bessere Orte und auch bessere Sachen.«
»Ja, wahrscheinlich schon«, erwiderte sie und nickte, »aber ich habe da eine Liste, was ich kaufen soll.«
»Ich kummere mich drum, Tony.« Ein ordentlich gekleideter junger Mann trat aus dem Schatten, und Cally sah ihn mit einem leichten Lacheln an. »Ich habe so das Gefuhl, dass Sie vielleicht jemand kennen, der mir beim Einkaufen behilflich sein kann.«
»Konnte schon sein. Kommt ganz darauf an, was Sie wollen und wie es bei Ihnen mit Geld aussieht.«
Sie zog ein abgegriffenes Bundel FedCreds und Dollars heraus und zeigte es ihm, ehe sie es wortlos wieder in die linke vordere Tasche steckte.
»Yeah, wir konnen reden.« Er bedeutete ihr mit einer Handbewegung, ihm in das Zwielicht des Korridors hinter dem Wandgemalde zu folgen. »Uberrascht mich eigentlich, dass Sie es ohne Schwierigkeiten bis hierher geschafft haben, noch dazu mit so viel Geld.«
»Ich habe gewohnlich keinen Arger, zumindest sucht er mich nicht.« Sie zuckte die Achseln, und ihr Blick schien in die Ferne zu wandern. »Das liegt wohl an meinem Gesicht.«
»Soll mir recht sein. Was wollen Sie denn kaufen?«
Sie verlie? den jungen Mann mit wesentlich weniger Geld, dafur aber den notigen Praparaten und Spritzen, einer kleinen Flasche Ather und ihrer teuersten Erwerbung, einem guten Luftreiniger — glucklicherweise inzwischen ein ziemlich alltaglicher Gegenstand fur all diejenigen, die in einer Urb etwas … Sensitives brauchten. In der normalen Einkaufszone fand sie noch eine billige Heizplatte, ein paar Markerstifte, einen kleinen Morser mit dazugehorigem Pistill, Salz- und Pfefferstreuergarnitur mit Schraubdeckel, ein paar Trinkglaser, eine Flasche Scheibenreiniger sowie eine Schachtel mit langen, holzernen Partyzahnstochern. Damit war genugend gut versorgt, um zu ihrem Motel zuruckzukehren und dort etwas zu kochen.
Es kostete ein wenig Fantasie und Geschick, um ihren Koffer, den Hotelwecker und die Gideons-Bibel aus der Nachttischschublade so anzuordnen, dass sie den Luftreiniger uber der Heizplatte positionieren konnte. Sie zermahlte die verschiedenen Feststoffe, bis sie die entsprechende Konsistenz angenommen hatten, um sich in dem warmen Ather aufzulosen. Das erforderte einige Geduld. Ein paar weitere Flaschen aus ihrem Koffer lieferten einige Stoffe, die man in Petanes Kreislauf finden musste.
Sie machte sauber, verstaute die Sachen in der untersten Schublade der Kommode und stellte das Uhrenradio des Hotels neu ein, nachdem sie es wieder dort eingestopselt hatte, wo es hingehorte. Erstaunlich eigentlich, dass es erst vier Uhr am Nachmittag war. Gerade genug Zeit, um einen Happen zu essen und sich ein schickes, neues Outfit zu kaufen — sie rumpfte die Nase angesichts der Falten, die ihre Kleider im Koffer bekommen hatten — ehe sie ausging.
6
Ein paar Minuten nach sieben bestieg sie den Expresszug zum Rekrutierungsburo von Fleet Strike. Sie war mit einem karierten blauen Faltenmini, knochellangen Socken, flachen schwarzen Lederpumps und einem wei?en Oxfordhemd bekleidet. Die paar Minuten der Zugfahrt benutzte sie dazu, rosafarbenen Lippenstift aufzulegen, sich die Nagel im gleichen Rosa zu lackieren und ihre gro?en, braunen Augen mit geschicktem Make-up noch gro?er erscheinen zu lassen.
Die Daten im Netz waren richtig gewesen. Gegenuber der Bahnstation stand ein bescheidenes holzverkleidetes Gebaude, das offensichtlich wie eine Strandhutte aus der Vorkriegszeit aussehen sollte, mit einer Tafel, die in Englisch und in japanischen Kanji-Schriftzeichen potenzielle Gaste daruber informierte, dass sie vor dem
»Na ja, ich kann eigentlich nicht gut fragen, ob du oft hierher kommst, weil ich mich dann sicher an dich erinnern wurde, also … nun ja, hi, ich bin Eric Takeuchi.« Er streckte ihr die Hand entgegen, aber als er dann danach griff, schuttelte er sie nicht etwa, sondern fuhrte sie an die Lippen, beobachtete sie dabei aber aufmerksam, um sicherzugehen, dass er ihr nicht zu nahe trat.
Sie versuchte ihr Sashimi-Mix selbst zu bezahlen, nahm aber hoflich an, als er dagegen protestierte.
»Ein paar Runden Billard?« Sie deutete mit ihrem Bier zu einem Billardtisch hinuber, der gerade frei geworden war.
»Gern. Du magst also Billard?«
»Willst du anfangen?« Er stellte sein Bier neben das ihre, nahm sich selbst ein Queue und lehnte es an den Tisch, wahrend er die Kugeln aufbaute.
»Ja, gern.« Immerhin konnte er die Kugeln regelgema? ordnen. Sie rieb sich die Finger mit Kreide ein, ehe sie die wei?e Kugel von ihm entgegennahm — legte sie hin, bereitete sich auf ihren Sto? vor und stie? dann zu, unterdruckte ein selbstgefalliges Grinsen, als zwei Halbe eine Tasche fanden.
»Schatze, da muss ich mich anstrengen.« Er prostete ihr mit seinem Bier zu. »Sauberer Sto? fur ein Madchen.«
»Ja, kann man sagen.« Sie nickte und blickte ihm nach, wie er aufstand und um den Tisch herumging, um seinen Sto? auszufuhren.
»Das hast du wohl schon mal gehort.«
»Vielleicht sogar ein paarmal.« Sie grinste verkniffen.
Sie zeigte auf Kugel vierzehn, sagte die Tasche in der linken Ecke an und stie? dann eine Spur zu heftig zu. Die Kugel verfehlte die Tasche, prallte auf das Tuch zuruck, sodass die Wei?e fur einen einfachen Sto? auf die Kugel in der rechten Tasche dalag. Sie zuckte uberzeugend zusammen und zog einen Schmollmund. »Na ja, wenigstens habe ich keine von deinen Kugeln versenkt. Du bist dran.«
»Ah, ja.« Er sah sie einen Augenblick lang an und schuttelte den Kopf, als wurde er gern etwas sagen, habe es sich dann aber anders uberlegt.
»Was?« Sie grinste, tauchte eine Nori-Rolle in die Wasabi-Sauce, biss davon ab und beobachtete ihn, wobei sie fur den Fall, dass Sauce heruntertropfen sollte, die andere Hand unter das Kinn hielt.
»Nein, das kann ich nicht sagen«, sagte er mit einem breiten Grinsen und schuttelte den Kopf.
»Na schon, meinetwegen.« Sie legte den Kopf nachdenklich etwas zur Seite, als er auf die beiden
