»Ich wurde die Einladung annehmen, wenn wir nicht in derselben Einheit waren«, sagte sie, erwiderte seinen Blick und sah dann weg, »und wenn ich nicht annehmen wurde, dass ich heute Uberstunden machen muss.«

Er griff ihr unter das Kinn, zog ihren Kopf sanft zu sich herum und sah ihr in die Augen. Sie hielt seinem Blick einen Augenblick lang stand, auch wenn sie das Gefuhl hatte, dass der Augenblick eine Stunde dauerte, vielleicht sogar ein Jahr.

»Okay.« Er nickte, und irgendwie hatte sie das Gefuhl, dass er verstand. Sie wusste nicht, wie das sein konnte oder woher er es wusste, aber sie wusste es dennoch.

An diesem Abend lud General Beed sie nicht zu einem Arbeitsessen ein. Er kehrte auch nicht am Nachmittag ins Buro zuruck. Stattdessen rief er im Buro an — eine weitere Exzentrizitat! Sie hatte ein echtes Telefon auf dem Schreibtisch stehen, wo sie doch einen perfekt funktionsfahigen PDA hatte, den sie stets bei sich trug, wenn sie nicht an ihrem Schreibtisch war! Er forderte sie am Telefon auf, einen Bissen zu Abend zu essen und dann die Urlaubsakte mitzunehmen; danach fragte er sie, ob es ihr recht ware, wenn er zwischen zwei Besprechungen vorbeikame, um die Anderungen zu redigieren und zu genehmigen, damit sie das Dokument dann fur eine Sitzung am fruhen Donnerstag fertig machen und ausdrucken konne. Sie hatte naturlich zugestimmt. Aber sicher, General, Liebster. Du bumst mich, und dann werde vielleicht ich dich bumsen.

Und da sa? sie jetzt, bei Super Burgers, mit einem Double-Deluxe-Cheeseburger, Pommes, einem doppelten Erdbeershake und einem Umschlag und genoss die fluoreszierenden GalPlas-Dekoration in Orange und Salzsauregrun, wahrend sie sich das Essen in den Mund stopfte, ehe sie in ihre Wohnung zuruckkehrte, um dort zu versuchen, mit ihrer eigentlichen Aufgabe voranzukommen. Oh, gro?e Freude. Er sieht ja nicht schlecht aus und ist auch im Bett gar nicht so schlecht, wenn er nur ein wenig mehr Feingefuhl hatte.

Die schrille Dekoration des Restaurants tat ihre beabsichtigte Wirkung, und sie a? schnell zu Ende, ging, und stopfte beim Hinausgehen die Abfalle durch den Schlitz. Im Transitwagen auf der Fahrt zu ihrem Quartier rief sie die Zimmersteuerung auf ihrem PDA auf und schaltete Beleuchtung, Temperatur und Hintergrundmusik so, dass sie die richtige Stimmung wiedergaben. Entspannt war gut.

Sie war noch nicht lange zu Hause, als er eintraf. Sie hatte in Erwagung gezogen, ihre Fleet-Seide gegen etwas Bequemeres zu vertauschen, das etwas verfuhrerischer war, war dann aber zu dem Entschluss gelangt, dass das nicht zu ihr passte. Und das war auch gut so. Beed war ihr nicht ausgesprochen unsympathisch, und er war immerhin besser, als ganz allein zu sein. Und schlie?lich wollte sie ja herausfinden, was er wusste. Trotzdem fuhlte sie sich wohler, wenn sie sich mit ihm in der gewohnlichen Uniform ihrer Tarnidentitat traf. Ein Neglige ware da wirklich eine Spur zu personlich gewesen. Was eigentlich seltsam war, denn normalerweise ware sie inzwischen so tief in ihre Rolle eingetaucht, dass sie sie bewusst gar nicht mehr als Tarnung empfunden hatte.

Als er durch die Tur trat und sie hinter sich zugleiten lie?, strich sie sich, ganz Sinda, mit einer Hand uber das Haar. Das erinnerte sie daran, wer sie war, als sie scheu, aber mit zunehmendem Eifer seinen Kuss erwiderte.

Ein paar Minuten spater, als sie sich mit ihm durch einen weiteren Stellungswechsel walzte, musste sie an sich halten, um nicht laut aufzulachen. Okay, heute ist also Akrobatiknacht. Warum mussen das Manner immer tun? So ist das immer beim ersten oder zweiten Mal, sie ziehen immer die gleichen verdammten funf Stellungen durch, als wollten sie demonstrieren, wie weltgewandt, gerissen oder gebildet sie sind oder was auch immer. Die Augen leicht geweitet, naturlich habe ich das noch nie zuvor getan. Zuruck in die Rolle, muss da mitmachen, ich … wurde … das wirklich … nicht gern turken. Mhm … das ist gut … okay … das funktioniert … wir wollen nett und begeistert sein, damit er wei?, dass es funktioniert. »Oh. O Gott, das ist gut! Herrgott … bitte, bitte, bitte, nicht aufhoren … ah … ah … ah …« Okay, jetzt … kapiert er’s. Yeah, gut. Okay, jetzt bist du dran, los geht’s, ja, naturlich hast du mir das beigebracht, du bist ein ganz gro?er Hengst. Klar hast du das. Komm schon, komm schon … so. Gut. So und jetzt ist die Frage: Bist du jetzt genugend entspannt?

