Hinzukommen dauerte auch nicht lange, schlie?lich war es Dienstagabend und mitten in einer Schicht. Der Transitverkehr war schwach, und die MPs, die an der Transitstation fur das Brigadehauptquartier Dienst hatten, waren uberrascht, dass jemand so spat ankam, lie?en sie aber nach einem kurzen Blick auf ihren Ausweis durch.

Augenblicke spater schob sie die Akte in einen Umschlag, passierte beim Hinausgehen erneut die MP-Wache und nahm einen Transitwagen, der sie drei Etagen tiefer brachte.

Der Korridor, an dem hohere Offiziere von Fleet Strike wohnten, war nicht in amtlichem Grun gehalten. Die Turen waren auch nicht schlachtschiffgrau. Hier waren die Wande cremefarben und die Turen wedgwoodblau mit einem Streifen Tapete oben an den Wanden, die den Eindruck vermitteln sollten, dass dort geschnitzte Leisten angebracht waren. Der anthrazitgraue Teppichboden war dick und so weich, dass sie fast einsank. Insgesamt erinnerte sie das an Filme, in denen man Vorkriegshotels sehen konnte, wo Geschaftsreisende abstiegen, die ein knappes Spesenkonto hatten, aber nicht das Gefuhl haben wollten, in einer billigen Absteige zu wohnen.

Suite G eins-null-drei war etwa funfzig Meter von den Turen der Transitlinie entfernt. Sie hatte das ubliche elektronische Schloss und einen kleinen, leuchtenden Knopf in einer Messingplatte mit eingravierten Blattern.

»Captain Sinda Makepeace fur General Beed, bitte«, verkundete sie der Tur deutlich. Nichts geschah. Sie wartete und meldete sich dann ein zweites Mal. Immer noch nichts. Er konnte doch nicht … die hatten doch ganz sicher keinen … ach was, zum Teufel, ich versuch es. Sie druckte den Knopf und horte aus dem Inneren des Apartments sofort ein Klingeln. Die haben doch tatsachlich ein Loch durch das GalPlas gebohrt, um das verdammte Ding zu installieren.

Als die Tur sich zur Seite schob, schlug ihr ein unverkennbarer Hauch von Herrenkolnisch entgegen. Beed stand im Eingangsflur, machte aber keine Anstalten, den Umschlag von ihr entgegenzunehmen.

»Ah, gut. Sie haben die Akte. Falls es Ihnen nichts ausmacht, ware ich Ihnen dankbar, wenn Sie reinkommen wurden. Vielleicht brauche ich Sie noch. Es macht Ihnen doch nichts aus, oder?«

»Nein, Sir, naturlich nicht, Sir.« Sie trat ein, und die Tur schloss sich hinter ihr. Es hatte vielleicht wie eine Frage geklungen, aber sie erkannte einen Befehl, wenn sie einen horte. Au?erdem wurde sie auf die Weise vielleicht das Problem mit ihren uberschussigen Hormonen losen konnen und zugleich mit ihrem Auftrag ein Stuck weiterkommen. Insgesamt gar nicht so schlecht.

»Eigentlich habe ich die Akte gar nicht gebraucht.« Er sah ihr in die Augen und wandte den Blick nicht von ihr, als er nach dem Umschlag griff und ihn auf ein kleines Tischchen neben der Tur warf.

»Das habe ich auch nicht angenommen, Sir.«

»Horen Sie auf mit dem Sir, Sinda. In der Offentlichkeit, ja, aber … hatten Sie gern ein Glas Wein?«

»Nur, wenn es kein hiesiger ist, danke. Wenn die Luft so auf Kaffeebohnen wirkt, hatte ich wirklich Sorge, was sie mit armen wehrlosen Trauben anrichten kann.«

»Nein, er ist von der Erde. Ein schoner Chardonnay aus Kalifornien. Er wird Ihnen schmecken.« Er fuhrte sie aus dem Foyer ins Wohnzimmer. Auf dem Couchtisch standen ein Eiskubel mit einer gekuhlten Flasche Wein und zwei Glaser. Beed entkorkte die Flasche, schenkte mit eleganten Bewegungen ein, reichte ihr ein Glas und prostete ihr zu. Er hatte Recht. Der Wein schmeckte vorzuglich.

»Verzeihen Sie die Frage, aber wo ist Mrs. Beed heute Abend? Und wenn ich nicht ›Sir‹ sagen soll, was dann?«

»Meine Freunde nennen mich Bernie. Und Mrs. Beed ist mit ein paar von den anderen Frauen im Kino. Anschlie?end trinken sie noch einen Schluck. Sie wird fruhestens um null einhundert wieder hier sein.«

»Ich — ich habe das noch nie gemacht.« Sie nahm einen gro?en Schluck aus ihrem Weinglas und senkte die Augen.

Er stellte sein Glas weg, nahm das ihre und stellte es neben das andere; dann trat er einen Schritt vor, bis er sie fast beruhrte. Er griff ihr unters Kinn, beugte sich vor und kusste sie.

»Ich glaube, mir wird es gro?en Spa? machen, es dir zu erklaren«, sagte er.

Sein Mund schmeckte nach Pfefferminz, und sein Schnurrbart kitzelte sie an den Lippen, als sie ihm beide Hande um den Nacken legte. Seine Hande spielten mit ihren Brusten, und ihr Atem ging schneller. Sie druckte sich an ihn.

