war es aus verschiedenen Grunden notwendig gewesen, dass mehrere Leute seinen Tod tatsachlich hatten bezeugen konnen. Das benutzte Praparat war das Produkt einer aufwandigen Kooperation zwischen den Indowy und den Krabben, eine Variante von Hiberzine ohne die au?erlichen Symptome dieses Praparats. Das Hauptproblem damit bestand darin, dass die Dosierung recht kompliziert war und sehr genaue Kenntnis des physischen Zustands des Patienten erforderte. Daruber hinaus hatten die Veranderungen, die die sichtbaren Symptome reduzierten, auch nachteilige Auswirkungen auf die Schlafeffizienz. Wenn die Dosis auch nur in geringem Ma?e nicht stimmte oder das Gegenmittel nicht innerhalb von zwolf Stunden gereicht wurde, war es moglich, dass der simulierte Tod in einem Ausma? Wirklichkeit wurde, um selbst der Platte keine Anderungsmoglichkeiten zu lassen.
Das Praparat war so geheim, dass es nicht einmal einen Namen hatte, und wurde gewohnlich in einer wasserunloslichen Kapsel verpackt, die die Zielperson zerbei?en und schlucken musste. Die Zeitverzogerung erfullte einen doppelten Zweck. Zum einen lie? sie der Magensaure des Patienten genugend Zeit, das Kapselmaterial vollig aufzulosen, zum anderen schloss sie jede Moglichkeit aus, dass ein genau hinsehender Beobachter etwa sah, wie der Patient die Pille nahm und gleich darauf »tot« umkippte.
Trotzdem hatte ihm das zehnprozentige Risiko, uberhaupt nicht mehr aufzuwachen, ein hohes Ma? an Vertrauen abverlangt, und auch die Nachwirkungen des Praparats waren nicht zu unterschatzen. Unter all diesen Umstanden war er recht froh, dass er das Praparat nie wieder wurde einnehmen mussen.
Gerade in Anbetracht der dezentralen Struktur der Bane Sidhe erforderte ein funktionierendes planetarisches Zellensystem
»Bildschirm aus«, wies er sein AID an. »Also, Levon, was haben Sie auf dem Herzen?«
»Einer meiner Agenten ist heute Morgen einem Herzanfall erlegen«, begann er.
»Oh, das tut mir aber Leid. Wusste man, dass er krank war?«
»Nein, im Gegenteil. Man hat ihn tot im Bett seiner Freundin gefunden. Eine vorlaufige Untersuchung hat ergeben, dass der Herzanfall auf eine Drogenuberdosis zuruckzufuhren ist, die im Einklang mit dem Drogenproblem des Agenten steht.«
»Wussten wir von seiner Drogenabhangigkeit?«
»Nein, Sir. Tatsachlich hatte er offenbar auch der Freundin Drogen verschafft, und auch ihre Drogenabhangigkeit war nicht bekannt. Sie erinnert sich an gar nichts. Die Ermittler sind ubereinstimmend der Ansicht, dass er an ihr sexuelle Handlungen vornehmen wollte, denen sie bei vollem Bewusstsein vermutlich nicht zugestimmt hatte, und ihr deshalb Drogen verabreicht hat und selbst welche genommen hat, die seine Empfindungen verstarken sollten und die ihn getotet haben, ehe er diese Handlungen vollziehen konnte.«
»Davon glauben Sie selbst doch kein Wort.« Das war keine Frage, sondern eine Feststellung. Der Priester winkte Martin aufmunternd zu.
