ganz gleich, wie man es auch sieht. Ja, er hat es verdient zu sterben, aber wahrscheinlich hatte es auch niemandem geschadet, ihn leben zu lassen.« Er klopfte auf seine Tasche und wollte schon den Tabak herausziehen, sah dann aber auf das Tablett und schuttete stattdessen Sirup uber seine Pfannkuchen.
»Ich kann’s einfach nicht glauben, dass du so etwas sagst. Team Conyers hat schlie?lich auch deinen Hintern gerettet, als die Posleen den Pass heraufkamen. Bedeutet dir das denn
»Na klar. Ich finde, die hatten beschissenes Pech, dass sie so jung gestorben sind …«
»Umgebracht wurden!«, fiel sie ihm ins Wort.
»Yeah, das kommt in diesem Geschaft uber kurz oder lang immer mal vor. Und ich kann dir jetzt gleich sagen, dass ich nicht mochte, wenn mich mal irgend so ein Mistkerl oder auch ein Rudel Mistkerle erwischt, dass du jemanden umbringst, den man dir nicht ausdrucklich zu toten befohlen hat, blo? weil du glaubst, das mir schuldig zu sein. Du hast durchaus meinen Segen, dafur zu pladieren, dass jemand, der daran beteiligt war, kalt gemacht gehort, und kannst meinetwegen auch den Einsatz ubernehmen, wenn er befohlen wird, aber ich mochte nicht, dass du so etwas noch einmal tust. Ich glaube auch nicht, dass Team Conyers das gewollt hatte«, fugte er hinzu.
»Das willst
»Du wirst jemandem, der in der Hierarchie uber dir steht, die Entscheidung daruber uberlassen, wer tot sein soll, sonst frisst dein Job dich bei lebendigem Leib auf. Du brauchst ein
»Hor mal, wie war’s, wenn wir jetzt essen wurden, ehe der Kaffee kalt wird?« Sie nippte an ihrer Tasse, verzog das Gesicht und ruhrte Maissirup und Sahne hinein.
»Schon gut. Schau mal, ich bin nicht nur deshalb hierher gekommen, um dir die Holle hei? zu machen. Der Einsatz lauft, und das bedeutet, dass wir morgen unsere Einsatzbesprechung abhalten mussen. Du kannst mich jetzt entweder sofort ins Bild setzen, und dann ubernehme ich die Information des Teams, oder du kannst das selbst ubernehmen. Dein Stubenarrest ist aufgehoben und logischerweise hast du auch wieder Computerzugang«, erklarte er.
»Was, einfach so?« Sie musterte ihn unglaubig.
»Oh, es wird naturlich irgendeine formale Entscheidung oder einen Abschluss oder so etwas geben, wenn wir zuruckkommen, aber fur den Augenblick haben die entschieden, dass dieser Einsatz viel zu kritisch ist, um ihn abzubrechen, und es ist auch viel zu spat, ihn jemand anderem zuzuteilen.«
»Okay«, nickte sie.
»Okay? Hattest du vor, dich auf die Ersatzbank setzen zu lassen, oder was sollte das?« Er wirkte wutend.
»Du wei?t doch, was das sollte, verdammt! Komm mir jetzt nicht mit Psychogebrabbel, Grandpa.« Sie nahm einen Schluck von ihrem Kaffee.
»Ich spreche nicht davon, dass du Petane getotet hast. Ich spreche davon,
»Oh, selbstverstandlich nicht.« Sie fuhr sich mit den Fingern durch die braunen Locken und verzog das Gesicht. »Schau mal, der letzte Einsatz war ziemlich stressig, und vielleicht hast du ja mit dem Recht, was du da von wegen
»Und dich nicht gerade
»Hey, ich habe versprochen, Urlaub zu nehmen, aber nicht, dass ich mit der gro?en Liebe meines Lebens sesshaft werden und sechs Kinder auf die Welt bringen will, klar?« Sie sah erneut auf die Flasche mit dem Sirup, schuttelte dann aber den Kopf und a? ihre Pfannkuchen, ohne Sirup daruber zu schutten. Der Geschmack von Ahornsirup ging ihr im Augenblick auf die Nerven.