Dann tasteten seine Hande nach den Verschlussen ihrer Seidenkombination, offneten sie vorne, sodass man die wei?e Spitze ihres BHs sehen konnte. Eine Hand glitt uber ihren Rucken, druckte sie fester an sich, wahrend die andere ihre Brust liebkoste. Sie presste sich gegen ihn, krallte die Finger in sein Haar, als sein Mund an ihrem Kinn entlang uber ihren Nacken glitt, wahrend sie sich immer fester an ihn druckte. Okay, das wird gar nicht so schlimm. Mhm … mhm … ja, hier.

»Nicht hier«, murmelte er dicht an ihrem Ohr. Sie lie? zu, dass er ihre Hand nahm und sie uber den Flur in ein Schlafzimmer fuhrte. Es roch ein wenig staubig, wie ein Gastezimmer, und alles sah zu ordentlich, zu perfekt aus. Und zu feminin. Das Schlafzimmer eines Ehepaars sollte niemals eine Tagesdecke mit rosa Blumchenmuster haben. Sie legte den Kopf etwas zur Seite, um ihn zu kussen, wahrend er die Seidenkombination von ihrer Schulter schob, sodass ihre Hande jetzt frei waren, um ihn an den Huften zu packen. Betont langsam schlangelte sie sich aus ihrer Uniform, lie? sie zu Boden gleiten, wo sie als kleines Haufchen liegen blieb, und begann dann am Verschluss seiner Uniform ein wenig herumzunesteln, bis er schlie?lich aufging, sodass sie jetzt beide Hande an seinen Rucken pressen konnte.

Sie ging mit, als er sie aufs Bett druckte, uber ihr liegend, aber das Gewicht auf Hande und Zehenspitzen stutzend. Wahrend sie einander kussten, half sie ihm aus seiner Uniform, und er schob die Hand unter ihren Rucken, um ihren BH zu offnen. Als der dann weg war, lehnte er sich einen Augenblick lang zuruck, um sie anzusehen. Manner taten das immer. Sie lachelte und zog ihn wieder zu sich herunter. Seine Brust war glatt und haarlos, so glatt wie sein Kinn, und sie uberlegte kurz, ob er sie mit Enthaarungsschaum behandelt hatte, entschied dann aber, dass es ihr eigentlich gleichgultig war. Sie wollte ihren Spa? haben, das hatte ihr auch der Arzt verschrieben, und so wie es aussah, wurde sie auch ihren Spa? haben.

Nachher half sie ihm die Laken wechseln und das Bett frisch zu beziehen. Sie dachte, damit wurde er sich verraten, aber als er die sauberen Laken herausholte, waren sie genau gleich wie die, die sie gerade abgezogen hatten.

»Werden die deiner Frau nicht auffallen?«

»Ganz sicher nicht. Die sind gleich wieder sauber und im Schrank. Ich bin nicht total gegen moderne Technik, Sinda.«

Er war jetzt offenbar ein wenig verlegen, reizbar, so als wisse er nicht recht, woruber er mit ihr reden sollte. Sie verabschiedete sich unter einem Vorwand und ging. In dieser Stimmung war das nicht der richtige Augenblick fur intime Kopfkissengesprache. Vielleicht das nachste Mal. Zum gro?ten Teil hatte sie ja das bekommen, wozu sie gekommen war. Immerhin etwas. Tee und Sympathie im Buro und dafur sorgen, dass er sich wohl fuhlte. Und dann hatte sie ja auch noch den Wurfel. War ja immerhin moglich, dass etwas Brauchbares darauf war. Das Problem bestand ihrer Meinung nach darin, dass der General moglicherweise mit irgendjemandem zusammenarbeitete, also galt es, alles genau zu uberprufen.

Und dann musste sie sich naturlich noch melden. In der guten alten Zeit, wo nur Menschen gegen Menschen standen, war ein personliches Zusammentreffen das Gefahrlichste, was es fur einen aktiven Agenten gab. Aber die Erfahrung der Bane Sidhe hatte da zu anderen Erkenntnissen gefuhrt. Die Erfahrung der Darhel mit elektronischem Zauberkram hatte sie schon vor Jahrtausenden zu der Erkenntnis gebracht, dass personliche Treffs die gro?tmogliche Sicherheit boten. Moglicherweise wurde die menschliche Fertigkeit in elektronischer Kriegfuhrung eines Tages die der Darhel ubertreffen, aber bis jetzt war das noch nicht der Fall. Demzufolge wurden kritische Informationen nur dann auf elektronischem Wege ubermittelt, wenn es absolut keine andere Alternative gab.

Sie wurde jetzt die Transitlinie benutzen, um damit zum Korridor zu gelangen und hatte keine Muhe, einen Wagen zu finden, der in ihre Richtung fuhr.

Auf der zweiten Etage von unten, auf der Seite, die von der Flotte benutzt wurde, gab es eine Sportbar, in der sich eine solide Mischung aller Kreise auf Titan mit Ausnahme von Kolonisten, Touristen und Nicht-Menschen versammelt hatte. Die Bar war bei ihrer Klientel sehr beliebt, weil die Getranke relativ billig, das Essen gut und nahrhaft und die Spiele im Tank so lebensecht wie moglich waren, wenn man bedachte, dass sie als Teil der normalen Erde/Titan-Bandbreite per Richtstrahl ubertragen wurden. Sah man genauer hin, konnte man vermutlich bemerken, dass Leute dazu neigten, mehr zu trinken, wenn die Getranke billig waren, dass Betrunkene dazu neigten, riskanter zu spielen, und dass das Etablissement einen sehr bequemen Zugang zu einem speziell fur das

Вы читаете Callys Krieg
Добавить отзыв
ВСЕ ОТЗЫВЫ О КНИГЕ В ИЗБРАННОЕ

0

Вы можете отметить интересные вам фрагменты текста, которые будут доступны по уникальной ссылке в адресной строке браузера.

Отметить Добавить цитату