verdammte Katze. Wie viele
»Du unterschatzt offensichtlich den Schaden, den eine hinreichend wutende Hauskatze anrichten kann. Ein Mensch, erwachsene Frau, in der Kuche.«
»Richtig. Sag mir Bescheid, wenn sie das Apartment verlasst oder wenn es jemand betritt.«
»Bitte.«
»Danke, Buckley«, fugte sie hinzu.
»Wei?t du, es ist noch nicht zu spat, um nach Hause zu fliegen und die ganze Geschichte zu vergessen«, schlug er voll Hoffnung vor.
»Halt die Klappe, Buckley.« Ein paar Augenblicke lang herrschte Stille im Wagen. »Oh, ich meine davon abgesehen, dass du mir sagst, wenn die Zielperson weggeht, und mich daruber informierst, wie er auf der Route hierher vorankommt.«
»Richtig.«
Sie gab sich Muhe, nicht mit den Fingern zu trommeln, wahrend sie wartete. In all den Jahren hatte es ihr immer die meiste Muhe bereitet, ihre Ungeduld zu unterdrucken. Das erforderte immer noch bewusste Willensanstrengung. Sie rief irgendwelche Musik im Audiosystem des Wagens auf, einfach was auf dem Wurfel als Nachstes kam, und zwang sich erneut, nicht etwa den Takt mitzuklopfen, als die Pianoklange von »
Eine ganze Band mit Runderneuerten war hier auf der Erde naturlich nicht jedermanns Sache, aber sie waren eben eine Rockband. Sie waren das gewohnt. Sie befahl dem System, das ganze Album zu spielen.
Die schrillen Gitarren bei der Eroffnung von »
»Ist die Frau in 302C immer noch in der Kuche, Buckley?«
»Bedauerlicherweise ja. Hattest du gern eine Liste der zehn schlimmsten Dinge, die bei diesem Einsatz schief gehen konnten?«
»Nein!«
»Ehrlich, es wurde mir gar keine Muhe machen«, erbot der Apparat sich.
»Halt die Klappe, Buckley.«
»Geht in Ordnung.«
7
Cally stand an der Tur von 302C. Den Rei?verschluss ihrer Aktentasche hatte sie geoffnet, hielt sie aber so, dass man den Inhalt nicht sehen konnte. Sie schloss kurz die Augen und schlupfte in die Rolle der Kosmetikvertreterin. Als sie sie wieder offnete, zeigte ihr Gesicht ein strahlendes Lacheln, und ihre Augen strahlten vor Begeisterung. Sie klingelte und wartete.
Kurz darauf horte sie es auf der anderen Seite der Tur rascheln. Vermutlich die Freundin, die durch den Turspion lugte. Die Tur ging auf.
»Ah … Hallo?« Die Frau hatte Lockenwickler im Haar, und ihr Gesicht war ohne Make-up, so als ob sie sich gerade gewaschen hatte.
»Hi, ich bin Lisa von
»Funf Minuten … und ich muss nichts kaufen?« Die Augen der jungen Frau hatten sich bei dem Wort »gratis« geweitet. Sie musterte nachdenklich den gepflegten Teint der Vertreterin, dem man das professionelle Make-up ansah.
»Nein, garantiert nichts. Ich mache Ihnen ein frisches Make-up, lasse Ihnen einen Katalog und meine Telefonnummer da, und wenn Sie dann etwas aus dem Katalog haben wollen, rufen
»Funf Minuten.« Die Frau sah auf die Uhr. »Ah, na ja, sicher. Kommen Sie rein.« Sie trat zur Seite und bedeutete der Auftragskillerin, dass sie eintreten solle.
Cally griff sich unauffallig an den Gurtel, als sie durch die Tur schritt, und legte den kleinen Schalter um. Gleich nachdem die Freundin die Tur geschlossen hatte, hatte Cally die Aktentasche fallen lassen, die Frau gepackt, sie neben der Tasche zu Boden gerissen, lag uber ihr und hielt ihr das Klappmesser an die Kehle.
