dem Cafe herum, wichen gelegentlich einem Fu?ganger aus und warteten auf die unvermeidlichen Brotkrumen, die sich mit der Fruhstuckskundschaft einstellen wurden. Eine Hand voll Spatzen hupften zwischen den Blumenbeeten rings um den Brunnen herum und huschten hie und da zwischen die Tische, um nach heruntergefallenen Brotkrumen zu picken, ehe sie sich wieder im dichten Grun versteckten.

Als er die Treppe herunterkam, war er trotz der Entfernung leicht zu identifizieren, seine US-Army-Uniform hob ihn deutlich von all den Fleet-Strike-Leuten ab, die das Gebaude betraten. Sie war bedacht, nicht direkt hinzusehen, um nicht auf sich aufmerksam zu machen. Petane war fruh dran. Viertel nach sechs, und daruber hatte sie sich gewundert, als sie seine morgendlichen Bewegungsmuster uberpruft hatte, bis er dann wieder in Joggingkleidung zur Tur herauskam und neben der Imbissbude auf der anderen Seite der Plaza die Treppe hinaufging. Sie gab sich Muhe, nicht gehetzt zu wirken, als sie ihre Abfalle vom Tisch aufhob — bezahlt hatte sie schon vorher drinnen — und die ihr naher gelegene Treppe hinaufstieg, dabei ihren Skizzenblock in den Rucksack steckte und auf der Seite des Drake-Hotels wieder die Stra?e betrat und dort an beiden Schuhen die Rader anklickte. Vor dem Krieg waren Rollsneakers eine Modeerscheinung gewesen. Sie hatte damals keine gehabt, erinnerte sich aber an sie — ganz vage freilich. Primitives Zeug mit langsamen Radern. Jetzt konnte man das besser — diese Rader waren genauso gut wie die Standard Vierradschuhe, die man in den Laden kaufen konnte.

Sie war schnell genug, um ihm um den Block herum zu folgen, nicht zu nahe und nicht zu weit entfernt. Es konnte doch nicht sein, dass er zum Seeufer wollte. Das ware zu einfach gewesen. Ein Jogger. Uberleg mal. Er war tatsachlich einer. Vorbei an einem kleinen Baseball- und Tennisplatz, noch ein Stuck weiter hinunter, die Treppe hinauf und uber die Fu?gangerbrucke. Da der See die weiteren Moglichkeiten einschrankte, konnte sie es sich leisten, auf der gegenuberliegenden Stra?enseite zu bleiben. Jetzt holte sie einen Helm und eine dunkle Brille aus ihrem Rucksack. Sofortige Anonymitat. Ein Kaugummi aus einer Seitentasche des Rucksacks. Ohrstopsel und ihr PDA am Gurtel erzeugten sofort die Illusion eines ganz in seiner eigenen kleinen Musikwelt aufgehenden Rollerblade-Babys.

Etwa nach einem Kilometer kam er uber eine weitere Fu?gangerbrucke zuruck und bewegte sich allmahlich uber die Stra?en wieder Richtung Turm.

Sie beschattete ihn aus den engen Stra?en heraus und merkte sich seinen Weg. Er wird ja sicherlich jeden Tag eine andere Route nehmen … aber vielleicht auch nicht. Jogging ist fur Idioten. Jogging, wenn man gefahrliche Feinde hat, sogar fur ganz gewaltige Idioten. Dies ware der ideale Ort fur eine Herzattacke, wenn ich ihn blo? umbringen musste. Unglucklicherweise kann ich Robertsons Einschatzung, dass er eigentlich wertlos ist, nur dann bestatigen, wenn ich ihn vorher verhore. Wenn ich ihn einfach auf der Stra?e umlege, wird man ihn vermissen. Muss mir was Besseres einfallen lassen.

