achtzig Laien und Geistliche, damit diese eine Empfehlung hinsichtlich der Schuld des Angeklagten und der angemessenen Strafe abgeben. Dann kann sich der Prozess uber Monate hinziehen.«

»In denen Arnau im Gefangnis bleiben wird«, folgerte Aledis.

Joan nickte, und die drei schwiegen. Die Frauen versuchten zu begreifen, was sie soeben gehort hatten, wahrend Joan sich an einen weiteren Grundsatz Eimerics erinnerte: »Der Kerker muss finster sein, ein Kellerloch, in das keinerlei Licht dringt, insbesondere kein Sonnen- oder Mondlicht. Die Haft muss hart und unbarmherzig sein, um das Leben des Gefangenen moglichst abzukurzen, bis er schlie?lich stirbt.«

Wahrend Arnau schmutzig und zerlumpt in der Mitte des Raumes stand, steckten der Inquisitor und der Bischof die Kopfe zusammen und begannen zu tuscheln. Der Schreiber nutzte die Gelegenheit, um seine Unterlagen zu ordnen, und die vier Dominikanermonche musterten Arnau.

»Wie willst du die Befragung durchfuhren?«, fragte Berenguer d'Erill.

»Wir beginnen wie immer, und je nachdem, ob wir etwas erreichen, sagen wir ihm, was ihm zur Last gelegt wird.«

»Du willst ihm die Anklagen nennen?«

»Ja. Ich glaube, bei diesem Mann richten wir mit Worten mehr aus als mit korperlichen Schmerzen, obwohl … Wenn uns kein anderes Mittel bleibt …«

Arnau versuchte den Blicken der schwarzen Monche standzuhalten. Einer, zwei, drei, vier … Er verlagerte sein Gewicht von einem Fu? auf den anderen und beobachtete erneut den Inquisitor und den Bischof, die noch immer miteinander flusterten. Die Dominikaner sahen ihn unverwandt an. Es war vollig still im Raum, abgesehen von dem unverstandlichen Gefluster der beiden Kirchenmanner.

»Er beginnt nervos zu werden«, sagte der Bischof, nachdem er kurz zu Arnau gesehen hatte und sich dann wieder dem Inquisitor zuwandte.

»Er ist daran gewohnt zu befehlen und Gehor zu finden«, erwiderte Eimeric. »Er muss seine tatsachliche Lage begreifen, das Tribunal anerkennen, sich ihm unterwerfen. Erst dann ist er reif fur eine Befragung. Die Demutigung ist der erste Schritt.«

Der Bischof und der Inquisitor berieten sich noch eine ganze Weile, in der Arnau unablassig von den Dominikanern beobachtet wurde. Arnau versuchte, seine Gedanken zu Mar und Joan zu lenken, doch jedes Mal, wenn er an einen von ihnen dachte, begegnete er den durchdringenden Blicken eines schwarzen Monches, als konnte dieser seine Gedanken lesen. Unzahlige Male anderte er seine Haltung, fuhr sich mit der Hand uber den Bart und durchs Haar und sah an seiner schmutzigen Gestalt herab. Unterdessen sa?en Berenguer d'Erill und Nicolau Eimeric in goldfunkelnden Gewandern bequem hinter ihrem Tisch verschanzt und beobachteten ihn unauffallig, bevor sie weitertuschelten.

Schlie?lich wandte sich Nicolau Eimeric mit donnernder Stimme an ihn: »Arnau Estanyol, ich wei?, dass du gesundigt hast.«

Die Befragung begann. Arnau atmete tief ein.

»Ich wei? nicht, wovon Ihr sprecht. Ich bin, so glaube ich, immer ein guter Christ gewesen, der versucht hat …«

»Du selbst hast vor diesem Tribunal zugegeben, niemals korperliche Beziehungen zu deiner Gattin unterhalten zu haben. Verhalt sich so ein guter Christ?«

»Ich kann keine fleischlichen Beziehungen unterhalten. Ich wei? nicht, ob Euch bekannt ist, dass ich schon einmal verheiratet war. Auch damals konnte ich keine Kinder bekommen.«

»Willst du damit sagen, dass es sich um ein korperliches Problem handelt?«, erkundigte sich der Bischof.

»Ja.«

Eimeric sah Arnau eine Weile an. Er stutzte die Ellenbogen auf den Tisch, verschrankte die Hande und stutzte das Kinn darauf. Dann wandte er sich an den Schreiber und flusterte ihm etwas zu.

»Aussage von Juli Andreu, Pfarrer an der Kirche Santa Maria del Mar«, las der Schreiber, uber seine Unterlagen gebeugt. »Ich, Juli Andreu, Priester an der Kirche Santa Maria del Mar, erklare auf Befragen des Generalinquisitors von Katalonien, im Marz des Jahres 1364 eine Unterhaltung mit Arnau Estanyol, Baron von Katalonien, gefuhrt zu haben. Dies geschah auf Bitten seiner Frau Dona Elionor, Baronin und Ziehtochter Konig Pedros, die in gro?er Sorge war, weil ihr Mann seine ehelichen Pflichten vernachlassigte. Ich erklare, dass Arnau Estanyol mir gestand, seine Frau ziehe ihn nicht an, und sein Korper weigere sich, Dona Elionor beizuwohnen. Dass er sich korperlich wohl befinde, indes seinen Korper nicht zwingen konne, eine Frau zu begehren, die er nicht begehre. Ihm sei bewusst, dass er eine Sunde begehe«, Nicolau Eimeric sah Arnau scharf an, »weshalb er oft in der Kirche Santa Maria bete und gro?zugig fur den Bau der Kirche stiftet.«

Es wurde wieder still im Saal. Nicolau lie? Arnau nicht aus den Augen.

»Haltst du immer noch daran fest, dass es sich um ein korperliches Problem handelt?«, fragte der Inquisitor schlie?lich.

Arnau erinnert sich an das Gesprach, nicht jedoch an den genauen Wortlaut.

»Ich wei? nicht mehr, was ich damals gesagt habe.«

»Du gibst also zu, mit Pater Juli Andreu gesprochen zu haben?«

»Ja.«

Arnau horte die Feder des Schreibers uber das Pergament kratzen.

»Aber du ziehst die Aussage eines Gottesmannes in Zweifel. Welches Interesse sollte ein Geistlicher daran haben, falsch gegen dich auszusagen?«

»Er konnte sich irren. Sich nicht genau erinnern, was damals gesprochen wurde …«

»Du willst also sagen, dass ein Priester, wenn er Zweifel daran hatte, was gesprochen wurde, so aussagen wurde, wie es Pater Juli Andreu getan hat?«

»Ich sage nur, dass er sich irren konnte.«

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