Marke und Modell dem PDA der anderen Frau angeglichen. Aus der Sicht des Buckley war sie bereits Captain Sinda Makepeace. Der Wurfel im Leseschlitz hatte die einzige wichtige Information. Sie reichte Tommy ihren PDA und den von Makepeace und fuhr fort, die Zielperson anzukleiden, wahrend Tommy den anderen PDA dazu uberredete, seine Dateien dem ihren zu ubergeben. Dann offnete er die Flasche mit »Reinigungsflussigkeit«, lie? den Wurfel hineinfallen und reichte ihr ihren PDA zuruck.
»Und jetzt, denk dran, um Zugang zu dem Transmitter zu bekommen, musst du auf dein ›Photopak‹-Icon gehen, es offnen, Hilfe aufrufen und dann ein Foto ubertragen. Die Anwendung lasst dich dann alles ubermitteln, was auf deinem PDA oder im Wurfelschlitz steckt«, sagte er.
Sie war ihm behilflich, den Tatort schnell zu saubern und die jetzt namenlose Frau auf dem Karren unter Abfallen zu verstecken. Dabei musste sie vorsichtig vorgehen, um nicht weitere Flecken auf die Uniform zu bekommen. Die feuchte Stelle wurde, bis sie getrocknet war, schlimm genug aussehen. Und sie fuhlte sich klebrig an.
»Wir sehen uns auf Titan.« Sie druckte Tommy schnell die Hand und eilte hinaus.
10
Cally verlie? die Damentoilette, ging an Gra — dem zweiten Mann vom Reinigungstrupp — vorbei hinaus und wunschte ihm einen angenehmen Tag. Die mit dunkelblauem Kunststoff bezogenen Sitze und der dunkelblau und beige gemusterte Teppich der Abflughalle zeigten den Einfluss einer Dekorationsmodestromung von vor sieben Jahren. Makepeace hatte den Laptop neben ihrem Sitz stehen lassen. Callys Blick suchte die Lounge ein paar Sekunden lang ab. Da war er, neben dem tollpatschigen Kahlkopf, dem Himmel sei Dank. Er sah sie an, und sie zupfte kurz an ihrem rechten Ohr, ehe sie den Blick wieder abwandte und die Hand sinken lie?. Dann ging sie weiter und strich sich mit der linken Hand uber das Haar, so als ob sie nicht gewohnt ware, es hochgesteckt zu tragen. Beiderseits von ihrem Platz waren die Sessel leer, aber der Saal fullte sich allmahlich mit Reisenden. Sie setzte sich und klappte ihren Laptop auf. Da sie noch ein paar Minuten Zeit hatte, war das jetzt eine gute Gelegenheit, sich damit vertraut zu machen. Der Glatzkopf stand auf und ging weg.
Beim Booten des Computers konnte sie erkennen, dass er ein altes Betriebssystem hatte.
»Ist — ist dieser Platz besetzt?«, fragte er »Ja, es sei denn, Sie konnen sich die Augenbrauen lecken«, herrschte sie ihn an und benutzte die Hilfsmittel des Wurfels dazu, das Passwort und die Zugangsberechtigung des Laptops neu einzustellen.
Zu ihrem gro?en Arger lie? der Typ sich trotzdem auf dem Sessel nieder, und sie hatte sich gerade halb zu ihm herumgedreht, um ihn anzufauchen, als er ihr ins Wort fiel.
»Wie denken Sie denn, dass ich mir den Scheitel ziehe?«, sagte er.
Die Kinnlade fiel ihr herunter, und sie machte schnell den Mund wieder zu und erwiderte seine Ehrenbezeigung ein wenig benommen. Er war schmachtig gebaut und hatte glattes schwarzes Haar. Eine Strahne davon sah so aus, als wurde sie ihm standig in die Stirn fallen. Er hatte freundlich blickende, braune Augen und war viel zu jung. Aber was sie besonders uberraschte, war, dass dies der junge Mann war, dessen Bild man ihr bei der Einsatzbesprechung gezeigt hatte, der Adjutant von General Beed. Sie gab sich Muhe, sich nichts anmerken zu lassen.
»Tut mir Leid, dass ich so patzig war. Bin wohl ein wenig nervos. Konnen wir noch einmal von vorne anfangen? Ich bin Sinda Makepeace.« Sie streckte ihm die Hand hin.
»Joshua Pryce. Ihr erster Flug in den Weltraum, Ma’am?« Seine Hand fuhlte sich warm und trocken an.
Plotzlich wurde ihr bewusst, dass er immer noch ihre Hand hielt und dass sie ihn anstarrte. Sie riss sie ihm weg und wurde rot.
