»Unser Vater!«, sagte der Kleine und kam Arnau damit zuvor. So hatte er Bernat auf dem ganzen Weg vorgestellt, selbst denen, die er nur vom Sehen kannte.
Pater Albert bat die Kinder, sie allein zu lassen, und lud Bernat zu einem Glas su?en Weins ein, wahrend er sich seine Erklarungen anhorte.
»Ich wei?, wo ihr unterkommen konntet«, sagte er schlie?lich. »Es sind gute Leute. Sag mir, Bernat … Du hast eine gute Arbeit fur Arnau gefunden, er bekommt guten Lohn und lernt einen Beruf, und Stallburschen werden immer gebraucht. Aber was ist mit deinem anderen Sohn? Was hast du mit Joanet vor?«
Bernat verzog das Gesicht und vertraute sich dann dem Priester an.
Pater Albert begleitete sie zum Haus von Pere und seiner Frau, zwei alten Leuten ohne Familie, die in einem kleinen, zweigeschossigen Hauschen gleich am Strand lebten, mit einem ebenerdigen Wohnraum und drei Schlafkammern im ersten Stock. Pater Albert wusste, dass sie daran interessiert waren, eine davon zu vermieten.
Wahrend des gesamten Weges – auch, als er Pere und seiner Frau die Estanyols vorstellte und zusah, wie Bernat ihnen sein Geld zeigte – hatte Pater Albert den Arm um Joanets Schulter gelegt. Wie hatte er nur so blind sein konnen? Wie hatte er nicht bemerken konnen, welche Qualen dieser kleine Kerl litt? Wie oft hatte er ihn gedankenverloren dasitzen sehen, den Blick ins Leere gerichtet!
Pater Albert druckte den Jungen an sich. Joanet sah ihn an und lachelte.
Das Zimmer war einfach, aber sauber. Die ganze Einrichtung bestand aus zwei Matratzen auf dem Boden, und im Hintergrund rauschte das Meer. Arnau spitzte die Ohren, um das Hammern der Handwerker von Santa Maria zu horen, die genau hinter ihnen lag. Sie a?en von der Suppe, die Peres Frau gekocht hatte. Arnau betrachtete den Teller, dann sah er auf und lachelte seinen Vater an. Wie weit war nun Estranyas Fra? entfernt! Die drei a?en mit Appetit, beobachtet von der alten Frau, die jederzeit bereit war, ihre Schusseln erneut zu fullen.
»Ab ins Bett«, verkundete Bernat, als er satt war. »Morgen wartet die Arbeit.«
Joanet zogerte. Er sah Bernat an, und als alle vom Tisch aufgestanden waren, ging er zur Tur.
»Das ist keine Uhrzeit, um noch nach drau?en zu gehen, mein Sohn«, sagte Bernat zu ihm, sodass die beiden alten Leute es horen konnten.
13
»Das ist der Bruder meiner Mutter mit seinem Sohn«, erklarte Margarida ihrer Stiefmutter, als diese sich wunderte, dass Grau zwei weitere Leute fur nur sieben Pferde eingestellt hatte.
Grau hatte ihr gesagt, dass er nichts mit den Pferden zu tun haben wolle, und tatsachlich ging er nicht einmal hinunter, um die herrlichen Stallungen im Erdgeschoss des Palastes in Augenschein zu nehmen. Sie kummerte sich um alles, wahlte die Tiere aus und brachte ihren besten Stallmeister mit, Jesus, der ihr au?erdem riet, einen erfahrenen Stallburschen einzustellen: Tomas.
Aber vier Leute fur sieben Pferde waren zu viel, selbst fur die Gewohnheiten der Baronin. Das brachte sie bei ihrem ersten Besuch in den Stallungen zur Sprache, nachdem die Estanyols eingestellt worden waren.
Isabel bat Margarida, doch mehr zu erzahlen.
»Sie waren Bauern, Leibeigene.«
Isabel sagte nichts, doch in ihr keimte ein Verdacht auf. Das Madchen fuhr fort: »Der Junge, Arnau, war schuld am Tod meines kleinen Bruders Guiamon. Ich hasse sie! Ich wei? nicht, warum mein Vater sie eingestellt hat.«
»Wir werden es herausfinden«, murmelte die Baronin, den Blick auf Bernats Rucken geheftet, der gerade damit beschaftigt war, eines der Pferde zu striegeln.
Doch an diesem Abend lie? Grau nicht mit sich reden.
»Ich hielt es fur angebracht«, antwortete er knapp, nachdem er Isabels Verdacht bestatigt hatte, dass die beiden Landfluchtige waren.
»Wenn mein Vater davon erfahrt …«
»Aber er wird es nicht erfahren, nicht wahr, Isabel?«
Grau sah seine Frau an. Sie war bereits zum Abendessen angekleidet, eine der neuen Gewohnheiten, die sie in Graus Familie gebracht hatte. Sie war gerade zwanzig geworden und au?ergewohnlich dunn, genau wie Grau. Ihr fehlten die Reize und die sinnlichen Kurven, mit denen ihn Guiamona seinerzeit empfangen hatte, doch sie war eine Adlige, und auch ihr Charakter sollte von Adel sein, dachte Grau.
»Du wurdest doch nicht wollen, dass dein Vater erfahrt, dass du mit zwei Landfluchtigen unter einem Dach lebst.«
Die Baronin warf ihm einen wutenden Blick zu und verlie? den Raum.
Trotz der Abneigung der Baronin und ihrer Stiefkinder stellte Bernat sein Geschick im Umgang mit den Tieren unter Beweis. Er wusste, wie man mit ihnen umgehen musste, wie man sie futterte, ihre Hufe auskratzte, wie man sie kurierte, wenn es notig war, und wie man sich in ihrer Nahe bewegte. Wenn es ihm irgendwo an Erfahrung mangelte, dann darin, wie man sie aufputzte.
»Sie wollen, dass sie glanzen«, sagte er eines Tages zu Arnau, als sie auf dem Heimweg waren, »ohne ein einziges Staubkornchen. Man muss sie immer und immer wieder bursten, um den Sand aus dem Fell zu entfernen, und sie dann striegeln, bis sie glanzen.«
»Und die Mahnen und Schweife?«
»Die werden gestutzt, geflochten und geschmuckt.«
»Wozu brauchen sie so viel Putz an den Pferden?«
Es war Arnau verboten, sich den Tieren zu nahern. Er bewunderte sie in den Stallen, sah zu, wie sie auf die Pflege seines Vaters ansprachen, und genoss es, wenn dieser ihm erlaubte, sie zu streicheln, wenn sie alleine
