schloss die Augen, um den ersten Bissen voll zu genie?en.

»Mmmm. Das schmeckt herrlich.« Sie schlug die Augen wieder auf und biss ein zweites Mal ab, und Stewart bemerkte, dass er sie nicht nur anstarrte, sondern dass er sich selbst nichts genommen hatte und die Pizza kalt werden lie?. Er legte sich ein Stuck auf seinen Teller und ruckte ihm mit Messer und Gabel zu Leibe. Ja, zu ihm wurde es passen, das ganze Stuck zu nehmen und sich etwas davon auf die Hosenbeine fallen zu lassen, aber das wurde einen peinlichen Flecken auf seiner Seide hinterlassen, und er hatte keine Lust, sich vor Sinda zum Narren zu machen.

Du bist zu alt fur sie, du Idiot, schalt er sich, aber trotzdem verzichtete er auf irgendwelche peinlichen Tollpatschigkeiten.

»So, Pryce, und was machen Sie fur den General, ich meine, abgesehen davon, dass Sie Neuankommlinge uber die Vorgeschichte seines Kommandos informieren?«

»Und Schnittchen herumreichen?« Er grinste.

Sie musste lachen, und dabei bewegte sie leicht den Kopf, und das Licht fiel auf ihr Haar. Er sah ihr in die Augen. Sich nicht ganz auf Makepeaces wirklich spektakularen Oberkorper zu konzentrieren, das erforderte ziemlich gro?e Willenskraft.

»Ich koordiniere die Wochenberichte der Agenten und die Dienstag- und Donnerstagsonderberichte uber wichtige Ermittlungen«, sagte er.

»Hei?t das organisiertes Verbrechen?«

»Jo, die Tongs.« Er nickte.

»Ich habe die Unterlagen gelesen, aber daraus konnte ich nicht entnehmen, weshalb ihr nicht einfach mit denen Schluss macht.« Sie hatte den Kopf etwas zur Seite gelegt und war jetzt ganz Wissbegierde.

»Das hat man versucht. Vor etwa zwanzig Jahren.« Wahrend er sprach, beugte sie sich vor, die Hande auf dem Tisch verschrankt, und lauschte gebannt. »Plotzlich kamen die Reisearrangements von Fleet Strike vollig durcheinander, es kam zu unmoglichen Verspatungen, zu Problemen mit der Schiffsverpflegung, und die Umweltbedingungen in den Quartieren fielen standig aus. Also hat der General von Fleet Strike mit dem General von Fleet gesprochen, und das Ende vom Lied war, dass wir die Tongs als legitime, burgerliche Organisationen behandeln und nur individuelle Mitglieder verhaften, die wir bei regelrechten Straftaten erwischen.«

»Okay.« Sie nickte, aber ihr leicht glasiger Blick lie? ihn argwohnen, dass sie noch nicht ganz verstanden hatte.

»Was haben sie dann hinsichtlich all der Probleme in der Flotte unternommen?«, fragte sie.

»Fleet hat sie gelost«, antwortete er langsam.

Sie nickte wieder, und er hatte alle Muhe, nicht laut aufzulachen.

Wenn dies eine normale Verabredung gewesen ware oder uberhaupt eine Verabredung, hatte er jetzt uber den Tisch gegriffen und ihre Hand gehalten, und dann hatten sie vielleicht eine zweite Runde Getranke bestellt und waren sitzen geblieben und hatten sich nach dem Essen noch eine Weile unterhalten. So sagte sie, sie habe noch Einkaufe zu machen, und er meinte, er habe in seinem Quartier noch einiges zu erledigen, und sie gingen getrennte Wege. Auf dem Transitwagen zu seinem Quartier sah er immer wieder ihr platinblondes Haar und die Lichtreflexe darauf und wie Sinda uber eine seiner scherzhaften Bemerkungen lachte, wie sie Schmolllippen bekam, wenn sie an ihrem Glas nippte. Und dann war die Fahrt schon voruber, als hatte sie uberhaupt keine Zeit in Anspruch genommen.

12

Cally offnete die Tur zu ihrem Apartment und trug ihre Einkaufe hinein. Dies war erst ihr zweiter Tag, aber das langweilige Grun der Wande und das graue Mobiliar gingen ihr schon jetzt auf die Nerven. Sie warf einen gro?en, roten Schal uber den hasslichen grauen Nachttisch aus Plastik, der zum Zimmer gehorte, stellte die Glasvase, die sie gekauft hatte, auf den Tisch und tat gelbe Seidenrosen hinein. Dann befestigte sie zwei Poster mit Einhornern und Pegasussen — oder hie? das Pegasi? — an den Wanden. Zugegeben, seltsamer Geschmack, aber sie hatte schon Bettdecken mit hasslicheren Motiven gehabt. Zumindest waren die Bilder farbenfreudig. Sie hatte sogar eines gefunden, das nicht in Pastelltonen gehalten war.

