angerannt, Wendys vier Kinder dicht hinter Sharis Golden Retriever. Na ja,
Die beiden Frauen hievten eine Ladung Essen und alles mogliche Gerat die Treppe herunter.
»Okay, ihr Rasselbande, kommt her und helft uns tragen!«, rief Wendy und grinste. »Mike, du auch!«
»Gleich, Mom! Ich muss noch meine Schuhe neu booten.« Ihr Sechsjahriger starrte auf seine Fu?e, wo ein Hologramm eines GKA-Soldaten auf ein Hologramm eines Posleen-Normalen mit einem Boma-Sabel schoss. Letzterer war mitten im Sprung erstarrt, dazwischen flackerten Storungen. Dinge vor sich hin murmelnd, die ein Sechsjahriger wahrscheinlich nicht kennen sollte, zog er den ungehorsamen Schuh aus, griff hinein und suchte nach dem Reset-Schalter. Das Hologramm verschwand und baute sich gleich wieder auf. Jetzt kaute der Posleen an roten Fleischfetzen, von denen es heruntertropfte und die besser unidentifiziert blieben. Da der Kleine den anderen Schuh noch am Fu? hatte, schwang er standig seinen Boma-Sabel gegen die GKA-Soldaten, wenn ein Fu? an dem anderen vorbeikam, und wurde schlie?lich im Zeitlupentempo nach hinten gerissen, eingehullt in einen gelben Nebel aus Posleen-Blut und Eingeweiden, als eine Schussgarbe seinen Korper auseinander schnitt. Als die Teile auf den »Boden« trafen, blieben sie dort eine Weile liegen, wahrend der GKA-Soldat triumphierend einen Luftsprung machte, worauf die beiden Hologramme wieder zu ihrem Ursprung zuruckkehrten und das Gefecht von neuem begann.
»Hi, Tante Cally.« Als seine Mutter ihre Decke neben Callys Handtuch ausbreitete, kam er zu den anderen zuruck. »Daddy hat mir neue Schuhe gekauft. Gefallen sie dir?«
»Oh, die sind klasse! Die Bilder sind ja ganz prima.« Sie sah zu, wie das Posleen-Normale erneut explodierte, diesmal zerplatzte sein Schadel, von einem gezielten Schuss getroffen. Der siegreiche GKA-Soldat schlug einen Salto ruckwarts und setzte dann zu einem klassischen Vorkriegstanz an. »Gewinnt der Postie jemals?«
»Gelegentlich«, nickte er ernst, »aber das ist schon okay, denn dafur wei? ich nicht, wie man das schalten muss.« Es klang, als wurde ein Erwachsener zu einem kleinen Kind sprechen.
»Kennst du mich noch, Annie?« Sie schob sich eine Haarstrahne hinter das linke Ohr und reckte den Hals ein wenig, um Augenkontakt mit dem kleinen Madchen herzustellen, das sich hinter Wendys Bein versteckte.
»Tut mir Leid, sie durchlauft gerade eine scheue Phase.« Ihre Mutter strich geistesabwesend uber die blonden Locken des Madchens, das sein Gesicht am Knie ihrer Mama verbarg. »Ach, komm schon, Annie, du erinnerst dich doch an Tante Cally, oder nicht? Sandy kann sich auch an sie erinnern.«
»Das ist mein Hund.« Die grauen Augen der Vierjahrigen begegneten den ihren. »Du bist ja ganz voll Sand.«
»Ich wei?. Der ist von Sandy.« Einen Augenblick lang wirkten ihre Augen ebenso jung wie alles andere an ihr, als sie lachend aufstand, sich den Sand vom Bauch und den Beinen wischte und Sandy hingebungsvoll am Hinterkopf kraulte. »Wirklich lieb von dir, das mit dem Sand, du bist ein braver Hund, wie?«
Wahrend Sandy noch begeistert mit dem Schweif wedelte, wie um ihr damit Recht zu geben, trafen James und Duncan mit ein paar Klappstuhlen und einem riesigen Sonnenschirm ein.
»Hi, Tante Cally. Spielst du nach dem Lunch mit uns Ball?«
»Fu?ballfans, oder?« Shari holte einen Ball aus einer der Taschen und reichte ihn Duncan, wahrend der jungere Bub seine Last einfach in den Sand plumpsen lie?, zum Wasser rannte und dabei begeistert den Ball vor sich her kickte.
»Hey!« James, der dabei war, einen Stuhl aufzubauen, blickte auf, als er merkte, dass sein Bruder ihm die ganze Arbeit uberlie?. »Mom!«
»Oh, lass nur, ich mach das.« Cally griff sich einen Klappstuhl und gab dem Jungen mit einer Handbewegung zu verstehen, dass er ruhig ins Wasser gehen solle.
Wendy fing Sharis Blick kurz auf, als der Sechsjahrige hinter seinen Brudern und dem Hund zum Meer rannte.