»Ah … ja, richtig. Man hat mich zur Basis Titan versetzt. Wahrscheinlich bin ich ein wenig nervos vor einem solchen Flug. Sie wissen schon, ringsum Weltraum und keine Luft zu atmen.« Sie schauderte. »Das setzt mir ganz schon zu.«
»Ihr Name kommt mir bekannt vor.« Er runzelte die Stirn, klappte seinen PDA auf und rief eine Liste auf. »Sagten Sie Sinda Makepeace, Captain?«
»Ja, allerdings.« Sie lachelte und legte den Kopf etwas zur Seite.
»Ich dachte mir schon, dass ich den Namen einmal gesehen habe. Wir haben auf Titan denselben Chef. Wurde mich gar nicht uberraschen, wenn wir am Ende im selben Buro arbeiten wurden, Ma’am.« Seine Augen losten sich von ihr. Eine Sekunde lang hatte es fast so gewirkt, als wurde er in ihre Seele starren.
»Oh, dann arbeiten Sie also auch fur General Beed?«, fragte sie mit einem strahlenden Lacheln.
»Ja, Ma’am.« Er sah sie mit ernster Miene an. »Wurde — wurden Sie weniger nervos sein, wenn ich es so einrichten konnte, dass ich auf dem Flug zum Raumschiff neben Ihnen sitze, Ma’am?«
»Ihre Gesellschaft ware mir sehr angenehm, Lieutenant Pryce.« Sie streckte sich, druckte die Schultern zuruck.
Die Weltraumfahrt, so wie die Foderation sie betrieb, sah so aus, dass man den Gro?teil der Reisezeit zwischen den Sternen im normalen Raum verbrachte, »Sublicht« hie? das fur den Laien, auf dem Weg zu den Ley-Linien oder Pfaden zwischen den Sternen, wo der Zugang zu den Hyperraumregionen viel bequemer war. Im Prinzip war es zwar moglich, sich von uberall Zugang zum Hyperraum zu verschaffen, aber das erforderte wesentlich mehr Energie, die Maximalgeschwindigkeit war geringer und der Austrittspunkt war mehr oder weniger Zufallssache. Das lie? zwar prinzipiell systeminterne Sprunge zu, aber eine verkehrsreiche Umgebung, wie sie bei der Titan-Basis gegeben war, verbot dieses. Demzufolge dauerte es zwar nur etwa sechs Monate, um von der Erde zu einem der bewohnten Planeten in einem relativ nahe gelegenen System zu kommen, die Innersystemreise zur Titan-Basis mit einem Kurierschiff der Foderation hingegen nahm reichliche acht Tage in Anspruch. Ihr Gluck war, dass sich Erde und Saturn im Augenblick auf derselben Seite der Sonne befanden. Bei maximaler Distanz dauerte der Flug wegen des erforderlichen Umwegs um die Sonne fast einen Monat.
Die Galaktische Foderation war bestrebt, eine genugend gro?e Zahl von Schiffen zwischen Erde und Titan im Einsatz zu haben, sodass es mindestens einen Flug pro Woche gab. Dies geschah nicht etwa aus besonderer Zuneigung zur Erde oder den Menschen. Im Gegenteil, die Menschen als die einzigen Fleisch fressenden Sophonten in der Foderation wurden im Allgemeinen bestenfalls als nutzliche Barbaren betrachtet, nutzlich insofern, als sie fahig waren, die Posleen von diversem Immobilienbesitz im Weltraum zu verjagen, den sie erobert hatten und den die Galakter zuruckwollten. Die recht dichte Schiffsfrequenz diente also weniger der Bequemlichkeit sondern sollte sicherstellen, dass Fleet und Fleet Strike nach Bedarf wichtiges Personal auch zwischen gro?eren Truppenverlegungen hin und her transportieren konnten.
Handgepack war an Bord des Shuttle nicht erwunscht. Die Flotte zog es vor, wenn alle beweglichen Gegenstande fest verzurrt im Laderaum verstaut waren. Als Cally mit Sindas Handtasche und ihrem Laptop an Borg ging, trug ihr das einen recht finsteren Blick des Piloten ein, der an der Tur stand, einem Fleet Captain in schwarzer Uniform. Ob sich dieser finstere Blick auf ihre Uniform bezog oder darauf, dass sie nicht nur einen, sondern sogar zwei Gegenstande bei sich hatte, wusste sie nicht. Sie reagierte darauf mit einem sonnigen Lacheln und flusterte dem Lieutenant, als sie vorbei waren, uber die Schulter zu:
»Der Captain sieht so aus, als ob er heute Morgen eine zweite Tasse Kaffee vertragen konnte.«
»Yes, Ma’am.« Pryce stolperte, ob nun uber eine Unebenheit im Boden oder die eigenen Fu?e, war ihr nicht klar, aber als er an sie anstie? und sich auf ihrer Schulter abstutzte, roch sie ein wenig Rasierwasser und