Was ist das fur ein widerliches Piepsen? Sie warf einen Blick auf ihren PDA, aber der war ganz friedlich. Sie sah sich im Zimmer um und stellte schlie?lich fest, dass das Gerausch aus dem Nachttisch kam, uber den sie ihren Schal geworfen hatte, und zwar aus der obersten Schublade. Oh. Das Telefon. Wieso rufen die nicht meinen PDA an? Der steht doch im Telefonverzeichnis … Oh. Der Papierfreak.

Sie holte das Telefon aus der Schublade und sah das rote Licht darauf, das im Takt mit dem Piepen an- und ausging. Einen Augenblick lang musste sie die Knopfe des Apparats studieren, bis sie den fand, mit dem man eine Nachricht abspielen konnte. Aber da war keine, und sie musste eine Weile mit weiteren Knopfen herumexperimentieren, bis sie schlie?lich die Kombination fand, mit der man das Telefon dazu veranlassen konnte, die Nummer des letzten Anrufers anzuzeigen. Sie las sie ihrem PDA vor und forderte ihn auf, die Nummer anzurufen. Dann wartete sie, bis jemand sich meldete.

»Hallo, hier bei Beed. Kann ich Ihnen behilflich sein?«, fragte eine Frauenstimme.

»Ah … ja, ich denke schon. Ist der General zu Hause? Ich bin seine Sekretarin und ich glaube, er hat versucht, mich zu erreichen.«

»Oh, sind Sie Captain Makepeace? Augenblick, ich hole ihn.«

Cally setzte sich aufs Bett, wartete und teilte dabei den Bildschirm ihres PDA, um die untere Halfte als Fernbedienung benutzen zu konnen. Auf dem Wurfel von gestern Abend wartete noch eine Ladung Filme, die sie noch nicht gesehen hatte. Der Wurfel war in der Handtasche der ursprunglichen Sinda Makepeace gewesen, als sie den Wechsel vorgenommen hatte, er gab also vermutlich ihren Geschmack an Filmen recht gut wieder. Sie lie? ihn anlaufen, um die Werbung am Anfang hinter sich zu bringen, und schaltete ihn dazu auf stumm. Bis der General sich schlie?lich meldete, musste sie noch ein paar Sekunden warten. Heutzutage nahmen die meisten Leute ihren PDA uberallhin mit. Nun ja, wenn sie kein AID hatten. So wie sie Beed kannte, war er wahrscheinlich mehrere Raume von dem entfernt, aus dem er angerufen hatte. Cally malte sich das Bild eines gro?en, schwarzen Telefons mit Wahlscheibe aus, das irgendwo auf einem Tisch stand, und musste an sich halten, um nicht laut aufzulachen, als schlie?lich seine Stimme ertonte.

»Hallo, Captain?« Es klang jedenfalls wie der General.

»Ja, Sir. Sie hatten versucht, mich zu erreichen?«

»Ah … ja. Ich wollte ein wenig Burokram aufarbeiten und dabei habe ich festgestellt, dass ich die Li-Akte brauche. Ich erwarte jetzt nur gerade einen anderen Anruf und kann deshalb nicht weg. Ich wei?, es ist eine Zumutung, aber hatten Sie vielleicht einen Augenblick Zeit, im Buro vorbeizuschauen und mir die Akte zu bringen? Ich store doch hoffentlich nicht gerade?«

»Nein, Sir, uberhaupt nicht. Ich bringe Ihnen die Akte gern«, schwindelte sie.

»Gut, gut. Ich hatte schon Sorge, dass das vielleicht ein ungunstiger Zeitpunkt ware, weil Sie vorher nicht da waren, als ich angerufen hatte. Ich dachte, Sie hatten vielleicht irgendetwas vor.« Seine Stimme klang fragend.

»Ja, ich bin gerade vom Abendessen nach Hause gekommen, Sir.«

»Ein bisschen spat, nicht wahr?« Offenbar wartete er auf so etwas wie eine Erklarung.

»Ja, Sir. Ich war noch ein wenig im Buro geblieben, um alles in Ordnung zu bringen, und dann musste ich noch Einkaufe erledigen.«

»Ah. Okay. Nun ja, wenn Sie kurz beim Buro vorbeischauen und mir dann diese Akte bringen wurden, Captain. Vielen Dank.« Ein Klicken war zu horen, als er das Gesprach beendete.

Sie starrte das Telefon ein paar Augenblicke lang an. Ist das zu glauben? Und er nimmt naturlich ganz selbstverstandlich an, dass ich wei?, wo er wohnt. Nicht, dass er nicht meinen PDA anrufen und mich sofort hatte erreichen konnen. Allmahlich glaube ich, dass die echte Sinda Makepeace bei dem Tausch besser weggekommen ist. Und ich muss ja in meiner Rolle bleiben, verdammt.

Die Adresse des Generals zu finden machte selbstverstandlich keine Muhe. Die Stutzpunktauskunft hatte kein Problem damit, seiner Sekretarin zu sagen, wo er wohnte.

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