»Die Kinder mogen dich wirklich, wei?t du.« Sie fing jetzt an, Plastikbehalter mit Essen auf die Decke zu stellen. »Mir scheint, das beruht auf Gegenseitigkeit.«
»Ja, wirklich, die sind auch gro?artig.« Sie klappte den nachsten Stuhl auf. »Ich bin wirklich froh, dass du und Tommy beschlossen habt, euch noch mal Nachwuchs zu bestellen, jetzt wo der erste Wurf aus dem Nest ist. Oh, gratuliere ubrigens, ich dachte, ihr wurdet warten, bis dieses Rudel hier drau?en ist.«
»Na ja, selbst mit GalTech Kram gibt es gelegentlich angenehme Uberraschungen.« Sie wurde rot. »Und wann werden wir dir mal gratulieren konnen?«
»Wie war das?«, stie? Cally hervor und lie? den Stuhl fallen, den sie gerade aufgehoben hatte. Sie hob ihn wieder auf und war plotzlich voll damit beschaftigt, jedes Sandkorn von ihrem Stuhl zu wischen.
Shari griff sich an die Stirn und schuttelte leicht den Kopf.
»Okay, das hatte ich mir vielleicht sparen sollen«, seufzte Wendy.
»Tatsachlich?« Shari war plotzlich ganz auf den Sonnenschirm konzentriert, den sie aufstellte.
»Cally, du kannst nicht immer zwanzig bleiben«, probierte Wendy es noch einmal.
»Ich bin schon seit bald drei?ig Jahren nicht mehr zwanzig.« Sie lie? sich in den Stuhl plumpsen und streckte die Beine aus, verschrankte die Arme, lehnte sich zuruck und musterte die beiden argwohnisch. »Okay, raus mit der Sprache. Was habt ihr beiden vor?«
Shari setzte sich, lie? Annie zu sich auf den Scho? steigen und blickte uber das Meer hinaus. Der Wind blies ihr das Haar aus dem Gesicht, und sie kniff die Augen zusammen, damit sie keinen Sand hineinbekam.
»Cally, dieses Leben taugt nicht mehr fur dich. Falls es je fur dich getaugt hat. Du bist nicht glucklich. Wann wirst du dir endlich ein eigenes Leben genehmigen und sesshaft werden?«, fragte sie.
»Du wei?t, mit welchen Gefahren wir es zu tun haben. Ich tue Dinge, zu denen nur ganz, ganz wenige Leute fahig sind. Dinge, die getan werden mussen, damit
»In irgendwelchen Bars wirst du nie dem Richtigen begegnen«, schaltete Wendy sich ein und reichte ihr ein Packchen mit Saft. »Schau mal, ich kann’s ja verstehen, dass du nicht besonders scharf auf das Vermittlungsprogramm von unserem Verein bist. Hey, mir wurde das auch auf den Geist gehen. Aber wenn ich Tommy und Papa ansehe, dann kennen die garantiert wenigstens ein halbes Dutzend anstandige Kerle, die
»Was es schaden wurde?«, fragte Cally mit ausdrucksloser Stimme, und ihre Augen waren plotzlich leer. »Das ist ganz einfach: emotionale Bindungen zu jemandem zu haben, der dann plotzlich im gleichen Einsatzteam wie ich steckt, konnte dazu fuhren, dass er oder ich gefangen genommen oder gar getotet wird. Von seiner Seite mal ganz zu schweigen. Wer mochte schon eine Frau, die sich auf Dinge einlasst, wie ich das tue? Ich bin gut, aber dass ich bis jetzt erst einmal gestorben bin, ist reines Gluck, und das halt nicht ewig vor. Das Einzige, was fur einen weiblichen Auftragskiller noch schlimmer ist als das Todesrisiko, ist das Risiko einer erfolgreichen Ehe.«
Shari zuckte zusammen und hielt Annie die Ohren zu. »Uber so etwas redet man nicht!«, flusterte sie.
»Hast du’s kapiert?« Sie zog einen Becher und eine Flasche heraus, druckte den Inhalt des Saftpackchens in den Becher und goss einen kraftigen Schuss klarer Flussigkeit hinein. »Mochtest du?« Sie hielt Shari den Becher hin.
Shari griff sich an den Leib. »Nein, ich … das geht nicht.«
Cally grinste. »Da haben wir’s! Kein Wunder, dass du mich verkuppeln willst. Du mochtest, dass ich schwanger werde, dann warst du nicht allein!«, witzelte sie und lachelte dann wieder. »Gratuliere!«
»Echt?« Wendy legte ihrer besten Freundin die Hand aufs Knie. »Unter Freundinnen macht man uber so etwas doch keine Witze? Gratuliere! Oh, das ist wirklich gro?artig. Wir werden Eiscreme essen und uns gemeinsam aus der Kurve tragen lassen! Komm, nimm einen Saft.«
»Da, siehst du, was du verpasst?« Sie wandte sich wieder Cally zu. »Versprichst du mir, dass du wenigstens
