fur die Befragung ausreichen. Sie stellte ihn hinter die Tur, wo er ihn nicht sehen konnte und deshalb beim Hereinkommen auch nicht erschrecken wurde. Angewidert rumpfte sie die Nase uber das nicht geleerte Katzenklo, dessen Geruch eine gro?e Schale mit Apfeln nicht ganz uberdecken konnte, und ging dann ins Wohnzimmer zuruck, um den gebrauchten Pappbecher in der Aktentasche zu verstauen. Es hatte ja wirklich keinen Sinn, irgendwelche DNA von dritten so offen herumliegen zu lassen.
Sie holte die Strumpfhosen aus ihren Verpackungen und schnitt die Beine auseinander. Die waren nicht so einfach und schnell zu benutzen wie die Kabelbinder, aber vermutlich wurde die Zielperson zunachst gegen die Fesseln ankampfen, und wenn man die Strumpfhosen richtig knotete, wurden sie keine Spuren hinterlassen. Sie zog ihre Jacke aus und stopfte sich die Strumpfhosen in die Taschen. Dann war nichts mehr zu tun — au?er zu warten. Sie hatte grundlich daruber nachgedacht, wie sie ihn erledigen wollte. Einerseits wollte sie mit den Chemikalien, die man bei der Autopsie in seinem Blutkreislauf finden wurde, besonders vorsichtig sein. Andererseits war er ein gutes Stuck schwerer als sie und auch gro?er, das durfte sie trotz ihrer gesteigerten Krafte nicht vernachlassigen.
Petane war ganz offensichtlich runderneuert, also hatte er Nanniten, die moglicherweise etwaige Reste von Ather oder Chloroform wirksam beseitigen wurden, ehe sie mit ihrer Befragung fertig war. Vielleicht aber auch nicht. Und dann war auch moglich, dass er immun war. In seinen Unterlagen war nichts uber nennenswerte Ausbildung in Nahkampftechniken zu finden gewesen, nichts uber das hinaus, was er bei der Grundausbildung mitbekommen hatte, aber man konnte das nie genau wissen. Schlie?lich hatte sie sich dafur entschieden, dass sie ihn festhalten und wurgen musste, aber dazu wurde sie eine auf Knopfdruck reagierende Injektionsspritze mit dem am wenigsten leicht nachweisbaren Betaubungsmittel fur alle Falle bereithalten, falls er sich im Nahkampf erfahrener zeigen sollte, als dies aus seinen Akten hervorging.
»Okay, Buckley, aufwachen.« Sie tippte den Bildschirm an. »Du kannst jetzt aufhoren, irgendwelche Kameras zu uberwachen, an denen er bereits vorbeigefahren ist. Beobachte die Kamera, die ich dort drau?en auf dem Parkplatz platziert habe. Wenn er parkt, dann sag mir … ah … warte, nein, sag es mir
»Du hast Angst, dass ich zum falschen Augenblick etwas Falsches sage und das dann fur uns beide der Tod ist, nicht wahr?«, klagte der Buckley sie an.
»Nein, ich wurde es blo? vorziehen, in dieser Phase unseres Einsatzes keine unnotigen Gerausche zu haben.«
»Doch, du hast Angst. Du brauchst mich nicht anzulugen, um meine Gefuhle zu schonen.«
»Halt die Klappe, Buckley.«
»Geht in Ordnung.«
Sie sah stumm zu, wie der Punkt auf der Stra?e naher kam. Der Bildschirm wurde blau, und sie schaltete das Gerat auf stimmaktivierte Aufzeichnung, klappte es zu, richtete sich auf, streckte sich kurz und lehnte sich dann gelockert hinter der Tur an die Wand. Fur gute Aufnahmequalitat musste der PDA sich in weniger als drei?ig Prozent Abstand des Subjekts zum Dampfer befinden.
Das Warten kam ihr langer vor, als es wirklich dauerte. Das Adrenalin in ihrem Kreislauf wirkte bereits und dehnte die Zeit. Sie konnte ihr Herz in der Brust schlagen spuren und verspurte bereits jenes ganz spezielle Einsatzgefuhl, bei dem sie sich eine Extraportion lebendiger fuhlte. Die Farben im Raum waren voller und intensiver als noch vor ein paar Minuten. In die Katzen- und Luftauffrischergeruche des Apartments mischte sich jetzt der Geruch des Tees, den die Freundin in der Kuche getrunken hatte. Sie konnte den leicht hohlen Klang ihres eigenen Atems horen, wahrend der Schalldampfer versuchte, den Larm zu kompensieren.
Es dauerte gar nicht lange, bis sie den Schlussel in dem altmodischen Schloss horte. Sie zwang sich, gelockert und vollig ruhig zu bleiben, als der Turknauf sich drehte und die Tur nach innen schwang.
Er betrat den Raum mit noch weniger Bewusstsein der Lage als ein Zweijahriger, der sich wenigstens fur seine Umgebung interessiert hatte. Als er die Tur mit einer Hand hinter sich schloss, drehte er sich erwartungsvoll in Richtung Kuche herum. Cally bezweifelte, dass er sie auch nur aus dem Augenwinkel sah, als sie hinter ihn trat, ihn bei den Haaren packte, ihm den Kopf nach hinten zog und ihm in die Kniekehle trat.
