hier. Vielmehr ging er Vitapetroni im Augenblicklich ziemlich auf die Nerven, indem er uber seine Funfzehn-Uhr- funfzehn-Patientin schwadronierte.

»Das ist das Problem mit Agenten in ihrem Tatigkeitsbereich. Wenn jemand jahrelang als Killer eingesetzt wird, muss er ja schlie?lich mit der Zeit zum Psychopathen werden.«

»Mr. Wallace, Sie haben gerade deutlich gemacht, weshalb wir Psychiater es nicht mogen, wenn Laien unseren Jargon benutzen. Miss O’Neal ist ganz sicherlich keine Psychopathin.«

»Soziopathin, Psychopathin, was soll’s? Und solange man sie nicht gesehen hat, kann man das schlie?lich nicht behaupten? Wenn Sie schon mit einer vorgefassten Meinung an ihre Patienten herangehen, dann finde ich, wurden Sie allen einen Dienst erweisen, wenn Sie, na ja, ich will Ihnen ja nicht zu nahe treten, aber wenn Sie …«

»Agent Wallace, ich habe Ihren Vater als Berufskollegen bewundert, aber ich sollte Sie vielleicht daran erinnern, dass man nicht schon dadurch zum Psychiater wird, dass man einen Psychiater zum Vater hat.« Er atmete tief durch und gab sich alle Muhe, seinen professionellen Gleichmut zuruckzugewinnen. »Jay, wenn Sie reden mussen oder so, sollten Sie mit meiner Assistentin sprechen, sie gibt Ihnen dann einen Termin. Wenn Ihnen das lieber ist, brauchen wir es nicht einmal einen Termin zu nennen, aber jetzt muss ich mich wirklich um meinen Papierkram kummern, ehe am Nachmittag wieder die Patienten kommen. Tut mir Leid, wenn ich Sie rausschmei?en muss, aber wenn Sie mich entschuldigen wurden …«

»Ja, geht klar. Kein Problem. Ich werde dann eben spater kommen.« Der Agent zog sich ruckwarts durch die Tur zuruck und schloss sie hinter sich.

Der Doktor blickte ihm nach und starrte eine Weile die geschlossene Tur an, oder besser gesagt, starrte durch sie hindurch. Ich habe keinerlei rationale Grunde, die ich benennen konnte, abgesehen von kleinen Lastigkeiten wie das, was gerade jetzt vorgefallen ist, aber ich mag ihn einfach nicht. Ich habe ihn nie bei irgendwelchen unsauberen Dingen erwischt — na ja, jedenfalls nicht ofter als irgendwelche anderen Agenten -, und in seiner Akte ist absolut nichts, auch die Testergebnisse sind in Ordnung, aber ich kann den kleinen Mistkerl einfach nicht leiden. Und dieser ganze Cally O’Neal Schlamassel ist zusatzlicher Stress, den ich in dieser Woche ganz bestimmt nicht gebraucht habe. Verdammt noch mal, ich hob denen schon vor Jahren gesagt, was passieren wird, wenn sie je dahinterkommt, dass dieser Dreckskerl noch am Leben ist. Ich hab denen gesagt, sie sollen das geheim halten und aufpassen, dass sie nie nach Chicago kommt, damit sie nicht einmal zufallig auf ihn sto?t. Aber da hort naturlich keiner zu, und jetzt landet der ganze Schlamassel bei mir. Herrgott, ich bin wirklich urlaubsreif.

Um zehn nach drei klopfte es an Vitapetronis Tur, und er rief laut »Herein«. Das passte zu ihr, zu fruh zu kommen. Er wurde mehr Zeit brauchen, seine Eindrucke niederzuschreiben als sie zu gewinnen. Subjekt war ordentlich, aber leger gekleidet. Ausgebleichte, aber saubere Jeans und olivfarbenes T-Shirt, passend zur persona Cally. Den Kopf trug sie ein wenig schief. Wahrscheinlich unbehaglich mit einer Haarfarbe, die nicht zur augenblicklichen Rolle passt. Keine Kontaktlinsen, Augen Naturfarbe.

»Cally, wie geht es Ihnen? Kommen Sie rein und nehmen Sie Platz.« Als er nach ihrer Hand griff, stellte er fest, dass sie keinen Nagellack trug und ihre Nagel stumpf waren, als ob sie erst vor kurzem den Nagellack entfernt hatte. Ebenfalls zur persona Cally passend. Gut.

»Tag, Doc.« Sie lachelte strahlend, aber als sie in einem seiner bequemen, wenn auch billigen Polstersessel sa?, konnte er erkennen, dass sie die Arme dicht am Korper hielt, dass ihr Korper leicht abgeknickt war und sie ihm auch nicht gerade in die Augen sah. Ihre Hande waren nicht ineinander verschrankt, aber sie lagen beide in ihrem Scho?, und die Fingerspitzen beruhrten einander.

Er musterte sie mit hochgeschobenen Augenbrauen und wartete, wahrend er in seinem Schreibtischsessel Platz nahm. Der Schreibtisch stand an der Wand, sodass er keine Barriere zwischen ihm und dem Patienten bildete. Er wartete, aber sie war lang genug im Geschaft, um das Spiel zu beherrschen, und schlie?lich brachten die denen bei, nicht rumzuplappern. Sie tat nichts, um das Schweigen zu beenden.

