davon aus, seine Position als Verbindungsoffizier der US Army zu Fleet Strike konnte mit der Zeit dazu fuhren, dass er sich zu einer wichtigen Informationsquelle entwickeln und sein potenzieller Wert den Abschreckungswert uberwiegen konnte, der damit zu erreichen gewesen ware, ihn als Vergeltung fur den Tod der Teammitglieder zu toten«, begann O’Reilly und hielt dann inne, um sich zu vergewissern, dass er damit Aelools Gedachtnis hinreichend aufgefrischt hatte.

»Wenn ich mich richtig erinnere, war dies Gegenstand einiger Diskussion.«

»Die unter anderem zu der Entscheidung fuhrte, einige unserer Agenten vor der Kenntnis dieser Entscheidung zu beschutzen, richtig. Ein schrecklicher Euphemismus, nicht wahr? Konkreter gesprochen, wir haben gelogen.« Er nahm einen gro?en Schluck aus seiner Kaffeetasse.

»Die meisten meiner Landsleute auf unserer Seite der Organisation haben diese Notwendigkeit nicht begriffen«, sagte Aelool, »aber, ja, ich erinnere mich, dass Ihre Leute es fur notwendig hielten, und ich glaube, ich kann das auch nachvollziehen. Ich kann mich nicht erinnern, dass man hinsichtlich der Nutzlichkeit der von dem Agenten gelieferten Informationen nachgefasst hatte, aber im Augenblick interessiert mich eher, weshalb Sie in Bezug auf ihn die Vergangenheitsform gewahlt haben.« Aelools Augen schienen sich ganz auf die Olive auf dem Boden seines Glases zu konzentrieren, das er jetzt leicht kippte, um zuzusehen, wie sie nach unten rollte.

»Seit gestern Abend ist der Agent verschieden. Wir vermuten, Cally O’Neal hat erfahren, dass er am Leben war, und hat ihn getotet. Wir sind immer noch dabei, Informationen zu sammeln.«

»Das ist keine Kleinigkeit.« Die Haltung des Aliens lie? O’Reilly Besorgnis erkennen. Er war zum Experten in der Kommunikation mit Indowy im Allgemeinen und diesem Indowy im Speziellen geworden. Er stellte jetzt sein Glas bedachtig auf den Tisch und sah dem Menschen in die Augen.

»Ich ware sehr dankbar, wenn Sie einen halben Schuss aus jener Flasche in mein Glas gie?en wurden.« Aelool sa? vollig reglos und ohne jeden Ausdruck da und wartete, bis sein Gastgeber seinen Wunsch erfullt hatte. »Mir ist bewusst, dass Sie in der Psychologie nicht Ihrer eigenen Spezies angehoriger Sophonten sehr erfahren sind, Father O’Reilly, aber ich frage mich, ob Sie wirklich begreifen konnen, wie nachteilig meine Leute auf diesen Zwischenfall vermutlich reagieren werden.« Er rieb sich mit einer Hand langsam uber das Gesicht. »Wie haben Sie bis jetzt reagiert?«

»Ich habe Michael O’Neal senior unverzuglich hierher in Marsch gesetzt und soeben Sie von dem Vorfall informiert. Miss O’Neal ist aus freien Stucken heute am spaten Vormittag hier eingetroffen, sodass ich bis jetzt noch keine Notwendigkeit sah, irgendwelche Ma?nahmen zu treffen, um ihre Anwesenheit sicherzustellen. Bis jetzt hat noch niemand versucht, unsere Besorgnis mit ihr zu diskutieren.« Er griff nach der Flasche und schenkte dem Indowy nach. In den vergangenen zwanzig Jahren hatte er Aelool bis jetzt vielleicht zweimal Alkohol konsumieren gesehen. Die Auswirkung von Alkohol auf Indowy war ein wenig intensiver als auf Menschen, selbst unter Berucksichtigung der unterschiedlichen Korpermasse. Sie tranken selten.

»Gut. Ich wurde vorschlagen, dass Sie das auch unterlassen. Sie werden sich von ihr Informationen besorgen mussen, das verstehe ich. Das wird den Schaden nicht sehr mindern, aber zumindest wird es hilfreich sein, wenn O’Neal senior in dieser Angelegenheit samtliche Gesprache mit ihr fuhrt. Obwohl ihr Menschen keine Clans wie wir habt, wird fur meine Leute der Eindruck entstehen, dass sie sich vor ihrem Clan-Oberhaupt fur ihre Handlung hat verantworten mussen. Das wird nicht sehr viel bewirken, aber immerhin ein wenig. Wie Ihnen sicherlich klar ist, ist ein solches Zusammentreffen, wenn es zu Fehlverhalten gekommen ist, bei den Indowy an und fur sich bereits eine sehr ernsthafte Konsequenz.«

»Wird es ausreichen?«

»Keineswegs. Dass Sie auch nur die Frage stellen, illustriert das Problem in gewissem Ma?e. Aber, immerhin wird es ein Anfang sein und vielleicht die Voraussetzung dafur schaffen, den verbleibenden Schaden im Laufe der Zeit zu heilen, immer vorausgesetzt, dass mit der gebotenen Sorgfalt vorgegangen wird. Ich werde, um es mit Ihren Worten auszudrucken, schnell reden mussen.«

Cally sa? in dem Besprechungszimmer, das Papa O’Neal reserviert hatte, als er dieses Gesprach noch vor dem Mittagessen mit ihr arrangiert hatte. Tatsachlich hatte es langer gedauert, als sie angenommen hatte, bis jemand Verbindung mit ihr aufgenommen hatte, und in der Abrechnung, die jetzt auf beiden Seiten angezeigt war, war dies ein interessanter Eroffnungszug.