Als ihm die Knie einknickten und so sein Kopf tiefer war als der ihre, schlang sich ihr anderer Arm um seine Kehle und druckte gegen seine Luftrohre, wahrend die Hand in seinem Haar nach hinten glitt und seinen Hinterkopf festhielt, sodass er keine Chance hatte, nach Luft zu schnappen.
Unglucklicherweise setzte in diesem Augenblick sein Uberlebenstrieb ein, und er begann wild um sich zu schlagen und versuchte, ihren Griff zu brechen.
Die einfachste Reaktion darauf ware gewesen, sich fallen zu lassen und ihm das Genick zu brechen. Eine zum Kampf fahige Person, und als solche war Petane marginal anzusehen, lebend zu nehmen, war immer schwieriger als eine schlichte Totung.
Schwer zu sagen, ob er absichtlich oder instinktiv versuchte, gegen einen Beistelltisch voll zerbrechlich wirkenden Nippesgegenstanden zu treten, aber es ware definitiv schlecht, in dem Apartment Spuren eines Handgemenges zu hinterlassen. Genauso schlecht ware es, den Kerl versehentlich zu erwurgen.
Sie trat einen Schritt zuruck und zerrte ihn mitten ins Zimmer, wo er beim Umsichschlagen nichts erreichen konnte; dann beobachteten sie den Sekundenzeiger der Wanduhr, um den richtigen Zeitpunkt zu erwischen, und lie? ihn ein paar Sekunden, nachdem er aufgehort hatte, um sich zu schlagen, zu Boden sinken.
Beeilung war angesagt, seine Hande und Fu?e mit den Plastikbandern zu sichern, ehe sie sich den Stuhl und die Strumpfhosen holte. Das Risiko, dass er zu sich kam, ehe sie ihn an den Stuhl gefesselt hatte, war recht gro?, und so musste es naturlich auch heute kommen. Gerade hatte sie seine Handgelenke gesichert und die Plastikbander abgenommen — die Wahrscheinlichkeit, dass sie Spuren hinterlie?en, war zu gro? -, als er zu sich kam und wieder anfing zu brullen und um sich zu schlagen. Dabei kippte er mit dem Stuhl um. Sie achtete nicht darauf und fesselte seine beiden Beine an das jeweilige Stuhlbein, ehe sie den Stuhl wieder aufstellte. Er brullte immer noch.
Sie hatte sich gerne eine Zigarette angezundet und sie geraucht, wahrend er sich allmahlich beruhigte, aber es ging naturlich nicht an, abgestandenen Rauch zu hinterlassen. Also legte sie blo? den Kopf etwas zur Seite und beobachtete ihn, wartete. Gott sei Dank dauerte es nicht sehr lange, bis ihm der Dampf ausging.
»Wahrscheinlich haben Sie sich gefragt, weshalb ich diese Besprechung einberufen habe.« Sie grinste schief und seufzte dann. »Schauen Sie, Petane, wir fuhren eine umfassende Uberprufung der von Ihnen gelieferten Informationen durch, gehen sie Punkt fur Punkt durch, inklusive dem, was Sie jetzt sagen, und vergleichen es mit Ihren Berichten in der Vergangenheit. Je fruher Sie es ausspucken, desto fruher konnen Sie dorthin zuruckkehren und Ihrer Freundin ein paar Aufputschmittel geben, um sie zu wecken und dann Ihren Abend fortzusetzen.« Sie zuckte die Achseln. »Schauen Sie, mir ist das alles ziemlich egal, ich muss blo? dieses damliche Verhor hinter mich bringen, damit ich mich wieder meiner echten Arbeit widmen kann.«
»Himmel nochmal, Ihr Typen habt mich jetzt total verbrannt, ist Ihnen das klar? Zumindest so gut wie. Warum in drei Teufels Namen sind Sie das Risiko eingegangen, sich hier mit mir zu treffen? Warum haben Sie nicht einfach uber den Briefkasten ein Treffen verlangt und mir Zeit gelassen, das ordentlich vorzubereiten … oh. Spionageabwehr.« Seine Schultern sackten nach vorne. »Sind Sie Fleet Strike oder Army?« Seine Stimme hatte den hohlen, hoffnungslosen Klang eines Mannes, der nicht damit rechnete, den morgigen Tag zu erleben.
»Sehr scharfsinnig uberlegt.« Sie grinste ein Raubtiergrinsen. »Aber Sie konnen immer noch nutzlich sein, Colonel. Wir brauchen blo? einen Katalog, wie viel Schaden Sie angerichtet haben, und dann sagen wir Ihnen, was Sie denen sagen sollen. Sie konnen sich glucklich preisen, Mann. Wenn wir Sie genugend nutzlich machen konnen, uberleben Sie moglicherweise sogar.«
»Augenblick mal … ich … ich mochte Ihren Ausweis sehen«, sagte er.
»Oh, einen Ausweis wollen Sie. Dann haben Sie also gewusst, mit wem Sie es zu tun hatten, als Sie sich dazu entschlossen haben, ein beschissener Verrater zu werden.« Das spie sie ihm formlich ins Gesicht.
