Ecktaschen deutete und die Eins und die Sieben ordentlich darin versenkte. Bei seinem nachsten Sto? hatte die Wei?e eine Spur zu viel Effet im Uhrzeigersinn, worauf die Vier hangen blieb und vor der linken Seitentasche zum Stillstand kam.
Sie reckte sich ein wenig behielt die Hande dabei aber dicht am Korper, griff sich ihr Queue und ging auf die andere Tischseite. Okay, verliere ich jetzt geschickt, nehm ihn mit nach drau?en und leg ihn flach. Oder riskiere ich, dass er ein Miesmacher ist, und spiele ein wenig? Sie sah sich in der Bar um, die sich mittlerweile weiter mit Uniformen gefullt hatte; ihr fiel auf, wie zwei Typen riesige Lautsprecher auf die schmale Buhne rollten. Schei? drauf. Ich mag nicht verlieren. Wenn er sich blod anstellt, na ja, hier gibt’s noch andere Typen.
Er wippte leicht auf den Fu?ballen, offenbar juckte es ihn, auf und ab zu gehen. Stattdessen zog er sich einen Stuhl heran, setzte sich rittlings darauf und nahm einen Schluck von seinem Bier, ehe er die Arme uber die Stuhllehne legte. Das trug ihm ein strahlendes Lacheln von ihr ein.
»Ich denke, ich kann die Elf und die Vierzehn dort versenken.« Sie deutete mit dem Zeigefinger auf die entsprechende Ecke und sah ihn dann schmollend an. »Wenn ich das versuche, wirst du doch nicht etwa sauer sein, falls ich unterwegs ein paar andere kleine Kugeln treffe, oder?«
Er schob die Augenbrauen hoch, wehrte aber dann mit einer bewusst galanten Geste ab. »Aber selbstverstandlich nicht, Lady.«
Der bildet sich ein, dass er mich jagt. Richtig lieb. Ihr Lacheln zuckte leicht, als sie sich uber ihr Queue beugte und hart die Drei anstie?, worauf die Elf sauber in die Tasche plumpste, wahrend die Wei?e an der gegenuberliegenden Seite von der Bande abprallte, zuruckkam und der Vierzehn einen kleinen Schubs verpasste, worauf diese in der Tasche versank, wahrend die Wei?e dicht vor dem Loch liegen blieb.
»Wow, geschafft.« Sie klatschte in die Hande und sah ihn aus gro?en Augen an.
Er ware beinahe an seinem Bier erstickt, aber sie musste zugeben, dass er sich gut im Griff hatte. »Ein ausgezeichneter Sto?. Du spielst offenbar so gut wie du schon bist.«
Armes Kerlchen. Er tragt ein wenig zu dick auf. Na ja, wenigstens wird er sich gebuhrend begeistert geben. Sie wies auf die Buhne, wo inzwischen ein Schlagzeug und eine Kabeltrommel aufgetaucht waren, die jetzt mit einer Schalttafel hinter der Bar verbunden wurde. Einer der Typen in Jeans und T-Shirt ging hinter dem Kabel her und befestigte es mit Isolierband am Boden. »Taugen die was?«
»Kann man wohl sagen! Die sind wirklich gut. Der Leadsanger war in der Grundausbildung in meiner Einheit. Sie haben Sondererlaubnis, bei ihren Shows Zivil zu tragen. Das ist so eine Art Revival von klassischem Heavy Metal, allerdings mit ihrer eigenen Musik. Aber sie bringen in jeder Show blo? eine Nummer davon. Dann magst du also Musik?« ja, und deshalb furchte ich, dass das ziemlich schmerzlich sein wird. Ganz zu schweigen davon, dass es mir vor einem Einsatz das Gehor versaut und ich dann nicht richtig auf die Platte achten kann. Was also tun? Einsehen, dass es keinen Sinn hat, oder versuchen, mich von ihm flachlegen zu lassen? Verdammte Hormone. Das ist genauso schlimm, als ob man ein siebzehnjahriger Junge ware. Aber die meisten Frauen waren nicht einverstanden, wenn bei der Verjungung die Uhr fur ihre Hormone zu weit zuruckgedreht wurde. Verdammte Idioten. »Ich mag Live-Musik! Heavy Metal, was? Klassische Kriegsmusik ist so cool.«
Sie versenkte beilaufig die Neun in die Seitentasche, wo die Vier ihr nicht den Weg versperrte.
»Ich bin froh, dass ich nicht gegen dich gewettet habe, Lady.« Er betrachtete die Dreizehn, die hinter der Zwei und der Sechs lag, und anschlie?end die Zehn an der Bande.
»Yeah, heute Abend habe ich wirklich Gluck. Ich hatte wetten konnen, dass ich den letzten Sto? verpasse, und jetzt bin ich schon wieder dran.« Sie machte eine wegwerfende Handbewegung, ging um den Tisch herum und setzte sich schrag auf die Kante, um das Queue hinter ihrem Rucken in die richtige Position zu bringen.
