»Ah, nein! Ich meine, ich habe genug, Lieutenant, vielen Dank.«

Das haben Sie allerdings, Captain, ganz sicherlich sogar. Vielleicht sogar ein wenig zu viel an den Schenkeln, aber alles andere ist wirklich genug. Stewart ging an ihr vorbei zur Kaffeemaschine und unterdruckte dabei ein Grinsen.

Nachdem er seinen Kaffee abgestellt und Platz genommen hatte, zog er seinen PDA heraus und sah sie einen Augenblick lang an, ehe sein Blick sich von ihren Augen loste und sich auf einen Punkt irgendwo uber ihrer linken Schulter konzentrierte.

»Darf ich offen sprechen, Ma’am?«

»Was haben Sie auf dem Herzen, Lieutenant?« Sie beugte sich vor, legte die Hande ubereinander und sah ihn an, ein Bild ungeteilter Aufmerksamkeit.

»Ma’am, wie viel hat man Ihnen uber diesen Job gesagt?«

»Sehr wenig, Lieutenant. Falls Sie etwas aus der Geruchtekuche anzubieten haben, ware das sehr hilfreich.«

»Sie kommen doch aus der Personalverwaltung, stimmt das, Ma’am?« Als sie nickte, fuhr er fort: »Na ja, worin besteht denn dort die Arbeit?«

»Also ich wei? jetzt nicht recht, warum Sie das wissen wollen, aber in erster Linie hatte ich dafur zu sorgen, dass die richtigen Leute auf die richtigen Posten kamen. Das bedeutet, dass ich die Stellenanforderungen uberpruft habe, um mich zu vergewissern, dass sie korrekt waren und nicht etwa ein bisschen verbogen, damit jemand seinen Kumpel unterbringen konnte. Na ja, nicht sehr naturlich«, korrigierte sie sich. »Meistens habe ich die Positionen abgefragt und Optimierungsprogramme laufen lassen und dann hinter den Computern her gepruft, um sicherzugehen, dass deren Empfehlungen auch vernunftig waren. Der menschliche Faktor, Sie wissen schon.«

»Nun ja, Madam, diese Position ist moglicherweise ein wenig … anders … als das, was Sie erwartet haben.«

»Also, konkrete Erwartungen hatte ich eigentlich gar nicht. In welcher Hinsicht anders, Lieutenant Pryce?«

Bei fast jedem erfahrenen Offizier von Fleet Strike hatte das, was er da gesagt hatte, Alarmsignale ausgelost. Falls ein solches Signal auch in Makepeaces Bewusstsein aufgeflackert war, lie?en ihre ernst und ein wenig verwirrt blickenden blauen Augen zumindest nichts davon erkennen. Sie beugte sich nur ein wenig weiter vor, und das verstarkte den Eindruck aufmerksamen Zuhorens eher noch ein wenig.

»Ma’am, erinnern Sie sich vielleicht daran, dass Sie auf dem College ein von einem Computer gelehrtes Wahlfach belegt hatten, das sich Geschichte der juristischen Verwaltung nannte?«

»Okay, was ist damit?«

Ihre blauen Augen wirkten immer noch aufmerksam, aber sonst ohne jeden Ausdruck. Stewart hatte das Gefuhl, einem Zombie gegenuberzusitzen.

»Ma’am, General Beed liebt Papier.«

»Na schon. Das kommt nicht sehr haufig vor, aber manchmal sammeln die Leute hochst ungewohnliche Dinge. Hat er die Sammlung in seinem Buro oder so etwas? Ich werde ihr naturlich die gebotene Bewunderung zollen. Vielen Dank fur …«

»Nein, tut mir Leid, wenn ich Sie unterbrechen muss, Ma’am, aber das habe ich nicht gemeint. Er sammelt nicht Papier, er besteht darauf, mit Papier zu arbeiten.«

»Ich wei? nicht, ob ich Sie richtig verstehe.« Sie legte den Kopf etwas zur Seite und wartete darauf, dass er deutlicher wurde.

»Ma’am, der General benutzt kein AID, er benutzt keine Computer. Die einzigen elektronischen Gerate in seinem Buro, bei denen ich sicher bin, dass er sie benutzt, sind die Beleuchtung und die Lebenserhaltung. Oh, und die Kaffeemaschine«, fugte er hinzu.

»Papier?«, flusterte sie, und endlich dammerte so etwas wie das Licht der Erkenntnis in ihren Augen. »Also, ich muss schon sagen, das … das ist etwas Besonderes.« Sie hielt inne, offensichtlich tief in Gedanken. Stewart begann zu argwohnen, dass sie sich leicht in Gedanken verlieren konnte.

»Wie schafft er denn damit seine Arbeit?«, fragte sie.

»Ma’am, Fleet Strike hat Sie zum Captain befordert und Sie hierher geschickt, weil Ihre Ausbildung der einer Anwaltssekretarin am nachsten kommt. In diesem Fall sind Sie sozusagen die am besten geeignete Person fur die offene Stelle. Ich furchte, das bedeutet, dass diese Position ein wenig anders ist als das, woran Sie gewohnt sind, Ma’am«, schloss er.

