Genauer gesagt, die Darhel hatten ihre ortlichen Bankkonten uberpruft und auch ihre personlichen Nummernkonten, die jeder insgeheim in diskreten Landern eroffnet hatte, und ihr Geld war unangetastet, seit Worth am Vormittag des Zehnten einen bescheidenen Betrag abgehoben hatte. Es war fast nicht vorstellbar, dass jemand, der fur die Darhel arbeitete, kein Geld von ihnen hatte.

Wenn er raten musste, hatte er gesagt, dass das, was auch immer geschehen war, im Chicagoer Apartment von Worth abgelaufen war. Fiek wohnte in demselben Gebaude, und obwohl Worth die meiste Zeit nicht dort lebte, benutzte er die Wohnung doch haufig, wenn er in der Stadt war. Er hatte die beiden Apartments personlich zusammen mit einem Cousin durchsucht, der fruher im Sheriffsburo in Silverton tatig gewesen war. Bobby hatte gesagt, fur ihn sahe Worth’ Apartment ein wenig zu sauber aus, und hatte darauf hingewiesen, dass es dort keinerlei Staub oder irgendwelche Flusen gab, auch nicht unter der Wand, wo das seltsame Zeug angeschraubt war. Johnny hoffte, dass er nie erfahren wurde, was sein toter Chef damit angestellt hatte. Zumindest so lange nicht, bis er sich beruflich damit befassen musste.

Seinen Cousin ins Geschaft zu bringen war einer der Grunde fur ihn gewesen, diesen Job anzunehmen, und er war stolz darauf. Ein Mann musste sich schlie?lich um seine Angehorigen kummern. Und nachdem man Bobby rausgeschmissen hatte, weil er bei der Arbeit high gewesen war, hatte Johnny die Chance erkannt, die sich ihm damit bot, und war Bobby behilflich gewesen, hatte sich die Nanodrogen beschafft, um den Affen von seinem Rucken zu holen und ihm ein Einkommen verschafft, an das seine Ex-Frau nicht rankonnte. Es machte ihm richtig Spa?, diese Situation in Ordnung zu bringen. Brenda war eine billige Hure, und sie war Jimmy Simms’ Kind, nicht etwa Bobbys, und das wusste jeder in der Stadt. Der Richter wusste leider au?erdem noch, dass Jimmy ein nutzloser Saufer war, der nach wie vor bei seiner Mama lebte, und deshalb hatte er dem armen Bobby die Rechnung angehangt, sodass der fur den Bankert der Schlampe sorgen musste. Johnny hatte viel fur Kinder ubrig, fur Mary Lynn wurde er alles tun und hatte das auch fast getan, aber so etwas war einfach nicht in Ordnung.

Also, Worth und Fiek hatte man irgendwann am Wochenende des Zehnten in seinem Apartment alle gemacht. Mehr hatte er nicht in der Hand. Worth hatte sein Aussehen verandert und seine Verhaltensmuster so oft gewechselt, dass normale Suchtechniken bei ihm einfach nicht funktionieren wurden. Und deshalb wurde Johnny, wenn er sich nicht ganz schnell eine verdammt gute Geschichte einfallen lie?, ziemlich in der Schei?e sitzen.

»Okay, Leanne, ich brauche Akten uber alle, gedruckt, soweit du rankannst, auf meiner Arbeitsflache, und daruber hinaus alles, was wir uber den Tod jedes einzelnen Kandidaten wissen.« Keine Frauen. Das war seltsam, aber eine ganze Menge ihrer Leute im Feld waren Kerle, also konnte das auch reiner Zufall sein. Nun gut, ehe er sich um die Kleinigkeiten kummerte, wurde er versuchen, sich ein Gesamtbild zu machen.

»Leanne, eine Weltkarte, etwa so gro?.« Er breitete die Arme aus und sah zu, wie die holographische Illusion eines gro?en Flachbildschirms vor ihm in die Luft projiziert wurde.

»Steck eine Nadel dorthin, wo jeder gestorben ist. Moment mal, sind das drei? Chicago vergro?ern. Wer ist diese dritte Nadel?«

»Welche dritte Nadel?« Das AID klang verwirrt. Die Dinger waren ziemlich schlau, aber manchmal tickten sie trotzdem nicht ganz richtig.

»Welcher von den Toten, die du au?er Fiek und Worth gerade genannt hast, war in Chicago?«

»Petane, Charles.«

»Was du nicht sagst. Danke, Leanne. Geh auf Standby.« Es gab da einen Trick, um mit den AIDs umzugehen, ein paar alte Veteranen hatten ihn aus dem Krieg mitgebracht. Das Entscheidende war, dass man seine Gedanken fur sich behielt, wenn man irgendetwas vorhatte oder plante. Sie zeichneten standig alles auf, aber dass sie Gedanken lesen konnten, war bis jetzt noch nicht bekannt geworden. Der Trick in einer solchen Situation bestand daher darin, dass man seine Gedanken fur sich behielt, alles in die Datei eingab und die einzelnen Punkte miteinander verband, auch wenn sie nicht genau zueinander passten, und dann dem AID seine Interpretation vortrug, so, als wurde man laut denken. Wenn man eine ganze Menge aufzeichnen konnte, war es leicht, die Dinge zu vergessen, die man nicht aufzeichnen konnte. Und au?erdem, wer wei?, vielleicht wurde er etwas finden.

