rot, meines blau eingezeichnet und das Buro grun.«

»Meine Unterkunft ist auf Ihrer Karte markiert?«, witzelte sie. »Was bedeutet das rot — Stopp?«

»Zumindest Gefahr, Ma’am.«

»Und unsere Arbeitsstelle ist sicher? Sie sind eine interessante Person, Lieutenant«, sagte sie. »Wie es aussieht, liegt das Offiziersquartier auf unserem Weg. Wahrscheinlich ist es am besten, dort unsere Taschen abzuladen, ehe wir uns melden.«

»Ja, Ma’am.«

»Keine Sorge, Lieutenant. Ich werde meine Tasche selbst reintragen. Sie brauchen die Gefahrenzone nicht zu betreten.«

»Danke, Ma’am.« Er drehte sich um und sah zum Fenster des Transitwagens hinaus, damit sie nicht sehen konnte, wie seine Augen sich verengten. Biest. Das war’s jetzt. Warte nur, Sinda Makepeace.

11

Montag, 3. Juni

Das Buro des Generals und das ihre befanden sich im Au?enbereich einer oberen Etage der Kuppel. Die Flure jener Etage hatten daher nicht die sonst ubliche selbstleuchtende Decke, sondern offneten sich vielmehr nach oben zu einer kaum bemerkbar gekrummten Kuppelpartie. Nicht, dass das irgendeinen Vorteil mit sich gebracht hatte. Im Augenblick war es beinahe Mittag auf Titan, und der Himmel au?erhalb der Kuppel zeigte sich in einformigem, dunklem Orangebraun. Der oberste halbe Meter der Wande war naturlich mit Leuchtfarbe gestrichen, die, um die durch den fehlenden Raum im Deckenbereich reduzierte Beleuchtung auszugleichen, heller eingestellt war als im ubrigen Stutzpunkt.

Falls irgendein Angehoriger der Architektur- oder Wartungsteams auch nur einen Funken Talent fur Innendekoration gehabt hatte, hatte er sich alle Muhe gegeben, das zu verbergen, jedenfalls war das der Eindruck, den die in amtlichem GalPlas-Grun gehaltenen Wande mit ihren schlachtschiffgrauen Turen vermittelten. Neben der Tur, auf die sie gerade zugingen, gab es ein Schild mit dem Hinweis, dass sie zum Hauptquartier der Dritten MP-Brigade fuhrte. Der Leutnant musste sich ebenfalls beim General melden und war kurz vor ihr an der Tur eingetroffen; er zeigte seinen Ausweis vor, den die Tur automatisch mit seinem Profil im Speicher verglich, seine biometrischen Daten als korrekt erkannte und sie beide einlie?.

Drinnen gab es einen Empfangstisch und Schilder, die nach rechts zum CID und nach links zum Buro des Kommandierenden Generals wiesen. Hinter dem Schreibtisch sa? ein weiblicher Corporal, deren Namensschild sie als Anders identifizierte. Hinter dem Corporal zeigte ein gro?er Holoschirm an der Ruckwand einen Wasserfall — der Vegetation nach zu schlie?en auf der Erde.

»Captain Makepeace und Lieutenant Pryce, Corporal … Anders, nicht wahr? Wir sind hier, um uns zu melden und dem General unseren Antrittsbesuch abzustatten. Ich nehme an, er erwartet uns.« Cally erwiderte die Ehrenbezeigung des Corporal und wartete.

»Ja, Ma’am. Ich sage ihm Bescheid, dass Sie hier sind.« Sie griff nach ihrem PDA und forderte ihn auf, sie mit dem General zu verbinden.

»General Beed, Sir?«

Callys gesteigertes Horvermogen hatte keine Muhe, beide Teile des Gesprachs zu erfassen, und sie wartete mit ruhiger, hoflicher Miene.

»Sind die beiden da, Corporal? Gott sei Dank. Ohne eine vernunftige Sekretarin ersticke ich hier beinahe im Papierkrieg. Schicken Sie sie her.«

»Yes, Sir. Ende Gesprach.« Sie stellte den PDA weg.

»Sie konnen nach hinten gehen, Ma’am, Sir.« Mit einer leichten Kopfbewegung wies sie in Richtung auf das Buro des Generals.

Cally ging an dem Corporal vorbei und anschlie?end an einigen verschlossenen grauen Turen entlang den Korridor hinunter zum Buro des Generals, Pryce hinter ihr her. Das Licht unter dem Namensschild zeigte an, dass die Tur nicht versperrt war, und deshalb schob sie sich auf Callys Handbewegung hin zur Seite. Sie trat ein, ging bis zu dem Schreibtisch, nahm Haltung an und salutierte. Da die Dienstvorschrift verlangte, dass sie den Blick funfzehn Zentimeter uber den Kopf des Generals richtete, musste sie ihn und den Raum, in dem er sich befand, mit ihrer peripheren Sicht studieren. Ein Kinderspiel.