Er vermied sorgfaltig zu erwahnen, dass ihre Beforderung vielleicht gewisse Ahnlichkeit mit einem Trostpreis eines Kollegen im Personalbereich hatte, der damit sein schlechtes Gewissen uber den miesen Job beruhigte, den er ihr hatte anhangen mussen. Eigentlich sollten Beforderungen nicht so vorgenommen werden, aber die Erbsenzahler hielten gewohnlich zusammen.

Sie strich sich mit der linken Hand uber das Haar, was eigentlich vollig uberflussig war.

»Lieutenant Pryce, ein guter Offizier von Fleet Strike geht dorthin, wo man ihn hinschickt, und tut, was man von ihr verlangt.« Sie zuckte die Achseln. »Ich vermute, ich werde mich ein wenig mit Papier befassen mussen.«

»Ja, Ma’am.«

»Danke fur den Hinweis, Pryce.« Sie schenkte ihm ein strahlendes Lacheln, und Stewart war plotzlich froh, dass er auf der anderen Tischseite sa?. »Jetzt zu der Arbeit, die Sie erwahnt haben. Sollten wir nicht besser damit anfangen?«

Okay, sie hat Mordstitten, und ihr Gesicht und ihre Haare sind auch nicht ubel. Schon ware sicherlich kein zu starker Begriff dafur. Aber um Himmels willen, Mann, du bist nicht mehr siebzehn! Nicht in ihrer Kabine zu arbeiten, ist eindeutig eine gute Idee, ein standiger Abstand von zwei Metern ware wohl etwa richtig. Unglucklicherweise rief das in ihm die Vorstellung der Art von Tatigkeit wach, die er gerne in ihrer Kabine verrichten wurde, darunter auch ein erstaunlich lebendiges Bild ihrer nackten Bruste in seinen Handen — er verdrangte den Gedanken und gab ihr die Kopie, die er von dem ursprunglichen Wurfel hergestellt hatte. Ein kleiner elektrischer Funke sprang zwischen ihren Handen uber, und er atmete scharf ein. Die Tussi war vermutlich strohdumm, aber offensichtlich gab es da doch eine gewisse chemische Reaktion, wie sie bei jedem gesunden, normalen jungen Mann auf eine wie sie gebaute Frau zu erwarten war. Nicht, dass er jung gewesen ware. Aber sein Korper war vermutlich der Ansicht. Das wurde eine lange Woche werden.

Cally war nach dem Abendessen in ihre Kabine entkommen. Da es sich um ein Schiffsquartier handelte, glich diese einem Besenschrank, in den man das notige Mobiliar und die erforderliche Elektronik hineingezwangt hatte, alles, mit Ausnahme einer Toilette. Die befand sich ein Stuck weiter unten am Flur und war nicht gerade so konstruiert, dass sie die Privatsphare ihres Benutzers sonderlich gut schutzte. Die Konstruktionsdaten fur diese Schiffe waren festgelegt worden, als es bei Fleet Strike nur eine verschwindend geringe Zahl weiblicher Menschen gegeben hatte, und im Ubrigen hatte die Flotte ohnehin eine recht lockere Einstellung zu Fragen des Schamgefuhls entwickelt. Das hatte dazu gefuhrt, dass ihre Duschschicht am Morgen unversehens starker bevolkert gewesen war, als das unbedingt notig gewesen ware. Ein paar von den Soldaten, die in ihrer Schicht geduscht hatten, waren mit Sicherheit fur eine andere eingeteilt gewesen. Aber da keiner sie anfasste, und auch alle mit ihren Blicken einigerma?en diskret waren — und Makepeace auch hinreichend damlich war, um damit klarzukommen -, tat sie so, als wurde sie nichts bemerken. Was sie bemerkte, war, dass der Lieutenant nicht zu ihren verdeckten Bewunderern gehorte. Er war fur dieselbe Schicht eingeteilt, hielt sich aber bei den Duschen weiter hinten an der Wand auf. Und wenn er sie anstarrte, tat er das wenigstens so, dass er dabei nicht erwischt wurde.

Sie und Pryce hatten mit den anderen Offizieren und ein paar recht niedergeschlagen wirkenden Mannschaftsdienstgraden, die vermutlich die andere Schicht vorgezogen hatten, die erste Fruhstucksschicht.

Blieb das Problem, was sie tun sollten, wahrend die zweite Schicht die Messe benutzte. Da der Raum au?erst knapp war, verbrachten sie die Zeit gewohnlich damit, sich drau?en im Flur an die Wand zu lehnen. Cally genehmigte sich dann meist eine zweite Tasse Kaffee oder spielte gegen Pryce Space Invaders. Sie hatten festgestellt, dass sie beide gro?en Spa? an sehr fruhen Computerspielen dieser Art hatten. Er hatte angeboten, ihr seine Spielesammlung zu zeigen, sobald sie auf Titan gelandet waren. Sie hielt

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