sauberen Mannerduft. Ihre Nasenflugel weiteten sich, als er sich uberschwanglich entschuldigte. Sie erteilte sich selbst den Befehl, ihre Reaktion auf ihn zu ignorieren.

Das ist ein Baby. Erinnerst du dich an den Letzten? Das fehlte ja gerade noch, dass du dich auf diesem Trip als Runderneuerte verratst. Makepeace ist nicht verjungt. Ich bin dreiundzwanzig. Trotzdem, Hande weg von dem Baby — und auch wenn er noch so gut riecht.

Im Inneren sah der Shuttle im Gro?en und Ganzen wie ein kleines Passagierflugzeug aus, mit dem Unterschied, dass die Sitzgurte funktioneller waren — Funf-Punkt-Gurte anstelle der mehr fur das Auge vorhandenen Beckengurte. Au?erdem waren im Deckenbereich Netze gespannt, um die wenigen losen Gegenstande bei Bedarf dort zu verstauen. Das war besser als die ublichen Klappfacher. Die Sitze wirkten ahnlich, waren allerdings nur dafur gebaut, den Korper ein oder zwei Stunden zu unterstutzen nicht etwa fur langere Flugzeiten. Sie lie?en sich nicht zuruckkippen, zur gro?en Erleichterung langbeiniger Passagiere. Allerdings besa?en sie Fu?stutzen in bequemer Hohe, um Indowy-Personal ein Mindestma? an Komfort zu verschaffen, wenn der Shuttle fur sie eingesetzt wurde. Wo in einer Passagiermaschine die erste Klasse gewesen ware, gab es in dem Shuttle ein paar Sitze, die fur Darhel-Anatomie konfiguriert waren. Ebenso wie die Sitze war auch die Beleuchtung ein wenig anders als im menschlichen Bereich.

»Wird es auf diesem Flug Darhel geben?«, fragte sie den Lieutenant.

»Nein. Warum fragen Sie?« Er sah zu ihr hinuber.

»Oh, einfach aus Neugierde, schlie?lich ist das fur mich das erste Mal off-planet. Ich habe hinten drei Indowy gesehen und dachte, wenn dies ein gemischter Flug ist …« Sie sprach den Satz nicht zu Ende.

»Oh. Na ja, es gibt wesentlich weniger Darhel als Indowy, Ma’am. Ich habe nie welche gesehen, die mit Menschen gereist sind. Die Darhel, meine ich. Wissen Sie, ich habe uberhaupt nur ein einziges Mal einen zu sehen bekommen. Und bei all den Gewandern sieht man eigentlich kaum etwas«, fugte er dann erganzend hinzu.

Sonntagmittag, 26. Mai

Wenn sie erwartet, dass der Trip nach drau?en eine lange Folge von Kartenspielen und Filmen ist, wird sie bald merken, dass sie sich da getauscht hat. General James Stewart grinste seinem Spiegelbild im Wandspiegel seiner Kabine zu und schob sich die ihm nicht vertrauten Lieutenantstreifen an seinem Kragen zurecht. Makepeace war eindeutig ein erfreulicher Anblick. Wahrscheinlich hatte sie gelegentlich Ruckenschmerzen, aber die dienten einer guten Sache. Viel zu jung — bei der Zusammenarbeit mit ihr wurde das einzige Problem sein, dass er die Hande von ihr lassen musste. Aber als allzu schwierig sollte sich das nicht erweisen, denn schlie?lich wurde sie sich nicht fur einen tollpatschigen Lieutenant wie Pryce interessieren.

Schei?e. Makepeace ist ein erfreulicher Anblick. Und Beed ist ein widerlicher Dreckskerl. Absichtlich hatte Pete das sicherlich nie getan. Wenn Vanderberg tatsachlich etwas damit zu tun gehabt hat, bring ich ihn um. Nee. Pete wurde so etwas einfach nicht tun. Wenn er das gewusst hatte, hatte er sie viel eher wegversetzt. Verdammt.

Das Schiff hatte vierundzwanzig Stunden Ubertragungszeit und mehrere verfugbare Frequenzen — mehr als genug Zeit, um jeden Tag gewaltige Mengen komprimierter und verschlusselter Daten inklusive Fehleruberprufung zu ubertragen. Na schon, die Ubertragungsverzogerung betrug etwas mehr als eine Stunde, aber das hatte ja eigentlich nur bei Gesprachen oder ihrem Textaquivalent etwas zu sagen. In der Praxis bedeutete das, dass der Wurfel mit seinem taglichen Arbeitspensum, als sie an Bord gekommen waren, bereits vor seinem Gepack in seinem Quartier eingetroffen war.

Als Tagesuniform an Bord war Seide Vorschrift, und Seide knitterte nicht sehr, also brauchte er sich eigentlich nicht umzukleiden. Aber er wollte Makepeace genug Zeit zum Umziehen lassen. Beim Eintreffen in der Abflughalle hatte er gesehen, dass sie sich umziehen musste, aber ein Lieutenant hatte nie gewagt, sie nach der Ursache zu fragen oder auch nur etwas zu bemerken, und deshalb hatte er den Mund gehalten.