»Brauchst du die Brucke?«
»Eigentlich schon, aber ich kann das nicht besonders gut«, log sie und stie? die Wei?e von dieser Seite weg, sodass sie uber die Bande zuruck zu den anderen Kugeln rollte und sie um mindestens zwei Zentimeter verfehlte — und ihm daher einen sauberen, geraden Sto? auf die Sechs ermoglichte. Ich bezweifle stark, dass er mit einem Sto? funf Kugeln versenken kann, aber verdammt, ’ne Chance hat er. In diesem Spiel jedenfalls. »Ups, Foul. Du bist dran.«
Sie schmiegte sich an ihr Queue und zog mitfuhlend einen Flunsch, als er auf dem Weg zum Tisch stolperte. Ja, jetzt bist du uber deine Zunge gestolpert. Braver Junge. Sie ging um den Tisch herum, um neben ihm zu stehen, aber ohne ihn zu behindern.
Er leckte sich uber die Lippen, stie? eine Idee zu heftig zu und sah der Wei?en nach, wie sie hinter der Sechs in der Tasche versank. Er verzog das Gesicht, legte die Kugel wieder auf den Tisch und druckte ihr die Wei?e in die Hand.
»Schon wieder uber Bande«, schmollte sie. »Ich denke, ich werde ihn von der Zwei in die Ecktasche befordern mussen.« Sie legte die Kugel auf den Tisch und machte ihren Sto?, erwischte die Dreizehn von hinten und streifte die Zwei gerade genug, um deren Bahn zu korrigieren und sie locker ins Eckloch zu befordern. Sie deutete auf die Acht. »Ecktasche.« Letzte Phase.
»Noch ein Spiel?« Ein etwas gequalter Blick von der Seite, wie er einem guten Verlierer zukam.
»Na klar.« Sie schob sich ein Stuck Sashimi in den Mund und fing an, die Kugeln aufzureihen. Hinter der Buhne rollten weitere junge Manner in Jeans und T-Shirts, einer davon mit kahl geschorenem Schadel, ein Transparent aus, auf dem man lesen konnte, dass die Gruppe sich »The Awesome God« nannte. Cally verzog das Gesicht. Tut richtig weh, wenn das etwas uber ihre Originalitat sagen soll …
Er versenkte die Eins und die Dreizehn. »Was fur Musik magst du denn, Marilyn?«
»Das kommt auf meine jeweilige Stimmung an. Meistens eine Mischung aus Organic und Antimaterie- Fusion. Ich bin aber ziemlich wahlerisch. Wei?t du, manchmal leg ich auch einen alten Urb Jam auf oder etwas Klassisches.«
»Was verstehst du unter Klassisch?«
»Hauptsachlich kriegerisches Zeug. Du wei?t schon, Nirvana, Van Halen. Alles, blo? nicht von dieser Alanys-Tante, oder wie sie hei?t. Das ist jammerliches Geheule!«
»Oh, ich denke, die habe ich schon mal gehort. Meine Ex-Freundin hatte da ein paar ziemlich wilde Wurfel.« Er legte einen sauberen Sto? hin.
Es konnte schlimmer sein. Schlie?lich konnte sie auch im Hotel sitzen und die Wande anstarren. Sie versenkte drei Kugeln, ehe sie einen Sto? verpatzte, um sich wieder ihrem Bier widmen zu konnen. Gerade war sie bei ihrem Stuhl angekommen, als die erste laute Tonexplosion, die man sehr gro?zugig als Akkord hatte bezeichnen konnen, an ihre Ohren drang. Autsch.
Offensichtlich war die Glatze zugleich Leadsanger und Leadgitarre. Bassist und Schlagzeuger hatten sich beide nicht sonderlich uberzeugende »Metall«-Perucken aufgesetzt. Oh, was fur ein Gag! Sie lachelte verzerrt. Man sollte die Heulboje an den Daumen aufhangen …, nein, das ware abgedroschen …, den gro?en Zehen. Uber einem kochenden Kessel mit geschmolzenem Stinkkase. Und dabei musste er Kopfhorer tragen, die standig auf dieses Gesausel von Fahrstuhlmusik eingestellt sind. Und dann musste man ihm die Gedarme aus dem Leib ziehen und Feuerameisen darauf ansetzen. Richtig hungrige Feuerameisen. Und der Bassist … dem musste man diese kanadische Tussi anhangen. Und ihn aufs Rad flechten. Ich habe das nie einem angetan. Yeah. Das sollte funktionieren. Und der Drummer. Nackt in einem Kessel voll Sand und Giftefeu. Und Moskitos. Texasmoskitos. Und dazu sollte ihm dieser Typ etwas in die Ohren jammern, der standig die Sache von dieser Taube gewimmert hat. Das sollte ziemlich lange vorhalten …
»Ist das nicht gro?artig?!«
Cally zuckte zusammen, fuhr in die Hohe und sah sich um, sah ihn hinter sich stehen und grinste ihm vergnugt zu.
Mein Gott, der hat sich tatsachlich von hinten an mich angeschlichen? Ich muss echt sauer sein. Awesome God! Wirklich schrecklich. Sie unterdruckte einen Seufzer. Okay, langweilige, sich standig wiederholende, einem die Trommelfelle zerrei?ende Musik ist kein hinreichender Grund fur Totschlag. Aber, verdammt noch mal, eigentlich sollte sie das sein. Die sollten die Regeln