»Interessiert es Sie, dass der Tote ein gewisser Colonel Charles Petane war und dass heute kurz nach elf Miss O’Neal hier eingecheckt und eine Tasche fur die Reinigungsabteilung mitgebracht hat?«
Der Priester blieb einen Augenblick lang stumm und erwiderte dann wurdevoll: »Angehorige der Priesterschaft der Heiligen Mutter Kirche enthalten sich unflatiger Sprache.«
»Das ist mir bewusst, Father.«
»Das galt auch nicht
»Eine Person, die der Beschreibung von Miss O’Neal bei ihrem Eintreffen auf der Basis entspricht, hat heute Morgen ein Motel in Chicago verlassen. Dasselbe Motel, wo Miss O’Neals Taxi sie auf dem Weg hierher abgeholt hat. Dasselbe Motel, von dessen Parkplatz die Reinigungsabteilung auf ihren Wunsch hin ein Fahrzeug und diverse personliche Gegenstande abholen und reinigen soll. Der Name im Hotelregister lautete ubrigens Marilyn Grant. Miss Grant war seit Freitagabend Gast des Motels. Solange sich dafur keine diskrete Gelegenheit bietet, werde ich das nicht mit Sicherheit wissen, vermute aber, dass ich beim Uberprufen von Baumen und anderen wahrscheinlichen Stellen in der Umgebung des Hauses des verblichenen Colonel und des Apartments seiner Freundin Spuren des Klebstoffs finden werde, den wir ublicherweise dazu benutzen, um provisorische Uberwachungskameras zu befestigen.«
»Lassen Sie es bleiben. Wenn sie damit durchgekommen ist, mochte ich keinen Verdacht erwecken, bei verspateten Sauberungsarbeiten erwischt zu werden.« Er rief auf seinem AID die Petane-Akte auf und uberflog sie kurz. »Falls sich herausstellt, dass da ein unsauberes Spiel gelaufen ist, war Petane hinreichend unbedeutend, dass eine Ermittlung nicht weiterfuhren wird. Wir wollen einfach hoffen, dass es als Uberdosis und nicht etwa als ungeloster Mord in den Buchern bleibt.« Er kniff sich in den Nasenrucken und schloss kurz die Augen. »Ich bezweifle, dass sie die leiseste Ahnung hat, was fur chaotische Folgen das wahrscheinlich bei unseren Indowy- Freunden haben wird.«
Er stand auf, ging um seinen Schreibtisch herum und schuttelte dem Jungeren die Hand, als dieser sich erhob. »Vielen Dank, Levon. Das Weitere ubernehme ich.«
Als der Agent das Buro verlie?, horte er, wie sein Vorgesetzter in knappen Worten seinem AID Anweisungen erteilte.
»Schaff mir schnellstmoglich Mike O’Neal senior her. Auch wenn du dafur eigens einen Shuttle schicken musst. Wenn moglich, sollte der Rest vom Team Isaac mitkommen, aber das darf seine Abreise um maximal zwei Stunden verzogern.«
8
Das Mobiliar in Father O’Reillys Buro war seit dem Nachmittag auf diskrete Weise verandert worden, ebenso die Beleuchtung. Ein kleiner Lagerraum, der sich im selben Flur befand, enthielt Mobiliar, das fur jede der Spezies geeignet war, mit der ein Bane-Sidhe-Stutzpunktkommandant mutma?lich im Laufe seiner Amtspflichten zu tun haben wurde. Vor O’Reillys Schreibtisch standen jetzt ein bequemer Sessel fur Menschen, einer fur Indowy und ein fur beide Spezies geeigneter niedriger Beistelltisch. Er hatte sein AID auf den Beistelltisch gestellt, um damit der Versuchung zu entgehen, daran herumzuspielen, wenn etwas besonders Unangenehmes zu besprechen war.
Im Gegensatz zu Feldagenten benutzte das Personal einer Bane-Sidhe-Basis AIDs. Saubere. Genauer gesagt solche, die an Ort und Stelle hergestellt waren. O’Reillys AID verfugte uber Informationen nicht nur uber die fur Menschen und jede Alien-Spezies geeigneten Lichtfrequenzkombinationen, sondern in gleicher Weise auch uber die fur jede beliebige Kombination am wenigsten unbequemen.
Als der Indowy Aelool eintraf, standen bereits ein frisch gebrauter Topf starken Kaffees und ein Eiskubel mit einer Flasche destillierten Wassers bereit, das mit asthetisch passenden Spurenmineralien angereichert war.
Als er dem Aelool sein ubliches Glas Eiswasser mit einer Olive uberreichte, musste er unwillkurlich und trotz der langen Zeit ihrer Bekanntschaft an einen kleinen, grunen Teddybaren denken.
Gesichtsausdruck und Korpersprache von Menschen und Indowy hatten praktisch nichts gemein, aber von allen Rassen, die mit anderen Spezies zu tun hatten, machten gerade diese beiden es sich haufig zur Gewohnheit, nonverbale Hinweise der anderen Rassen zu studieren, um sie interpretieren und kopieren zu konnen.
Demzufolge wusste der Priester ganz genau, was sein Freund meinte, als er den Muskel uber dem rechten Auge emporschob und den Kopf leicht zur Seite neigte, als der Mensch einen reichlichen Schuss Whiskey der Marke Bushmill’s in seinen Kaffee tat.
»Wir haben ein Problem«, sagte Father O’Reilly.
»Das hatte ich angenommen. Normalerweise fugen Sie eine derartige Substanz Ihrem Getrank erst sehr viel spater am Abend zu.«
»Thomas, bitte den Colonel zeigen«, wies der Priester sein AID an. Ein drei?ig Zentimeter hohes Hologramm des verblichenen Colonel Charles Petane baute sich uber dem Beistelltisch auf.
»Bis gestern war dieser Mann einer unserer weniger wichtigen Agenten. Um Ihr Gedachtnis aufzufrischen: Er wurde rekrutiert, nachdem er entscheidenden Anteil am Verlust von Team Conyers hatte. Man ging damals