Sie huschte ruckwarts an ihm vorbei, auf den Weg, den er vermutlich einschlagen wurde. Seltsam, aber die Leute hielten einen nie fur einen Beschatter, wenn man vor ihnen war. Und wenn ihr Vorsprung zu gro? wurde, wurde sie einfach am Schaufenster einer Boutique langsamer, sah sich die ausgestellte Ware an, lie? ihren Bubblegum knallen und Petane ein Stuck aufholen. Einmal kamen sie an einem Parkhaus mit Parkhelfern vorbei, in dem Fahrzeuge mit Regierungsnummernschildern standen und aus dem Leute in Fleet-Strike-Uniformen kamen. Mutma?licher Parkplatz der Zielperson gefunden.

Als es sieben Uhr wurde, hatte er einen weiten Bogen geschlagen und war wieder an der Nordfassade des Tower eingetroffen. Sie lie? ihn an sich vorbeigehen und tauchte in der Menge hinter ihm unter, fuhr die Rader ein, stopfte Helm und Sonnenbrille in den Rucksack zuruck, veranderte ihre Haltung ein wenig, schob die Ohrstopsel in die Tasche und schluckte den Kaugummi runter. Schluss mit Rollerblade, Baby.

Die Bedienung des Coffeeshop war erfreut, ihr einen gro?en Cranberry-Saft und einen Apfelstrudel zu verkaufen, worauf sie sich wieder mit ihrem Skizzenblock beschaftigte. Sie plauderte ein wenig mit dem jungen Mann, der sie bediente und der gelegentlich herauskam, um irgendwelche Abfalle von den Tischen zu raumen, aber nur dann, wenn sie nicht gerade so tat, als sei sie mit ihrer Zeichnung beschaftigt. Die Zielperson verlie? das Gebaude nicht zum Mittagessen. Entweder gab es in dem Gebaude eine Kantine oder dergleichen, oder er lie? das Mittagessen ausfallen oder besorgte es sich aus einem Automaten. Eine der drei Moglichkeiten traf wohl zu. Nicht, dass es ihr etwas ausgemacht hatte, sitzen zu bleiben und die anderen Uniformierten zu beobachten. Fleet Strike legte entweder gro?en Wert auf korperliche Fitness oder sie hatten Arzte, die auf den Grundumsatz der Schreibtischtater achteten. Eine ganze Menge dieser jungen — na ja, jung aussehenden — Manner hatten wirklich knackige Hintern.

Gegen zwei brachte sie ihren Wagen in das Parkhaus, das unmittelbar neben dem von Fleet Strike lag. Wenn es nicht Freitagnachmittag gewesen ware, hatte sie nicht die geringste Chance gehabt, einen Platz in der Nahe der Treppe und des Ausgangs zu ergattern, aber an den Freitagen gab es immer Leute, die fruher Feierabend machten. Zum Gluck war die Halle praktisch leer, trotzdem sah sie sich sorgfaltig um, als sie den Gitterzaun aufschnitt, der die beiden Parkdecks voneinander abgrenzte, und dann uber die niedrige Betonmauer kletterte. Ein einzelner Agent wurde unmoglich einen Wagen ohne irgendwelche elektronischen Hilfsmittel durch die Stra?en Chicagos beschatten konnen. Wenn man nicht so nahe dranblieb, dass man auch leicht entdeckt werden konnte, wurde einen der Verfolgte nach zwei Blocks verlieren, ohne sich auch nur Muhe geben zu mussen. Sie musste sich dreimal vor Parkhausangestellten verstecken, bis sie schlie?lich den Wagen fand, den ihr die Zulassungsbehorde von Illinois freundlicherweise als den auf ihre Zielperson zugelassenen benannt hatte.

Petane gehorte offenbar zu den Leuten, die an diesem Freitagnachmittag fruher Schluss machten. Es war noch nicht ganz halb funf, als er mit einer Sporttasche in der Hand herauskam und auf das Parkdeck zuging. Fur sie hatte das den Vorteil, dass so fruh am Nachmittag die Burgersteige noch einigerma?en frei waren, was es ihr ermoglichte, ihre Rader wieder auszufahren und zwischen den Fu?gangern durchzurollen, dabei hie und da auf eine Feuerwehrspur zu gehen und dort langsame Fu?ganger zu uberholen und wieder zu ihrem Parkdeck zuruckzukehren, ohne durch zu auffallige Hast seine Aufmerksamkeit zu erwecken, ehe er das seine erreichte.