Er lie? sich, wie er fand, angemessen Zeit, die Vormittagsakten zu sortieren. Beed wurde ihm ganz offensichtlich einiges abverlangen. Seine Unterlagen enthielten als »Hintergrundmaterial« samtliche Kriminalfalle der letzten zehn Jahre auf Titan, und dazu eine Unmenge statistischer Daten uber Militar- wie Zivilpersonal, das zurzeit auf Titan wohnte, sowie einen mit Anmerkungen versehenen Plan des Stutzpunkts einschlie?lich der sorgfaltig aufgezeichneten Beobachtungen des CID-Personals, das sie ersetzen wurden — die guten Viertel der Stadt, die schlechten Viertel der Stadt, Zuhalter, Dealer, wo sich die Nutten gewohnlich aufhielten, wo welches Glucksspiel angeboten wurde, welche Geschafte mit welcher Tong in Verbindung standen. Die Anmerkungen lasen sich wie ein Lexikon des Lasters. Das war so nutzlich, dass er bezweifelte, ob es Beeds Idee gewesen war.

Er summte mithilfe der Schiffssprechanlage ihr Quartier an.

»Was kann ich fur Sie tun, Lieutenant Pryce?«, meldete sie sich, nur Stimme, Video war abgeschaltet.

»Captain M-Makepeace? Ich dachte, Sie wurden vielleicht Zeit haben, sich mit mir zu treffen? Ich habe mir den taglichen Wurfel mit der Arbeit fur den General angesehen und wollte mit Ihnen daruber reden, wann wir anfangen konnen. Ich wei?, dass Sie sich noch nicht angemeldet haben, aber der General will offensichtlich vermeiden, dass wir uns langweilen«, fugte er ein wenig verlegen hinzu.

»Na, ist ja gro?artig. Ich hatte schon Angst, ich musste mir die Zeit mit alten Filmen und Monopoly vertreiben. Gibt es irgendwo auf diesem Schiff einen Schreibtisch, oder werden wir hier arbeiten mussen?«, fragte sie.

Dass sie die zusatzliche Arbeit so bereitwillig annahm, verschaffte ihr einen Pluspunkt bei ihm. Er uberlegte, ob sie versuchen sollten, in der Messe zu arbeiten, aber das wurde bedeuten, dass sie dann erst nach der zweiten Fruhstucksschicht anfangen konnten und kurz darauf bereits wieder fur die beiden Mittagsschichten unterbrechen mussten. Dann malte er sich aus, wie es sein wurde, mit Captain Sinda Makepeace in ihrer Kabine zu arbeiten, einem Wurfel von weniger als zwei Meter Seitenlange und mit ihrer Liege als einziger Sitzflache, und das eine ganze Woche lang. Manchmal war es wirklich nicht leicht, die richtige Entscheidung zu treffen.

»Ich denke, wir werden uns mit der Messe begnugen mussen, und zwar zwischen den Mahlzeiten, Ma’am«, sagte er.

»Soll mir recht sein. Sind Sie jetzt dorthin unterwegs?«

»Ja, Ma’am.«

»Gut. Dann sehen wir uns in ein paar Minuten dort.« Sie druckte den Knopf, der das Gesprach beendete.

Gegenuber fruheren Konstruktionen hatte man die modernen Kurierschiffe der Foderation dahingehend verbessert, dass die meisten Bereiche des Schiffes jetzt selbst wahrnehmen konnten, welche Spezies gerade durchkam und die Beleuchtung entsprechend anpassten. Die Wande reflektierten jede Version der Beleuchtung in einer fur die Insassen akzeptablen Art und Weise. Fur Menschen lief das auf ein schlammiges Braun hinaus, das keine bedruckenden Nebenwirkungen hatte. Trotzdem wirkten die grauen Seidenuniformen in Anbetracht der dusteren Wande ausgewaschen, sodass das amtliche Hellgrun der nur den Menschen zugeteilten Messe geradezu als Erleichterung wirkte. Mit Ausnahme der Erde selbst waren selbstverstandlich alle Essbereiche fur Menschen nach allgemeinem asthetischem Dekret der anderen galaktischen Rassen ausschlie?lich Menschen vorbehalten.

Sie war vor ihm eingetroffen, nun, ihre Kabine lag naher. Stewart sah, dass sie bereits eine halbe Tasse Kaffee intus hatte. Er nahm Haltung an und salutierte, machte dann aber die ganze Wirkung wieder zunichte, indem er mit dem Schenkel an einen Tisch stie?, zusammenzuckte und sich dann wieder aufrichtete.

Makepeace zogerte unglaubig, als sie gerade angefangen hatte, seine Ehrenbezeigung zu erwidern. Er grinste verlegen.

»Ich schatze, ich muss erst noch raumfest werden, Ma’am.«

»Geht schon in Ordnung, Lieutenant. Wie war’s, wenn Sie sich eine Tasse Kaffee holen wurden, dann konnen wir uns ja gemeinsam den Wurfel vornehmen, den der General uns geschickt hat«, sagte sie und lachelte.

»Fur Sie auch eine frische Tasse, Ma’am?«, fragte er.

Ihre Augen weiteten sich erschreckt, zweifellos malte sie sich aus, eine Ladung Kaffee auf den Scho? geschuttet zu bekommen.

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