»Oh, Bernie, danke. Das war gut.« Sie schmiegte sich an ihn, kusste ihn auf die Brust und strich ihm dann mit den Fingern daruber, wahrend sie sich an seine Schulter kuschelte.

»So habe ich das noch nie erlebt. Ich habe da ein Gefuhl von, ich wei? nicht … Autoritat vielleicht. Ich wei? nicht, es klingt vielleicht ein bisschen albern und …« Sie lie? die Finger uber seine Brust spazieren, »es war einfach herrlich.« Sie druckte ihn an sich, lachelte halb benommen und gab ihm wieder einen Kuss auf die Brust.

»Oh, ich glaube nicht, dass das — wie hast du gesagt? — alltaglich ist.« Er legte die Hand uber ihre Brust und spielte mit ihren Nippeln. »Du bist eine sehr einfallsreiche Frau, Sinda. Ich finde das bezaubernd.«

»Du«, sie kusste ihn auf die Brust, wanderte langsam tiefer, »schmeichelst mir.« Sie begann seine Haut zu lecken, ihn zu kussen, genug um ihn abzulenken, aber nicht genug, um ihn atemlos zu machen.

»Man braucht nicht viel Intuition, um zu wissen, dass du ein General bist, General.« Ihre Zunge wanderte im Kreis um die Falte, wo sein Schenkel an der Hufte ansetzte. Aber ein wenig Schmeichelei ist schon in Ordnung. »Ich mag das. Ist das, ich meine, ist das gut so, wenn ich das tue? Es macht dir doch nichts aus? Sag mir, du wei?t schon, ob ich es richtig mache.«

»Genau richtig machst du es, Su?e. Lass einfach deiner Fantasie freien Lauf. Nur … ah … nicht die Zahne, ja?«

»Mhm … kein Problem.«

»Hab ich … habe ich das … richtig gemacht?« Das klang unsicher, klang nach nervosem, kleinem Madchen, als sie sich wieder an ihn kuschelte.

»Und ob«, hauchte er. »Du solltest immer auf deine Intuition vertrauen, ganz besonders im Bett. Wei?t du, ich bin nicht blo? irgendein beliebiger General.« Sein Brustkasten weitete sich ein wenig. »Generale gibt es zu Dutzenden. Ich habe diesen Posten bekommen, weil man mir ein sehr wichtiges Projekt anvertraut hat.« Er schmunzelte, strich ihr ubers Haar. »Du bist doch keine Spionin?«, witzelte er. »Und im Ubrigen … ich hab dir ja auch gar nichts gesagt. Blo? deine Intuition bestatigt.« Er kusste sie leicht auf die Stirn, ehe er die Beine uber den Bettrand schwang.

»Musst du schon gehen?« Sie lie? den Finger an seiner Hufte entlangwandern. Er griff nach ihrer Hand, hob sie an die Lippen und lie? sie dann wieder sanft heruntersinken.

»Ich furchte schon. Clarice wird … unangenehm …, wenn ich uber Nacht wegbleibe.«

Sie sah ihm scheinbar fasziniert zu, wie er sich anzog, wie er sie kusste, wie er ging. Als die Tur sich hinter ihm zuschob, schaltete sie den Filter neben ihrem Bett ein und zundete sich eine Zigarette an.

»Licht aus.« Sie sa? mit dem Rucken an die GalPlas-Wand gelehnt, die als Kopfteil des Bettes diente, die Augen offen ins Leere blickend, wahrend die Glut ihrer Zigarette Schatten auf die Wande warf.

Donnerstag, 6. Juni

Am Donnerstagvormittag kam Pryce in ihr Buro, als der General indisponiert war. Den Jungen sollte der Teufel holen. Man sollte meinen, meine Hormone hatten sich jetzt nach zwei naheren Begegnungen mit dem General in ebenso vielen Tagen einigerma?en beruhigt. Niemand sollte so gut riechen durfen. Das sollte … ich wei? nicht … verboten sein oder so was.

»Was gibt’s, Pryce?«

»Ich habe blo? ganz kurz Zeit.« Er wandte sich von ihr ab, fuhr sich mit der Hand durchs Haar. So wie Beed auf Au?erlichkeiten versessen war, eigentlich keine gute Idee.

»Sie … investieren doch nicht zu viel, emotionell, ich meine ich, in Uberstunden … ich hoffe … verdammt noch mal, Makepeace, Sie sind einfach zu jung, und ich mochte nicht, dass Sie etwas verletzt!«

»Ich bin jung. Pryce? Hey?«

Er wandte sich um, stolperte dabei und wurde rot.

»Okay, freilich, aus meinem Mund klingt das d-d-damlich, aber … Sie sind einfach nett, Captain, und ich hoffe nur, dass Sie … aufpassen«, sagte er.

»Pryce, keine Sorge. Und ich bin auch nicht auf irgendwelche Gefalligkeiten aus. Horen Sie, abends langer

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