Sie zahlte am Automaten an der Ausfahrt und fuhr hinaus, aber jemanden solo zu beschatten war immer eine knifflige Sache. Manchmal hatte man gar keine andere Wahl als das Zielobjekt aus den Augen zu lassen, und manchmal verlor man es auch ganz. In dem Fall gab man sich naturlich dann alle Muhe, die Zielperson wieder einzufangen. Bei einem Einsatz wie diesem war es besser, ihn eine Weile zu verlieren als zu nahe an ihn heranzukommen und dabei zu riskieren, dass er einen entdeckte. Und im Ubrigen hatte sie ja notfalls Hilfe zu erwarten. Sie sah auf ihren PDA, dessen Bildschirm einen gro?en roten Knopf zeigte. Wenn sie ihn verlor, brauchte sie blo? diesen Knopf zu drucken, dann wurde seine Barke angepeilt werden. Sein Standort wurde dann auf dem Stadtplan von Chicago angezeigt werden, den sie sich heruntergeladen hatte. So wie die Stra?e und das Garagengebaude angeordnet waren, war sie ohnehin auf Vermutungen angewiesen. Wahrscheinlich fuhrte der Weg zu Standort B am besten westlich uber den Lakeshore Drive, wahrend sein Zuhause am besten auf ostlicher Richtung uber die 94 zu erreichen war. An einem Freitag war Standort B wahrscheinlicher. Sie hatte die Sonnenbrille wieder aufgesetzt und konnte das Gesicht daher leicht von der Ausfahrt des anderen Parkhauses abwenden, dabei aber weiterhin die herauskommenden Fahrzeuge nach Petanes Ford Arabian absuchen. Ihr Atem wurde ruhiger, als er am Steuer des feuerroten Sportwagens auftauchte. Das Logo mit dem sich aufbaumenden Pferd am Kuhlergrill war nicht zu ubersehen.

Die Verfolgung war nicht einfach, sie musste weit genug zuruckbleiben, um von ihm nicht bemerkt zu werden, aber doch nahe genug, um ihn nicht zu oft aus den Augen zu verlieren. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Peilsignal entdeckt wurde, war zwar gering, aber nicht ganz zu vernachlassigen. Dass sie wusste, wohin ihn sein Weg fuhrte, half naturlich. Die von Petane gewahlte Route war offenkundig und direkt, eben das Verhalten eines Mannes mit festen Angewohnheiten, der sich sicher fuhlt. Das Apartment. zu dem er fuhr, befand sich in einem Gebaudekomplex einer Vorstadt, in dem Angehorige der unteren Mittelklasse wohnten. Nachdem er das Gebaude betreten hatte, beobachtete sie es sorgfaltig und wartete darauf, dass irgendwo Licht eingeschaltet wurde. Das war nicht unproblematisch, da es ja noch Tag war, aber eine andere Moglichkeit hatte sie nicht. Glucklicherweise schalteten die meisten Leute die Innenbeleuchtung schon ein, wenn das Tageslicht noch ausgereicht hatte, und Petane und die Person, mit der er sich traf, bildeten da keine Ausnahme. Nun ja, wahrscheinlich war das jedenfalls die richtige Wohnung. Ein guter Anfang. Der abendliche Sto?verkehr hatte noch nicht eingesetzt, und so konnte Cally den verlassenen Parkplatz nutzen, konnte unauffallig zum Gebaudeeingang hinubergehen und mit dem Korper den Turknopf abdecken, wahrend sie das altmodische, noch mit einem Schlussel zu sperrende Schloss knackte. Um die Wohnungsnummern in den richtigen Zusammenhang zu bringen, musste sie die Apartments im Erdgeschoss und im ersten Stock betrachten.

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