»Lady, Sie haben jetzt die Wahl. Entweder konnen Sie hier auf ziemlich unangenehme Art sterben, oder tun, was ich sage, und leben. Mir ist’s egal, wofur Sie sich entscheiden.« Sie druckte der Frau dabei das Messer leicht gegen die Kehle, um ihr klar zu machen, dass sie es ernst meinte. Es gab da einen Trick, wie man das Messer genau im richtigen Winkel hielt, damit es sich scharf genug anfuhlte, um die andere Person zu beeindrucken, ohne tatsachlich die Haut zu verletzen. Mit einem einigerma?en scharfen Messer, wie dem hier, war das besonders schwierig. Aber sie hatte ja genugend Ubung.
»O mein Gott, mein Gott, tun Sie mir nichts. Bitte, toten Sie mich nicht. O Gott. Was wollen Sie? Ich tue alles, was Sie verlangen, blo?, bitte, bitte, bringen Sie mich nicht um.«
»Ich brauche Sie nicht umzubringen. Ich muss mir nur fur kurze Zeit Ihr Apartment ausborgen.« Sie suchte in der Tasche herum, zog den Pappbehalter mit dem Wein heraus und vergewisserte sich, dass es der rot markierte war. »Trinken Sie das. Da ist naturlich ein Schlafmittel drin. Damit Sie schlafen und mir nicht im Weg sind.« Sie reichte den Karton der verangstigten Frau.
»Woher wei? ich, dass das kein Gift ist?«
»Sie wissen es nicht. Sie wissen blo?, dass Sie jetzt und sofort hier sterben werden, wenn Sie es nicht trinken, und zwar auf recht schmerzhafte und unappetitliche Art. Das ist Ihre einzige Chance. Uberlegen Sie es sich, ich habe nicht viel Zeit.«
Die andere Frau fing an, den Verschluss aufzuschrauben, hielt aber plotzlich inne.
»Charles. Sie sind hinter Charles her.« Ihr Tonfall verriet ihr wachsendes Entsetzen.
»Wem?« Callys Gesicht hatte nicht verbluffter blicken konnen. »Man hat mir gesagt, dass Sie hier allein leben. Wird da noch jemand kommen?«, fragte sie streng und druckte mit dem Messer etwas starker zu, achtete aber immer noch sorgsam darauf, die Haut nicht zu verletzen.
»Ah … nein«, log die Frau schnell, »Charles ist … ist meine Katze.«
»Ist ja gro?artig. Und ich bin allergisch. Wurden Sie jetzt bitte schnell machen und das hier trinken, ehe ich Sie toten muss?«
Die Frau starrte sie an, als versuche sie, sich ihre Gesichtszuge einzupragen, und trank dann. Cally beobachtete sie die etwa zehn Minuten, die es dauerte, bis ihre Augen glasig wurden, und legte dann das Messer weg.
»In Ihrem Bett werden Sie bequemer schlafen. Kommen Sie, ich bringe Sie hin, damit Sie sich hinlegen konnen.« Sie half der Frau auf, fuhrte sie ins Schlafzimmer, wobei sie sie stutzen musste, fesselte ihr dann — sanft, aber sicher — mit den Kabelbindern Hande und Fu?e und knebelte sie. Unter dem Einfluss des Schlafmittels wurde die Frau ihr keine Schwierigkeiten machen, und bis sie die Besinnung verlor, wurde es ohnehin nicht mehr lang dauern. Cally hatte bis jetzt sorgsam darauf geachtet, so wenig wie moglich in dem Apartment zu beruhren, aber den Rest des Abends wurde sie Gummihandschuhe tragen mussen.
Sie zog ihren PDA heraus und sah sich auf dem Bildschirm den Stadtplan mit dem blinkenden Punkt an, der den Standort des Wagens der Zielperson anzeigte. Bis jetzt war sie recht gut im Zeitplan. Bis Petane hier eintraf, wurde noch eine gute Viertelstunde vergehen.
Eigentlich war gar nicht sonderlich viel zu tun, um sich auf ihn vorzubereiten. Einer der Kuchenstuhle wurde