Sie spielte Solitar auf dem Bildschirm, als der PDA sich meldete. »Jetzt ist’s so weit, und die Kacke ist wirklich am Dampfen.«

»Vielleicht«, sagte sie.

»Du teilst also meine Meinung. Dann ist es noch viel schlimmer, als ich angenommen hatte. Keiner von uns beiden wird hier lebend rauskommen, oder?«

»Halt die Klappe, Buckley.«

»Geht in Ordnung.«

Ein rothaariger Mann mit uralten Augen und einer Beule in der Wange kam zur Tur herein und setzte sich auf die Tischkante. Er roch nach Kautabak Marke Red Man und spuckte den Priem jetzt in den leeren Plastikkaffeebecher, den er in der Hand hielt; anschlie?end stellte er ihn auf den Tisch, nahe genug, um ihn jederzeit erreichen zu konnen, aber weit genug weg, um ihn nicht versehentlich umzusto?en.

»Cally, hast du Colonel Petane getotet?« Er sprach jedes Wort langsam und sorgfaltig aus, als wurde er die Antwort bereits kennen.

»Ja, allerdings, Grandpa. Das habe ich.« Sie klappte den PDA zu, lie? ihn in ihre Handtasche fallen, holte eine Zigarette heraus und zundete sie an, ohne ihren Gro?vater dabei aus den Augen zu lassen. Dann stutzte sie den rechten Ellbogen in die linke Hand, zog an der Zigarette und wartete darauf, dass er etwas sagte.

O’Neal senior blieb einen Augenblick lang stumm und stutzte die Stirn auf die rechte Hand, ehe er mit ihr uber sein Gesicht wischte und sich dann das Kinn rieb. Er griff nach dem Becher und spuckte noch einmal hinein, ehe er ihn wieder abstellte.

»Wei?t du, man hofft ja immer, dass man es irgendwie schafft, die nachste oder auch ubernachste Generation davon abzuhalten, dieselben Fehler zu machen, die man selbst gemacht hat. Das hat wohl mit dem Altwerden zu tun.« Er atmete tief und blieb dann eine ganze Weile stumm. »Wurdest du mir erklaren, was du dir dabei gedacht hast, als du zu dem Schluss kamst, dass das eine gute Idee ware?«

»Sicher, gar kein Problem. Wahrend meines Urlaubs erfuhr ich, dass jemand auf unserer Liste von Ermessenszielen irrtumlich als inaktiv gekennzeichnet war, weil der Datenspeicher ihn zu diesem Zeitpunkt falschlicherweise als verstorben erfasst hatte. Naturlich konnte er korrekterweise nicht als inaktiv betrachtet werden, da er ja tatsachlich am Leben war. Deshalb habe ich, da er ja auf der Liste der Ermessensziele gefuhrt wurde, gema? ublicher Organisationsdoktrin die Zielperson eliminiert und mich anschlie?end auf dem Stutzpunkt gemeldet, um meinen Einsatzbericht zu Protokoll zu geben und mich auf den nachsten Einsatz vorzubereiten.«

»Ich habe dich aber nicht als Advokaten gro?gezogen, junge Frau.«

»Jung ist ja wohl ubertrieben.« Sie blies einen perfekten Rauchring, der trage zu einer Abzugduse in der Decke emporschwebte.

»Aber so verhaltst du dich.«

»Du hast mich auch nicht dazu erzogen, einfach auf meine Verantwortung gegenuber meinen Teamkollegen zu schei?en.« Sie griff nach ihrem Plastikbecher mit Kaffee, blickte mit gerunzelter Stirn auf den braunen Kaffeesatz und schnippte ihre Zigarettenasche hinein.

»Zum einen: Team Conyers war nicht dein Team. Zweitens: Glaubst du ehrlich, dass das Team die Eliminierung einer potenziell nutzlichen Informationsquelle aus reinen Rachemotiven gebilligt hatte? Glaubst du das?«

»Zum einen: Du hast Recht. Sie waren nicht mein Team, sie waren ein Kollegenteam. Zweitens: Ich habe Petane nicht auf die Liste der Ermessensziele gesetzt, und was ich getan habe, habe ich auch nicht aus Rachemotiven getan. Soweit mir bekannt ist, hat man ihn auf diese Liste gesetzt, weil es einfach schlechte Politik ist, Leute, die Feldagenten verraten und damit ihren Tod herbeigefuhrt haben, weiter atmen zu lassen. Dass man ihn nicht von der Liste entfernt hat, ist fur mich ein Hinweis auf Folgendes: Irgendwo war sich jemand vollig daruber im Klaren, dass man einen Fehler gemacht hatte. Drittens hat eine grundliche Befragung nicht immer ergeben, dass Petane bis zur Stunde keineswegs eine nutzliche Informationsquelle war, sondern daruber hinaus auch, dass sein Potenzial fur kunftige Nutzlichkeit als Informationsquelle unbedeutend war. Wurdest du gerne meinen Bericht haben?«, erbot sie sich dann kuhl.

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