einem Kafig ubrigens, uber den man eine Decke gelegt hat. Na ja, immerhin hat der Kafig elektrisches Licht«, fugte er grinsend hinzu.

Die Landung war eine Folge gedampfter Sto?e, und dann hatte sie bei einem Siebtel ihres gewohnten Gewichts das Gefuhl, sich auf dem Grund eines Swimmingpools zu befinden.

»Und jetzt kommt der Augenblick, wo wir fur unsere warmen Seidenuniformen dankbar sein werden«, sagte er.

»Wie kalt ist es denn?«

»Drau?en? Etwa minus einhundertvierzig Celsius. Im Rohr zur Kuppel ein paar Grad unter Null.« Er schnallte sich los und stand auf.

»Brrr.« Sie schauderte. »Und die konnen das nicht warmer machen?«

»Tun sie nicht.« Er zuckte die Achseln. »Eine Frage der Sicherheit. Der ganze Stutzpunkt ist auf verschiedenen Eisschollen gebaut. Eine der gro?ten Herausforderungen fur unsere Ingenieure, abgesehen vom Uberdruck, besteht darin, Hitzelecks zu minimieren, die den Boden unter uns destabilisieren konnten.«

»Konnten die das denn nicht isolieren? Oder schweben?« Beim Aufstehen musste sie nach hinten greifen und sich an der Stelle unten an der Wirbelsaule kratzen, die standig wehtat.

»Oh, die isolieren schon, Ma’am. Das konnen Sie mir glauben. Diese Plattform und der Stutzpunkt selbst stehen etwa funfzehn Meter uber dem Boden, damit darunter die Luft zirkulieren kann. Auf kurze Zeit kann man auf dem Boden bauen, und bei Forschungsfahrzeugen ist das auch gar kein Problem, weil die sich bewegen. Aber man kann nicht ein paar Jahrhunderte lang einen gro?en hei?en Fleck aufs Eis stellen. Eine Weile hat man an Schwimmkonstruktion gedacht, die Idee dann aber wieder verworfen. Es hat etwas mit Gravitationseffekten und der Stabilitat zu tun.«

»Das ist alles Eis? Ich meine, ohne Felsen darunter?« Sie sah ihn an, als ware ihr das vollig unvorstellbar.

»Ein wenig. Aber nicht genug«, sagte er.

»Und konnen die Krabben nicht etwas mit der Schwerkraft machen?«

»Klar konnen sie das, und sie haben es auch getan, fur die Basis selbst. Ich glaube, bei der endgultigen Konstruktionsentscheidung haben Kostenerwagungen eine gro?e Rolle gespielt.« Er lie? ihr mit einer Handbewegung den Vortritt in den Mittelgang.

Die Kalte traf sie voll ins Gesicht und an der Nase, und sie konnte ihren Atem sehen, als sie mit den anderen Passagieren durch die Rohre in die Hauptkuppel der Basis Titan gingen. Es roch ein wenig wie an einer Tankstelle.

»Was ist das fur ein Geruch?« Sie rumpfte die Nase und machte eine unbestimmte Handbewegung.

»Undichtigkeit. Bei so viel Uberdruck ist das nicht zu vermeiden. Die hatten das lecksicher machen konnen, aber es hatte eine Menge mehr gekostet. So ungefahr habe ich das gehort.« Er griff nach ihrem Ellbogen, als sie eine rote Linie auf dem Boden uberschritten und plotzlich wieder die volle Schwerkraft einsetzte.

Sie hatte damit gerechnet und keineswegs erwartet hinzufallen, aber plotzlich stolperte sie gegen ihn, und ihr Ellbogen prickelte an der Stelle, wo er sie beruhrt hatte, als ob sie gerade einen elektrischen Schlag bekommen hatte. Plotzlich war sie kurzatmig und wurde tatsachlich rot, als er sie stutzte und am Fallen hinderte. Was in drei Teufels Namen? So attraktiv ist er doch nicht. Okay, er riecht recht gut. Korrektur. Sehr gut. Na und? Mein Gott, was stimmt nicht mit mir? Das muss die Aufregung meiner ersten Weltraumreise sein. Wer hatte das gedacht?

Als sie die Rohre verlie?en und durch die Schleusentur den Shuttle-Hafen und anschlie?end durch die doppelten Glasturen die eigentliche Ankunftshalle betraten, wurde es deutlich warmer, aber sie konnte immer noch ihren Atem sehen. Die Luft fuhlte sich schwer, kalt und druckend an.

Eine Anzahl auf alt gemachter Analoguhren an der Wand zeigten die Lokalzeit und die Zeit in verschiedenen Zeitzonen auf der Erde an. Sie stellte verblufft fest, dass Lokalzeit und Lokal »tag« mit Chicago synchron waren, so wie das bei der Schiffszeit auf dem Kurierboot der Fall gewesen war. Wow, sie brauchte nicht einmal ihre Uhr umzustellen.

Die Wande saumten kleine immergrune Baume in Pflanzkubeln. Dem Lieutenant musste ihr verbluffter Gesichtsausdruck aufgefallen sein, als er sich umwandte und sie durch eine Doppeltur in einen Raum fuhrte, bei dem es sich offensichtlich um die Bar des Shuttle-Hafens handelte.