Fur einen Offizier seines Alters sah Beed gut aus. Das dunkelblonde Haar und die tiefblauen Augen waren auf eine Stelle ein ganzes Stuck unterhalb ihres Gesichts gerichtet. Aber nach dem Flug zum Titan hatte sie sich daran allmahlich gewohnt. Sein Schnauzbart war vielleicht ein wenig affektiert, aber der Mann war muskulos und sichtlich gut in Form. Fleet-Seide war bei aller Dauerhaftigkeit nicht gerade das Material, das viel verbergen konnte. Ohne Verjungung hatte sie ihn vielleicht fur vierunddrei?ig gehalten. Mit Verjungung musste er sich bereits in seinem zweiten Jahrhundert befinden. Nach galaktischen Ma?staben immer noch jung. Nicht so hei? wie Pryce, aber jedenfalls keine Beleidigung fur die Augen. Falls er auf die Idee kommen sollte, sie um den Schreibtisch herumzujagen, wurde sie wenigstens nicht mit Brechreiz oder dergleichen zu kampfen haben.

»Captain, was fur ein erfreulicher Anblick fur meine muden Augen.« Seine Hand wies mit einer weit ausholenden Bewegung auf seinen Schreibtisch, der mindestens funfzehn Zentimeter hoch mit Papieren aller Art bedeckt war, und das galt nur fur die Taler zwischen den hoheren Stapeln. Cally hatte alle Muhe zu verhindern, dass ihr die Augen aus dem Kopf traten. »Willkommen auf Basis Titan. Ihr Buro ist gleich drau?en links. Im Grunde sollten Sie mit allem vertraut sein, was wir hier tun, und ich habe mir schon erlaubt, den Corporal Aktenschranke und Aktendeckel und dergleichen bringen zu lassen. Ich habe einiges mit dem Lieutenant zu besprechen, aber das machen wir am besten, wahrend Sie eine Art Ablagesystem organisieren. Wie Sie das anstellen, ist mir egal, solange Sie es mir mit einfachen Worten erklaren und wir beide bei Bedarf alles finden konnen. Der Lieutenant und ich werden jetzt mindestens zwei Stunden weg sein, und das sollte fur Sie ausreichen, das Zeug hier wegzuschaffen, damit ich meine Schreibtischplatte wieder sehen kann.« Er sah sie erwartungsvoll an.

»Yes, Sir«, antwortete sie forsch.

»Gro?artig, Honey. Wenn Sie das hinkriegen, werden wir beide gro?artig miteinander auskommen.« Er blinzelte ihr tatsachlich zu und wandte sich an den Lieutenant. »Lieutenant, nach meiner Kenntnis sind Adjutanten von Generalen befugt, zwei goldene Fangschnure auf der Schulter zu tragen. Ein guter Offizier achtet immer exakt darauf, sich in korrekter Uniform zu prasentieren, verstanden?«

»Yes, Sir. Ich habe dafur keine Entschuldigung, Sir.« Falls uberhaupt noch moglich, wurde Pryce’ Haltung dabei noch eine Spur straffer.

»Ruhren. Lassen Sie uns von hier verschwinden und das Weitere Makepeace regeln.« Er hielt inne, musterte sie beim Hinausgehen von Kopf bis Fu?. »Sie achten korrekt auf Einzelheiten, Captain Makepeace. Sehr ordentlich.« Dann waren sie drau?en.

Cally starrte auf die Tur, als diese hinter den beiden Offizieren wieder in die Wand glitt, und kampfte dagegen an, laut aufzulachen. Und da zerbreche ich mir den Kopf, wie ich den Mann aus seinem Buro kriege, damit ich in aller Ruhe suchen kann. Sie schaltete die KI ihres PDA auf Stufe acht.

»Da ist etwas darauf aus, uns umzubringen, nicht wahr, Captain?«, sagte das Gerat.

»Achte auf die Umgebung, Buckley. Wenn sich jemand anderer als ich der Tur auf sechs Meter nahert, piepst du einmal mit mittlerer Lautstarke.«

»Okay. Nicht, dass das viel nutzen wurde.«

Sie stellte den PDA auf den Schreibtisch und schnaubte verargert, als ein kleiner Stapel Papiere herunterfiel und sich uber den Boden verteilte. Dann durchsuchte sie eilig die Schreibtischschubladen. Das ging besonders schnell, weil da nichts zu finden war. Ein paar leere Blocks und Kugelschreiber, die sie ohne etwas Brauchbares zu finden sezierte, anschlie?end wieder zusammensetzte und an den alten Platz legte. Dann schaltete sie den PDA wieder ein und machte sich an die Arbeit, die Papierberge zu sortieren und zu ordnen, die sie ohnehin hatte durchsuchen mussen.

Am Ende war sie nach den zwei Stunden, die Beed brauchte, um in sein Buro zuruckzukehren, noch nicht

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