Vitapetroni trug sein Tablett mit dem Mittagessen in das kleine Nebenzimmer und schloss die Tur. Die Wande waren mit Werbeplakaten fur beruhmte Stadte geschmuckt, Plakaten aus der Vorkriegszeit. Er setzte sich so hin, dass er Paris den Rucken zukehrte, und lie? seine Augen uber das Panorama von Venedig wandern, ehe er den jungen alten Mann auf der anderen Seite des Tisches ansah.
»Lisel, Wanzensuche, bitte.«
»Sehr gerne.« Die rauchige Stimme aus dem PDA des Doktors entsprach nicht gerade den Vorstellungen, die man von einem wurdevollen Psychiater hatte.
»Die einzigen Wanzen hier sind ich und Mister O’Neals AID, und Susan wurde uns sicherlich nicht belauschen«, meldete der PDA dann.
»Susan, hor nicht zu, bis ich wieder deinen Namen nenne«, befahl Papa O’Neal.
»Geht klar, Mike, wie war’s, wenn wir beide uns auf die Bahamas verdrucken und du dort eine ehrliche Frau aus mir machen wurdest? Schalte ab.« Dann herrschte Stille.
»Lisel, bitte abschalten.« Vitapetroni setzte sich.
»Aber sicher, Doktor«, schnurrte sie. »Wiedersehen.«
»Sie haben eine Lisel auf Ihren Buckley geladen? Fuhrt das nicht haufig zu Absturzen?«, fragte Papa O’Neal.
»Ich hab die Emulation ganz runtergeschaltet. Hab einfach kein Vertrauen zu kunstlicher Intelligenz. Ich wei?, dass unsere AIDs und Buckleys sauber sind, es ist nur … wissen Sie, Xeno-Geschichte ist eines meiner Hobbys, und ich habe fur die Betrachtungsweise der Indowy durchaus Verstandnis.« Er a? ein Stuck seines Taco und schien sogar Geschmack daran zu finden.
»Aber auf Papier sind Sie nicht zuruckgegangen?«, witzelte O’Neal.
»Ich habe gesagt, dass ich misstrauisch bin, nicht etwa Luddit.« Der Doktor holte ein kleines Flaschchen mit scharfer So?e aus einer Tasche und traufelte etwas davon auf sein Essen.
»Wissen Sie, Habanera So?e ist eigentlich Schwindel. Okay, Doc, es ist Ihr Groschen«, sagte er.
»Groschen? Jetzt wei? ich also endlich, wie alt Sie sind, Sie alter Knackerkollege.« Er kniff sich in den Nasenrucken. »Was Cally betrifft … und zuallererst mochte ich klarstellen, dass ich mit Ihnen als Callys Teamleiter spreche, nicht etwa ihrem Gro?vater. Die Vertraulichkeitsregeln lassen das eine zu, aber nicht das andere.«
»Ja, ich wei? Bescheid. Nur zu, sagen Sie, was Sie sagen mussen.« Er griff nach dem Flaschchen und goss ein wenig in seine Chili-Schale.
»Es gibt da schon einiges, was ich nicht weitergegeben habe. Sie lie? nach dieser Totung physische Anzeichen von Schuldgefuhl erkennen.« Er schluckte und warf einen schnellen Blick auf die Tur. »Das konnte gut sein oder schlecht, je nachdem wie sie damit umgeht. Fur den Einsatz ist sie wahrscheinlich okay, sonst hatte ich es erwahnt, aber … ich mochte, dass Sie ein Auge auf sie haben.«
»Ist das alles?« Er strich sich Butter auf einen Mais-Muffin, fuhrte ihn halb zum Mund und blickte auf, wartete.
»Yeah, das ist es. Es hat wahrscheinlich nicht viel zu sagen, aber falls Sie vor Ort eingreifen mussen, psychologisch meine ich, sollten Sie das wissen.« Der Doktor gab etwas Pfeffer auf sein Maispuree.
»Und fur welches Team sind Sie? Ich mag Charleston.« Papa O’Neal nahm einen Loffel Chili, uberlegte einen Augenblick und goss dann noch mehr So?e drauf.
»Das ist reiner Lokalpatriotismus. Ich sage, Indianapolis wird die fertig machen.«
»Soll das ein Witz sein? Die Braves haben seit dem Krieg erst ein einziges Mal den Wimpel nach Hause getragen. Selbst meine arthritische Gro?mutter konnte die schlagen.« Er grinste.