»Das war keine rhetorische Frage. Ich habe das so gemeint. Wie geht es Ihnen?«

»Mir ist’s schon besser gegangen. Die Arbeit war in letzter Zeit ziemlich anstrengend.« Ihr Tonfall klang immer noch unecht frohlich.

»Aber Ihr augenblickliches Problem ist ja nicht auf Ihre Arbeit zuruckzufuhren, oder?« Er machte sich ein paar Notizen auf seinem zweiten PDA, dem einzigen, der im Augenblick im Raum war, was insofern ungewohnlich war, als er uber keinerlei KI verfugte. Er vertraute den Dingern nicht. In seinem Beruf hatte er zu viele wirklich verkorkste Programmierer kennen gelernt, um ihren Imitationen des menschlichen Bewusstseins vertrauliche Patientendaten anzuvertrauen. Das hatte nichts damit zu tun, dass er schon einmal versucht hatte, einen Buckley zu behandeln. Es hatte ein schlimmes Ende genommen.

»Oh, ich denke, das ist Ansichtssache, finden Sie nicht?« Ihre Stimme klang jetzt leicht gereizt.

»Na ja, man hat mir gesagt, Sie hatten einen Bane Sidhe Agenten getotet. Wahrend Sie eigentlich im Urlaub sein sollten. Das ist, wie Sie ganz richtig erklart haben, deren Ansicht. Ich wurde gerne die Ihre horen«, sagte er.

»Okay. Auf der Liste der Ermessensziele befand sich ein Individuum, das irrtumlich als tot gelistet war. Mir ist der Fehler und der Standort der Zielperson aufgefallen. Ich hatte Zeit, mir war nach einem kleinen Ausflug, und ich habe die Zielperson eliminiert und meinen Bericht abgeliefert. Wenn die Organisation nicht mochte, dass ein bestimmtes Individuum getotet wird, dann sollte die Organisation dieses Individuum vielleicht, ich sage ausdrucklich vielleicht, nicht auf der Ermessenszielliste haben.« Sie lachelte dunn.

»Petane war auf der Ermessenszielliste? Okay. Also, sehen Sie, eigentlich ist es ja nicht meine Aufgabe, Ihren Abschlussbericht fur die Organisation entgegenzunehmen. Das ist etwas fur die Ops. Mein Job ist es, Ihren mentalen Zustand zu bewerten. Da Sie und alle anderen darin ubereinstimmen, dass Sie ihn getotet haben, sollten wir vielleicht damit beginnen, was Sie in Bezug auf seine Person empfunden haben und wie Ihre Gefuhle zu dem Zeitpunkt waren, als Sie beschlossen haben, ihn zu toten?«

»Welche Gefuhle? Er war am Leben. Er sollte tot sein. Das habe ich erledigt.«

»Kommen Sie schon, Cally, machen Sie das nicht schlimmer als es unbedingt sein muss. Irgendwelche Selbstmordgedanken?«, fragte er.

»Ach was, nein.« Sie sah ihn missbilligend an.

»Verspuren Sie den aktiven Wunsch zu leben?« Er machte sich eine Notiz.

»Aber sicher«, sagte sie.

»Dann konnen Sie das zeigen, indem Sie mit mir sprechen. Bitte versuchen Sie sich daran zu erinnern, was Sie empfanden, als Sie beschlossen haben, Colonel Petane zu toten.« Er blickte auf. In dieser Phase musste er ihre Korpersprache besonders sorgfaltig beobachten.

»Ihre Tour gefallt mir wirklich, Al.« Sie grinste sarkastisch.

»Ware es Ihnen lieber, wenn ich Sie anluge? Ich denke doch wohl nicht. Erinnern Sie sich, wo Sie waren, als Sie den Beschluss gefasst haben, Petane zu toten?«, beharrte er geduldig.

»Charleston. Zu Hause«, sagte sie.

»Und was haben Sie empfunden, als Sie die Entscheidung getroffen haben?«

»Verstimmt, ja? Verstimmt fuhlte ich mich, verargert.« Ihre Finger tippten nervos auf dem Verschluss ihrer Handtasche, und schlie?lich, offenkundig nach einem kurzen inneren Kampf, holte sie sich eine Zigarette heraus und zundete sie an.

»Vielleicht ein wenig verraten?« Er schob ihr einen Aschenbecher hin.

»Wurden Sie das nicht so empfinden?«, fragte sie.

»Vielleicht. Kamen Sie sich ein wenig verraten vor?«, wiederholte er.

»Ja, schon.« Sie seufzte. Ihre Finger ballten sich zu Fausten, offneten sich wieder.

»Und waren Sie vorzugsweise uber Petane verstimmt oder uber die Bane Sidhe oder uber sonst jemanden?« Wenigstens redete sie.

»Uber die Bane Sidhe war ich verstimmt, okay?« Sie beugte sich vor, stippte Asche in den Aschenbecher, hielt aber die Arme immer noch dicht am Oberkorper.

»Das kann ich verstehen. Wurde es Ihnen etwas ausmachen, selbst wenn die Grunde vielleicht nahe liegend sind, mir diese Grunde zu schildern?«, fragte er sanft.

»Die Bane Sidhe hat seit dem Neukontakt immer die Linie vertreten, Leute, die unsere Agenten toten, oder solche, die unsere Leute verraten, sofern das zu ihrem Tod fuhrt, nicht am Leben zu lassen. Das ist eine sehr klare

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