesicht.

Joan krummte sich vor Schmerzen. Erneut zog Esteve ihn mit einer Hand hoch.

»Die Herrin sagt, du sollst dir das Tuch umbinden.«

Joan blutete aus dem Mund. Als der Knecht ihn loslie?, versuchte er sich auf den Beinen zu halten, doch ein heftiger Schmerz im Knie lie? ihn zusammensacken. Er klammerte sich an Esteve fest, doch der Knecht stie? ihn zu Boden.

»Binde dir das Tuch um.«

Das Tuch lag neben ihm. Joan merkte, dass er sich in die Hosen gemacht hatte und der Habit an seinen Beinen festklebte.

Er nahm das Tuch und verband sich die Augen.

Joan horte, wie der Knecht die Tur schloss und die Treppe hinunterging. Dann herrschte Stille. Eine Ewigkeit lang. Schlie?lich kamen mehrere Personen nach oben. Joan rappelte sich auf. Er hielt sich an der Wand fest. Die Tur offnete sich. Mobel wurden hereingebracht. Stuhle vielleicht?

»Ich wei?, dass du gesundigt hast.« Auf einem Schemel sitzend, hallte Mars Stimme durch den Turm. Neben ihr stand der kleine Junge und betrachtete den Monch.

Joan schwieg.

»Die Inquisition verbindet ihren Gefangenen niemals die Augen«, sagte er schlie?lich.

»Das stimmt«, entgegnete Mar. »Ihr nehmt ihnen nur ihre Seele, ihre Mannlichkeit, ihren Anstand, ihre Ehre. Ich wei?, dass du gesundigt hast«, wiederholte sie dann.

»Ich akzeptiere diese Farce nicht.«

Mar gab Esteve ein Zeichen. Der Knecht trat zu Joan und rammte ihm die Faust in die Magengrube. Der Monch krummte sich und schnappte nach Luft. Als es ihm schlie?lich gelang, sich wieder aufzurichten, herrschte erneut Schweigen. Durch sein eigenes Keuchen konnte er den Atem der Anwesenden nicht horen. Seine Beine und seine Brust schmerzten, sein Gesicht brannte. Niemand sagte etwas. Ein Tritt gegen die Au?enseite seines Oberschenkels lie? ihn zu Boden gehen.

Als der Schmerz nachlie?, lag Joan zusammengerollt wie ein Embryo auf dem Boden.

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