»Es sieht nicht nur hubsch aus. Das gehort auch mit dazu, aber in erster Linie helfen die Pflanzen mit, Kohlenwasserstoff aus der Luft auszufiltern. Dass sie dabei in geringem Ma?e Sauerstoff abgeben, kommt noch hinzu«, sagte er.

In der Bar war es warm genug, dass sie die Handschuhe ausziehen konnten, und sie sah sich um, wo sie ihren Laptopbehalter fur einen Augenblick abstellen konnte. Er zog einen der hohen Barhocker mit Lehne fur sie heraus, faltete seine dunnen, aber warmen Handschuhe zusammen und stopfte sie in die Tasche im Futter seines Baretts.

Es war etwa drei Uhr nachmittags Greenwich-Zeit, und die Bar war mit Ausnahme des asiatischen Barkeepers, der seine Glaser polierte und sich ein Video ansah, leer. Als der Lieutenant ihren Mantel weghangte und sie auf den Hocker kletterte, hangte er das Glas, das er gerade ausgespult hatte, in das Gestell und kam zu ihnen heruber.

»Was darf ich Ihnen bringen?« Er nickte ihnen kurz zu, griff nach einem Tuch und wischte abwesend uber einen kleinen Wasserfleck auf seiner Bar.

»Zwei Irish Coffee, Sam, aber nicht zu viel Irish.« Er drehte sich zu ihr um. »Wurde es Sie uberraschen, Ma’am, dass hei?e Drinks hier recht beliebt sind?«, fragte er.

»Oh, schrecklich.« Sie lachte. »Warum? Ist es im Stutzpunkt auch so kalt?«

»Dafur habe ich zwei Theorien gehort. Die erste ist die konventionelle — um die Warmestrahlung zu minimieren. Der zweiten gema? hat jemand im Konstruktionsteam festgestellt, dass die Durchschnittstemperatur auf der Erde funfzehn Grad Celsius betragt, und danach entschieden, dass das die optimale Einstellung sei.« Er schob eine Augenbraue hoch, sah sie an und wartete.

»Die zweite Theorie hort sich gut an.« Sie lachte, nahm einen Schluck von ihrem Kaffee und stellte das Glas dann ab.

»Wissen Sie, als ich meinen Offizierskurs gemacht habe, hat man mir glaube ich nicht empfohlen, mich mit einer Alkoholfahne bei meinem neuen Vorgesetzten zu melden«, sagte sie.

»Ma’am, Beed ist echt ein alter Knacker, aber er stammt noch aus der Zeit, bevor man den Begriff ›politically correct‹ erfunden hat. Er halt ihn fur Spinnerei. Solange wir bei ihm nicht betrunken und dienstunfahig aufkreuzen, und das wird nicht der Fall sein, wird es ihm nichts ausmachen.«

»Na ja, immerhin ein Gutes an diesem neuen Einsatz.« Sie legte beide Hande um ihr Glas und nahm einen genie?erisch langen Zug. Sam machte verdammt guten Kaffee.

Nachdem sie ihr Gepack in der Gepackausgabe abgeholt hatten, hatten sie einen der Transitwagen bestiegen, die einzeln oder in Ketten auf horizontalen und vertikalen Schienen durch den Stutzpunkt verkehrten. Stewart trug neben seiner Tasche auch die des Captains und suchte einen abfahrtbereiten Wagen mit freien Platzen aus. Der Wagen gehorte zu einer Reihe, die offenbar eine Gruppe bildete, aber nicht korperlich verbunden war. Eine Leuchtflache uber dem vordersten Wagen gab den Zielort an: Fleet Strike Quadrant. Dem Verkehrsaufkommen nach zu schlie?en war der Shuttle von der Erde nicht der einzige gewesen, der gerade eingetroffen war. Ihre grauen Barette waren von hellblauen Infanterie Baretten umgeben, und Cally/Sinda blickte neugierig in die Runde. Pryce vermutete, dass sie bis jetzt noch nicht viele Soldaten im echten Einsatz zu sehen bekommen hatte, da sie ja in ihrer noch kurzen Laufbahn im Personalbereich eingesperrt gewesen war.

»Die Basis ist in vier einigerma?en gleich gro?e Sektionen aufgeteilt, Ma’am«, erklarte er. »Beiderseits von uns sind die Quadranten von Fleet und Transit, auf der anderen Seite befinden sich Ingenieurbau und Fleet Strike.«

»Ware es nicht sinnvoller, wenn der Shuttle-Hafen bei der Bauabteilung positioniert ware, ich meine, wegen des angelieferten Materials?«, fragte sie.

»Dort ist auch einer. Dies hier ist der Passagierhafen.«

»Also«, sagte sie und machte eine Bewegung mit ihrem PDA, »gibt es einen Plan dieses Standorts, den ich downloaden kann oder so etwas?«

»Ja, Augenblick, ich beame ihn Ihnen, Ma’am.« Er tippte ein paar Buttons an und richtete seinen PDA auf den ihren, damit sie downloaden konnte. »Das Quartier fur unverheiratete Offiziere ist markiert. Ihr Quartier ist

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