Okay, Petane — die Uberdosis. Das war gut. Aus einer Rauschgiftuberdosis konnte man immer etwas Verdachtiges machen. Das Schlimme war, dass es nicht auch ein Fall von Verschwinden war, aber er wurde das so hinstellen, dass »sie« raffiniert genug waren, ihre Methoden zu andern. Die Gerichtsmedizin hatte es als Unfall eingestuft, aber das hatte nichts zu besagen. Zuallererst wurde er dafur sorgen mussen, dass seine eigenen Leute irgendwelche gespeicherten Gewebeproben in die Hand bekamen und sie durch die Mangel drehten. Im Bett seiner Freundin gefunden. Musste hart fur die Frau sein. Die Freundin stand unter Rauschgift, die Bullen nahmen an, dass er es ihr verpasst hatte, und war nicht bei Bewusstsein, als er neben ihr starb. Und nicht um dem zu viel Bedeutung beizumessen, aber die Gerichtsmedizin hatte erklart, dass er nicht gekommen war. Wenn das nicht zum Himmel stank. Gut. Keine Ahnung, wer den geilen Kotzbrocken wirklich alle gemacht hatte. Vielleicht die Frau. Hochst unwahrscheinlich, dass es etwas mit den Darhel zu tun hatte. Er hatte nur einmal etwas Nutzliches getan, und das lag jetzt drei?ig Jahre zuruck. Trotzdem, wenn er die Story gut genug machte, war das wesentlich besser, als letztlich mit leeren Handen dazustehen.

Unter einem Kornfeld in Indiana

Sonntag, 26. Mai, 04:00

Fur die letzte Besprechung vor dem Einsatz waren sie in demselben Konferenzraum wie am vorhergehenden Donnerstag versammelt. Der billige klappbare Konferenztisch und die nackten GalPlas-Wande sahen auch nicht besser aus, wenn man sie ein paarmal gesehen hatte, aber der Kaffee war gut, und die Maisbrotchen waren … na ja, zumindest waren sie vorhersehbar.

»Okay, Leute, noch einmal. Cally, du zuerst.« Papa O’Neal, mit hellbraunem Haar und ohne seinen ublichen Kautabak ein recht seltsamer Anblick — aber immerhin spuckte er dennoch abwesend in einen Becher.

»Gepackaufgabe um sechs, Sicherheit gegen sechs funfundvierzig, im Frauenbereich gegenuber dem Gate Sierra Six in der Abfluglounge bis sieben null funf. Sobald ich dort bin, werde ich, falls ich Grandpa und Tommy nicht sehe, eine ›Angekommen‹-SMS schicken, damit ihr wisst, dass ich an Ort und Stelle bin. Ich warte, bis mein PDA mir sagt, dass die Zielperson in Bewegung ist. Wenn sie dann reinkommt, verpasse ich ihr eine Tranquilizer- Spritze, tausche mit Tommys Hilfe mit ihr die Kleidung, gehe wieder raus und nehme den Shuttle zur Basis Titan et cetera«, sagte sie und deutete auf Jay. Ihr platinblondes Haar war ungekammt, und die wei?en Sweat Pants und das zu weite Mannersweatshirt mit waagerechten blauen und wei?en Streifen brachten ihre Figur bestens zur Geltung, wobei bestens wirklich das richtige Wort war. Kontaktlinsen lie?en Sindas kornblumenblaue Augen in einem unauffalligen Graubraun erscheinen. Eine billige Brille mit null Wirkung sa? schlecht genug, dass sie ihr dauernd uber die Nase herunterrutschte, und sie schob sie nervos zuruck und knabberte hie und da verstohlen an einem Schokoriegel.

»Hey, wieso kriegt sie Schokolade und wir blo? das hier?«, fragte Tommy und starrte leicht angewidert auf einen Muffin.

»Gehort zu meiner Ausstattung«, erwiderte sie herablassend, rausperte sich und wackelte dann ein wenig, als wurde sie in neue Kleider schlupfen, als sie wieder in ihre Rolle zuruckkehrte. »Weiter, Jay.« Dabei schob sie Tommy verstohlen einen Schokoriegel aus ihrer Handtasche zu.

»Um funf funfundvierzig gehe ich durch die Gepackausgabe und gebe eine Tasche ab. Bis sechs funfzehn bin ich durch die Sicherheit. Um sieben bin ich in der Abflughalle S-6 und sitze mit einem Becher Eiswasser aus einer der Imbissbuden dort. Wenn Makepeace die Lounge betritt und Platz nimmt, begebe ich mich in ihre Nahe. Ich nehme ein kurzes Video der Zielperson und ihres Standorts auf und leite es an das Team weiter, damit Cally wei?, wo sie sitzen soll und welche Sachen ›ihr‹ gehoren. Wenn die Zielperson bis sieben dreizehn nicht von sich aus in die Damentoilette geht, stelle ich mich damlich an und kippe ihr den Inhalt meines Glases in den Scho?. Ich entschuldige mich uberschwanglich, und sobald sie zur Toilette geht, drucke ich den Knopf auf meinem PDA, der euch drei alarmiert. Wenn Cally als Makepeace wieder herauskommt, greift sie sich ans linke Ohr, um zu bestatigen, dass der Wechsel stattgefunden hat. Ich gehe mit Tommy und O’Neal zum Treffpunkt und treffe dort spatestens um acht Uhr drei?ig ein. Ich ziehe mich um, wir kehren uber den Frachteingang zum Hafen zuruck, gehen an Bord des Frachters und starten um elf funfzig zum Titan. Tommy?«

»Papa und ich treffen um null sechs funfundvierzig in Crewkleidung dort ein und haben Jays Kleider und die Uniformen der Sauberungscrew im Kofferraum. Wir ziehen uns im Frachter um und holen den Karren der

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